Professor C. Bezold, 1897-1921

VI.HA. Nachl. C. H. Becker. Nr. 6431

111. Bezold1 an C. H. B. Heidelberg, 27.8.1897

Sehr geehrter und lieber Herr Becker!

Anbei, in aller Eile, aber mit nicht weniger herzlichem Dank für Ihren freundlichen Brief, in dem mich besonders die Opport-Erzählung höchlichst ergözte, die versprochenen Empfehlungen:

  1. den geschlossenen Brief an Bürge, den Sie persönlich abzugeben suchen sollten (B. ist in London);
  2. die Empfehlung für den Reading Room, nur dann zu präsentieren, wenn B. eine verlangen sollte, was ich kaum glaube;
  3. eine Karte an King, auf der ich zum Jux in Keilschrift beifügte: lû suhmer ana kâsa adamis adannies – „Friede sei mit Dir, sehr, sehr“, d.h. die assyrische Grußformel;
  4. Mr. Russel Martineau, M.A., kenne ich, obwohl er sich meiner kaum erinnern wird, ganz gut; er ist im Printed Book Department, soviel ich weiß für Spanisch u.dgl., ist aber (wenn ich aufrichtig sein darf) am vergnügtesten, wenn man ihn in Ruhe läßt. So habe ich Ihnen keine Empfehlung an ihn geschrieben
  5. Der Superintendent des Manuscript Room, dessen Namen ich Ihnen neulich zu nennen vergaß, ist Mr. Bickley, ich kenne ihn nicht näher.
  6. Im Reading-Room würde ich ihnen, falls Sie ein ganz besonderes Anliegen haben, mich an Mr.Fortescue oder Mr. Wilson halten; beide kennen mich.
  7. Der Keeper des Manuscript-Departments (also Brüge entsprechend), ist Prof. Douglas, dem Sie mich allenfalls auch empfehlen können, ebenso seinen Assistenten Margolionth und Mr. Ellis, die letzten fünf alle nur für den Notfall.
  8. Grüßen Sie auch bitte sehr die Attendants von Bürge, besonders Mr. Jarois und Mr. Spencer von mir, so auch Mr. Seally, Micky und Grimmit!
  9. Demjenigen Attendant, der Sie hauptsächlich mit Handschriften usf. bedient würde ich 10-20 sh(illing) geben, je nach der Zeit die Sie bleiben; für 4-5 Wochen genügen 10 Mark, jetzt das so unter der Hand; denn offiziell sind keine Trinkgelder gestattet.

(In einem arabischen Text geht Bezold auf kalligraphische Unterschiede ein: dicke Schrift und flüchtige Schriftart,) die im 7. Jahrhundert neben der (wohl klassischen) um sich griff, aber vom Qoran ausdrücklich ausgeschlossen war; vgl. Sie Nöldeke, Geschichte des Qorans, Sure 329& 349, Notu.

Ein Boarding House weiß ich leider nicht, da unseres heruntergekommen ist; vielleicht kann Ihnen der liebenswürdige Luzae, den ich herzlich zu grüßen bitte, etwas sagen.

Und nun reisen Sie glücklich! Meine Frau erwidert Ihre Empfehlungen herzlich. Lassen Sie bald einmal hören, wie Sie drüben eingewöhnen. Seien Sie herzlich gegrüßt. C. Bezold.

 

112. C. Bezold an C. H. B. , London Heidelberg, 4.11.1897

Geehrter und lieber Herr Becker,

Hoffentlich sind Sie gut in Ihrem neuen Domizil eingetroffen!

Lagarde hat, wie ich bald nach Ihrer Abreise aus der von Gottheil verzeichneten Bibliographie seiner Werke ersah, den Psalmenkommentar von Barheb. Ediert; aber – keine einzige der Londoner HSS vermerkt (nur S.244, Note ist eine kurze Stelle aus Add. 14620 citiert). Es wird sich nun fragen, ob sich nicht doch eine Neuausgabe des ganzen Opus verlohnt, zumal L’s hebräische Transrciption wirklich nahezu ungenießbar ist. Ohne die Varr. (…) Texte zu kennen, kann ich das natürlich nicht entscheiden. Vielleicht könnten Sie gelegentlich auch einmal mit Geheimrat Sachau über die Sache reden!. Aber zu einer Dissertation haben Sie vollauf genug Material, wie Sie nach einem Blick auf die „Prätamissa“ sofort erkennen werden.

So leid es mir tut, daß Sie auf diese Weise vielleicht keine größere Textedition von der Londoner Reise einheimsen, so glaube ich doch, daß Sie von Ihrem genauen Copien viel gewonnen haben und daß sich Ihre Reise vollauf lohnen wird. Lagarde hat wie mir scheint (vgl. die Vorrede, p. iv) nicht einmal alle die von Ihnen gesammelten Dissertationen gekannt. Aber ich bitte Sie, besonders darauf zu achten, daß Ihnen jetzt aus der neueren und neuesten Literatur nichts mehr darauf bezügliches entgeht.

Anbei ein paar kurze Einführungen für Sie an Geheimrat Sachau und Professor Barth; bitte empfehlen Sie mich beiden Herren und ihren Gemahlinnen auch mündlich auf angelegentlichste!

Und lassen Sie bald einmal von sich und Ihren Arbeiten hören Ihrem Sie bestens grüßender

C. Bezold.


Promotion in Heidelberg


113. C. Bezold an C. H. B. (Heidelberg), 3.11.1899

Lieber Herr Doctor,

Zur gleichen Zeit wie Ihre Sendung der „Bibliotheca (unleserlich)“, für die ich bestens danke, kam beiliegende Karte von Goldziher.

Ich denke, damit können wir sehr zufrieden sein!-

Nun hoffe ich, daß Sie lauter schöne Zuschriften auf Ihre Arbeit bekommen; ebenso, daß Sie ein schönes Semester in B(erlin) verleben.

Mit besten Grüßen, auch von meiner Frau, Ihr sehr ergebener C. Bezold.

 

114. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 20.11.1899

Sehr geehrter und lieber Herr Doctor,

Endlich komme ich dazu, Ihnen für Ihren freundlichen Brief vom 16. d. M. zu danken und returniere beigeschlossen die fünf Schriftstücke der Arabisten, die Sie so freundlich mitsandten.

Ich glaube, Sie dürfen trotz aller Ausstellungen mit dem Resultat doch zufrieden sein; Arabisten wie de Goje gibt es eben nicht sehr viele! Und von Barth haben Sie ein schönes Lob erhalten! Das schließt natürlich nicht aus, daß Sie auch in der Öffentlichkeit einmal unsanft angerührt werden; besonders von den „Grünen Blättern“ hätte ich in dieser Hinsicht (weggelocht: weniger Verdruß?) – schon meinetwillen!

Wie ich über die Setzung von Hampe und Jastid denke, haben wir ja besprochen – gerade mit Bezug auf Brockelmann; bei dem Gedicht, dachte ich mir, wollten Sie die Vocalisation der Handschrift wiedergeben; anders natürlich die Ausgabe eines Dichters! „Unelegant“ käme es mir nur vor, wenn man eine Qoranstelle ohne volle Vocalisation wiedergäbe; (arb.Wort) ist mir neulich noch aufgefallen, schadet aber gewiß nicht!

Prof. Brünnow ist übrigens, wie mir neulich Geheimer Hofrat Zangemeister versicherte, in Vevey. Den Betrag Ihrer Rechnung hat mir Herr Baensch mitgeteilt, ebenso die Höhe der Manuscriptcopien!

Daß Sie so viele Sprachen – moderne und abgestorbene – zu beherrschen sich anschicken, darum könnte ich Sie fast beneiden. Schade aber, daß Sie den Baidáwí nicht hören können! Über das Factum der Fortsetzung Ihrer assyriologischen Studien berichtete mir heute Herr Prof. Dulitzsch (Berlin?).

Wir gehen und sehn dem Höhepunkt des Wintersemesters – 22. November – entgegen. Ich selbst habe das liebgewordene Docieren, Redigieren, Recensieren und Musicieren wieder aufgenommen; aber oft klingt noch die schöne Erinnerung an den Süden durch. Verschiedene nette Photographien aus Lugano – von Frau Dr. Jaffé – sind wohl auch Ihnen zugegangen.

Es hieße Eulen nach Athen tragen, wenn ich Ihnen – nach Ihrer deutsch-orientalistischen Centrale – etwas neues zu schreiben versuchte. Darum nur noch die besten Grüße, von meiner Frau und Ihrem stets ergebensten C. Bezold.

 

115. Neujahrskarte C. Bezolds an C. H. B., Gelnhausen München, 30.12.1899

Viel Glück 1900

Und dazu besten Dank für Ihren freundlichen Brief, sehr geehrter und lieber Herr Doctor, d.d.4. d. M.! Wir hatten stark gehofft, Sie zu sehn und am 20., als wir eine Stunde gegen Abend ausgingen, sogar das Gas brennen lassen, damit Sie bei Ihrem Besuch ev(entuell) ein erleuchtetes Zimmer bei uns vorfänden. Nun werden wir uns in diesen Ferien wohl kaum sehen, da wir erst am 7. Januar 1900 wieder nach H(eidelberg) zurückkehren wollen.

Mit der Verzögerung Ihres Artikels bin ich ganz einverstanden; ev(entuell) dann aber für’s nächste Heft! Daß Sie einen Aufenthalt bei Nöld(eke, Straßburg) wenn auch aufgeschoben, so doch nicht aufgehoben habe, freut mich. Über den hittitischen Fund in Babylon hatte mir Prof. Delitzsch schon vor längerer Zeit geschrieben,

Betr(effend) in Angelegenheit „B.“ ist zwar noch nichts definitives entschieden, aber es ist so gut wie sicher, daß er seine Stellung, auch die an der (arab.Text) aufgeben muß.

Alles schöne und gute für Sie zum kommenden Jahrhundert von meiner Frau und Ihrem stets ergebensten C. Bezold.

 

116. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 12.3.1900

Geehrter und lieber Herr Doctor,

Besten Dank für Ihre Ansichtspostkarten und Ihren freundlichen Brief vom 9. d. M.! Wir wollten im März sicher noch hier bleiben; Sie würden uns durch Ihren Besuch sehr erfreuen; was dann wird, Lugano oder Baden-Baden oder gar nicht, wissen wir selbst noch nicht. Natürlich schon jetzt vielen Dank für Ihre freundliche Einladung nach Gelnhausen!

Über Ihre Arbeiten freue ich mich sehr, mündlich mehr zu hören. Mit dem Artikel hat es noch 1-2 Monate Zeit, vielleicht noch länger; aber teilen müßten wir einen 4 Bogen füllenden Artikel jedenfalls.

Ich bin noch nicht dazu gekommen, einen „Kodak 2“, ein Weihnachtsgeschenk meiner Frau in Gebrauch zu nehmen.

How do you and your friend develop? Ich hoffe, leiblich, geistig und photographistisch aufs allerbeste!

Mit diesem Wunsche grüßt Sie, auch seitens der Gattin Ihr stets ergebenster C.B.

Anmerkung: Seybold schrieb mir, er würde Ihre „hübsche“ Arbeit kurz in WZKM besprechen.

 

117. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 5.6.1900

Sehr geehrter und lieber Herr Doctor,

Ihre liebenswürdige, heute morgens eingetroffene Einladung hat uns, meiner Frau und mir, nicht ganz wenig Kopfzerbrechens gemacht, da wir es gar nicht recht verantworten können, Ihre hochverehrte Frau Mutter, die uns noch gar nicht kennt, – und noch dazu zu zweit – ins Haus zu fallen.

Aber die Aufforderung ist so liebenswürdig, all das Schöne und Interessante, das Sie in Aussicht stellen, so verlockend, und vor allem die Hoffnung, auf diese Weise die persönliche Bekanntschaft Ihrer Frau Mutter zu machen, so erfreulich, daß wir nicht widerstehen können und deshalb übermorgen zu der von Ihnen bestimmten Zeit in Gelnhausen einzutreffen beabsichtigten.

Indem ich unserer Ankunft die angelegentlichsten Empfehlungen voraussende, und mit den besten Grüßen an Sie von meiner Frau und mir bin ich Ihr stets ergebenster C. Bezold.

 

118. C.Bezold an C. H. B. Heidelberg, 19.8.1900

Sehr geehrter und lieber Herr Doctor,

herzlichen Dank! Anbei der Schluß Ihres Artikels! Ich bitte die Correctur entweder morgen, Montags, hierher zu returniren, oder, falls Sie keine Zeit finden, in ein oder zwei Tagen nach Engelberg, Hôtel Engel. Ihre Separatabzüge lasse ich Ihnen dann seinerzeit (d.h. wenn der ganze Bogen 3 reingedruckt ist), wie verabredet, an Ihre Frau Mutter nach Gelnhausen expediren.

Zu Ihrer Reise in jeder Beziehung alles Glück! Werden wir ein oder das andere Mal etwas von Ihnen hören?

Hoffentlich haben Sie von Ihrem Herrn Schwager zufriedenstellende Nachrichten erhalten. Ihnen und all den verehrten Ihrigen sendet meine Frau herzliche Empfehlungen, und schließe mich mit besonderen Grüßen an Sie an Sie als Ihr stets ergebenster C.Bezold.

 

119. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 24.9.1900

Sehr geehrter und lieber Herr Doctor,

Ich beeile mich nun, meine Karte vom 19.d.M. aus Engelburg zu ergänzen:

A.Haffner (nicht Bittner!) hat, wie Sie mittlerweile wohl schon aus Brockelmann Lit I., S.105 ersehen haben, das (Arab.Wort) edirt. Er schreibt dort in der Einleitung:

  • „Ich beabsichtige, die noch mod(erneren) Worte al-Asmaris…zu ediren… Hierbei wollte ich mit dem Kitâb el-ibid beginnen. Herr Dr. R. Geyer hatte die Freundlichkeit, mich auf einer HS Kopenhagen aufmerksam zu machen, die ebenfalls das Kitâb el-ibid enthalte … habe ich Abschrift davon genommen…. Wenn ich es (arab.Wort) aber in Angriff nahm, wie das Kitâb el-ibid, geschah es, weil… die Verschiedenheit der beiden (arab.Wort) – das der Escurial-Bibliothek nimmt nur ungefähr den vierten Teil des hiesigen ein und weist auch inhaltlich große Differenzen auf – zunächst noch größere Schwierigkeiten bot …“

Sie sehen also, daß sich leider meine neulich geäußerte Befürchtung bestätigt hat. Dr. Haffners Adresse kenne ich nicht.

Beiläufig noch eine literarische Notiz für Ihre Pferdebuch-Studien. Zu Heffnés Ausgabe der K al-Zait von al-Asmaî hat D.H.Müller einen kleinen Aufsatz beigesteuert, der nicht einmal in Scherman’s O.B. steht: An Arabian book of the Horse from the 2nd century of the Hejra“, scheint’s in irgendeiner hippologischen Zeitschrift, deren genauen Titel ich nicht ersehen kann. Doc. Heinr(ich?) würde Ihnen ev(entuell) gewiß Aufschluß geben; auch können Sie seiner Zeit bei mir den Separatabzug einsehen.

Hoffentlich geht es Ihnen recht gut! Jetzt jährt sich bald unser römischer Aufenthalt, eine schöne Zeit!

Mit den besten Wünschen und Grüßen, auch von meiner Frau, Ihr stets ergebenster C-Bezold.

Nachtrag: Gestern erhielt ich von Nöldecke den II. Teil seiner „Früh Mittelalterzeit“.

 

120. C .Bezold an C. H. B., Napoli 2 Heidelberg, 24.11.1900

Sehr geehrter und lieber Herr Doctor,

Herzlichsten Dank dafür, daß Sie unserer immer so freundlich gedenken! Ich habe Ihre zwei Karten vom 2. und 19. d. M. ganz richtig erhalten und mit größtem Vergnügen daraus ersehen, daß Sie so schönes genossen haben. Glück auf zur weiteren Fahrt!

Nach der neuen Recension Ihres Buches hab ich gleich gestern auf der Bibliothek gefahndet, aber noch nicht erhalten. Die „Zeitschrift“ ist seit ein paar Tagen (endlich!) ausgegeben; also nun Ihr Artikel aller Welt zugänglich.

Guidi, die Ihre Adresse nicht kennt, ersucht mich die „ingraziarte da sua parte par l’amabile invio“

Seit Semesteranfang ist meine Übersetzung des (Arab. Titel) ganz fertig; jetzt arbeite ich täglich ein paar Stunden am Text – eine sehr langwierige Geschichte.

Seit ein paar Tagen ist (arab.Wort) Mitglied der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften! Brockelmann ist Extraordinarius in Breslau; Erlangen noch unbesetzt. Bitte empfehlen Sie mich Ihren Reisegenossen, und seien Sie herzlich gegrüßt von meiner Frau und Ihrem stets ergebenen C. Bezold.

 

121. C. Bezold an C. H. B., Kairo, Heidelberg, 3.3.1901

Sehr geehrter und lieber Herr Doctor,

Tag für Tag hatte ich die Absicht, Ihren lieben Brief vom 22. December v.J., der sich mit meiner Karte an Sie aus München vom 29.December kreuzte, zu beantworten; da kam neulich Ihre letzte freundliche Karte vom 7. Februar, aus der ich ersah, daß Sie Nachrichten erst wieder am 12.d. M. erreichen können; deshalb die späte Antwort!

Nun haben Sie vor allem für alle Ihre Nachrichten schönsten Dank! Was haben Sie nicht alles in wenigen Monaten schönes und interessantes gesehen und erlebt! Ich freue mich schon jetzt auf Ihre genauen mündlichen Berichte im Sommer.

Ihre mir namhaft gemachten Beiträge sind im letzten (weggelocht) (am 31. Januar an mich gelangten Heft der ZDMG3 noch nicht erschienen; nun hoffe ich aufs nächste Heft. Zum Aufstöbern der in Syrien befindlichen Kelti-Handschrift noch besonderes Glück!

Daß Sie Converstionsstunden nehmen, ist wohl sehr gut – neben allem anderen täglichen Gebrauch der Sprache.

Für Ihr freundliches Anerbieten von Büchereinkäufen herzlichen Dank! Ich fürchte, bis Sie diesen Brief erhalten, wird es für Sie zu spät, noch lange Besorgungen zu machen. Immerhin gebe ich Ihnen für den Fall, daß Sie etwas finden, was Sie für unser Seminar für nützlich halten Carte blanche bis zu Mark 100; mehr kann ich in diesem Jahr nicht gut aufbringen. Aber Sie haben ja die gute Absicht, das Land der Pharaonen bald wieder zu besuchen; eventuell nähme ich für mich selber etwas von dem Einkauf ab.

Ihre Wüstenexpedition muß herrlich gewesen sein! Die Gattin von Lebna Dengeler – er nahm nur eine einzige Frau – hieß „Ähre des Evangeliums“ (griech.Text); „Chronique de Galâdêwos“, ed. W.E. Conzelman (Paris 1895/Bouillon), p.4. (griech. Text).

Neulich schrieb mir Snouck aus Batavia: „…und danke ich Ihnen …für die Zusendungen…welche mich sehr interessiert haben; in der Zeitschrift namentlich Beckers Studien…!; auf dieses Dictum dürfen Sie – bei Snoucks bekannter Zurückhaltung – besonders stolz sein!

Daß Brockelmann nun glücklich die Breslauer und nun auch Jacob die Erlanger Professur erhalten hat, freut mich sehr. Wieviel Arabisch sich Meissner in Mesopotamien angeeignet hat, weiß ich nicht; aber ich teile natürlich bis zu einem gewissen Grade Ihre Bedenken; übrigens hat M(eissner) für seine bisherigen assyriologisch-philologischen Arbeiten entschieden eine Beförderung irgend welcher Art verdient.

Im übrigen haben die ersten Monate dieses Jahres noch nicht viel besonders Neues gebracht; ein sehr schönes äthiopisches Bilderbuch von Lady Meux-Bürge und Teil I und II (Text und Übersetzung) von Somi’s Diwan aus Centralarabien, herausgegeben von Stumme.

Wir stehen unter dem Zeichen der ernsten Trauer um den vorgestern vom Schlag gerührten Geheimrat Erdmannsdörffer, dem ich manchmal auch von Ihren Plänen (Habilitation etc.) erzählte; er wird morgen zu Grabe geleitet, ein betrübender Semesterschluß!

Nächsten Samstag wollen wir beide von hier direct (via Marseille) nach Tunis, dort ca. 10 Tage bleiben (kommen Sie doch ein bißchen rüber!!) und dann Sicilien kennen lernen; dann via Neapel, Rom, Lugano zurück. Etwaige Nachrichten erreichen uns bis ca. 23.d. M. in Tunis, Hôtel de Paris, oder kurz darauf Palermo, Hôtel Trinacria; ca. Mitte April in der bekannten via Frattina 119 in Rom.

Ich fürchte, in T(unis) trotz meines Studiums von „Stummer“ eine ziemlich „stumme“ Rolle zu spielen (on parle francais!), freue mich aber doch sehr, den Staub Europas einmal von den Füßen zu schütteln.

Ihr Verbindungsbruder Eisenlohr hat die Bilzis-Geschichte bei mir –ich glaube bis S. 12 – eingenommen.

Nun leben Sie wohl; viel Glück und gute Gesundheit zu Kommendem! Meine Frau grüßt Sie herzlich – ebenso wie Ihr stets ergebenster C. Bezold.

 

122. C.Bezold an C. H. B., Kairo……………………………..München, 16.3.1901

Sehr geehrter und lieber Herr Doctor,

Herzlichsten Dank für Ihre mir gestern zugegangenen freundlichen Zeilen! Ich glaube, Sie haben sich selbst schon den richtigen Weg vorgezeichnet: zunächst an die Botschaft in C(airo) schreiben, und, wenn – was ich nicht hoffe – Ihr Ansuchen dort auf energischen Widerstand stößt, Mitte October bis Mitte Nov(ember) dort zuzubringen.

Die Habilitationsangelegenheit wird Ihnen mit recht im Vordergrunde Ihrer Interessen stehen: ich selbst will gewiß gern alles nach Kräften beschleunigen, möchte aber ja nicht, daß irgendein Schritt zur Vorstellung berechtigt, als wollten Sie irgendwie hetzen, da dies unter Umständen in der Facultät einen nicht angenehmen Eindruck erwecken könnte.

Der vorläufigen und privaten Übersendung Ihrer Arbeit sehe ich gegen Mitte October gern und mit Spannung entgegen. Wir treffen wohl erst am 5. (Oktober) in H(eidelberg) ein, der Straßburger Philologenversammlung halber.

Zur glücklichen Rückkehr Ihres Herrn Schwagers aus dem Mittelreich4 unsere besonderen Glückwünsche! Dazu schönste Empfehlungen von meiner Frau und mir an Ihre verehrten Angehörigen und Ihnen selbst herzliche Grüße!

Ihr stets ergebenster C.Bezold.

 

123. C. Bezold an C. H. B., Kairo, Heidelberg, 27.10.1901

Sehr geehrter und lieber Herr Doctor,

Endlich komme ich, nach der neulich vorausgehetzten Karte, zur Beantwortung Ihres Briefes vom 20.d.M. Von Ihrer Arbeit habe ich noch nicht viel gelesen, da ich mit Geschäften geradezu überhäuft bin. Aber ich habe keinen Zweifel, daß sie so bleiben kann. Ich sende Ihnen beiliegend unsere Habilitationsordnung und ersuche Sie nun bald die Bedingungen des §1 zu erfüllen. Ihre Bewerbung mit Detaillierung der Beilagen 1, 2 usf. sei wie beim Doctor-Gesuch auf Foliobogen! Sie bewerben sich wohl darum, an der hiesigen Universität „über semitische Sprachen und Persisch“ oder „über semitische Sprachen, Persisch und Türkisch“ Vorlesungen halten zu dürfen? Oder über „orientalische Sprachen“ – was ein wenig zu viel sagen dürfte? (wegen Sanskrit, Egyptisch etc.). Übrigens würde auch „semitische Sprachen“ genügen, aber wie Sie wollen! Am Ende doch „semitische Sprachen und Persisch“. Als Beilagen würden Sie wohl senden: Maturitätszeugnis, Heimatschein, Bescheinigung über Militäruntauglichkeit, Abriß Ihres Lebenslaufes und Bildungsganges, Zeugnisse (Matrikeln!) der Universitäten etc. Lausanne, Heidelberg, Berlin; Doctordiplom; ferner extra angeführt die Drucksachen, nicht veröffentlichte Abhandlungen, Beitrag zum (unleserlich: Forschungsbericht?); ferner an Druckschriften: Dissertation, den Aufsatz in der Zeitschrift und was Sie sonst etwa noch haben: Alles!

Ich würde Ihnen raten, mir („dem Decan“) dies alles baldmöglichst einzuschicken. Der Eingang Ihrer Arbeit datirt dann natürlich vom selben Tag wie das übrige. Ich nehme mir dann drei Wochen zur Begutachtung der Arbeit und lege alles der Fac(ultät) vor, worauf Sie, im günstigen Falle aufgefordert werden, mir (dem Decan) drei Themata für die Probevorlesung einzureichen. 1. also Mahdi etc. 2. (unleserlich: Adamsage?) 3. würde ich ganz ruhig „Jerusalems Rolle und die orientalischen Religionen“ (so wohl bessere Fassung als „Die religiös-geschichtliche Bedeutung Jerusalems“ ) wählen; voraussichtlich wird dann 1. genommen.

Über Verleger mündlich; ich wüßte, glaube ich, was!

Am 31.d.M. bin ich nicht hier; aber nachher bald auf Wiedersehen!

In Eile grüßt Sie Ihr stets ergebener C. Bezold.

 

124. C.Bezold an C. H. B., Gelnhausen. Heidelberg, 28.10.1901

Sehr geehrter und lieber Herr Doctor,

am Mittwoch dem 30.d.M. um 4 (Uhr) sehr willkommen, auch schon um 3 ½ Uhr. Auf meinen gestrigen Brief hier wird nicht so viel zu besprechen sein, daß wir nicht um 5 ¼ (Uhr) fertig würden, um welche Zeit ich (zu Hause) Colleg habe.

Ich adressire noch nach G(elnhausen), da ich Sie morgen noch dort glaube.

Mit herzlichen Grüßen stets Ihr CBzd.

Anmerkung von Ernst von Blumenstein:

Hast Du die Cigarren nicht vergessen? Traf heute fünf Stück Dammwild, wovon ich morgen 1-2 schießen (will? Weggelocht). 11.45 h schoß ich beinahe einen Bock. Hals- und Beinbruch. Gruß Ernst

 

125. C.Bezold an C. H. B., Kairo München, 31.12.1901

Sehr geehrter und lieber Herr Doctor,

haben Sie recht herzlichen Dank für Ihren interessanten und lieben Brief vom 21.d.M., der mich gestern hier erreichte! Ich habe schon vor einigen Wochen alle Ihre Papiere an Ihre verehrte Frau Mutter returnirt zusammen mit einem officiellen Schreiben, daß das vorgesetzte Gr(oße) Ministerium Ihre Zulassung zur Habilitation genehmigt hat, und daß wir jetzt die gedruckten Exemplare Ihrer Habilitationsschrift erwarten, um den Termin zur öff(entlichen) Probevorlesung zu vereinbaren. Ich sehe also jetzt in H(eidelberg) (wohin wir nächsten Sonntag zurückkehren wollen) Ihrem „Teildruckgesuch“ entgegen und werde dieses sofort empfehlend in der Facultät circuliren lassen.

Wie freue ich mich, daß Sie in C(airo) wieder eine so schöne und interessante Zeit verleben. Auch die Übernahme Ihrer Arbeit seitens Trübner, der jüngst noch einmal in H(eidelberg) war und mit mir darüber gesprochen hat, gereicht mir natürlich zu großer Freude. Ich teile durchaus mit Ihnen die frohe Hoffnung und Erwartung, daß sich unser Zusammenwirken in H(eidelberg) aufs schönste und ersprießlichste gestalten werde.

Auf Ihre Einrichtung in der Keplerstraße 19 sind wir natürlich sehr begierig.

Und nun zum Jahreswechsel – wenn auch etwas spät – noch von uns beiden die allerherzlichsten Wünsche für Sie, Ihre Gesundheit und Zukunft! Bitte empfehlen Sie uns auch herzlich Ihrer Frau Mutter und Ihren Geschwistern! Auf frohes Wiedersehen freut sich schon jetzt Ihr stets ergebenster C.Bezold.

P.S. Recht schöne Grüße an Dr. Bissing!.

 

126. C. Bezold an C. H. B., Kairo Heidelberg, 13.2.1902

Sehr geehrter und lieber Herr Doctor,

Herzlichen Dank für die Karte vom 10.d.M. und für den Brief vom 7.d.M., den ich soeben erhielt! Wir freuen uns von Herzen, daß Sie eine schöne Zeit verleben und nun noch so eine interessante Reise vor sich haben.

IR und Layard haben Sie billig erworben; für das Ajání um 3 Pfund Sterling (?) würde Ihnen das Seminar zu Dank verpflichtet sein.

Ihre öff(entliche) Probevorlesung soll 45 Minuten dauern, grade wie ein regelrechtes Colleg.

Selbstverständlich bin ich zu allen Corr(ecturen) und Revisionen, die Sie mir senden lassen, stets bereit. Von der DMG habe ich noch nichts erhalten, hoffe aber, daß man mir die Corr(ec-turen) schickt, wenn Sie die dortige Redaction darum ersucht haben. Baensch schickte grade jetzt Ihren Titel – mit dessen neuer Fassung ich mich hiermit einverstanden erkläre (dies auch officiell!); ich will ihn heute returniren. Allem weiteren sehe ich bald entgegen. Ihr „Heft I“ ist von Tr(übner)5 auch auf dem Umschlag meines neuen Zeitschrift-Heftes schon als „unter der Presse“ befindlich angezeigt.

Über die Mitteilung betr. Erdmannsdörfer’s (?) Bibliothek besten Dank! Ich will sehen, was sich seiner Zeit thun läßt, und habe heute schon mit einem älteren Collegen in diesem Sinne gesprochen.

Und nun recht viel Glück und gute Gesundheit zu Ihrer Reise! Wie werden Sie mit Schätzen und Erinnerungen aller Art beladen wiederkehren! Herzliche Grüße von meiner Frau und

Ihrem stets ergebensten C.Bezold.

Anmerkung:

Grüße an Dr. von Bissing.

 

127. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 2.10.1902

(Maschinenmanuskript!)

Hochverehrter und lieber Herr College!

Endlich komme ich dazu, Ihnen für Ihre freundliche Karte herzlichsten Dank zu sagen. Bitte, empfangen Sie zugleich auch unsere besten Glückwünsche zur neuen Onkelschaft!

Wir haben in Berlin (zum Teil mit Kuhns), Dresden, Leipzig, Jena eine wunderschöne Zeit verlebt; hingegen habe ich mich hier tüchtig erkältet und wir mußten deshalb unsere Reise nach Lugano bis übermorgen aufschieben. Dann soll’s aber endlich fort! Mittlerweile beschäftige ich mich vorzugsweise mit meiner neuen Schreibmaschine, die ich endlich in Leipzig unter Herrn Bänschs gütiger Anleitung erstanden habe. Was sagen Sie dazu?

Wincklers bewußtes Buch habe ich noch immer nicht zu Gesicht bekommen, bin natürlich sehr gespannt darauf. Hingegen erhielt ich in diesen Tagen die erste Hälfte von Zimmerns Bearbeitung von Schraders K.A.T., die mir sehr gut gefällt. Er ist glaub’ ich nicht zu weit mit Vergleichen gegangen.

Hoffentlich läuft Ihre Angelegenheit mit Prof. Wille recht gut ab.

Mit diesem Wunsche und unseren herzlichen Empfehlungen an Ihre verehrte Frau Mutter grüßt Sie, auch von meiner Frau, herzlich Ihr stets ergebenster (gez.) C. Bezold

Anmerkung:

Adresse in Lugano: Hôtel Belle-vue au Lac. Wassalâm!

 

128. C.Bezold an C. H. B., Heidelberg…………… …Lugano, 27.10.1902

Sehr geehrter und lieber Herr College,

Herzlichen Dank für die freundliche Karte vom 21.d.M. Auch ich freue mich nun schon sehr auf das Wiedersehen; wir haben hier schöne, aber ziemlich arbeitsreiche Tage verlebt. Denken Sie, Kreysing schreibt mir gestern, die Correctur Ihres Artikels für ZDMG sei an mich nach Heidelberg geschickt. Und unser Briefträger, der (arab. Schimpfwort?) hat sie nicht umadressiert. Wollen Sie bitte am 30. (Donnerstag), vielleicht am Besten nachmittags ca. 4 Uhr (oder später) zu mir kommen, damit wir die Sache rasch in Angriff nehmen. (Arb.Wort) Stets Ihr C.Bezold

 

129. C. Bezold an C. H. B. Weggis, 28.9.1903

Streng vertraulich!

Sehr geehrter und lieber Herr College,

Ihr letzter Brief hat mich, was die v.B.’sche6 Angelegenheit angeht, aufrichtig gesagt, sehr in Erstaunen versetzt, und ich fürchte fast, wir kommen nun nicht zum Ziel!

Es ist mir unerfindlich, wie v. B., dem Sie doch gewiß die Mitteilung von mir als eine streng vertrauliche machten, Decan, Facultät, Referenten und Ministerium ganz ruhig davon berichten konnte!! Wäre es nicht selbstverständlich gewesen, davon zu schweigen, bis der Ruf an ihn kam, zumal ja in den Ferien nirgends etwas geschieht?!

Unsere Facultät ist ja über die ganze Sache, d.h. die Personalfrage, noch nicht informirt. In welchem Licht würde ich nun erscheinen, wenn irgendein Mitglied von auswärts etwas erführe, wovon es zu Hause noch gar nicht unterrichtet ist?!

Sie können Herrn von B. unter den jetzigen Umständen nur darauf hinweisen, daß von uns noch gar nichts ins Werk gesetzt ist, und daß er durch Übereilung der Sache nur schadet. Ohne die Unterlage eines wirklichen, officiellen Rufes läßt sich nun einmal kein Druck ausüben; das ist ein alter Erfahrungssatz!

Schade, daß wir auf diese Weise um ruhiges Vorgehen gebracht werden können! Ein Besuch Herrn von B.’s bei mir in Österreich (?) dürfte für diese Sache zwecklos sein, da ja erst im Nov(ember) von mir aus irgend etwas geschehen kann.

Die beiden Briefe von B.’s sende ich Ihnen anbei zurück!-

Für alle Fälle sende ich Ihnen dies alles noch nach G(elnhausen), da Sie wohl erst anfangs October reisen wollten. Diesen meinen Brief bitte ich natürlich nur für sich zu behalten!-

Übermorgen wollen nun auch wir wieder nach Hause. Alle möglichen Arbeiten ziehen mich dorthin.

Ich hoffe von Herzen, daß Ihre Operation gut verläuft und Ihnen die Zeit des unfreiwilligen Nichtstuns rascher vergeht als Sie jetzt fürchten!

Dies der aufrichtige Wunsch Ihres Sie auch von meiner Frau herzlich grüßenden C. Bezold.

 

130. C. Bezold an C. H. B., Leipzig, Krankenhaus St. Jacob. Heidelberg, 14.10.1903

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter und lieber Herr College!

Herzlichsten Dank für Ihre Karte und das schöne Geschenk, zu dessen Vollendung ich Ihnen von Herzen gratuliere! Nicht minder zur Besserung Ihrer Gesundheit! Einen Teil Ihrer Schrift (Die Arabisierung) habe ich schon mit größtem Interesse gelesen; im übrigen stecke ich zutiefst in der Arbeit.

Vielleicht halten Sie Ihre Besprechung lieber am Mittwoch (28.)? Es kommt ja nicht darauf an; aber ich glaube, ich habe schon einem oder dem anderen darüber gesprochen oder auch geschrieben, daß ich am 29. „besprechen“ wollte. Daher meine Bitte!

Bis zu einem recht frohen Wiedersehen von uns beiden an Sie die herzlichsten Grüße und Wünsche für Ihre Gesundheit!

Ihr allzeit treuergebener (gez.) C. Bezold.

P.S. Viele Grüße an Freund Dr. J.B.-D.!

 

131. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 23.12.1903

(Maschinenmanuskript)

Hochgeehrter und lieber College!

Herzlichen Dank und dazu die schönsten Glückwünsche zu der mir soeben von Ihnen zugegangenen Recension Goldzihers über Ihr zweites Heft, auf das Sie wirklich stolz sein können. Man sieht, wie sehr sich G(oldziher) über Ihre Arbeit gefreut hat, und mit wie großem Interesse er Ihren Studien nachgegangen ist. Einen besseren Recensenten als ihn konnten Sie sich ja gar nicht wünschen! Das wird Ihnen eine wahre Weihnachtsfreude sein! Und ich freue mich mit Ihnen darüber!

Ich sende Ihnen die Recension gleich wieder zurück. Auch für Ihre Sendung der grünen Blätter und der „Mitteilungen“ noch schönsten Dank! Bei der Lektüre der ersteren tut es einem wirklich leid, wie verbittert Peiser nun geworden ist, und wie ungerecht er doch manchmal urteilt. Er macht doch seine Aussichten damit nicht um ein Stäubchen besser! Und dabei ist er im Grunde ein guter, aber freilich recht unbedeutender Mann, was ich von Winckler ja durchaus nicht behaupten möchte!

Heute früh hatte ich auch einen Brief von Goldziher und gestern einen von Goeje; nun wird der Prospect für die „Festschrift“ wohl wirklich bald werden.

Empfehlen Sie bitte uns beide Ihrer hochverehrten Frau Mutter aufs herzlichste und seien Sie selber nochmals von meiner Frau und mir zum Feste begrüßt!

Mit herzlichem collegialen Gruß Ihr allzeit getreuer (gez.) C. Bezold.

 

132. C. Bezold an C. H. B., Gelnhausen Engelberg/Schweiz, 24.9.1905

Verehrtester und lieber Herr College,

Noch immer hatte ich Ferien,, kehre aber morgen zurück! Nehmen Sie vielen herzlichen Dank für den lieben Brief vom 6. d. M.! Und Glückauf zur Fortsetzung der Papyri-Arbeit. Alles darin hat mich sehr interessiert (auch über AT!). Hoffentlich sind die Aufnahmen nun gelungen! Hilprechts Kauf hatte ich ziemlich genau kritisch prophezeit!

Der Anfang ist mir natürlich ganz recht; ich fange wohl ein paar Tage früher an.

Sehr wichtig war mir die Nachricht über den rückständigen Straßburger Mitarbeiter, das ist K. J. Neumann! Ev(entuell) muß ich Sie damit noch quälen!

Herzlichste Empfehlungen von uns beiden an Ihre Frau Mutter und viele Grüße an Sie! Stets Ihr C. Bezold.

 

133. C. Bezold an C. H. B., Berlin, Hotel Continental. Heidelberg, 20.10.1905

Verehrtester und lieber Herr College,

Haben Sie recht herzlichen Dank für Ihre beiden lieben Karten vom 6. und 15. d. M.! Ich schreibe erst jetzt, da ich annehmen darf, daß Sie mittlerweile wieder nach B(erlin) zurückgekehrt sind. Während Sie in den Papyri dort schöne Funde machen, habe ich hier zum Einstand zunächst wieder einen Brustkatarrh erlebt und muß mich immer noch halten. Aber nächsten Donnerstag soll’s nun an ein Vorbesprechen und ins Semester rein! Anfang des Monats hatten wir auf ein paar Tage den lieben Besuch von Sir Charles L., dem auch unsere Papyri sehr gut gefielen. Er läßt Sie schönstens grüßen.

Sonst nicht viel neues. Die Angelegenheit des Straßburger Mitarbeiters hat sich zur vollen Zufriedenheit Aller erledigt.

Heute früh kam schon eine vergnügte Karte aus München von Walter N.

Von hiesigen Coll(egen) habe ich fast noch niemanden gesehn, desto mehr Druckbogen aus Gießen.

Herzliche Grüße von uns beiden auch an Ihre Frau Gemahlin! Auf baldiges Wiedersehen freuen sich m(eine) Frau und Ihr getreuer C. B.

 

134. C. Bezold an C. H. B., Gelnhausen7 Heidelberg, 15.8.1906

Verehrtester und lieber College,

Verzeihen Sie, wenn ich jetzt schon als Plagegeist komme: können Sie mir angeben, wann ungefähr Ihr M(anuskript) für ZA druckfertig sein wird, d.h. ob schon in den nächsten Wochen? Und ungefähr, wieviel es sein wird? Ich könnte darnach unser Heft etwas leichter einrichten!

Meine Adresse bis Samstag früh die hiesige; dann bis 23. incl. Herrenalb, Villa Grüner Wald; dann unbestimmt bis ca. 30.sten.

Haben Sie Wellhausens Anzeige der Festschrift in den GGN gesehen?

Gerhard, der uns vor ein paar Tagen besuchte, erzählte von dem griechischen Qorra-Text: – sehr interessant!

Herzliche Empfehlungen von uns beiden auch für Ihre liebe Gattin und hochverehrte Mutter! Und viele Grüße von Ihrem stets ergebenen C. Bezold.

 

135. C. Bezold an C. H. B., Gelnhausen Heidelberg, 17.8.1906

Verehrtester und lieber College,

Herzlichen Dank! Ganz einverstanden! Da Sie Ihr Manuskript so schön druckfertig machen, habe ich schon gestern bei Straub Auftrag gegeben, es mit der Folge der Artikel so einzurichten, daß ein direkt von Ihnen in München eintreffendes Manuskript bald möglichst zum Satz kommt und anderes warten muß! Ich bitte Sie also sehr, wenn Sie einmal fertig sind, Ihr Manuskript gleich direkt an die Akademische Buchdruckerei von Herrn F. Straub. München,

Otto-Str. 12 abzuschicken; aber bitte zugleich auch eine Karte an mich (am besten Adresse: Heidelberg!), damit ich gleich au fait bin.

Wellh(ausen) ist oft sehr „suggestiv“!!- Haupt habe ich schon vor Erhalt Ihrer Karte abgelehnt (natürlich), aber Sie wärmstens empfohlen.

Morgen früh soll’s fort! In haste and hurry – mit herzlichen Grüßen und Empfehlungen stets Ihr C. Bezold.

 

136. C. Bezold an C. H. B., Gelnhausen. Engelberg/Schweiz, 9.9.1906

Herzlichsten Dank, verehrtester und lieber College, für die freundlichen Zeilen und vor allem auch für das schöne, durchweg sehr gute Bild!

Ich hoffe, daß Str(aub) mit dem Satz des Manuskriptes bald beginnen kann und dank Ihrer umsichtigen Bemerkungen alles in Ordnung bringt.

Wir verleben hier schöne Tage bei ganz entzückendem Wetter; wollen hier möglichst lang aushalten, dann vielleicht noch ein bißchen(?) nach Lugano.

Mit schönsten Empfehlungen von uns beiden grüßt Sie Ihr stets getreuer C. Bezold.

 

137. C.Bezold an C. H. B., Heidelberg. Lugano,4.10.1906

Herzlichen Dank, verehrter und lieber Coll(ege)!

Sie können es auch Samstag oder Sonntag mit der Corr(espondenz) werden lassen! Ich berechne aus unserer Tabelle, daß von 2 ½ Bogen 50 Abz(üge): 25 Mark kosten (soviel wird es wohl werden?) 3 Bog(en) = 30 Mark. Wenn Sie dies aufwenden wollen, bitte – einen Vermerk auf Corr(espondenz) oder sonst Nachricht. Dann lasse ich 100 herstellen, Ihnen sofort nach Fertigst(ellung) die 50 Gratisex(emplare) zusenden, wegen der übrigen vorhandenen in H(eidelberg). Die ersten 50 werden dadurch nicht verzögert.

Herzlichste Grüße von Haus zu Haus! Ihr in Sonnenwärme schwelgender (unleserlich, weggelocht), stets getreuer C.Bezold.

 

138. C. Bezold an C. H. B., Heidelberg Lugano, 9.4.1907

Verehrter und lieber Herr College,

Herzlichen Dank für Ihre lieben Zeilen, die uns nur leider so ernste Nachrichten über Ihre hochverehrte Frau Mutter bringen! Von ganzem Herzen wünschen wir beide, daß das Aufgeben Ihrer geplanten Reise von denselben günstigen Folgen begleitet sein möge, wie bei unserer Orientfahrt, und daß die Besserung Ihrer Frau Mutter ebenso rasch fortschreite wie die meiner Schwiegermutter!

Schade, daß nach dem was Sie mir schreiben, K. einfach den Kopf verliert! Auf Ihren und N(öldekes?) Artikel ist m.E. nur ein vernünftiges Schweigen am Platz!

Ich weiß absolut nicht, was mit meiner Druckerei ist, von der ich seit über einer Woche Fahnen mit arab(ischem) Satz erwarte (drucken vermutlich was anderes: Hommet?, Glaser?) Ich habe Ihren Artikel schon zwischen Ihrem früher geschickten einschicken lassen, will ihn, wenn es irgend geht, bei meiner Anwesenheit in M(ünchen?) noch mehr beschleunigen.

Nochmals von uns beiden alle guten Wünsche für die Besserung in Gelnhausen und dazu herzliche Grüße von Haus zu Haus! Stets Ihr C. Bezold.

P.S. Adresse wie oben bis 20., dann im Notfall: bei Frau Prof. Bussian, München, Neureutherstr. 2.

 

139. C. Bezold an C. H. B., (Hamburg) Heidelberg, 31.12.1908

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Nehmen Sie recht herzlichen Dank für Ihren lieben langen Brief, der mich, wie Sie sich denken können, durch und durch interessiert! Nicht nur das „Was“ – auch das „Wie“! Alles atmet Arbeit und riecht nach Volldampf, und dann ist es gut so. Die Verpflanzung Ihrer Tätigkeit war an der Zeit. Ich muß wieder an mir selber messen: solche Briefe schrieb ich (mutatis mutendis) 1888 aus London!

Vor allem gratuliere ich Ihnen zum Erfolg Ihrer Vorlesungen und zu der schleunigen Errichtung des Seminars. Ihren „Vortrag“ habe ich ziemlich sorgfältig durchgelesen und kann mir nun Ihr Colleg vorstellen; dabei müssen Sie freilich auf den Vortrag mehr Gewicht legen als unsereiner. Auch das ganze forsche Vorgehen des Instituts, das ich aus der Eröffnungsfeier ersehe (besten Dank auch dafür!), ist imposant und klingt durch und durch gesund -, wenn Sie vielleicht mit Ihren Universitäts-Gründungs-Gedanken und der gesellschaftlichen Verschiebung Ihrer Zeit auch etwas vorauseilen! Item, Sie werden später vielleicht noch mehr wie jetzt überblicken, welche Summe von Arbeit Sie grade jetzt leisten. Es ist gut, daß die Verantwortung des Fachvertreters, das Muß der Sitzungen etc. jedem zunächst im idealischen Licht verklärt wird.

Was Sie über Meinhof schreiben, hat mich natürlich sehr interessiert; davon erzählen Sie mir gewiß mündlich noch. Daß ich nicht vergesse: dürfen wir Sie an einem der beiden Tage, Freitag 29. oder Samstag 30 Jan(uar) 1909 bitten, ganz einfach mit uns beiden zu essen (1 Uhr), damit man dabei plaudern kann? Wollen Sie uns baldmöglich mit zwei Worten freundliche Zusage geben und den Tag bestimmen?

Wegen Beádhorí stehe ich natürlich stets zu Ihren Diensten.- Die grünen Blätter besorge ich bald, aber in besonderer Eile sind Sie damit wohl nicht.—Über die Wirkung unserer Adresse in der Barth-Fischer-Sache kann nach meiner Meinung erst die Zukunft entscheiden. Ob der jetzige Zustand haltbar ist??

Wir haben bisher ein ruhiges Semester verlebt, sind aber jetzt beide mit Krampfhusten und Heiserkeit behaftet; schon vor 10 Tagen, als uns auf einen Tag Littmann (mit Schwester) besuchte, konnte ich kein lautes Wort mehr sprechen. Die Langeweile dieser Zeit der Gefangenschaft verkürzte ich mir durch die Behandlung der Sumerischen Frage, um die mich Halévy seit Monaten quält. Ob er es nun wirklich über sich gewinnen wird, sie auch drucken zu lassen?! Nehmen Sie zum Schluß für sich, Ihre liebe, recht herzlich von uns beiden gegrüßte Frau und die Kinderlein alle guten Wünsche für ein gesundes, gesegnetes 1909 entgegen! Daß ich diese Wünsche auch auf Ihre verehrteste, gottlob! wieder so rüstige Frau Mutter und die seit der Kindheit verehrten Schwiegereltern ausdehne, brauche ich Ihnen kaum zu sagen.

Auf baldiges Wiedersehen freuen sich meine Frau und Ihr treuer (gez.) C. Bezold.

 

140. C. Bezold an C. H. B., Hamburg. Heidelberg, 24.3.1909

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Endlich und im allerletzten Moment vor unserer morgigen Abreise nach Italien und weiter komme ich dazu, Ihnen nochmals zu schreiben. Zunächst nehmen Sie bitte recht herzlichen Dank, daß Sie mir solange die „grünen Blätter“ geliehen haben, die mir gerade in diesen letzten Wochen noch von besonderem Nutzen waren. Heute nachmittag ist die ganze in Ihrem Besitz befindliche Zeitschrift von Buchbinder Koch abgeholt worden und wird Ihnen dann wohl bald ganz gebunden zugehen.

Dazu aber noch ein freimütiges Wort! Als neulich der Procuraträger von Trübner, Herr Dr. G. Lüdtke, bei mir war, besprachen wir das Wohl und Wehe von ZA und ich mußte auf Goldzihers & Co Idee von der (übrigens verwerflichen) Zweiteilung in assyriologische und semitistische Bände kommen. Dabei mußte ich (natürlich streng vertraulich!) auch Ihre Idee der Islamischen Zeitschrift zur Sprache bringen, was Sie mir gewiß nicht verargen werden. Dr. L(üdtke) war darin sehr interessiert und ich verhehlte ihm nicht, daß ich schon mündlich Sie auf den Tr(übner)’schen Verlag hingewiesen hätte. Ich versprach ihm nun auf seine Anregung, „unverbindlich“ noch über die Sache mit Ihnen zu conferieren, und er schrieb mir noch vor ein paar Tagen, daß, wenn Sie ihn zunächst unterrichten wollten, sobald Sie die Ausführung Ihrer Absicht näher ins Auge faßten, Sie der ernsten Absicht begegnen würden, in gewissenhafte Prüfung der zur Fundierung des Unternehmens notwendigen Bedingungen einzutreten und danach die Entscheidung zu treffen.

Ich muß nun dem ein Wort wärmster Empfehlung beifügen. Der Verkehr mit der Firma

Trübner hat sich für mich in den letzten paar Jahren zu einem äußerst angenehmen gestaltet, und ich kann das Entgegenkommen in jeder Weise von dort aufs höchste rühmen! Pro domo darf ich dem aber auch beifügen, daß, wenn unsere beiden Organe in demselben großen Verlag erschienen, auch jeder Schein einer Concurrenz schwände und wir, soviel ich sehen kann, alle dabei nur gewinnen könnten. Bitte überlegen Sie sich die Sache einmal!

Ich schicke Ihnen anbei nur meinen Halévy-Artikel, weil Sie (?weggelocht) den Schrader-Nekrolog ja in der ZA zu lesen bekommen und ich sonst nichts greifbares vorzuweisen habe.

Nun bin ich froh, dem Heidelberger Winter zu entrinnen und endlich einmal meinen Husten ganz gründlich pflegen zu können, der noch immer nicht weichen will.

Hoffentlich sind Sie und alle die lieben Ihrigen ganz wohlauf und denken gern an das erste Hamburger Halbjahr zurück! Mit herzlichen Grüßen von uns beiden, auch an Ihre verehrteste, liebe Frau, Ihr allzeit getreuer (gez.) C.Bezold

P.S. Adresse am besten immer Heidelberg.

 

141. C. Bezold an C. H. B., Hamburg Heidelberg, 13.5.1909

Verzeihen Sie, lieber Freund,

daß ich erst jetzt zur Beantwortung Ihres lieben, interessanten Briefes vom 10.4. und zum Dank für 2 freundliche Sendungen (über Volkers? und Ihre Professoren) komme! Und daß die Antwort wieder so kurz wird! Ich brauche Ihnen nicht erst zu sagen, wie sehr mich alles in dem Brief interessierte und wie vorzüglich und inhaltsreich ich Ihren (Nach?weggelocht)ruf finde. Sie sind V. durchaus gerecht geworden!

Daß Sie den Anknüpfungspunkt mit Trübner aufgenommen haben, freut mich sehr; nun hoffe ich auch, daß die mündliche Unterredung in Berlin, die mir die Firma vor ein paar Tagen andeutet, befriedigend und fruchtverheißend verlaufen ist. Es wäre recht schön, wenn wir uns auf gemeinsamem Boden in die Hände arbeiten könnten!

Menaggio haben Sie wahrscheinlich reichlich verdient; ob Sie meine Karte aus Ägypten dort erreicht und mein Halévy-Artikel noch in H(amburg) getroffen hat?


Bezolds Ägyptenreise


Wir haben die schönste Reise, die wir je gemacht haben, hinter uns: am eindrucksvollsten ein Sandsturm in Sa’ara (unter Bissings Führung), am schönsten Philae, am großartigsten die Königsgräber in Theben (aber ach, der lange Eselsritt!) und der Abstieg nach Dír el batric; am lehrreichsten wohl der Tempel in Edfu(?). In Assuan regnete es – wie seit mindestens30 Jahren nicht geschehen war. Borchardts und besonders Oppenheim waren von überwältigender Liebenswürdigkeit; Büge sprach ich kurz, Sayre etwas länger und gemütlich wie in Vor-Museums-Zeiten!

Fuhren von Kairo durch bis Lugano (in 4 Tagen, davon 4 Stunden in Rom) und kamen am 5. an, wo 14 Zuhörer warteten. Einige Empfehlungen und Grüße von Haus zu Haus! Ihr wie immer treuer C. Bezold.

 

142. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 27.5.1909

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Ihr lieber Brief vom 16. d. M. samt Einlagen hat mich außerordentlich gefreut, und ich hätte ihn längst beantwortet, wären mir nicht ein paar Tagesbesuche (am Himmelfahrtstag ein sehr lieber von Littmann und letzten Montag ein langgeplanter von Münchner Verwandten), dazu noch recht viel unaufschiebbare Correcturen dazwischengekommen. Aber jetzt folgt endlich der herzlichste Dank, auch Ihrer verehrtesten Gattin, für alle Ihre freundlichen Wünsche und für Ihr liebes Geschenk! Ja, das kam mir auch merkwürdig vor, daß diese Wünsche diesmal schriftlich waren; aber man spricht da oft mehr aus als von Mund zu Mund. Daß ich diesmal 50 Jahre alt geworden bin, ist mir vor der hand noch nicht so peinlich, als mir vor 10 Jahren die 40 wurden. Man gewöhnt sich eben allmählig an die absteigende Bewegung: kostet weniger Schweiß und geht schneller!

Abgesehen von Ihren mich beschämenden Worten über ZA ist das, was Sie Trübner als Ihr vorschwebendes Ziel bezeichnet haben, so trefflich geschrieben, daß Sie es ohne weiteres drucken lassen könnten. Das habe ich auch Herrn Dr. de Gruyter gesagt, der mich am am 21. d. M. besuchte – gleichfalls mit den Schriftstücken bewaffnet, die ich Ihnen anbei mit vielem Dank zurücksende. Ich war hoffentlich in Ihrem Sinne nicht indiscret, als ich ihm auch Ihre An- und Absichten ad rem ziemlich unverhüllt merken ließ. Ein Vorschlag von mir, die anzunehmende Abonnentenzahl auf 200 zu steigern, und ein zweiter, den Ladenpreis auf 25 Mark zu erhöhen, fanden beide keinen Beifall bei ihm. Hingegen versteht er sehr wohl, daß Sie jetzt die Verhandlungen nicht übereilen können und wollen. Er wünschte mir nur, daß sowohl Sie wie auch ich überzeugt sein möchten, daß er in seinem unverbindlichen Vertragsentwurf „fair“ gehandelt habe, und ich muß sagen, ich habe nicht den geringsten Grund, daran zu zweifeln. Auch daß er die Zuschüsse jeweilig nur zur Deckung von Deficits verwenden will und zunächst aus dem Unternehmen keinen Gewinn zu ziehen beabsichtigt, ist gewiß vollauf anzuerkennen. Item, ich wünsche Ihnen nach wie vor von Herzen, daß sich später oder früher ein für alle Teile und obenan für die gute Sache erwünschter Abschluß erzielen lassen möchte, und sehe natürlich allem Weiteren mit regstem Interesse entgegen.

Außer für Ihre „Christianity“, die ich wenigstens teilweise wieder durchgelesen und mich dabei der guten Übersetzung gefreut habe, danke ich Ihnen noch ganz besonders für den Abdruck aus der „Kolonialen Rundschau“, die mir vorgestern zuging. Ich muß sagen, ich habe noch nie etwas gelesen, was mich so gründlich und dabei so rasch über die Vorgeschichte unserer Kolonien unterrichtet hätte. Die sachliche Ruhe, mit der Sie sehr heikle Fragen behandelt haben, ist dabei besonders zu rühmen, und daß Sie andererseits sehr energisch für die wissenschaftliche Bildung der Beamten eintreten und am Schluß auch ein Wort pro domo reden, finde ich ganz in Ordnung. Das Zugeständnis, daß die Missionen „ein Kulturfactor sind, den wir einfach nicht entbehren können“, hätte ich nicht über mich vermocht. Ich weiß nicht, wie weit die Holländer dem beistimmen würden; und die halten doch wohl auch Sie für die besten Kolonisatoren? Aber Sie wissen ja, ich spreche als fernstehender outsider. Und eine, nur wenig überzuckerte Pille, daß die Mission dem Islám – in die Hände arbeitet, bleibt für alle Gläubigen zu schlucken!

Auch was Sie sonst noch schreiben: über Moritz, über Ihren Professorenantrag, Ihren Lector, einen besonders begabten Schüler, „Enzyklopädie“, Schreibmaschine und Secretärin, Alles hat mich aufs wärmste berührt und interessiert.

Ich freue mich, daß mein Halévy-Artikel Anklang gefunden hat, am meisten über Thureau-Dangin’s volle Zustimmung. Ungnad will eine Richtung darin weiter verfolge.

Sonst gibt es von hier nichts Neues zu berichten. Außer Vorlesungen und einer Doctorarbeit bin ich noch immer mit dem Aufräumen alter Briefschulden, Nachholen versäumter Lektüre und Redactionsgeschäften in Anspruch genommen. Hoffentlich kommt bald die ersehnte Zeit, wo ich wieder an mein Äthiopisch und Assyrisch gehen kann!

Für Ihre liebe Frau hoffen und wünschen wir beide, daß längst aller Ärger mit den Sklavinnen überwunden sei und Sie den Hamburger Sommer, der nach 1902 zu schließen herrlich sein muß, in vollen Zügen genießen mögen; auch Ihren Kindern gelten natürlich diese Wüsche mit.

Und nun noch Glückauf! Zu einer frohen Pfingstfahrt und viele herzliche Grüße von uns beiden an Sie beide! Ihr stets getreuer (gez.) C. Bezold.

 

143. C. H. B. an C. Bezold. Hamburg, 11.6.1909

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor,

Was raten Sie mir? Kurz vor Pfingsten erhielt ich nach dem Schweigen eines Jahres die arabischen Druckbogen von Helbig’s Dissertation. Wie Sie erinnern, hatte ich sie ihm bereits einmal zurückgeschickt, weil Sie unpublizierbar waren. Nun habe ich heute den ganzen Tag auf die paar ersten Seiten verwandt. Sie wimmeln von Fehlern. Koranstellen sind nicht erkannt und sogar emendiert. Der zu Grunde liegende Text meist durch die Fehler der anderen Handschriften verbessert, dabei ein fürchterliches Durcheinander in den Handschriften, und was das Schlimmste ist, Helbig kann unmöglich auch nur zwei Zeilen hintereinander verstanden haben. Wenn ich in dem Tempo weiter korrigiere, ist es nicht mehr seine Arbeit. Ich habe deshalb große Lust, nicht weiter zu korrigieren und ihn eine Anmerkung machen zu lassen, daß ich nur die ersten Seiten des arabischen Textes durchgesehen hätte. Das deckt mir den Rücken und überdies Sapienti sat.

Ich möchte Sie nun um Rat bitten. Ich könnte mich höchstens auf ein Bitten von Ihnen entschließen, den Text zu Ende durchzukorrigieren, denn Helbig hat es weder um mich noch überhaupt verdient, daß ich für zwei bis drei Wochen meine wenigen freien Stunden widme. Ich habe wirklich viele Anfängertexte gesehen, aber so ein gänzlich hoffnungsloser ist mir noch nie unter Händen gekommen.

Ich glaube, ich habe Ihnen auch noch gar nicht gedankt für Ihren liebenswürdigen Brief vom 27. Mai. Sie können sich denken, daß sehr verschiedenartige Antworten auf meinen kleinen politischen Islamartikel einliefen. Meine von Ihnen beanstandete Stellung zur Mission ist ein Produkt der Hamburger Luft, d.h. ein Kompromiß mit den Tatsachen und der Praxis. Wer beobachtet, wie die kolossalen amerikanischen Missionsunternehmungen in Ostasien der politischen Propaganda Amerikas den Boden bereiten, der erkennt, was für ein wichtiger Faktor die Mission bildet. Fragen Sie einmal Troeltsch darüber, der gewiß kein Missionsfreund ist.-

Kennen Sie Stumme persönlich? Es besteht nämlich die Gefahr, daß Meinhof unseren Ruf ablehnt und dann werden wir die afrikanischen Sprachen wohl etwas anders interpretieren müssen. Glücklicherweise liest Stumme auch Kisuaheli. Natürlich müßte er dann in Zukunft die afrikanischen Sprachen zu seinem Hauptstudium machen. Ich kenne ihn leider gar nicht und bin für jede Auskunft über seine Persönlichkeit dankbar. Daß man versucht, Meinhof in Berlin zu halten, ist natürlich eine Chicane, denn er ist dort total überflüssig. Ich hoffe aber doch, daß er annimmt; ich muß mich nur bei Zeiten über einen Ersatz informieren. Wüßten Sie einen anderen als Stumme? (CHB)

 

144. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 12.6.1909

Lieber Freund,

herzlichen Dank für den Brief und den interessanten Artikel! Daß Sie in Holland vergnügt waren, hatte ich mittlerweile schon durch Snouck erfahren.

Ich meine, nachdem Sie H(elbig) einmal das Thema gegeben und ihn sonst unterstützt haben, können Sie ihn jetzt nicht gut vor Torschluß (31. Juli) in Stich lassen. Übrigens hab’ ich aus der Dissertation gar nicht sehr viel ar(abischen) Text in Erinnerung, eigentlich nur in der „Distom“ (?). Ist denn noch viel hinzugekommen und ist das für die Dissertation nötig? Sonst lassen Sie’s, bitte, ruhig weg! Item – auch mir wär’s natürlich lieb, wenn die Sache jetzt erledigt würde. Den Zusatz eines arabischen Textes, der nicht in dem ursprünglichen Ma(nu-skript) der Diss(ertation) enthalten war und nicht von Ihnen angesehen ist, könnte ich nicht billigen. Wenn Sie also Ihre Hand abziehen, müßte die Diss(ertation) so gedruckt werden, wie sie der Fac(ultät) vorgelegen hat. Ich meine aber, Sie nützen der Sache, wenn Sie sich opfern.

Nach dem, was Sie mir früher erzählten, wäre es zu begrüßen, wenn Ihnen A. einen Korb gäbe. St(umme) kenne ich persönlich leider gar nicht. Daß er in Jena abgelehnt hat, wissen Sie; wie man dort zu ihm kam, ist mir nach dem, was ich vorher über die Wiederbesetzung hörte, nicht klar geworden. Und an den Ersatz durch einen Deutschen?

Für heute nur diese Zeilen! Dazu aber noch die herzlichsten Wünsche und Grüße von Haus zu Haus! Ihr stets getreuer C. Bezold.

 

145. C. H. B. an C. Bezold. (Hamburg), 8.7.1909

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor,

mit der Übersendung des Akademieberichtes habe Sie mir eine unerwartete große Freude bereitet. Wir fingen gerade an, ärgerlich darüber zu werden, daß uns Eisenlohr nicht darüber orientierte, wo wir doch mit begreiflichem Interesse diese neue Entwicklung Heidelbergs verfolgten. Durch Ihre Güte war ich der erste der alten Heidelberger hier, der den Anderen die bedeutungsvollen Nachrichten übermitteln konnte. Es muß eine große Schwierigkeit gewesen sein, bei der Auswahl der Mitglieder Verstimmungen zu vermeiden. Hier wollte zunächst niemand glauben, daß Jellineck nur außerordentliches Mitglied sei. Bei großer persönlicher Empfindlichkeit kann eine solche Neugründung wohl den Fakultätsfrieden stören. Gerade deshalb war ich riesig gespannt, welche Auswahl man treffen würde. Zur Sache selbst kann man Heidelberg nur gratulieren und ich hoffe, daß Sie vielen Erfolg mit Ihren Unternehmungen haben werden.

Ich habe Ihnen noch gar nicht gedankt für die Übersendung der posthumen Arbeit von Vollers. Es hat mich sehr gefreut, aus der Anmerkung erneut zu ersehen, daß Sie mit meinem Nachruf auf Vollers einverstanden sind.

Um auf den Gegenstand unseres letzten Briefwechsels zurückzukommen, so habe ich mit einem ungeheuren Opfer an Zeit Helbig’s Arbeit durchkorrigiert. Trotz meiner ca. 200 Verbesserungen auf den wenigen Seiten bleiben immer noch eine gute Anzahl schwieriger Stellen, die so sicher unrichtig sind; aber ich habe jedenfalls (einen) einigermaßen lesbaren Text hergestellt, vorausgesetzt, daß Helbig die Revision richtig liest.

Meine Sorge um Meinhof hat sich als überflüssig herausgestellt, wie Sie inzwischen gelesen haben werden. Wir haben ihn vorigen Samstag mit seiner Frau als neuen Kollegen angefeiert. Auch der Sinologe Dr. Francke hat angenommen und ihm gewinnen wir eine sehr wertvolle Bereicherung unseres Professorenrates. Der Kiautschouvertrag stammt aus seiner Feder, ebenso der Staatvertrag über die neugegründete chinesisch-deutsche Hochschule. Er faßt seine Professur ebenso wie ich als eine Realienprofessur, selbstverständlich auf philologischer Basis. Auch für die übrigen noch im Schoße der Kommission schlummernden Professuren dürfen wir das Beste hoffen. Wir arbeiten alle jeder in seiner Weise momentan auch politisch, da man hier nicht nur den Regierenden sondern auch der Volksvertretung so nahe ist. Unsere Professorengesellschaften sind die reinsten parlamentarischen Abende. Die Verhältnisse liegen äußerst kompliziert, da auch im Kollegenkreise nicht allseitig dasselbe gewollt wird.

  • Da ist einmal der Gegensatz zwischen Professor und Museumsdirektor,
  • zweitens zwischen den exclusiven Universitätsleuten, die das ganze Heil in der Schaffung einer Universität alten Styles erblicken,
  • und den modernen Leuten, die wie ich der Meinung sind, daß bei einer Neugründung wohl alles Gute, sowie alle Berechtigungen der Universitäten übernommen werden sollen, daß aber vor Allem den Bedürfnissen des modernen Lebens mehr Rechnung getragen werden muß als daß auf den Universitäten der Fall ist.

Diese letztere Anschauung ist nun nicht nur die für mich theoretisch erwünschtere, sondern auch praktisch leichter durchführbar, da in den Kreisen der hiesigen Bürgerschaft Sinn für etwas großes Neues besteht, aber starke Opposition gegen die Universität alten Styles nicht zu leugnen ist. Man fürchtet zunächst die Studenten, besonders die bunten Mützen, dann aber namentlich in Kaufmannskreisen die Schaffung eines selbständigen, neuen Körpers, der unausbleiblich die führende Rolle in dem geistigen Leben Hamburgs übernehmen wird und damit neben dem bisher anerkannt ersten Stand des Kaufmanns einen neuen Faktor von unübersehbarer Tragweite einführt. Wie die Dinge jetzt liegen, muß die Entscheidung nach den Ferien fallen. Wir haben uns in einem privaten Gutachten dahin ausgesprochen, daß das Kolonialinstitut ohne Studenten auf die Dauer zu einer technischen Fachschule herabsinken würde, daß es wissenschaftlich nur Frucht bringen könne, wenn es als Glied eines größeren Ganzen funktioniere. Deshalb haben wir vorgeschlagen, das Vorlesungswesen weiter auszubauen, Abteilungen d.h. Fakultäten zu bilden, die inoffiziell schon längst bestehen, und dem Ganzen einen Namen zu geben und korporative Rechte zu verleihen. Wir verlangen weiter hauptsächlich Studenten, was nur bei Semesteranrechnung möglich wird, und das Doctor-examen, das nach einem juristischen Gutachten uns ohne Weiteres durch den Senat und Bürgerschaft verliehen werden kann; die übrigen Bundesstaaten sind durch bereits bestehende Verträge zur Anerkennung dieses Doctors verpflichtet. Über all diese Dinge, wie auch über die notwendige Berufung von Philologen wird nun eifrigst hinter den Kulissen verhandelt; dabei muß man furchtbar vorsichtig sein, daß man an den vielen mitsprechenden Stellen immer die richtigen Argumente verwendet. Ich muß Sie natürlich auch Sie bitten, alle diese Mitteilungen als streng vertraulich anzusehen.

In diesem Zusammenhange möchte ich nun eine Frage an Sie richten. Von unseren sämtlichen Kollegen besitzt nur Meinhof den Doctortitel nicht. Ich möchte mich nun darum umtun, in welcher Weise man ihn ihm am besten verschafft. Verdient hat er ihn zweifellos; er ist eben einmal der Begründer der Bantu-Philologie. Wäre es nun nach der Heidelberger Praxis möglich, daß die dortige philosophische Fakultät etwas unternehme. Wenn nicht, käme die theologische Fakultät in Frage. Ich habe kürzlich in Amsterdam mit Weiß darüber gesprochen. Ehe ich diesem mein Material gebe, möchte ich Sie gefragt haben, weil Meinhofs hauptsächliche Leistungen auf streng philologischem Gebiete liegen. Vielleicht sprechen Sie gelegentlich einmal mit Troeltsch über die Sache. Ich wäre Ihnen für jeden Rat dankbar, denn es ist natürlich für Meinhof nicht angenehm, späterhin den Doctortitel zu verleihen, ohne ihn selbst zu besitzen.

Wir stehen vor den ersten Prüfungen. In Islamkunde werde ich acht, in Kisuaheli zwei zu prüfen haben. Einer hat sogar seine Hauptarbeit über den Islam in Kamerun gemacht und mir ein Scriptum von 90 eng beschriebenen Folioseiten eingereicht. Trotzdem sehe ich der Prüfung gerade dieses Jünglings mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Die Kurse des Vorlesungswesens hören schon in der nächsten Woche auf und auch das Kolonialinstitut wird in der letzten Juliwoche zu Ende gehen. Meine Frau geht mit den Kindern am 15. Juli nach dem Ostseebad Timmendorfer Strand, wohin ich folge, sobald ich frei werde. Am 7. August kehren wir auf 4 Wochen nach Hamburg zurück, da ich einmal endlich wieder etwas Productives schaffen möchte. Die mittleren Wochen des September verbringen wir in Gelnhausen. Ich würde dann gern einmal für einen Tag zu Ihnen herüberfahren.

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus Ihr stets dankbar ergebener (CHB)

 

146. C. H. B. an C. Bezold. (Hamburg), 2.11.1909

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor,

Verzeihen Sie einem Vielbeschäftigten, daß er Ihnen und Ihrer verehrten Gattin erst heute für Ihre gastliche Aufnahme dankt. Und schon wieder muß ich an Ihre Güte appellieren. Wollen Sie mir bitte erneut Ihren Rat in Sachen meiner Zeitschrift zur Verfügung stellen. Als Grund-lage meiner weiteren Verhandlungen mit Trübner hatte ich einliegende Bemerkungen, in denen Sie Ihren Geist spüren werden, aufgesetzt. Auf Grundlage dieser Bemerkungen habe ich vorigen Sonntag in Berlin mit Herrn de Gruyter verhandelt. Gleichsam als Protokoll unserer Aussprache sandte mir heute Herr de Gruyter seinen Bericht an Trübner über unsere Besprechung. Derselbe ist ungemein zuvorkommend und sympathisch. Wie Sie sehen, besteht eine Meinungsverschiedenheit nur in Bezug auf die Separate. Ich gebe in diesem Punkte sehr ungern nach, da eine wissenschaftliche Zeitschrift meines Erachtens in erster Linie zur Erleichterung der Organisation der Arbeit dienen soll und erst in zweiter Linie als wirtschaftliches Unternehmen aufgefaßt werden darf. Ich verstehe durchaus den Standpunkt des Verlegers, möchte aber gern meine Position nicht aufgeben. Was meinen Sie dazu?

In Bälde mehr. Heute nur diese Schriftstücke mit der Bitte um baldmögliche Rücksendung. Uns geht es vortrefflich; nur habe ich viel zu tun. So heute Abend noch mein Publikum. In Berlin habe ich eine neue auch Sie interessierende Deutsch-Österreichische Gründung vorbereiten helfen, von der ich Ihnen nächstens mehr erzählen werde. Geyer war extra dazu nach Berlin gekommen.

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus. Ihr stets dankbar ergebener (CHB)

 

147. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 4.11.1909

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Herzlichsten Dank! – Um gleich in medias res zu gehen, so weiß ich gar nicht, ob Ihnen über Punkt c) noch eine Äußerung von mir erwünscht ist. Für alle Fälle erlaube ich mir aber zu bemerken, daß auch ich das durchgehende Honorar von M 100 für die Berichte zu hoch finde und eher auf ein Bogenhonorar recurrieren würde.; eine Scheidung zwischen aufgeforderten und unaufgeforderten Einsendern von solchen Berichten erscheint mir ebenso wie Herrn de G(ruyter) sehr gefährlich und zweischneidig.

Aber nun zum Hauptpunkte d)! Wir geben in der Regel für „Artikel“ 50 Separata, für „Sprechsaalbeiträge“ 25; dabei sind die ersteren als einen Bogen überschreitend, die letzteren als dies nicht tuend gedacht. Natürlich kommen Ausnahmen vor, wodurch die Einsender kurzer Artikel gewinnen und die langer Sprechsaalbeiträge verlieren.

  • Wäre es nun (da Sie ja keine ähnliche Einteilung wie Z.A. haben) nicht geraten, die Bogengrenze zum Einteilungsmodus zwischen50 und 25 Separata zu machen, oder dgl.?
  • Ferner: nur einzelne Autoren legen auf Separattitel Wert: wäre es nicht tunlich, deren Wünsche von Fall zu Fall zu befriedigen unter möglichst billiger Anrechnung des Titelzusatzes. Ich vermisse (oder habe es in der Eile übersehen) eine ausdrückliche Bemerkung, daß auf dem Separattitel jedenfalls stehen muß: Sonderabzug aus „Islam“ 190, Bd…., S….ff oder dgl., nehme dies aber als ganz selbstverständlich an, in jedermanns Interesse.
  • Endlich drittens: Die Früher-Ausgabe der Separata würde ich zäh festhalten. Die meisten meiner Herren Mitarbeiter legen darauf besonderes Gewicht, und ich habe noch keinerlei Erfahrung gemacht, inwiefern die Früher-Ausgabe „für die Zeitschriftenliteratur verhängnisvoll“ wurde. Aber natürlich: buchhändlerisch-merkantile Erfahrung steht mir nicht zu Gebote. Ich weiß nur, daß mir sicher mancher Artikel entgangen oder doch manche unliebsame Korrespondenz entstanden wäre, wenn ich über die Ausgabe der Separata zeitlich nicht frei schalten könnte.

Soweit das Geschäftliche! Und dazu wie immer die herzlichsten Wünsche zum Gedeihen auch dieses Ihres schönen Unternehmens!

Ich stecke bis über die Ohren in Kolleg und Kolleg-Vorbereitung; vorgestern begann die Genesis mit über 20, gestern das Alttest(amentarische) Seminar mit 7 Zuhörern. Aber die tägliche Vorlesung und noch dazu mit Vorbereitung ist mir neu und läßt mir herzlich wenig übrige Zeit. Wo bleibt die Verwirklichung all der liebgewordenen Pläne, die ich wälze: Assyr(ische) Literatur, 2. Auflage; Supplement zum Katalog; Supplement zu Brünow: Meissner; ja selbst mein armer äthiopischer Heiliger? Und dabei brennt einem die entsetzliche „Weltgeschichte“ auf die Finger!

Wundernett war’s in Wien und München; dort zusammen mit Troeltsch, der auch einen Vortrag hielt (am selben Abend, an dem der erste Teil meiner „Trilogie“ stieg), und in München einen Tag nach Windelband’s Vortrag. Wir wohnten bei Müllers und haben diese ordentlich genossen.

Für heute in der bekannten Eile Addio! Schönste Wünsche und Grüße von Haus zu Haus!

Stets ihr alter, treuer (gez.) C. Bezold.

 

148. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 16.12.1909

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Verzeihen Sie dem 12-Stunden-Dozenten, wenn er erst heute zur Beantwortung Ihrer lieben Zeilen vom 10. d. M. kommt! Es ging wirklich nicht früher.

Daß ich Ihrem Unternehmen eigentlich ziemlich fern stehe, darüber brauche ich Sie nicht erst lang aufzuklären; unser langjähriges Zusammensein, an das ich oft und gern zurückdenke, hat Ihnen ja alle Falten meines wissenschaftlichen Herzens geöffnet! Aber wenn Ihnen neben den anderen auch an meinem Namen etwas gelegen ist, so bin natürlich gern bereit, beizutreten. Verfügen Sie also nach Wunsch über mich!8Nöldeke haben Sie nicht in Aussicht genommen?

Wir erwarten in ein paar Tagen Littmann hier, mit dem ich viel zu besprechen habe; der wird mich wohl auch über Ihren „engsten Arbeitsausschuß“ noch weiter aufklären.

Was mir neben Kolleg und manchem anderen noch viel Zeit kostet, ist die Akademie; da ist eben noch so gut wie Alles in die Wege zu leiten, wobei mir Verschiedenes anvertraut worden ist.

Daß wir statt Gunkel nun Beer bekommen haben, ist Ihnen wohl mittlerweile bekannt geworden. Als ich neulich mein Alttestamentliches Seminar bei uns zu Tisch hatte, sah ich übrigens erst, wie viel Liebe Merx unter den Studenten gesät hat, die noch über seinem Grabe wächst.

Möchten Sie und Ihre liebe Frau sammt den Kindern ein recht frohes, gesundes Weihnachten verleben! Dieser herzliche Wunsch von uns beiden, meiner Frau und

Ihrem getreuen (gez.) C. Bezold


Vorbereitung der Zeitschrift „Der Islam“


149. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 11.2.1910

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Verzeihen Sie es meiner sehr knappen Zeit, daß ich Ihren Vertrag bis heute habe liegen lassen! Ich bin mit fast allen Sätzen darin einverstanden. Da Sie ihn aber einmal geschickt haben, so erlaube ich mir doch noch ein paar – ganz unmaßgebliche! – Vorschläge, nämlich

  1. Abgesehen davon, daß Sie sich (wie Sie schreiben) vorbehalten, daß Ihr Name „für alle Zeiten irgendwie auf dem Titel bleibt“, würde ich in §3 sagen „… der Begründer und erste Herausgeber der Zeitschrift. Er behält das Amt des leitenden Herausgebers9 auf jeden Fall …“
  2. In §7 würde ich schreiben: „… und jeder Band soll tunlichst in … (Sie könnten z. B. eine größere Reise unternehmen müssen oder dgl.: chi sa?
  3. In §8: „… gedruckt werden (verzeihen Sie dem Pedanten!) können Typen für arabische, türkische und persische Einfügungen in Kontext- und Anmerkungsschrift sind erforderlich“.
  4. §14: Nach „pro Exemplar“ würde sich vielleicht empfehlen noch beizufügen: und weiterer entsprechender Berechnung für etwaige eigene Paginierung, Separattitel oder sonstige Zusätze.
  5. In §15 würde ich (schon um die Zeit für überflüssige Korrespondenzen zu ersparen) darauf dringen, daß die Worte „unter Zustimmung des Verlegers“ gestrichen werden.

Wir haben uns gewiß nicht minder als Sie über Ihren lieben Besuch gefreut; ob uns ein baldiges Wiedersehen (im Süden?) beschert wird?!

Herzliche Grüße von uns beiden an Sie und Ihre liebe Frau – auch an Troeltsch! Ihr treuer (gez.) C. Bezold.

 

150. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 9.3.1910

Lieber Freund,

Gestern abends von Wilhelmshaven zurückgekehrt, fand ich Ihren Artikel vor, und erhielt heute ein Duplicat davon sowie den Prospekt Ihrer Zeitschrift: für alles herzlichsten Dank!

Da bei der Duplicatsendung offenbar ein Versehen der Expedition vorlag und ich weiß, wie gern man überschüssige Exemplare hat, hab ich mir erlaubt das zweite Ex(emplar) an Sie zurückzusenden.

Die Lektüre des Artikels fand ich heute vor lauter Correcturen und dringenden, seit 5 Tagen lagernden Korrespondenzen noch keine Zeit, habe aber noch die Vorfreude – aber nur mehr sehr kurz. Dagegen kann ich Sie zu der vornehmen und sachlichen Abfassung des Prospekts beglückwünschen. Ich habe das Gefühl, daß es Ihnen mit der Verwirklichung Ihrer Ideen gut gehen werde, und – ohne alle Schmeichelei – bei Ihnen in den besten Händen sei.

Wir waren auf der Reise und an den Vortragstagen vergnügt; morgen soll ich auf 6 Tage Strohwitwer werden und dann evviva Lugano! Mit den herzlichsten Grüßen von Haus zu Haus Ihr alter treuer C. Bezold.

 

151. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 8.5.1910

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Längst wollte ich Ihnen schreiben und bemerke mit Schrecken, daß das Semester nun schon ordentlich in Gang kommt und die Schuld nicht getilgt ist. So empfangen Sie denn endlich – spät aber herzlich – Dank für Alles, den lieben Brief vom 6. April, die Sendung der französischen Fassung Ihres Vortrags (auch die deutsche für unser Seminar) und die Rezension über Leonard, die ich mit größtem Interesse gelesen habe!

Wir sind seit 14 Tagen zurück nach einem 2tägigen Aufenthalt in Straßburg, der reizend wie immer war. Dort sagte mir Littmann auch, daß Ihr deutsch-österreichischer Verein aufgelöst sei und Sie mir nächstens darüber schreiben wollten; das mag unbewußt meine heutige Antwort verzögert haben.

Und nun zur Sache: 1. Für Herrn Windfuhr habe ich nach dem, was Sie über ihn schreiben, gar keine Angst; wir können ja dann im Examen einen syrischen und einen arabischen Text nehmen. Übrigens hat mir seine Schrift einen sehr guten Eindruck gemacht. Ich sehe einer Eingabe also jederzeit gern entgegen.

2. Auch Herrn Schmidt nehme ich nach Ihren Mitteilungen natürlich gern als Candidaten auf (in seine Arbeit werde ich mich selber wohl erst tüchtig einlesen müssen!) Bei ihm wäre also der Schwerpunkt aufs Arabische zu legen. Und für die bekannten „allgemeinen Fragen“ über Semitica kann er sich wohl aus Nöldeke’s „Die semitischen Sprachen“ und Ähnlichem etwas vorbereiten? Weder von Nationalökonomie noch von Philosophie höre ich, daß sie als Nebenfächer wegen ihrer Schwierigkeiten gescheut würden. Russisch ist hier ausgeschlossen. Spanisch wird wohl gelesen, aber für das Examen fürchte ich, daß ein ziemliches Maß von romanischer Philologie im Allgemeinen (vergleichende Grammatik &c.) vorausgesetzt würde. Ich würde die erstgenannten Fächer mehr empfehlen, wenn sich der Cand(idat) da zu Hause fühlt. – Hoffen wir also auf doppeltes Gelingen!

Für die erste Nummer Ihrer Zeitschrift haben Sie ja treffliche Namen beisammen; möge das immer so bleiben!

Ich habe, ohne Theologie und mit „Hinansetzung“ der Aethiopica – ich muß sagen, seit Jahren! – mich wieder einmal in die Keile10 gestürzt und sehe aufs Neue, wie interessant da Alles und jedes ist, wie sehr uns aber auch ein wenig Zusammenfassung nottut. Hoffentlich reichen meine Kräfte, um eine solche Zusammenfassung auch wirklich zum Nutzen der Wissenschaft zu Stande zu bringen; ich habe fest vor, jetzt nicht mehr „luck“ zu lassen!

In Lugano war’s ungewöhnlich kalt und unfreundlich, genau so wie jetzt hier. Ein Besuch in Locarno (bei Quinckes) verschaffte uns den Genuß eines kurzen Zusammenseins mit Troeltschs und Rathgens; das war sehr nett. Rathgen berichtete auch über seinen Aufenthalt bei Snouck, dem jungen Bräutigam.- Nöldeke war frischer denn je, und ich habe ihn diesmal u.a. als Hebraisten bewundern gelernt; wie enorm reinlich und gradlinig der Mann in Allem denkt, – und ohne Philosoph zu sein!

Mögen Sie mir Ihrer vielmals gegrüßten Gattin und den Kindern einen recht frohen und vor allem gesunden Sommer verleben! Dies der Wunsch meiner herzlich grüßenden Frau und Ihres stets getreuen (gez.) C. Bezold.

 

152. C. H. B. an C. Bezold, Lugano (Hamburg?), 6.4.1910

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor!

Unter meinen wenigen wirklichen Schülern ist ein wahres Wettrennen ausgebrochen, das Doktorexamen zu machen. Neulich hat sich schon Herr Pastor Windfuhr an Sie gewandt und Sie hatten ihn liebenswürdig aufgenommen. Es interessiert Sie vielleicht, noch ein wenig über die Kenntnisse dieses Herrn orientiert zu werden. Er kann hebräisch ausgezeichnet und ist recht eingelesen auch in die rabbinische Literatur. Er wäre so recht ein Mann für unseren seligen Merx gewesen. Auch syrisch liest er recht gewandt und frisch. Die Lecture von Josuas Stylites ging einfach großartig. Seine Kenntnisse im arabischen sind weniger groß, doch hat er nicht ohne Geschick Bohári und Noeldekes Delectus bei mir gelesen. Ich glaube sein Examen wird keinerlei Schwierigkeiten machen, wenn seine Arbeit genügt. Das kleine Schriftchen, das er Ihnen gesandt hat, ist von Strack sehr gelobt worden.

Noch kenntnisreicher, wenn auch ganz anders geartet, ist ein anderer Schüler von mir, der ebenfalls diesen Sommer bei Ihnen promovieren möchte. Dr. jur. F. S. Schmidt macht eben sein Assessorexamen und will dann sofort seine Dissertation, die aus einer Seminarübung bei mir erwachsen ist, fertigstellen. Schmidt ist ein Mensch von ungewöhnlichem Sprachtalent und spricht arabisch mit vollendetem Accent. Er hat in Berlin das Dolmetscherexamen für Marokko gemacht, hat sich aber dann auch ziemlich viel, namentlich in den letzten 1 ½ Jahren, bei mir mit der klassischen Sprache beschäftigt. Bei der Lecture von Abu Júsuf entdeckte er, daß die verschiedenartigsten Institutionen, die unter dem Begriff der Ganima 11behandelt werden, den verschiedenen Abteilungen des römisch-rechtlichen Begriffes der Occupatio entsprachen. Auf meine Veranlassung ging er der Sache nach und legte mir vor einigen Tagen eine Arbeit vor, die wirklich sehr hübsche ganz neue Resultate zur Entstehungsgeschichte des islamischen Rechtes enthält. Ich riet ihm nun, die Arbeit noch etwas auszubauen und als Dissertation zu benutzen. Ich will sie ihm dann gern in meiner Zeitschrift drucken. Er soll nur die Institution jetzt erst noch etwas weiter durch das islamische Recht hindurch verfolgen; bisher hatte er bloß die ältesten Quellen herangezogen. Es wird zweifellos eine sehr hübsche Arbeit. Was noch fehlt, kann er etwa in 4 Wochen machen. Daß Herr Schmidt bei Ihnen im Arabischen glänzend bestehen wird, dafür ist mir nicht bange, nur ist er natürlich kein ausgebildeter Semitist. Er hat zwar hebräisch auf der Schule gelernt und meint leichtere Texte wie die Bücher der Könige bald wieder lesen zu können. Auch ins Syrische hat er sich leidlich hineingearbeitet, wenn er auch etwas Angst vor einem unpunktierten syrischen Texte hat. Ich möchte Sie nun fragen, ob Sie ihn unter diesen Umständen annehmen wollen. Ich kann ihn auf das Wärmste empfehlen. Er kann jedenfalls zehn mal mehr wie Helbig. Was ihm im Syrischen und Hebräischen fehlt, ersetzt er durch eine tüchtige Realienbildung. Über die religiöse Geschichte des Islam und vor allem über die Hauptkapitel des islamischen Rechtes kann er gut Auskunft geben. Die Wahl der Nebenfächer macht ihm auch keine großen Schwierigkeiten. Er denkt an Nationalökonomie (Gotheim) und Philosophie. Gelten diese Fächer als sehr schwierig? Herr Schmidt ist ein vorzüglicher Kenner des Russischen und seiner Literatur. Auch im Spanischen ist er wohl beschlagen. Gibt es eine Möglichkeit, eine dieser Sprachen als Nebenfach zu nehmen? Ich habe ihm versprochen, über alle diese Punkte einmal bei Ihnen anzufragen, ehe er sich selbst an Sie wenden wird. Ich möchte noch hinzufügen, daß Schmidt nicht nur ein sehr kenntnisreicher, sondern auch ein ungewöhnlich reizender Mensch ist. Er hat seit 1 Jahr selbständig den arabischen Anfängerunterricht auf dem Kolonialinstitut erteilt; er war also mein Hülfsarbeiter. Seit dem 1. April besitze ich erst einen Assistenten, der Orientalist im Hauptamt ist, Dr. Tschudi, ein Schüler Jacobs.

Meine Zeitschrift ist im Druck. Ich habe sehr viel Manuskripte bekommen und freue mich von allen Seiten zu hören, daß meine Gründung wirklich einem Bedürfnis entgegenkommt.

Ich habe diese ganzen Ferien ruhig durchgearbeitet, gönne mir nur gelegentlich mit meiner Frau etwas Reiten und Bootfahren. Meistens war hier herrliches Wetter, so daß uns der Verzicht auf eine Reise nach dem Süden eigentlich nicht allzu schwer fällt. Immerhin beschleicht mich doch ein leichtes Neidgefühl, wenn ich an Sie Troeltschens und Rathgens und andere denke. Ich wünsche Ihnen einen recht genußreichen Aufenthalt.

Mit freundlichen Grüßen von Haus zu Haus wie stets in dankbarer Verehrung Ihr getreuer (CHB)

 

153. C. H. B. an C. Bezold. (Hamburg?), 18.7.1910

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Professor!

Herzlichen Dank für die beiden wertvollen Zusendungen, die Sie mir gemacht haben. Ihre Geschichte präsentiert sich ja in prachtvollem Gewande. Ich weiß, daß sie ein Schmerzenskind von Ihnen war, glaube aber, daß das wenige Leser merken werden. Überaus geschickt ist die Betonung der Kulturgeschichte. Ich habe schon ein gut Stück darin gelesen und mich darüber gefreut.

Mit noch größerem Interesse habe ich die Akademiepublikationen durchgelesen. Auch hiervon wußte ich ja aus Ihren Erzählungen schon so viel, daß ich mit Genuß diese überaus wichtige Arbeit durchnehmen konnte, obwohl sie meinem eigenen Arbeitsgebiet ja so sehr fern liegt.

Als kleine Gegengabe sende ich Ihnen in den nächsten Tagen Heft 2 des „Islam“, in dem Sie meine erste größere afrikanische Arbeit finden werden.

Auch hoffe ich Sie Ende Juli oder Anfang August auf der Durchreise in Heidelberg wiederzusehen, denn wir werden ja mancherlei zu besprechen haben. Hier geht alles frisch voran. Vier neue Professuren sind bewilligt und ein Organisationsplan ist in Arbeit. Meine Residenz während des August wird Augsburg sein, während des September Gelnhausen.

Ich bin neugierig, wie Ihnen die Arbeit von Dr. Schmidt gefallen hat. Ein älterer Orientalist hätte vielleicht mehr herausgeholt, aber auch so sind die Resultate doch schon recht erheblich. Mich hat besonders gefreut, daß Schmidt nicht zwangsweise vergleicht, sondern auch ruhig betont, wo Entlehnungen unwahrscheinlich sind. Schmidt ist jetzt auf der Bank tätig, hatte aber auf mein Gutachten hin einen Ruf als Oberbeamter nach Ostafrika, wo er die Entwicklung des Islam beaufsichtigen sollte. Leider war er schon vorher bei der Bank festgelegt. Hoffentlich haben Sie Freude von ihm im Examen.

Kollege Meinhof bat mich neulich, gelegentlich Ihnen nochmals seinen Dank für Ihre Bemühungen in seiner Sache auszusprechen. Er hofft, daß Sie es richtig verstanden haben, warum er seine Arbeit nicht in der Akademie publizieren wollte. An Druckgelegenheiten fehlt es ihm nicht, da er ja selbst Redakteur unserer Institutspublikationen werden wird. Es kam ihm nur darauf an, das Ohr der Semitisten zu erreichen. Da die Arbeit Ihnen, wie ich wohl begreife, etwas aus dem Rahmen Ihrer Zeitschrift zu fallen schien, wird sie Meinhof jetzt wohl in der ZDMG12 veröffentlichen.

Mit verbindlichen Grüßen von Haus zu Haus in bekannter Verehrung Ihr aufrichtig ergebener (CHB)

 

154. C. Bezold an C. H. B., Gelnhausen. Engelberg/Schweiz, 8.9.1910

(Postkarte)

Von der Arnialp senden herzliche Grüße A. Bezold, Otto Cartellieri.

Dazu noch herzlichen Dank, lieber Freund, für das 2. (sehr interessante) Heft des Islam, Ihren freundlichen Brief, den ich noch in Heidelberg, und die Karte, die ich in Oberndorf erhielt! Daß wir uns am 16.8. nicht in der Ausstellung trafen, ist schade (lernten dort Sasse und Nöldeke kennen).

Wir wollen noch ca. 10 Tage hier in Engelberg (Hotel Engel) bleiben, dann nach Heidelberg zurückkehren. Es wäre sehr schön, wenn wir uns dort wiedersähen.

Unsere ehrerbietigen Empfehlungen Ihrer Frau Mutter und viele herzliche Grüße an Ihre l(iebe) Frau! In alter Treue Ihr C. Bezold

 

155. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 10.11.1910

(Postkarte)

Lieber Freund,

Heute komme ich wieder mal mit Dank, herzlichstem Dank für das Schlußheft Ihres „Islam“. Dazu die allerbesten Glückwünsche zur Vollendung des ersten Bandes mit einem multos in annos“! Ich habe das meiste in dem Doppelheft schon durchgelesen, und zwar mit größtem Interesse. Bei den Übersetzungen aus dem Türkischen stieg mir lebhaft der Abend auf, wo mir der freundliche Hilmy Bey dasselbe über die Brautschauen und, was damit zusammenhängt, erzählte.

Was Sie selbst über N(öldekes) neues Werk geschrieben haben, das haben Sie ganz vortrefflich gesagt! Glück auf!

Gleichzeitig sende ich Ihnen eines der ersten Exemplare unseres Rundschreibens und dazu endlich ein Ex(emplar) der Ak(ademie)-Stift(ungs)-Satzungen, das ich in diesen Tagen erhielt.

Bei uns geht’s jetzt ordentlich ins Semester hinein. Gestern war ich unter 170 Zuhörern in Ranke’s Publicum (mit Lichtbildern) über ägyptische Kultur.

Außer N(öldekes) Neue Beiträge lese ich in Mußestunden des genialen Igratins Vorlesungen über den Islam. Gleich us. Igratin ist ganz famos; nicht?

Hoffentlich geht es bei Ihnen Alles gut! Viele herzliche Grüße von Haus zu Haus! Ihr treuer C. Bezold

P.S. Das Examen des Herrn W(indfuhr) soll am 23. d. M. sein

 

156. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 24.11.1910

Lieber Freund,

vielen Dank für Ihre liebe Karte vom 13. d. M. Heute muß ich Ihnen nun leider melden, daß gestern abends Herr Windfuhr nicht bestanden hat. Die allgemeinen Fragen bei mir gingen kläglich, aber noch an; das Syrische war schon ziemlich schlimm (Unkenntnis ganz gewöhnlicher Worte wie –syrische Worte –Liebe, Taufe usw. usw.) aber ich hätte allenfalls noch durch die Finger sehen können. Hingegen war’s bei Boll, der sich auf Wunsch des Herrn W(indfuhr) auf Catull beschränkt hatte, so bös, daß darauf das Examen abgebrochen wurde und Windelband das zweite Nebenfach ausfallen ließ. Ich bedauere dies (wie wir alle) natürlich sehr lebhaft.

Man fühlte nur zu deutlich, daß Herr W. schon zu lange von der Hochschule abgegangen ist, um unsere Anforderungen zu verstehen. Dadurch möchte ich ihn aber nicht entmutigt wissen. Da die Arbeit angenommen ist, kann er ja das Examen wiederholen.

Ich wollte Ihnen doch auch gleich von mir aus über diese Angelegenheit Mitteilung machen. Es ist betrübend; aber scharf angefaßt hat Herrn W. keiner von uns beiden Examinatoren!

Für heute nur noch die schönsten Grüße von Haus zu Haus! Ihr treuer C. Bezold.

P.S. Die Zusagen zur G(oldziher)-Festschrift treffen schon jetzt recht zahlreich ein.

 

157. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 1.1.1911

(Postkarte)

Herzlichen Dank, lieber Freund, und innige Erwiderung der Wünsche für Sie, Ihre liebe Gattin und ganzen Familie!

Sie Glücklicher! Dies Jahr winkt uns keine weite Reise.

Könnten Sie am 26. d. M. ca. 1 Uhr mit uns essen? Darüber würden sich herzlich freuen Ihre vielmals grüßenden, meine Frau und Ihr treuer C. Bezold

 

158. C. Bezold an C. H. B., Kairo Heidelberg, 3.3.1911

(Postkarte, abgestempelt Cairo 8.3.1911!)

L(ieber) Fr(eund),

Heute muß ich Sie mit der (Goldziher)-Festschrift quälen. Denn 20 Herren, die noch mit ihren M(anuskripten) im Rückstand sind, werde ich in den nächsten Tagen den 15. d. M. als letzten Ablieferungstermin angeben; sonst wird das Gelingen der Sache gefährdet.

Da ich weiß, daß Sie mich nicht im Stich lassen, wollen wir entre nous deux noch eine weitere Hinausschiebung vereinbaren, sagen wir bis Ende März; ist Ihnen das recht?

Aber: umgehend bitte ich Sie um genaue Angabe des Themas, da die Beiträge schon in den nächsten Tagen geordnet werden sollen.

Für heute nur in aller Eile diese paar Zeilen. Ich hätte Ihnen viel Schönes auf Ihre beiden freundlichst übersandten Artikel zu sagen, ganz besonders auch über den Islam II, 1 ff!! Aber die Zeit drängt. Meine Frau dankt herzlich für Ihren freundlichen Brief vom 10.d. M.

Grüßen Sie L. (sein Brief richtig eingetroffen; vielen Dank!) und W. vielmals und seien Sie herzlichst gegrüßt von meiner Frau und Ihrem alten treuen C. Bezold

 

159. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 29.3.1911

(Postkarte)

L(ieber) Fr(eund),

Ihre liebe Karte erreichte mich, zwei Tage nachdem ich von Nöldeke (via Littmann) über Ihre Rückreise gehört hatte: wie leid Sie uns beiden tun! Bei allem und allem bin ich sehr froh über Ihre Worte „wir hoffen ihn jetzt gerettet“ und wünschen Ihnen von ganzem Herzen, daß Sie darüber nun volle Gewißheit haben und daß die Besserung nun rasche Fortschritte macht! Grüßen Sie in diesem Sinne auch Ihre liebe Frau herzlich von uns beiden, denen mit Ihrer Rückkehr eine Last wenigstens vom Herzen genommen wurde!

Ich schrieb Ihnen am 16. einen Kartenbrief nach „Villa Victoria“, der jetzt gewiß in Ihren Händen ist.

Wir wollen am nächsten Sonntag nach Lugano (“Bellevue“); bis dahin soll aber noch schrecklich viel fertig werden, deshalb auch diese kurze Nachricht.

Mit allen guten Wünschen und herzlichen Grüßen Ihr treuer C. Bezold.

 

160. C. H. B. an C. Bezold (Hamburg), 30.3.1911

(Maschinenkopie)

Hochverehrter lieber Herr Professor,

Herzlichen Dank für Ihre freundliche, teilnehmende Karte. Unser Walter ist wirklich auf dem Wege der Besserung. Heute durfte er sogar schon ein Viertelstündchen an die Luft. Seine Wunden heilen ausgezeichnet und er hört wieder gut. Natürlich ist er noch ziemlich nervös und bedarf ebenso wie meine Frau nach der langen Pflege einen Aufenthalt in irgendeinem sonnigen Ländchen. Da ich am 6. Mai in London einen Vortrag halte, werden wir es wahrscheinlich verbinden und an die englische Südküste, eventuell Insel Wight, gehen. Sollten Sie dort irgendein Plätzchen wissen, das besonders für diese Jahreszeit empfehlenswert ist, so wäre ich Ihnen für eine Mitteilung aus Lugano sehr dankbar. Vor Mitte April werden wir kaum Hamburg verlassen.

Ihren freundlichen Brief nach Cairo habe ich inzwischen auch erhalten. Mein Beitrag für Goldziher nähert sich der Vollendung. Den Titel Bilderstreit und Bilderverbot werde ich kaum beibehalten können, da sich der Aufsatz über dieses Thema hinaus ausgewachsen hat. Es wird eine Studie über die erste christliche Polemik gegen den Islam in ihrer Wirkung auf das Hadith und die islamische Glaubenslehre .Ich suche noch nach einem hübschen, kurzen Titel. Nach dieser Inhaltsangabe werden Sie meiner Arbeit bei der Manuskriptordnung den ihr gehörigen Platz anweisen können. Ich hoffe Ihnen das Manuskript in 8 bis 10 Tagen nach Lugano senden zu können, wenn ich inzwischen nicht anderes von Ihnen höre.

Mit allen guten Wünschen auch von meiner Frau für Ihr und Ihrer Frau Erholung in dem lieblichen Lugano Ihr Ihnen dankbar ergebener (CHB)

 

161. C. H. B. an C. Bezold, Lugano. Hamburg, 15.4.1911

(Maschinenkopie)

Mit gleicher Post sende ich Ihnen separat eingeschrieben meinen Beitrag für die Goldziher ’sche Festschrift. Sollte er, was ich nicht glaube, den zulässigen Umfang überschreiten, so soll mich Trübner mit den Mehrkosten belasten. Ich denke, die Arbeit wird Goldziher freuen.

Bei uns geht es zur Zeit wieder alles recht ordentlich. Mein Junge ist zwar noch immer in ärztlicher Behandlung, aber man kann sagen, er ist wieder gesund.. So werden wir ein frohes Osterfest feiern und ich wünsche Ihnen und Ihrer Gattin von Herzen ein gutes Fest und weitere Erholung in dem geliebten Lugano.

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus Ihr getreuer (CHB)

 

162. C. Bezold an C. H. B. Lugano, 15.4.1911

(Postkarte)

Lieber Freund,

Ich habe bis heute auf Ihr Manuskript gewartet und deshalb nicht auf Ihren Brief vom 30.3. geschrieben. Jetzt wollen wir aber nicht länger säumen, Ihnen und Ihrer lieben Frau die herzlichsten Osterwünsche zu senden, besonders daß Ihr lieber W(alter) wieder ganz frisch und munter sei.

Wir waren seinerzeit in Ventuor (Isle of Wight!) und fanden das ganz reizend, auch für die Ausflüge praktisch. Meine Adresse von jetzt bis 21.4.: Locarno, Grand Hôtel Locarno, dann wieder Heidelberg. Mit recht herzlichen Grüßen von Haus zu Haus

Ihr ganz getreuer C. Bezold.

 

163. C. Bezold an C. H. B. Lugano, 17.4.1911

(Postkarte)

Lieber Freund,

Nur mit wenigen Worten herzlichsten Dank für l(ieben) Brief und M(anuskript)! Letzteres überschreitet, denke ich, den Raum nicht.

Wie froh sind wir, daß Sie von Ihrem Walter Gutes berichten können.

Über Kiel weiß ich zunächst gar nichts.

Morgen früh wollen wir nach Locarno und am nächsten Sonntag heim. Herzlichste Grüße von Haus zu Haus! Ihr alter treuer C. Bezold.

 

164. C. H. B. an C. Bezold, Heidelberg (Hamburg), 16.5.1911

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor!

Ich möchte nicht versäumen, Ihnen zum 18. meine herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Es ist doch zu schade, daß ich nicht mehr wie früher bei Ihnen selber antreten kann, sondern daß ich mich auf einen geschriebenen Glückwunsch beschränken muß. Meine Gefühle und Wünsche sind darum aber nicht weniger herzlich und meine Frau und ich treten im Geiste an Ihren Geburtstagstisch im Klavierzimmer und schmücken ihn mit Blumen treuen Gedenkens und dankbarer Verehrung.

Wir haben in diesen Tagen unser neues, prunkvolles Vorlesungsgebäude eingeweiht und ich rüste mich gerade, dort meine erste Vorlesung zu halten. Es war eine schöne Feier mit Festrede von Marcks, feierlichem Senatsdiner usw. Dabei fielen manche Andeutungen über den Ausbau unserer Organisation. Alle Zeitungen sind jetzt voll davon. Jeder hat seine Meinung in dieser Sache, wirkliche Sachkenntnis aber selten. Wir tun ja alles, um den kolonialen Überseecharakter des Bestehenden zu wahren, aber es ist sehr schwer, den Leuten hier verständlich zu machen, daß unsere Spezialitäten doch nur wirken können, wenn sie von den verschiedensten Berufen ohne Zeiteinbuße für die fachmännische Berufsausbildung ausgenutzt werden können. Gottlob ist der Senat jetzt einig, und ein bestimmtes Projekt liegt vor, das bei strengster Diskretion von Vertretern des Senats neun Vertrauensmännern der Bürgerschaft vorgelegt werden wird. Man will die allzu dilettantische Erörterung dieser schwierigen Fragen im Plenum der Bürgerschaft verhindern. Ob diese Verhandlungen noch im Sommer abgeschlossen werden, bleibt zweifelhaft. Jedenfalls aber dürften wir im Winter einen erheblichen Schritt vorwärts kommen.

Von Weiß werden Sie wohl Mancherlei über unsere gemeinsame Reise gehört haben. Es war eine ganz famose Zeit, und gerade in diesen Tagen habe ich meine alten Photographien für Weiß geordnet und wieder so manche halbverblichene Erinnerung aufgefrischt. Hoffentlich gelingt es mir im Herbst, wieder herauszukommen, doch wird das natürlich von der Entwicklung der hiesigen Verhältnisse abhängen.

Ich stecke wieder tief in Arbeit und habe jetzt zunächst meine Papyrie druckfertig gemacht. Außerdem habe ich jetzt natürlich wieder viel mit dem Kolleg zu tun. Ich habe noch nie so viele Hörer gehabt wie dieses Semester. In meiner zweistündigen Privatvorlesung über den Islam in Afrika habe ich nicht weniger als vierzig regelmäßige Hörer. Sehr mangelhaft ist dagegen die Beteiligung an den höheren philologischen Kollegs: für Syrisch und Koranlektüre ist kein rechtes Publikum, außer meinen Assistenten nehmen hieran nur noch zwei andere Herren teil.

Mit herzlichsten Grüßen und nochmaligen besten Wünschen von Haus zu Haus Ihr wie stets dankbar ergebener (CHB)

 

165. C. Bezold.an C.H. Becker Tutzing(bei Starnberg) 10.6.1911

(Postkarte)

Lieber Freund,

Endlich, endlich jetzt, auf einer kleinen Pfingsttour, komme ich dazu, Ihnen – und auch Ihrer verehrtesten, lieben Frau – recht innig für Ihre freundlichen Glückwünsche zu meinem Geburtstag zu danken. An solchen Tagen der Rückschau sind Sie mir besonders nah.

Aber auch sonst wurde ich an (Sie? weggelocht) erinnert, obwohl es der Erinnerung nicht bedürfte: durch Ihre mancherlei Sendungen gediegenen Inhalts. Ich darf Sie auch heute wieder nicht eitel machen, wüßte aber über Ihre Arbeiten gar nicht genug zu loben: von der vornehmen, sachlichen Sprache und klaren Disposition an bis zu dem eigentlichen Kern, um den es Ihnen zu tun ist. Den „Islam“ und den Artikel über das neue Blaubuch hab’ ich mit größtem Genuß und zu reicher Belehrung gelesen, wüßte nichts, was die heutige englische Politik in Eg(ypten) so präzis und verständlich lehrte! Alles Glück zu Weiterem, auch für London, wo Sie am Ende gerade jetzt sind, aber auch zur Eröffnung Ihres Vorlesungsgeb(äudes)!

Weiß hab’ ich nur erst kurz aber begeistert berichten hören, von Littmann (hier) endlich vor ein paar Tagen eine Karte aus Str(aßburg?) erhalten; der wird uns hoffentlich bald in H(eidel-berg) besuchen.

Wenn Sie in diesen Tagen Nöldeke sprechen sollten, bitte ich unsere vielen Empfehlungen an ihn und die Mitteilung, daß mich seine Karte (wegen Festschrift) hier noch rechtzeitig erreicht hat (ich weiß nämlich seine Hamburger Adresse nicht); besten Dank für Vermittlung im Voraus!

Ich stecke noch tief in Astrologie und hoffe meiner neulichen Sendung in nicht allzuvielen Wochen eine zweite (vom Bett aus) zukommen zu lassen. Gestern verlebten wir hier den Abend mit Jastrows.

Auch zu Ihren Papyri alles Heil; sollen sie schon bald fertig werden?

Darf man Sie mit einer ganz kurzen Anzeige von Meinhofs Zeitschrift für ZA (Bedeutung für Semitisten!) quälen??

Allerherzlichste Wünsche und Grüße von Haus zu Haus! Stets Ihr treuer C. Bezold.

 

166. C. H. B. an C. Bezold. (Hamburg), 3.7.1911

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor!

Ich habe Ihnen für eine ganze Reihe freundlicher Zusendungen zu danken. Ihren Akademievortrag habe ich mit wirklichem Genuß gelesen und mir zum ersten Male eine Anschauung von diesen schwierigen astronomischen Sachen gemacht. Ich bewundere übrigens Ihre astronomischen Kenntnisse. In der Astrologie weiß ich jetzt auch einigermaßen Bescheid, aber von der Astronomie habe ich keine Ahnung. Noch ehe ich Ihnen für dieses schöne Geschenk gedankt habe, erhalte ich schon wieder eine Gabe, die so wertvoll erweiterten babylonisch-assyrischen Texte. Auch hierfür danke ich Ihnen aufrichtig.

Sie werden inzwischen eine kleine Gegendedikation in Gestalt des Doppelheftes meiner Zeitschrift erhalten haben. Es ist doch merkwürdig, wie sich Ihre alte Prophezeiung bewahrheitet hat, daß ich noch einmal die Cairoer Papyri herausgeben würde. Ich mußte schon in Cairo immer daran denken. Auch die anderen Artikel werden Sie interessiert haben, so vor allem Marokko, das ja jetzt do hoch aktuell ist. Ich wußte schon seit langem, daß etwas bevorstand und bin wirklich froh, daß es endlich so weit ist. Das Vorgehen der Franzosen bedeutete doch eine derartige Verachtung des deutschen Standpunktes, daß es sich nur mit der allgemeinen deutschen Uninteressiertheit in der auswärtigen Politik erklärt, daß sich die öffentliche Meinung das so lange gefallen ließ. Mit brennender Spannung sehe ich der Weiterentwicklung der Dinge entgegen; denn die Interessen, die speziell auch hamburgische Firmen in jener Gegend haben, sind außerordentlich groß.

Ich habe mich hier zwei Tage lang der türkischen Studienkommission gewidmet, endlose Diners mit ihr vertilgt und bin nach Helgoland mit ihr gefahren. Es waren reiche, interessante Stunden. Die Leute machten einen vorzüglichen Eindruck. Wenn nur alle Türken so wären!

Gottlob neigt sich jetzt bald das Semester seinem Ende zu. Am 2. August siedeln wir nach Mölln in Lauenburg über. Wir werden diesesmal wohl nicht nach Süddeutschland kommen, höchstens nur ganz kurz.

Von Gotheil hörte ich neulich, daß Sie demnächst nach Amerika gehen, und ich gratuliere Ihnen zu diesem ehrenden Rufe. Anstrengend muß die Sache aber sein, denn 36 Vorträge sind keine Kleinigkeit.

Was sagen Sie übrigens zu Jacob? Ich bin natürlich sehr erfreut, ihn so in die Nähe zu bekommen, wenn ich mich auch ein klein wenig auf Littmann gespitzt hatte. Ich finde es ein kolossales Wagnis von ihm, seine glänzende Erlanger Position mit einem unbekannten Etwas in Kiel zu vertauschen, und ich bin überzeugt, daß die Annahme des Rufes durch Jacob alle Welt überrascht hat, so sehr ihm wohl jedermann den Ruf gegönnt haben wird.

Mit nochmaligem Danke und herzlichen Grüßen von Haus zu Haus Ihr dankbar ergebener (CHB)

 

167. C. Bezold an C. H. B, Mölln. Heidelberg, 13.8.1911

(Postkarte)

Lieber Freund,

Herzlichen Dank für die soeben erhaltene Korr(espondenz)! Es ist unverantwortlich, daß ich Ihnen noch immer nicht für Ihren l(ieben) Brief vom 3.7 und besonders für den letzten Islam gedankt habe. Beides geschieht hiermit aufs herzlichste. Ich hab’ alles im Islam mit größtem Interesse gelesen; zur Papyrusausgabe besonderen Glückwunsch. Aber (arab. Text)!!

Heute nur in aller Eile ein paar Fragen wegen Ihrer Korr(espondenz), um deren event(uelle) umgehende Beantwortung ich bitte. (Griech. Text) ist in Ordnung; die Anmerkung über DLZ lassen wir so, da ich nicht ausgehen kann.

Famos hat Nöldeke in Herrmatt (gewiß in Ihrem Sinne) die Korr(ektur) auch noch durchgemessen und dabei verbessert „mit dem Klosterleben vertauschte“ (statt gegen das Klosterleben); (es folgen weitere griechische Textkorrekturen.) Aber die Hauptsache: am Schluß verstand ich die Worte gar nicht; Nöldeke sagte, es könne nur heißen: (arab. Text); sie hab ich jetzt geändert.

Wenn Sie nun damit einverstanden sind, daß diese Änderungen vorgenommen werden, aber (griech. Text) stehen bleibt, dann bedarf es keiner Antwort; sonst bitte (wie gesagt, umgehend) um ein paar Zeilen.

Wir freuen ns, daß Sie so vergnügt sind. Auch wir waren (trotz leichten Unwohlseins von N(öldeke?) und Snoucks in H(amburg?) froh. Aber von dort hab’ ich einen bösen Bronchialkatarrh mitgebracht, der mich schon seit einer halben Woche arbeitsunfähig macht! Dumm! Im Verlauf dieser Woche hoff’ ich Ihnen Bolls und meine Akad(emie)-Abh(andlung) zu schicken. Da sind Sie wohl noch in M(ölln)?

Mit allen guten Wünschen und herzl(ichen) Grüßen von Haus zu Haus

Stets Ihr treuer C. Bezold

 

168. C. Bezold an C. H. B., Gelnhausen Heidelberg, 16.9.1911

Lieber Freund,

Das hat uns beiden, meiner Frau und mir, sehr leid getan, aus Ihrem soeben eingetroffenen l(ieben) Brief erfahren zu müssen, daß Sie und Ihre verehrte, liebe Frau so viele Sorgen durchgemacht haben. Wir wünschen von ganzem Herzen baldigste Besserung und Genesung des armen kleinen Patienten.

Wegen der Festschrift lassen wir’s also wie Sie wünschen, beim Mai, und ich nehme Ihr Thema als feststehend in die Ordnung auf; ich bitte nur dann um das M(anuskript) sobald wie irgend möglich.

Die kurze Frist, die den Mitarbeitern gesteckt werden mußte, wirkte nicht gut; noch heute sind eine Anzahl M(anuskripte) ausständig, obwohl gestern der – verlängerte – Termin war. Das macht mir viele Schreibereien! Unter uns: D.H.M. hat noch (trotz früherer Zusage) vor Torschluß wegen Arbeitslast abgesagt; das wird Littmann, den ich von uns beiden herzlichst zu grüßen bitte, interessieren (Komitee-Mitglied!)

Ihre Übereinkunft mit Moritz ehrt ihn; und wir können uns dazu gratulieren!

Ich sitze noch immer über den heillosen Anm(erkungen) zu meiner Akademierede.; ein ganzes Stück Arbeit without showing!

Es wird allmählig hohe Zeit, daß wir ein wenig ausspannen; dann sollen die Rosse zügellos in Lugano grasen

Alle guten Wünsche von uns beiden und dazu herzliche Grüße, auch nach Hamburg, bitte! Ihr alter C. Bezold.

 

169. C. Bezold an C. H. B. Lugano, 22.10.1911

Postkarte)

Wenigstens einen kurzen, aber recht herzlichen Gruß möchten wir Ihnen, lieber Freund, und Ihrer verehrtesten Gattin noch schicken, wo wir heut’ über 8 Tage von umstehendem netten Häuschen wieder ins Semester heimfahren! Ich denke noch an unseren fidelen Nachtimbiß, wie wir damals um 1 Uhr von Rom ankamen, und an so manches! Nicht wahr, unsere „Reflexe“ haben Sie noch auf dem Land gekriegt (Schweigen bedeutet „ja“)?

Daß Sie Wienr’s (arab. Text) angenommen haben, freut mich sehr; hoffe, s’macht Ihnen keine Umekehr(?)!

Alle guten Wünsche für gesunden frohen Winter Ihnen und Ihrer ganzen lieben Familie! Ihr alter Freund C. Bezold.

 

170. C. H. B. an C. Bezold. Hamburg,27.10.1911

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor!

Ihre so sehr erfreuliche Postkarte aus Lugano erreicht mich so ungefähr am anderen Ende Europas, nämlich in Cuxhaven. Ich kam aber doch nicht gleich dazu, ihnen auf einer Postkarte zu danken und so hole ich es jetzt mit diesen Zeilen nach. Ich freute mich sehr, seit langem einmal wieder Nachricht von Ihnen zu erhalten. Mit Bedauern ersehe ich jedoch aus Ihrer Karte, daß ich bei dem ständigem Ortswechsel dieses Sommers offenbar ganz übersehen habe, daß ich meiner Freude über und meines Interesses an Ihren schönen Studien in Gemeinschaft mit Boll noch keinen entsprechenden Ausdruck gegeben habe. Ich hatte erst neulich Gelegenheit, mich von der unmittelbaren Nützlichkeit, und von dem Eindruck zu überzeugen, den Ihre Arbeit in den speziell interessierten Kreisen gemacht hat. Dr. Warburg nämlich, ein erstklassiger Privatgelehrter hier, wie wir wenige in Deutschland haben, der die Beziehungen auf mittelalterlicher, orientalischer und antiker Astrologie verfolgt, sprach in den höchsten Tönen von der großen Bedeutung Ihrer Arbeit für seine Studien. Auch ich begrüße es, wenn auch nur als Laie, mit Freude, daß die so oft vermuteten Beziehungen einmal überzeugend bewiesen werden konnten, und ich gratuliere Ihnen zu dieser schönen Arbeit.

Mit Ihrem offenbar vortrefflichen Schüler Dr. Wiener hatte ich eine ausgiebige Korrespondenz über seine Arbeit. Ich schlug ihm eine Reihe von Veränderungen vor, namentlich eine schärfere Herausarbeitung der vorislamischen Quellen und der Beziehungen zum Hadith. Er ging mit sehr viel Freude auf meine Anregungen ein und hat inzwischen noch recht wertvolle Entwicklungslinien herausbekommen, von denen er mir neulich in einem sehr langen Briefe Kenntnis gab. Das Erscheinen der Arbeit wird sich allerdings dadurch etwas verzögern, doch habe ich die Möglichkeit genutzt, die Arbeit unterzubringen, da ich ja jetzt auch unter dem Titel von „Studien“ Beihefte zum Islam herausgebe. Das nächste Heft wird ausführliche Mitteilungen darüber bringen. Es ist übrigens bereits vollständig gedruckt und wird Ihnen sehr bald zugehen. Ich habe wieder ziemlich viel darin geschrieben. Ich hoffe, Sie lesen auch einmal meine zahlreichen Anzeigen. Ich habe mich zu einer Stellungnahme zwischen Herzfeld und Strzygowski entscheiden müssen.

Meine Frau und ich beneiden Sie um Ihren schönen Aufenthalt in Lugano. Meine Frau ist diesen Sommer gar nicht nach dem Süden gekommen, und ich war nur wenige Tage ausschließlich in Gelnhausen. Wir hatten einen reizenden Aufenthalt in Mölln. Danach war ich in Gelnhausen und jetzt noch vierzehn Tage in Cuxhaven, wo meine Vorträge über Orientpolitik einen Zulauf hatten, der meine kühnsten Erwartungen übertraf. Sie mußten wegen baulicher Arbeiten etwas später stattfinden, so daß für mich das Semester diesesmal erst mit dem 1. November beginnt. Aber schließlich habe ich in Cuxhaven ja auch schon im Auftrage meiner Behörde gesprochen.

Man diskutiert hier zu Zeit in der Öffentlichkeit sehr viel die Universitätsfrage, und es ist in maßgebenden Kreisen eine nicht unerhebliche Opposition: Doktorexamen und ähnliches gönnt man uns, aber der Name Universität wirkt hier über die Maßen abschreckend. Der Senat ist sich aber einig und hat die Universität beschlossen, nur ist die Frage, ob er sie in der Bürgerschaft durchbekommen wird. Die Sache liegt hier umgekehrt wie in Frankfurt, dort will die Bürgerschaft und die Regierung nicht, bei uns will die Regierung und die Bürgerschaft nicht. Jedenfalls wird diesen Winter viel davon die Rede sein. Ich kann es schließlich persönlich am besten abwarten, denn ich habe in meinem reizenden Seminar mit meinen guten Mitteln, meiner Zeitschrift, meinen Assistenten ein so reizendes Wirkungsmilieu, daß ich mich wirklich wohl fühle.

Dabei fällt mir ein, daß ich Ihnen noch gar nicht erzählt habe, daß ich seit der Verheiratung von Dr.Tschudi einen neuen Assistenten Dr. Graefe und einen zweiten wissenschaftlichen Hülfsarbeiter, einen Professor Jaeger für Neupersisch, einen Oberlehrer, der in Persien gewirkt hat, habe. Außerdem ist es mir möglich gewesen, einen gebildeten Ägypter, leider allerdings ein Christ, als ständige Hülfskraft und Lektor an meinem Seminar anzustellen. Da außerdem die Assistenten der anderen Seminare zum Teil ebenfalls Semitisten sind und sofern sie es nicht sind, zum Teil arabisch lernen, so hat sich jetzt hier unter der Fahne der Arabistik ein großer Kreis strebsamer junger Leute in höheren Semestern zusammengefunden, wie ich ihn in Heidelberg niemals besessen habe. Schon in den Ferien sind wir täglich zwischen zwei und vier Uhr auf dem Seminar zusammengekommen, um arabische Sprechübungen mit dem Lektor zu veranstalten. Von meinem orientalischen Abend habe ich Ihnen glaube ich schon früher geschrieben. Es ist für mich ein großer Vorteil, nun jeden Tag auf dem Seminar arabisch sprechen zu müssen.

In der Hoffnung, daß es Ihnen Beiden gut gegangen ist und in der freudigen Aussicht, Sie vielleicht wie jedes Jahr Ende Januar um Kaisers Geburtstag herum auf einen Sprung wiederzusehen, bin ich mit herzlichen Grüßen auch von den Meinen (CHB).

 

171. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg 15.11.1911

Postkarte

Lieber Freund,

Herzlichen Dank für Ihren lieben, interessanten Brief vom 27. d. M. und für die Drucksendung des Seminars! Heute schreib’ ich nur eilig in einer Angelegenheit die unseren Festschriftjubilar (Goldziher) betrifft. Das Fest ist, wie Sie wissen, am 20. Dezember: größere Univ(ersitäts)-Deputation, vom Senat geführt; Ansprache vom Rektor und Dekan etc. Am 29.1312. Empfangsabend beim Rektor „zu Ehren der ausländischen Gelehrten“. So gut wie sicher kommen (arab. Text) wir beide; sehr wahrscheinlich (arab. Text mit Anmerkung: Dies ganz vertraulich!). Bei (unleserlich, wohl Nöldeke) will ich am nächsten Montag in Str(aßburg) persönlich anklopfen (muß wegen Festschrift hinüber), habe aber nicht viel Hoffnung.

Wie wär’s wenn Sie kämen?!! Ich sage: es wäre famos! Eisen Sie sich ein paar Tage los und kehren Sie dann mit uns froh zur Weihnacht heim! Im Falle der (hochwillkommenen!) Bejahung ersucht Prof. Ed. Mahler (Budapest IX, Franzensring 24) bis spätestens 22.-25. November Nachricht an ihn.

Bitte überlegen Sie sich den Fall! G(wohl Goldziher!) würde sich gewiß riesig freuen!

Herzliche Grüße und Empfehlungen von Haus zu Haus! Ihr treuer C. Bezold.

 

172. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 1.12.1911

(Postkarte)

L(ieber) F(reund),

das ist ganz famos, das Sie kommen können! Wir wollen hier am 18. d. M. früh ca. 6 ½ Uhr abreisen und abends (über Würzburg) ca. 9 ½ Uhr in Wien eintreffen; dort im Hôtel de France übernachten; am 19. morgens 9 Uhr weiterfahren und alle (arab. Wort) um 1.40 Uhr in Pest eintreffen und im Hungaria absteigen.

Vielleicht schreiben Sie mir noch eine Zeile, ob, wann und wo wir uns unterwegs ev(entuell) treffen könnten – to be on the look out!

Auf frohes Wiedersehen und herzliche Grüße von Haus zu Haus! Ihr treuer C. Bezold.

 

173. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 24.12.1911

(Postkarte)

Mein lieber Freund,

Haben Sie herzlichen Dank für alle Ihre freundlichen Nachrichten! Wie leid Sie uns getan haben, und ganz besonders jetzt tun, brauche ich Ihnen nicht zu sagen; Sie wissen es und müssen es fühlen, daß wir alle Ihre Freude und all Ihr Leid immer von Herzen mitfühlen! Diesen Tag vollständig.

Wir suchten Sie am Dienstag morgens (früh 9 Uhr) schon auf dem Staatsbahnhof in Wien, trafen aber leider nur Snuock, mit dem wir nach Pest fuhren. Dort kündete uns Mahler auf der Bahn Ihre Verzögerung, und abends in seiner Wohnung, wo wir mit Jacob, Snouck, Sohn Goldziher etc den Abend verbrachten (kam) – leider! – Ihre definitive Absage an. Den Jubilar begrüßten außer uns Ausländern am Mittwoch mittags ca. 30 Kollegen, darunter auch Löw und der 83jährige Vambug. Rektor und Dekan sprachen ungarisch, ich natürlich deutsch. Dann Lunchen an kleinen Tischen. Abends Festessen im Hôtel Bristol (ca. 25 Personen) mit guten Reden (hauptsächlich Deutsch (!), aber auch Ungarisch, Lateinisch, Arabisch und Assyrisch (Name unleserlich). Unsere Damen kamen um 11 Uhr aus einem Symphonieevenement nach, dann kneipten wir bis nach Mitternacht und – im kleinen Kreis – in unserem Hotel noch bis 2 Uhr weiter. Von den Äußerungen G(oldzihers) müssen Ihnen die Ohren mächtig geklungen haben!

Von einem gemütlichen Mittagessen bei Goldziher mit Snouck und Mahlers fuhren wir am Donnerstag nachmittags die Nacht durch direkt bis München!

Alle guten Wünsche für 1912 und auf Wiedersehen im Januar. Ihr immer treuer C. Bezold.

 

174. C. H. B. an C. Bezold. Hamburg, 28.12.1911

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor!

Ich möchte Ihnen heute nur kurz danken für den ausführlichen Bericht über Budapest, den ich Ihrer Güte verdanke, sowie für die freundlichen Worte, die Sie meiner Frau und mir widmen. Gottlob war meine Frau am Weihnachtsfest wieder so weit, daß wir doch recht vergnügt feierten. Harmonisch und still sind die Festtage verflossen. Hoffentlich hatten auch Sie nach den schönen Budapester Eindrücken ein erfreuliches Fest. Zum neuen Jahre senden meine Frau und ich Ihnen aufrichtige und herzliche Wünsche und Grüße. Ich freue mich sehr, Ende Januar wieder einmal auf ein Stündchen bei Ihnen einkehren zu dürfen. Es hat diesesmal zwar gewisse Schwierigkeiten, da der Geburtstag meiner Mutter auf Sonnabend, den 28. fällt, und Sie an Kaisers Geburtstag wohl besetzt sein werden. Ich schreibe Ihnen zeitig das Nähere.

Mit herzlichen Grüßen und Wünschen von Haus zu Haus Ihr wie stets dankbar ergebener (CHB)

 

175. C. H. B. an C. Bezold. (Hamburg), 18.1.1912

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor!

Noch vor unserem persönlichen Wiedersehn möchte ich heute zugleich im Namen von Littmann mit einer großen Bitte an Sie herantreten. Littmann und ich haben auf Veranlassung von Trübner die Herausgabe eines Grundrisses der semitischen Philologie übernommen. Wir haben ein sehr umfangreiches Programm entworfen, das auch das ganze große Gebiet der Realien mit Ausnahme der Geschichte mit einbezieht. Ehe wir nun mit diesem Plane an die Öffentlichkeit treten, möchten wir uns der Mitarbeiter einiger der Hauptvertreter der wichtigsten Disziplinen versichern. So schreiben wir in diesen Tagen außer an Sie an Goldziher, Snouck, Wellhausen, Ed. Meyer und Brockelmann. Mit Jacob haben wir anläßlich unseres hiesigen Zusammenseins mündlich gesprochen, und heute erhalte ich von Littmann einen Brief mit der frohen Botschaft, daß auch Nöldeke sich zur Übernahme einiger Kapitel bereit erklärt hat. Erst, wenn die genannten Herren uns ihre Teilnahme zugesagt haben, wollen wir an die weiteren Kreise der Kollegen herantreten.

Es bedarf ja wohl keiner weiteren Versicherung, daß Littmann und ich von Anfang an damit gerechnet haben, daß Sie uns für das Assyrisch-Babylonische teils mitarbeitend, teils beratend zu Seite stehen würden. Wir wollten Sie in erster Linie bitten, die assyrische Literatur zu übernehmen, die als eigener Band der Serie Literaturgeschichte erscheinen soll. Umfang und Einrichtung wäre natürlich vollkommen Ihnen überlassen. Aber wenn wir die Literaturgeschichte nennen, so soll das keine Beschränkung ausdrücken, sondern es steht Ihnen wie den anderen obengenannten Herren zunächst selbstverständlich freie Wahl zu, und wir werden jeden Wink und jeden Beitrag dankbar und freudig annehmen. Ich sende Ihnen anbei unseren vorläufigen Entwurf, damit Sie sehen, wie wir uns die Sache gedacht haben. Der Entwurf ist natürlich als provisorisch anzusehen und soll nicht so veröffentlicht werden.14

Über alles Nähere sprechen wir wohl am besten mündlich. Wenn Sie mir nur bald Ihre prinzipielle Geneigtheit bestätigen wollten. Ich kann mir gar nicht denken, daß Sie sich von diesem Unternehmen ausschließen werden; ich hoffe vielmehr, daß Ihre schon lange ausgereifte assyrische Literaturgeschichte nun in diesem Grundriß erscheint, eine seiner schönsten Zierden und hoffentlich einer seiner ersten Bände wird. Welche Gebiete Littmann und ich selber bearbeiten, ergibt sich ja wohl auch ohne nähere Angaben aus der Übersicht.

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus in bekannter Verehrung Ihr stets ergebener (CHB).

 

176. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 17.1.1912

(Postkarte)

Lieber Freund,

Vielen Dank für Ihre beiden Nachrichten! Recht herzlich freuen wir uns beide auf Ihr Kommen und haben mit W.’s verabredet, daß Sie uns am Samstag dem 27. mittags gewährt werden; also dürfen wir – wohl ohne weitere Nachricht – wohl sicher auf Ihren lieben Besuch an diesem Tage, gegen oder um 1 Uhr, zählen.

Von dem anderen „Unternehmen“ hat mir L(ittmann) schon vor Jahren erzählt, und ich habe damals nicht „nein“ gesagt. So darf ich’s wohl auch jetzt nicht, obwohl mir der Himmel voll astrologischer Baßgeigen hängt und ich – beispielsweise – in der ganzen Weihnachtsvacanz vor lauter fremden Anfragen nicht zu einer Zeile selbständiger, eigener Arbeit gekommen bin. Sie werden das jetzt in Ihrer Stellung in H(amburg) sehr gut zu würdigen wissen!

Also auf gesundes, frohes Wiedersehn! Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus

Ihr treuer C. Bezold

 

177. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 6.3.1912

(Postkarte)

Lieber Freund,

Sehr freuen wir uns auf das Wiedersehn mit Ihnen!! Mit dem Hôtel bin ich ein bissl in ungeschützter (unleserlich, weggelocht) Lage. Wir hatten im Dez(ember) in München mit Kuhns verabredet, daß wir jedenfalls mit ihnen zusammen sein wollten, und daraufhin hatte ich neulich „Palace“ vorgeschlagen, womit wir beidseitig dorthin schrieben. Schon die Preise sind uns zu exorbitant (francs 18). Nun hab ich mir (kurz vor Eintreffen Ihrer lieben Karte) ganz in K(uhns( Hand gegeben; er macht wahrscheinlich mit „Minerva“ etwas aus, ev(entuell aber mit „Hermes“.

Sobald ich erfahre, wo wir unterkommen sollen, teile ich es Ihnen mit; möchte Sie aber deshalb ja nicht hinhalten. Ich fürchte fast, Sie können meine Antwort nicht mehr gut abwarten. Wie gesagt, „Minerva“ ist das wahrscheinlichste, aber ich kann nicht dafür garantieren.

Herzliche Grüße von Haus zu Haus; und (arab. Text), auf gesundes frohes Wiedersehen an Bord des Baron Beck in Brindisi.

Ihr treuer C. Bezold.

 

178. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 7.3.1912

(Postkarte)

L(ieber) Fr/eund), heute erfahre ich, daß K(uhn) im „Minerva“ für uns mitbestellt hat. Da dort voraussichtlich Platz ist, so ist es allem Ermessen nach so gut wie sicher, daß wir dort wohnen werden.

Wie immer herzlichstes Gedenken von Haus zu Haus! Ihr treuer C. Bezold.

 

179. C. H. B. an C. Bezold. (Hamburg), 15.5.1912

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor!

Zu Ihrem Geburtstag sende ich Ihnen, wie alle Jahre auch diesmal zugleich im Namen meiner Frau unsere aufrichtigsten Wünsche. Möge Ihnen noch viele Jahre die erstaunlich Arbeitsfrische und –Freudigkeit erhalten bleiben, wegen deren ich Sie schon immer beneidet und von der ich bei unserem kürzlichen Zusammensein einen neuen lebendigen Eindruck empfangen habe.

Es war wirklich zu schön, daß wir in Athen so intensiv zusammen sein konnten und Ihre freundliche Aufnahme in Heidelberg ist uns beiden noch in lieber Erinnerung. Ich habe wenige ruhige Augenblicke seitdem gehabt, da man hier gleich wieder in das große Räderwerk eingestellt wird und sich mit drehen muß, wenn man wirken will. Ich habe in diesem Semester in meiner Islamkunde die Rekordziffer von 50 Teilnehmern erreicht, was mich besonderer Genugtuung erfüllt, da Martin Hartmann in Berlin, trotz der Universität, es auf keine 20 bringt.

Herrn von Goutta habe ich leider eine Absage schicken müssen, da ich erweiterte Drucke von anderswo publiziert ungern nehme, namentlich, wenn es sich um reine Übersetzungen handelt, in denen nicht einmal sehr viel Islamisches vorkommt. Ich habe ihm aber sehr freundlich geschrieben und ihn zur Mitarbeit am Islam aufgefordert.

Martin Hartmann schickte mir neulich eine sehr begeisterte Botschaft über das Blühen seiner Gesellschaft. Wie ich höre, hat er aber in der Vorderasiatischen Gesellschaft seine Liste vergeblich herumgehen lassen, nicht ein Anwesender trug sich ein. Er meinte, politisch wäre seine Sache unbedenklich, weil ein Kammerherr des Kaisers seinem weiteren Vorstande angehört. Diese Bemerkung charakterisiert seinen ganzen Überblick über die Verhältnisse zur Genüge. Ich fürchte, der Verein wird ebenso unpolitisch werden, wie die unpolitischen Briefe der Türkei.

Mit verbindlichen Grüßen und nochmaligen Wünschen von Haus zu Haus

Ihr aufrichtig ergebener (CHB).

 

180. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 19.5.1912

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Haben Sie recht herzlichen Dank für Ihre lieben Zeilen vom 15. d.M., mit den freundlichen Glückwünschen von Ihnen und auch von Ihrer verehrtesten, herzlich gegrüßten Frau Gemahlin! Sie glauben kaum, wie sehr mich immer diese Wünsche freuen und jedesmal an alte Zeiten frohen und – dürfen wir wohl beide sagen – nicht ganz unfruchtbaren Zusammenseins und –arbeitens erinnern! Auch Ihr neulicher Besuch lebt noch gar schön in unserer Erinnerung fort, und die Athener Tage mit Ihnen bleiben unvergessen.

Daß Sie ein so großes Auditorium in der Islamkunde haben, freut mich sehr, überrascht mich aber hinsichtlich des Vergleichs mit Hartmann gar nicht, obwohl ich mir denken kann, daß, wer H(artmann) richtig versteht, vieles von ihm lernen kann. Dem Ableben seiner „Gesellschaft“ sehen wir also ruhig entgegen.- Dr. Goutta ist ein sehr begabter, aber auch sehr merkwürdiger Mensch; ich könnte es gut begreifen, wenn er ganz in der Philosophie, womit er sich gegenwärtig beschäftigt, stecken bliebe und da entweder gar nichts oder etwas ganz besonderes leistete.

Wenn ich Sie nicht jedesmal zu einer Folge Ihres „Islam“ beglückwünsche und Ihnen für die Übersendung danke, so ist das von mir reine Bummelei, und ich bitte um Indemnität. Diesmal geschieht es aber ausdrücklichst und herzlich. Außer Ihren eigenen Beiträgen hat mich, wie Sie sich denken können, besonders Saxl’s Aufsatz nahe berührt; aber studieren muß ich ihn erst!

Was ich schon bei einer anderen Gelegenheit für ZDMG vorhatte, unterbreite ich Ihnen hier zu Kahle’s Artikel: würden Sie ein paar Zeilen von mir („aus einem Brief“ oder dgl.?) aufnehmen (oder wenn Sie wollen selber schreiben), worin ich die Herren ersuche, bei ihren Notenbeispielen auch die Geschwindigkeit, am besten wohl nach Mälzel’s Metronom zu notieren?

Ich habe heute mit Schmerz eine syrologische Dissertation (über Homilien), die mir heillos Zeit gekostet hat, zurückweisen müssen (privatim) und dasselbe steht mir in ein paar Tagen mit einer arabistischen über die Chidrlegende bevor. Der jüdisch-holländische Verfasser der letzteren hat einen Haß gegen Muhammed, wie ich ihn noch nie in meinem Leben kennen gelernt habe; merkwürdig, nicht?

Auf frohes Wiedersehen in Leiden mit Ihnen beiden freuen wir uns schon jetzt und grüßen herzlich von Haus zu Haus: meine Frau und Ihr treuer (gez.) C. Bezold.

 

181. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 24.5.1912

(Maschinenmanuskript)

Aus einem Briefe von C.B(ezold), Heidelberg, d. 24 Mai 1912

…Gelegentlich der sehr willkommenen Notenbeispiele in P. Kahle’s Artikel über „Zâr-Beschwörungen in Egypten“ im letzten Doppelheft von der „Der Islam“ (Bd.III, S.40f.) möchte ich anregen, daß bei solchen Beigaben in Zukunft die Herren Verfasser auch das Tempo der Vorträge angeben, am besten wohl nach Mälzel’s Metronom. Bei Aufzeichnungen phonographischer Wiedergaben würde auch die Minuten-Umdrehungszahl der Walze eines Edison-Apparats genügen…

Lieber Freund!

Die in aller Eile zur Antwort auf Ihre liebe Karte vom 21.d. M. ! Wir wollen – faul wie ich bin – in einer Stunde schon wieder in die Ferien verreisen – nach Tutzing, Hôtel Simson, um von da aus auch allerhand Besorgungen in München zu erledigen.

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus Ihr treuer (gez.) C. Bezold.

P.S. Bitte, ändern und verbessern Sie in dem obigen, rasch hingeschriebenen Zeilen, was Ihnen gutdünkt (auch Stilistisches)! D.O.

 

182. C. Bezold an C. H. B. Tutzing, 25.5.1912

(Postkarte)

Lieber Freund,

Da ich vermute, daß Sie mir von den Ihnen gestern geschickten paar Zeilen nicht erst Corr(ecturen) senden, bitte ich noch um eine Verbesserung: statt der zweideutigen „Aufzeichnungen“ (phonographische Walze) ist lieber „Bestimmungen“ oder – wenn es gut hineinpaßt – Tempobestimmungen zu setzen. Besten Dank im Voraus für Remedur.

Wir fuhren gestern bis Augsburg als Schutzengel von Fräulein Edith Stählin, dann nachts noch hier heraus. Wetter sehr naß, aber dabei Blütenpracht und Vogelsang.

Nochmals für Sie und Ihre ganze Familie gute Pfingstferien von meiner Frau und Ihrem alten treuen C. Bezold.

 

183. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 2.11.1912

(Postkarte)

Lieber Freund,

zwei liebe Nachrichten (19. und 25.d, M.) liegen mir von Ihnen vor und ich komme nun endlich dazu, Ihnen herzlich dafür zu danken. Der kurze Bericht von dem hohen Besuch in Ihrem Institut hat mich sehr interessiert; aber das muß ich mündlich erzählt bekommen, nicht wahr?-

Heute hab’ ich Ihren großen und grundlegenden Artikel im Islam endlich genau gelesen, – und kann natürlich auch meinerseits nur beistimmen. Das haben Sie, auch in der überzeugenden Darstellung wieder famos gemacht! Daß man (ni fallor) auch heutzutage eine rak’a vor dem (katholischen) Hochaltar macht (cf.S.390), ist Ihnen wohl längst bekannt. Aber eingehende Studien à la (griech. Text) sollten uns doch noch einmal den wirklichen Kanal der Übernahme weisen.

Natürlich bin ich auch ganz Ihrer Meinung über die Kongreß-Vorschläge (Krüger’s Artikel in der „Christlichen Welt“ habe ich noch nicht gesehen. Übrigens haben wir zusammen mit Littm(ann) in L(eipzig?) Ihren Kongreßbericht gelesen und uns herzlich gefreut, wie reizend (und dabei wahr) Sie in allem (auch über Snouck) geschrieben haben. Mittlerweile werden Sie meine Sendung der Diss(ertation) vom 30.10. erhalten haben. Es hat mich sehr gefreut, daß ein Snouck die Diss(ertation) (bei allen möglichen Aussetzungen) „mit Geschick und Kenntnis behandelt“ und „ein nützliches kleines Buch, das sich außerdem angenehm liest“, nennt.

Denken Sie, meine arme Frau hat sich heut vor 8 Tagen den Fuß verstaucht und liegt nun noch immer in Massage-Behandlung in Lugano, das ich am Montag verließ; ich erwarte sie aber in 2-3 Tagen zurück.

Mit dem herzlichen Wunsch, daß bei Ihnen Alles gut gehen möge, und vielen Grüßen von Haus zu Haus Ihr treuer C. Bezold.

 

184. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 10.11.1912

(Postkarte)

Lieber Freund,

Heute wollten wir an Anna von Reitzenstein schreiben und anfragen, an welchem Tag dieses Monats Ihr Herr Schwiegervater sein 70. Lebensjahr vollendet. Da kommt morgens die Trauernachricht vom Hinscheiden ihres teuren Vaters.

Nun kann ich dorthin meine Anfrage nicht richten, sondern muß Sie damit belästigen; hoffentlich kommt sie nicht zu spät!

Für freundliche Antwort (mit 2 Zeilen) im Voraus dankend und mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus Ihr treuer C. Bezold.

 

185. C. H. B. an C. Bezold. (Hamburg), 12.11.1912

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor!

Empfangen Sie meinen herzlichsten Dank für Ihre inhaltsreiche Postkarte und für die Übersendung der Dissertation Ihrer Schülerin.

Zunächst möchte ich meinem lebhaften Bedauern darüber Ausdruck geben, daß Ihre verehrte Gattin erst verspätet nach Heidelberg zurückkehren konnte, und ich hoffe, daß sie inzwischen längst wieder in alter Frische bei Ihnen eingezogen ist. Grüßen Sie sie bitte von mir und meiner Frau herzlichst.

Daß Sie meinem Artikel zustimmen, freut mich. Bisher ist meine These von keiner Seite bestritten. Die Rak-a der Katholiken, auf die Sie mich aufmerksam machen, ist schon in meinem Aufsatz angedeutet in der Bemerkung über die Rak-a li Tahijjat al Masdjie (Seite 390). Die Parallele ist für mich außer Zweifel. Man soll beim Betreten der Moschee jedesmal eine solche Rak-a machen, ob Gottesdienst ist oder nicht.- Von allen Seiten bekomme ich noch kleine Ergänzungen, und es wird bald lohnen, die ganze These einmal auf breitester Basis systematisch darzustellen.

Dann noch herzlichen Dank für Fräulein Reitemeyers Buch, das ich bisher erst auszugsweise kennen gelernt habe. Als Dissertation ist es natürlich sehr gut. Mir persönlich fehlt etwas die prinzipielle Fragestellung. Ich habe natürlich zunächst die Geschichte von Fustat mit meiner eigenen Darstellung verglichen, die sie ja leider noch nicht kennen konnte. Ich werde in der nächsten Nummer des „Islam“ darauf zurückkommen.- Schade ist z. B. auch, daß sie die eingehende Studie von Massignon über Fes nicht kennt. Doch wer an seine eigene Dissertation denkt, wird keinen Stein auf diese Dame werfen.

Nun ist der Vater Ihrer Freunde ja auch heimgegangen. Es war ein großes Glück, denn er war doch schon lange sehr schwer leidend. Ob Sie wohl zur Beerdigung gefahren sind? Ich habe s auf ausdrücklichen Wunsch meiner Augsburger Verwandten unterlassen, umsomehr, als ich kommenden Sonnabend den 70. Geburtstag meines Schwiegervaters mitfeiern werde. Auf der Durchreise mache ich in Berlin die Tagung der Deutschen Gesellschaft für Islamkunde mit, wo Imhoff Pascha über die derzeitige Lage spricht.- Über die Türkei will ich lieber nichts sagen, weil sonst dieser Brief überhaupt kein Ende nehmen würde.

Mit freundlichen Grüßen von Haus zu Haus Ihr dankbar ergebener (CHB).

 

186. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 17.11.1912

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Herzlichen Dank für Ihre lieben Zeilen vom 12. d. M. ! Ich hoffe, Sie haben gestern in Augsburg frohe Stunden verlebt, blicken mit einiger Befriedigung auf die Tagung der Deutschen Gesellschaft für Islamkunde zurück und sind glücklich zu Ihrer Familie zurückgekehrt.

Hoffentlich sind Sie gegen Fräulein Reitemeyer’s Büchlein auch so gnädig wie Snouck! Sie schreibt mir, daß sie in der letzten Zeit besonders Persisch geschrieben habe; offenbar hat sie sich aber überarbeitet, da ihr der Arzt nun viel Spazierengehen empfohlen hat.

Und nun zur Hauptsache Ihres lieben Briefes: vielen Dank für die freundliche Aufforderung zur Teilnahme an Ihren Ferienkursen! Ich habe, da die Sache zu eilen scheint, gestern Boll ermächtigt, Koll. Warburg offizielle meine Zusage mitzuteilen, und will auch gern bei dem von diesem vorgeschlagenen Thema („Die astrologische Praktik der Babylonier“) bleiben. Ich selbst lege für diesen Vortrag keinen großen Wert auf Lichtbilder und glaube, wenn solche nicht erwünscht würden, mit zweimal 45 Minuten (inclusive Diskussion) gut auskommen zu können. Mit Lichtbildern würde ich wohl 3mal 45 Minuten (inclusive Diskussion) beanspruchen müssen. Sie veranlassen wohl freundlich die offizielle Zusendung der Einladung, wenn dies nicht schon von Warburg geschehen sollte.

Troeltsch hoffe ich dieser Tage zu sehen; er scheint aber, soviel ich von Boll höre, schon von sich aus Lust zur Teilnahme zu haben.

Wir freuen uns sehr auf Hamburg, auf Sie und die lieben Ihrigen. Aber was da Alles noch dazwischen liegt!

Meiner Frau geht es recht ordentlich; sie hofft in den nächsten Tagen ein wenig ausgehen zu können.

Für heute nur noch die herzlichsten Grüße von Haus zu Haus, besonders von Ihrem alten, treuen (gez.) C. Bezold.

 

187. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 8.1.1913

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Drei Nachrichten von Ihnen liegen mir vor: der herzliche Brief vom 31. vorigen Monats, der sich mit meiner Drucksendung an Sie (Akademiebeschluß über mein Babylonisch-assyrisches Lexikon!) gekreuzt hat; die liebe Glückwunschkarte an meine Frau; und – leider – auch die Trauernachricht vom Ableben Ihres Herr Schwagers. Ich habe Ihrer hochverehrten Frau Schwester, die wir von ganzem Herzen bedauern, unser Beileid zum Ausdruck gebracht. Für Ihre freundliche Gratulation, die sie ganz besonders freute, will meine Frau Ihnen selbst noch danken. So komme ich gleich zur Beantwortung Ihres Briefes und erwidere Ihre Wüsche innig von Haus zu Haus. Möchte die ernste Zeit, der Sie in Ihrer Familie entgegensehen, aufs glücklichste verlaufen und Ihnen beiden ungetrübte Freude bringen!

Mit Sorgen habe ich von Ihrem Unwohlsein gelesen. Ehrenvolle Ämter wie der Vorsitz im Professorenkonvent gehen nicht spurlos an den angestrengten Nerven vorüber. Desto mehr wünsche ich Ihnen neue Kraft und Ausdauer und bedauere die Verschiebung Ihrer afrikanischen Pläne nicht allzu sehr. Ihr Prospekt, dessen Empfang ich Herrn Senator von Melle dankend bestätigte, ist weitblickend und, wie ich glaube, sehr glücklich disponiert; wenn auch die Zukunft noch dies und jenes korrigieren wird, so sind doch die Richtlinien deutlich vorgezeichnet. Mögen die Hamburger nun auch durch den Erfolg für ihre Mühe belohnt werden!

Bei uns will sich am nächsten Samstag ein praktischer Schulmann (Gymnasium hier),

Güntert, für Iranisch habilitieren; ich glaube aber nicht, daß er für Ihr Persisch zu haben wäre.

Ich habe die ganze Weihnachtsvakanz – selbst auf die Gefahr hin, mit meinen Vorträgen für Amerika schließlich hetzen zu müssen – auf die Vorbereitung für Hamburg verwandt, und ich glaube, es ist einiges brauchbare dabei herausgekommen. Die elf Bände bab(ylonisch)-ass(yrischer) Briefe, die ich auf die astrologischen „Praktik“ durchgenommen habe, geben darüber mehr Anhaltspunkte als irgend welche anderen Texte! Auch das scheint u.a. klar daraus hervorzugehen, daß der Sabbath keine babyl(onische) Einrichtung gewesen sein kann. Übrigens soll, in schá’llah, der ganze Sommer außer dem Lexikon noch dieser Arbeit gewidmet werden!

Lassen Sie uns, sobald Sie können, wissen, an welchem Tage wir Sie hier mittags erwarten dürfen (wenn möglich nicht Dienstags oder Donnerstags, da ich an diesen Tagen von 3-5 Uhr Vorlesungen habe) ?

Darüber würde sich herzlich freuen Ihr von Haus zu Haus vielmals grüßender, altgetreuer (gez.) C. Bezold.

P.S. Ist Marcks schon in USA, und wie lang bleibt er dort?

 

188. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 11.1.1913

Lieber Freund,

Herzlichen Dank für alle lieben Nachrichten! Es ist sehr schade daß Sie nicht hierherkommen, aber unter diesen Umständen natürlich völlig begreiflich.

Denken Sie, die HAPAG hat uns immer noch nicht geschrieben, mit welchem Dampfer sie uns befördern will; s’wird wohl ca. Mitte Februar sein, und ich hoffe Sie dann flüchtig zu sehen. Möglich wär’s daß wir am 25. April zusammen mit Marcks zurückführen.

Die Sache mit Herrn C. Schoy hat ganz Ihre Richtigkeit; er hat vor kurzem hier in der naturwiss(enschaflichen Facultät das Examen gemacht: Hauptfach Wolf, Naturgeschichte Königsberger und Klebs, und hat die II. Note erhalten. Diese Kenntnisse habe ich mir durch unseren Pedell verschafft. Hätte ich heute bei der Rektorwahl (Gottlob) Wolf getroffen, so hätte ich ihn wohl unter der Hand über den Wert sp.(?) der Arbeit befragen können; er war aber nicht da. So bitte ich dann mit obigem vorlieb zu nehmen und – vor allem es vertraulich zu behandeln. (Natürlich steht Ihnen, wenn Sie einmal das M(anuskript) haben der Weg zu Wolf jederzeit offen.) Ob der Mann Arabisch kann? Warum er das nicht als Nebenfach wählte? Ich hatte vorher keine Ahnung von ihm.

Alle, alle guten Wünsche von Haus zu Haus, mit denen Sie herzlich grüßt

Ihr treuer C. Bezold.

 

189. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 26.1.1913

(Postkarte)

Lieber Freund,

Nun scheint unsere Reise wirklich Ernst werden zu wollen. Meiner Frau Fuß ist brav, mein Urlaubsgesuch liegt beim Ministerium, und das M(anuskript) der Vorträge wächst. So hoffen wir am Freitag, den 7. Februar spät abends in H(amburg) einzutreffen und am 9. mit der „President Grant“ zu crossen. Wir wollen bei „Moser“ (in alter, freundlicher Erinnerung) absteigen; es ist doch noch der alte Betrieb? Nur wenn Sie gegenteiliges wüßten, bäte ich um eine Zeile Nachricht, eventuell mit Angabe eines anderen Hôtels. Am Samstag, den 8. müssen wir gleich ins Bureau der Hapag und dann sofort all unser Gepäck verstauen. Ob wir dann zum Sonntag noch auf terra firma übernachten, weiß ich nicht. Aber nett wär’s, wenn wir uns sehen könnten, vielleicht Samstag nachmittags.

Einstweilen herzliche Empfehlungen und Grüße von Haus zu Haus!

Ihr alter treuer C. Bezold.

 

190. C. H. B. an C. Bezold. (Hamburg), 28.1.1913

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor,

Meine Frau und ich freuen uns herzlich darauf, Sie Ende nächster Woche hier begrüßen zu dürfen. Über „Hotel Moser“ sind mir keinerlei nachteilige Nachrichten zu Ohren gekommen, die Lage ist bequem und wissen Sie ja, daß es ein altmodisches Hotel ist. Sie scheinen sich vorzustellen, als ob Sie in Hamburg an Bord gingen; nach meinen Erfahrungen, gerade mit dem „Präsident Grant“, liegt die Sache aber so, daß sämtliche Reisende am Morgen des Abfahrttages mit Extrazügen nach Cuxhaven befördert werden, wo sich die Einschiffung vollzieht. Auch das Gepäck geht dann erst mit. Sie werden also nach Ihrer Rücksprache auf dem Bureau den Nachmittag und Abend voraussichtlich ganz frei haben und rechnen wir jedenfalls auf Sie. Näheres machen wir später aus. Ich werde Sie jedenfalls Sonnabend Früh im Hotel aufsuchen.

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus

Ihr getreuer (CHB)

 

191. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 19.7.1913

(Postkarte)

L(ieber) Fr(eund),

Herzlichste Glückwünsche zum Bonner Ruf, den wir soeben in der Zeitung lasen!

Und in aller Eile Grüße von Haus zu Haus!

Ihr treuer C.B.

P.S. Morgen kommt (arab. Text).

 

192. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 26.7.1913

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Wann wird die Entscheidung wohl bei Ihnen fallen? Wir sind natürlich riesig begierig auf Ihre Nachrichten!

Für heute nur mit ein paar Worten unser Reise-Programm, damit Sie ungefähr wissen, was wir in Hamburg vorhaben und auf wie lange!

Ich möchte am nächsten Donnerstag hier vormittags noch zwei Stunden lesen, dann um 11.23 Uhr abfahren und mit dem schönen Nachtzug in Hamburg eintreffen; will dort im „Esplanade“ vorbestellen. Am 1. August möchte ich dann gern vormittags Herrn Senator Melle meine formelle Aufwartung machen und womöglich wollen gern auch Ihnen und Ihrer lieben Gattin und ev(entuell) dem Ehepaar Warburg einen Besuch abstatten. Nachmittags wenn irgend tunlich Stellingen. Oder macht man die Besuche besser nachmittags? Abends ist also dann der Vortrag – ohne Lichtbilder; doch wohl im Frack? Ich hoffe mit 110 Minuten reichlich durchzukommen. Amüsant ist der Vortrag leider gar nicht geworden, da ich eben kein „general Public“ im Auge habe, sondern einige Zuhörer, die sich wirklich für den Gegenstand interessieren. Die Vorbereitung hat recht viel Zeit gekostet, d. h. ungefähr das ganze Semester.

Samstag nachmittags möchten wir uns wohl gern an der Besichtigung des Phonetischen Laboratoriums beteiligen. Braucht meine Frau da eine Karte und kann sie überhaupt mit? Braucht sie für meinen und für Boll’s Vortrag eine Karte?15

Eigentlich wollten wir schon am Samstag mit dem Nachtzug zurückfahren. Aber ich soll doch wohl wenigstens einmal Boll hören? (Sie, Warburg und Troeltsch zu genießen wird mir ja leider wegen dringender Arbeit, die meine baldige Rückkehr erfordert, ganz unmöglich.) Wenn wir noch einen Tag zugeben, wäre wenigstens für mich der Sonntag auch das Zentralgefängnis lockend, aber nicht notwendig. Und könnten wir uns dann abends noch an dem geselligen Beisammensein in Eppendorf beteiligen und doch noch unseren Zug um 11.04 Uhr erwischen?

Für ein paar freundliche, ganz knappe Winke auf einer Festkarte wäre Ihnen sehr dankbar Ihr Ihrem wichtigen Entschluß alles Glück wünschender, von Haus zu Haus herzlichst grüßender treuer (gez.) C. Bezold.

 

193. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 28.7.1913

Lieber Freund,

Von ganzem Herzen innigen Glückwunsch zur Rückkehr an die Hochschule! Ja, ich habe gewünscht, daß Sie annehmen möchten und zwar wegen Ihrer Gesundheit und wegen des Gegenstandes, dem Sie die Hauptarbeitskraft Ihres Lebens, d.h. die besten Arbeitsjahre, widmen. Die Hamburger haben Recht, Ihnen dafür dankbar zu sein; denn wenn die Universität einmal kommt, schuldet die Organisation vieles Ihnen! Egoistisch freue ich mich, Sie nun ein bissl näher zu kriegen. Und welche Freude wird es für Ihre verehrteste Frau Mutter sein!

Warum ich wirklich nicht länger in Hamburg bleiben kann, so leid es mir tut, Sie und Warburg nun nicht zu hören, kann ich Ihnen mündlich leicht erklären

Wenn Sie und Ihre verehrteste Frau sich wirklich mit uns plagen wollen, dürften wir vielleicht am Sonntag mittags zu Ihnen kommen? Zu Warburgs nimmt meine Frau soeben an; wir bestellen dann um ½ 11 Uhr ein Auto zur Bahn. Ans Esplanade hab’ ich soeben geschrieben.

Sehr nett wär’s freilich, wenn Sie uns am Freitag früh im Hôtel aufsuchen wollten zur Besprechung von allem weiteren. Vielleicht ist’s besser, wir verschieben Stellingen auf Samstag, damit ich für den Vortrag nicht müd werde. Si vedrà.

Herzlichste Grüße von Haus zu Haus! Ihr alter treuer C. Bezold.

 

194. C. Bezold an C. H. B., Bonn Heidelberg, 31.12.1913

(Postkarte)

Zum nahen Rhein ziehen dies Jahr unsere Wünsche für Sie, Ihre liebe Gattin und die Kinder! Ein inniges Prost 1914! Ich hoffe, Littmann kann uns mündlich mehr Gutes von Ihnen berichten, wonach wir uns sehnen. In alter Treue A. und C. Bezold.

 

195. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 1.2.1914

Lieber Freund,

Es tut mir sehr leid, daß Sie aus diesem Grund Ihr Kommen am 9.8. „nicht bestimmen können“. Hoffentlich sind aber alle Ihre Sorgen so, daß eine genaue Untersuchung sie völlig beheben kann; das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen.

Ich will mich jetzt einmal bei Littmann erkundigen, ob er sich am 9. freimachen kann; davon wird dann weiteres abhängen. Übrigens sprach ich vor ein paar Tagen Kracht(?) und fragte ihn, wann er fortginge; er sagte mir, er würde „so gut wie gar nicht“ während der Ferien fortgehen: wobei freilich das „so gut wie“ zu betonen sei; verschwören könne er natürlich nichts, und 1-2 Tage würde er wohl auch so wie wir einmal abwesend sein.

Ich dachte, diese Mitteilung würde Sie interessieren, und schreibe deshalb schon jetzt, damit Sie ev(entuell) Ihre Dispositionen leichter treffen können.

Ich selbst will mich nun ev(entuell) nach dem bewußten 9. richten und damit Herrenalb zu kombinieren suchen; für unser geliebtes Engelberg kommt dann wohl erst die letzte Augustwoche in Betracht. Was soll bis dahin noch alles an Arbeiten werden!! Es gruselt mir, wenn ich daran denke.

Und nun alle guten Wünsche für Ihre Gesundheit und die herzlichsten Grüße von Haus zu Haus! Ihr treuer C. Bezold.

 

196. C. Bezold an C. H. B. Montreux, Hôtel Beau Rivage, 10.4.1914

Lieber Freund,

Ihr Lebenszeichen aus Meran vom 29. vorigen Monats hat uns doppelt gefreut, 1. weil es uns zeigte, daß Sie sich einmal nach langer Zeit Erholung gönnten, und 2. weil des das erste in diesem Jahr war, wonach ich mich schon sehr gesehnt hatte; vielen Dank!

Nun ist unser hiesiger, am 23. v. M. angetretener Ferienaufenthalt schon fast wieder zu Ende (wir wollen nächsten Mittwoch nach München, um dort die Hochzeit im Hause Müller mitzufeiern),und erst jetzt komme ich zu diesem langgeplanten Brief.

Ich habe ein recht arbeitsreiches Wintersemester hinter mir, darunter viele Dinge, die der Außenstehende so gar nicht merkt: Sie kennen das! Unter anderem hat mir die (ehrenvolle) Stellung eines Korrespondenten für die Angelegenheiten der von Freiburg und Heidelberg gemeinsam unternommenen Ausgrabungen in Ägypten ungemein viel Zeit und Arbeit gekostet. Auch mein „Lexikon“ hat nun endlich in diesem Winter (nach Weihnachten) angefangen und ist eine neue „Rosen-Fessel“ zu den anderen hinzu. Dazu kann nächstens der Prospekt für ein „Reallexikon der Assyriologie“ mit der Werbung von Mitarbeitern versandt werden, etc. etc. Sie sehen, zu der vielgeliebten Astrologie bleibt zunächst nicht viel Zeit, und auch der Druck des Hamburger Vortrags ist noch um einige Wochen verschoben.

Nun aber etwas anderes und aktuelles: die Heidelberger Herren Kollegen, die für die Sache interessiert sind, haben mich zum ersten und Troeltsch zum 2. Vorsitzenden des Lokalkomités des nächsten, für 1916 geplanten Kongresses für Religionswissenschaft ernannt. Ich nahm Gelegenheit, in der betr(effenden) konstituierenden Sitzung Ihren Ägyp(ten)artikel im „Islam“ wörtlich vorzulesen, der großen Beifall fand. Nun möchte ich aber gern, daß wir die „Richtlinien“ möglichst klar vorzeichnen, um sie bei den Einladungen gleich mitzuverwerten. Ein kleines inoffizielles „Meeting“ im Semester gelang schon deshalb nicht mehr, weil Bertholet nicht dazu zu haben war. Ich habe deshalb dieses Meeting, wozu ich außer Troeltsch und evtl. Boll oder anderer Heidelberger gerne Sie und Littmann (und Bertholet) hätte, mir für die Pfingstzeit als ausführbar gedacht und frage deshalb bei Ihnen an, ob Sie in der Pfingstzeit abkömmlich und ev(entuell) geneigt wären, für einen oder zwei Tage nach H(eidelberg) zu kommen. Auf Littmann glaube ich (nach mündlicher Unterhaltung!) sicher rechnen zu dürfen. Wir könnten dann in meiner Wohnung die integrierenden Punkte zur Festlegung des Arbeitsverlaufs des Kongresses gemütlich und „informally“ besprechen, und ich könnte später das Facit dem Lokalkomité zur Genehmigung unterbreiten.

Eine freundliche Antwort, welche Tage (bitte eine möglichst große Auswahl) Sie etwa zur Verfügung hätten (am besten nach Heidelberg addressiert), würde sehr freuen Ihren von Haus zu Haus vielmals und herzlichst grüßenden, alten treuen C. Bezold.

 

197. C. H. B. an C. Bezold. (Bonn?), 14.5.1914

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor,

Könnten Sie mir nicht mitteilen, für welches Datum Sie sich in der Pfingstwoche entschlossen haben, da ich meine übrigen Pläne danach einrichten muß. Ich habe in der Woche vor Pfingsten in Hamburg zu tun, könnte aber Samstag Abend in Heidelberg sein.

Was unsere Arbeiten betrifft, so habe ich mir für den Islam zwei Themata überlegt, die man natürlich noch schärfer präzisieren könnte.

  1. Die Anfänge der islamischen Religion (Leben Muhammed Forschung, die Einflüsse der älteren Religionen usw.),
  2. Die Modernisierung des Islam unter dem Einfluß Europas (Hier könnten Einzelreferate für Ägypten, Türkei, Persien und Indien in Aussicht genommen werden.)

Welche Themata in der allgemeinen Religionsgeschichte gerade en vogue sind, ist für mich schwierig zu sagen. Mir fallen gerade Themata ein wie

    • Prinzipien der Kult- und Lithurgiebildung, oder
    • Typische Züge des Heiligenbildes in den verschiedenen Religionskreisen,
    • Initialriten (Religionsstifter, Königswahl)

Man müßte sich einmal mit Frazer oder einem anderen der führenden Leute in Verbindung setzen. Meinen hiesigen Kollegen Clemen mag ich darüber nicht fragen, da er doch keine

erste Leuchte ist.

Jedenfalls würden Sie mich sehr zu Dank verpflichten, wenn Sie mir bald über den Termin nähere Mitteilung machen wollten.

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus Ihr Sie dankbar verehrender (CHB).

 

198. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 15.5.1914

Lieber Freund,

Längst wollte ich Ihnen für Ihren lieben Brief vom 14. April danken, da kommt heute Ihr zweites freundliches Schreiben mit den wertvollen Themata, etc.

Meinem Doppeldank muß ich aber nun die Mitteilung beifügen, daß unsere Zusammenkunft sich nun doch noch etwas verschiebt. Littmann hätte ja allerdings kommen können; aber von Bertholet hab’ ich immer noch keine Nachricht, wann der Kongreß eigentlich stattfinden soll, und was er sonst disponieren kann. Und meine eigenen Pläne (u.a. eine gründliche Bücherräumerei) wollen sich auch der Pfingstwoche nicht fügen. Ich möchte deshalb das Semester-Ende oder den Ferienanfang für die erbetene Zusammenkunft vorschlagen und hoffe, auch dann bei Ihnen – nach vorheriger, rechtzeitiger Vereinbarung – keine Fehlbitte zu tun.

Hoffentlich ist Ihre Gesundheit nun wieder ganz gestärkt. Ich stehe vor dem Auspacken unserer in Ägypten erworbenen Schätze – 49 Kisten, was noch manchen Schweißtropfen kosten wird. Das Semester hat sich gut angelassen, nette arbeitsame Leute. Bei Ihnen hoffentlich ebenso!

Nochmaligen herzlichen Dank für alle Ihre Vorschläge und für heute nur noch von uns beiden die schönsten Empfehlungen und alle guten Wünsche für Sie, Ihre verehrteste Gattin und die Kinder, mit den Sie vielmals grüßt Ihr alter, treuer C. Bezold.

 

199. C. H. B. an C. Bezold. (Bonn?), 19.5.1914

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor,

Dieses Jahr bin ich wirklich von einer unglaublichen Vergeßlichkeit. So habe ich auch glücklich Ihren gestrigen Geburtstag vollständig verschwitzt, aber ich hoffe, Sie nehmen auch heute noch einen herzlichen Glückwunsch dazu freundlich auf. Mir geht etwas viel durch den Kopf zur Zeit, da ich außer vier Stunden historischer Vorlesungen noch sechs Stunden philologische, zum Teil neue, zu halten habe., und daneben meine Hamburger Vorträge für die kommende Woche vorbereiten muß. Ihr freundlicher Brief hätte mich aber eigentlich erinnern sollen. Haben Sie herzlichen Dank

Es tut mir leid, daß aus der Pfingstverabredung nichts wird, doch stehe ich auch gern in der ersten Augustwoche zur Verfügung. Ich bitte dann aber um die Tage zwischen dem 3. und 5., da ich mit Beginn der Schulferien am 5. meine Kinder in die Sommerfrische bringen muß. Ob wir unsere übrigen Pfingstpläne nun durchführen, d.h. die Pfingsttage doch nach Heidelberg kommen, steht dahin. Wenn es bei unserer ersten Absicht bleibt, werde ich jedenfalls auch bei Ihnen vorsprechen.

Für heute nur diese kurzen Zeilen und meinen herzlichen und aufrichtigen Glückwunsch, sowie alles Gute von Haus zu Haus. Ihr Sie dankbar verehrender (CHB)

 

200. C. Bezold an C. H. B. Wien, 29.5.1914

(Postkarte)

Herzlichen Dank, lieber Freund,

für Ihre lieben Glückwünsche, der mich um nichts minder freute, daß er am 19. abging! Ich habe noch in Heidelberg an Littmann geschrieben, daß Sie gern die Zeit vom 3.-5. August zu unserer Zusammenkunft hätten.

Seit Dienstag bin ich hier beim Kartelltag der Deutschen Akademien; interessante Tage. (Arab. Name) war von ausnehmender Freundlichkeit. Morgen hoffe ich mich mit meiner Frau und Müllers in Prien zu treffen. Recht frohe Pfingsten Ihnen und Ihrer verehrtesten Gattin vom alten C. Bezold.

 

201. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 22.6.1914

(Postkarte)

Lieber Freund,

Wie sehr ich Ihre treffliche Darstellung der orientalischen Wissenschaften genoß, hab ich Ihnen schon angedeutet. Heute komme ich nur mit Geschäftlichem: Bertholet kann unmöglich 3.-5-August wegen der dortigen Examina; könnte wohl vom 9. August an; dann ev(entuell) Ende September. Letzteres würde mir sehr wenig passen. Wäre es Ihnen denn nicht doch möglich, am 9. August hierher zu kommen? Ich würde im Bejahungsfalle sofort Bertholet und Littmann benachrichtigen, damit wir zu einem Resultat kommen. Bitte geben Sie wenn irgend möglich, Ihrem Herzen einen Stoß!

Ich hab’ noch immer schrecklich viel mit unseren ägyptischen Ausgrabungen zu tun, komme noch zu gar keinem continuierlichen wissenschaftlichen Arbeiten!

Herzlichste Grüße von Haus zu Haus!

Ihr alter treuer C. Bezold.


Ausbruch des 1. Weltkrieges


202. C. H. B. an C. Bezold. (Bonn), 26.8.1914

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor,

Seitdem wir uns trennten, hat sich Gewaltiges ereignet. In der allgemeinen Spannung kam ich noch nicht dazu, Ihnen zu schreiben, um Ihnen für Ihre mancherlei Freundlichkeiten zu danken, die Sie mir bei meinem letzten Aufenthalt in Heidelberg wieder in so reichem Maße erwiesen. Ich lese soeben, daß mein lieber Freund Weiß von seinen Leiden erlöst wurde, und ich weiß nicht, ob es mir möglich sein wird, zur Beerdigung zu kommen. Deshalb bitte ich Sie freundlichst, mir für einliegende 10 Mark einen schönen Kranz zu besorgen. Ich muß Sie darum ersuchen, weil alle meine jüngeren Heidelberger Freunde zur Zeit ausgerückt sind; aber ich hoffe, die Mühe wird Ihnen nicht zu groß sein, da es ja in der Brückenstraße mehr als einen Blumenladen gibt. Jedenfalls danke ich Ihnen bestens für diese Gefälligkeit. Sollte ich noch Reisegelegenheit finden, was nicht allein von den Eisenbahnzügen abhängt, sondern von meinen freiwillig übernommenen Hülfspflichten, so würde ich mich natürlich persönlich bei Ihnen einstellen.

Ich wirke hier bei der Verwundeten-Verpflegung mit, um mich wenigstens auch etwas nützlich zu machen. Im Übrigen arbeite ich still für mich und freue mich, wieder die Nerven dazu zu haben. Auch gesundheitlich geht es uns allen nach Wunsch.

Daß unser guter Weiß erlöst wurde und nicht noch lange leiden mußte, war ein rechter Segen. Schmerzlich ist es nur für seine einem solchen Schlag so gar nicht gewachsene Frau, daß der eine Sohn gleichzeitig vor dem Feinde steht. Mir war bei meinem letzten Besuch im Hause Weiß ganz klar, daß es ein Abschiedsbesuch war.

In der Hoffnung, daß es Ihnen gut geht, mit nochmaligen besten Dank im Voraus und herzlichen Grüßen von Haus zu Haus in bekannter Verehrung Ihr ergebener (CHB).

 

203. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 16.9.1914

(Postkarte)

Lieber Freund,

endlich, endlich komme ich dazu, Ihnen für Ihre freundlichen Zeilen vom 26.v.M. zu danken, die ich am Nachmittag nach der Beerdigung unseres treuen Kollegen W(eiß) erhielt. Der Kranz wurde natürlich sofort besorgt. Es war eine ernste, durch eine tief zu Herzen gehende Rede Frommels verklärte Feier.

Gottlob, daß Sie von sich Gutes melden können. Wieviel weltbewegende Größe hat sich ereignet, seit wir zuletzt zusammen waren! Der Grund meines langen Schweigens ist, daß ich hier für’s Rote Kreuz einen Zentralnachweis aller hier befindlichen Verwundeten organisiert habe: Zettel und Kasten von meinem Assyr(iologischen) Lexikon übernommen. Dies nimmt meine Zeit Tag für Tag von morgens ½ 6 Uhr bis abends 8 Uhr, und ich bin recht froh, wenn ich in dieser Zeit mit dem Tagespensum fertig werde. An irgendwelche andere Beschäftigung für mich und meine Frau (die genau so viel zu arbeiten hat wie ich selber) ist nicht zu denken. Nur ein paar Korrespondenzen, besonders mit Nöldeke (?) halte ich aufrecht. Unser Büro ist im Orientalischen Seminar.

Nun aber genug dieser langen Erklärungen über uns selbst!

Ich hoffe von Herzen, daß Ihre verehrteste Gattin und ganze Familie in bester Gesundheit sind, und Sie selbst den altem Adam wirklich und gründlich auszuziehen die Nervenkraft fanden oder doch jetzt finden.

Was mag von Ägypten kommen? Ein (weggelocht!) Ich halte Englands Erniedrigung auf die Kulturstufe, die es jetzt vor aller Welt eingenommen hat, für eine Schmach für ganz Europa gegenüber dem Orient; den 22916 hab’ auch ich niedergelegt.

Tausend gute Wünsche und herzlichste Grüße von Haus zu Haus! Ihr treuer C. Bezold.

 

204. C. H. B. an C. Bezold Bonn, 28.12.1914

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor!

Der Jahreswechsel gibt mir Anlaß, Ihnen wieder einmal von mir zu berichten. Vor allem aber möchte ich Ihnen und Ihrer verehrten Gattin zugleich im Namen meiner Frau ein gutes neues Jahr wünschen. Ich hoffe, daß wir uns 1915 wieder einmal gemütlich sehen werden und daß es auch nach den schweren, bangen Kriegszeiten uns einen ehrenvollen Frieden bringe. In diesem Wunsche ist sich wohl die ganze Welt einige; denn so gut alles bisher bei unseren Operationen geht, so schmerzlich ist es doch zu sehen, welch ungeheure Opfer uns der Krieg kostet. Meine zahlreichen Verwandten im Felde sind zwar bisher scheinbar gut durchgekommen, aber liebe Freunde habe ich umsomehr verloren, und am Tage vor Weihnachten wurde mir die traurige Kunde, daß auch Dr. Graefe den Heldentod gefallen ist. Er, der wie Sie wissen wie kein anderer in meinem Sinne arbeitete, in zweijähriger täglicher Gemeinschaft unter meinen Augen zu einem wirklichen Gelehrten herangereift war und in Hamburg meine spezielle Tradition noch mehr vertrat als Tschudi. Er wurde am 11. September verwundet und ist am 25. September in einem französischen Lazarett auf der Insel St. Nazaire gestorben. Es hat zwei Monate gedauert, bis seine Eltern und seine Braut die erste Nachricht erhielten. Auch um meine zweite Hoffnung, um Ritter, fange ich an, mich zu sorgen, da ich nach einer regelmäßigen Korrespondenz nun bereits mehrere Wochen ohne Nachricht von ihm bin. Er steht allerdings am Yserkanal in schwierigster Position.

Aus meinen mancherlei kleinen Broschüren werden Sie gesehen haben, daß ich mich etwas politisch beschäftige. Jetzt will ich ein Lehrbuch des Islam fertig machen. Aber wenn das alles auch zeitgemäß ist, so ist es doch nur ein schwacher Surrogat für eigentliche vaterländische Tätigkeit. Hoffentlich funktioniert Ihr Verwundeten-Büro gut und haben Sie Befriedigung von dieser nützlichen Schöpfung.

Ich beabsichtige am 1. Januar auf einige Zeit nach Hamburg zu gehen, um die Neuordnung der Zeitschrift und so manches Andere mit Tschudi zu besprechen. Dort treffe ich auch Littmann und werde wohl auch Jacob sehen, dessen Schüler Thorning übrigens auch vermißt wird. Ich werde meine Reise über Gelnhausen und Berlin nehmen und besonders bei meiner Mutter Einschau halten, um die wir kürzlich mal wieder recht in Sorge waren. Gottlob hat sie sich aber doch wieder hindurch gearbeitet und war in der Lage, mit drei Kinderfamilien ein trotz aller Sorge frohes Weihnachtsfest zu feiern. Auch bei uns behielten die Kinder ihr Recht, und das Fest ist harmonisch verlaufen.

Trotz des Krieges habe ich fast alle meine Vorlesungen zustande gebracht und sogar einen Doktoranden gehabt, der am Tage nach dem Mündlichen eingezogen wurde. Auch sonst bleiben in den philologischen Vorlesungen hauptsächlich die Schlacken, während die gesunde Jugend hinaus ist. Trotzdem harren in meiner Geschichte Afrikas, zweistündig, immer noch fünfzehn Mann aus.

Mit freundlichen Grüßen von Haus zu Haus und allen guten Wünschen Ihr Ihnen wie stets dankbar ergebener (CHB).

 

205. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 20.1.1915

(Postkarte)

Lieber Freund,

verzeihen Sie vielmals, wenn ich erst endlich jetzt zur Beantwortung Ihrer beiden sehr lieben Briefe komme. Den ersten ließ ich deshalb zunächst ein wenig liegen, weil ich dachte, Sie blieben länger in H(amburg?). Und dann kam wieder so viel Arbeit (Verwundetentransporte etc.), daß ich zu keiner Zeit Privatkorrespondenz kam. Auch den 6. Januar, zu dessen gedenken Ihnen meine Frau ganz besonders danken läßt, haben wir von früh bis abends gearbeitet. Sn(oucks)s Broschüre erhielt ich zugleich mit einem entrüsteten Brief Littmann’s darüber. Ich teile natürlich völlig seine und Ihre Ansicht. Am Sonntag habe ich das, was mir die Lektüre des Artikels zu äußern auferlegte, auf einer Postkarte an Nöldeke geschrieben, darauf aber bis jetzt keine Antwort von ihm erhalten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Karte die Zensur nicht passiert hat. Sobald ich wieder etwas aufatmen kann (außer dem „Amt“ hab’ ich vier Stunden Kolleg; daneben fortwährend das Assyrische Wörterbuch, das viel Arbeit macht, und noch die Korrektur einer syrisch-griechischen Evangelien-Konkordanz, letztere die erweiterte Dissertation eines im Felde stehenden Schülers), aber wie gesagt, sobald die Zeit freier wird, schreibe ich Ihnen mal ausführlicher. Was mag H(erzfeld?) sagen? Es ist doch jammerschade, daß gerade das kommen mußte!

Für heute nur noch wiederholten Dank und innige Wünsche für Sie alle und Grüße von Haus zu Haus! Stets Ihr treuer C. Bezold.

 

206. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 28.2.1915

(Postkarte)

Lieber Freund,

Jetzt hab’ ich die am 20. Januar versprochene Antwort doch wieder so lang liegen lassen, bis Ihr Artikel erschienen ist, und kann ich nur auch Ihnen wiederholen, was ich vor kurzem an Littmann schrieb: seien Sie mir wegen des Schweigens nicht böse: jeder größere Truppentransport wie der vom 19. und vom 25. d. M. nimmt auch meine knappe häusliche Zeit noch in Anspruch; ich erübrige mit Mühe und Not ein Stündchen früh, um mit der Maschinenschreiberin unseres Lexikons Schritt zu halten!

Schön haben Sie geschrieben, vornehm, sachlich, eindringlich. Es freut mich, daß sich unsere Gedanken mehrfach getroffen haben; so über die läppische Bemerkung Seite 19, Zeile 16: de bevolkung schijnt etc.17– Die Anmerkung auf S.29 haben Sie wohl absichtlich ignoriert! Ich suchte möglichst sachlich nach Sn(ouck)s Motiven; eins ist entschieden der Gedanke an die niederl(ändisch)-ind(ischen) Moslims, der ja auf S. 31 letzter Absatz zum Vorschein kommt und worüber Sie nun auch sprechen; das andere sehe ich darin, daß Sn(ouck) ja selber Moslim ist (ob aus Überzeugung, tut hier kaum etwas zur Sache) und am Ende auch durch den „Zwang“ Fes g’hàdverärgert“ wird. Aber das pazifistische (utopistische) Element gehört wahrhaftig nicht in die Fluten – die blutgetränkten – der jetzigen Politik, und dem Gespenst des „Glaubenshasses“ sind Sie mit Recht energisch zu Leibe gegangen. Möchten nur weite Kreise sich die Zeit nehmen, Ihren Artikel gründlich zu lesen!!

Armer Gräfe!

Uns geht es körperlich gut und wir hoffen von Herzen bei Ihnen und Ihrer ganzen lieben Familie das Gleiche.

Mit herzlichsten Grüßen von Paar zu Paar Ihr stets treuer C. Bezold.

P.S. Daß Sie im letzten „Islam“ (vielen Dank dafür) sich so kräftig über Köhler öffentlich ausgesprochen haben, hat mich nun definitiv von ihm abgeschreckt!-

 

207. C. H. B. an C. Bezold. (Bonn?), 17.5.1915

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Professor!

Zu Ihrem bevorstehenden Geburtstage möchte ich nicht versäumen, Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Wie gern würde ich persönlich, wie in früheren Jahren, bei Ihnen antreten. Hoffentlich treffen wir uns bald einmal wieder, denn dieses Jahr mit seinen andersartigen Interessen hat uns noch nicht zusammenkommen lassen. Alles Gute für Ihre Gesundheit und für Ihre Arbeit!

Aus meinen beiden letzten Schriften werden Sie ersehen haben, daß die Diskussion mit Snouck ihr Ende erreicht hat. Wir haben nach Abschluß auch persönliche Briefe getauscht und betrachten auch menschlich die Sache als erledigt. Eine gewisse trübe Erinnerung wird wohl bleiben; man wird aufhören müssen in Snouck schlechthin einen der Unsrigen zu sehen, aber man wird bei aller Verschiedenheit des nationalen und politischen Standpunktes doch die alten persönlichen Beziehungen bewahren können. Mein holländischer Artikel ist von der ganzen holländischen Tagespresse übernommen worden.

Wenn Italien nicht eingreift, wie ich noch immer glaube, so wird der Krieg wohl bald zu Ende sein; aber die Zahl der Opfer, die er gefordert hat, ist auch enorm. Trauernd dachte ich dieser Tage an Walther Neumann, dessen Geburtstag ja am 14. war, und heute erhalte ich eine Todesanzeige über Eduard Meyers jüngeren Sohn. Gerade die letzten Wochen haben wieder viele Opfer gekostet, aber Gottlob geht ja alles so gut voran.

Mir geht es gesundheitlich so einigermaßen, doch ist mein altes Leiden über den Krieg nicht besser geworden. Ich habe viel Politisches geschrieben und halte Vorträge in Berlin und anderswo. Mein Kolleg ist besucht wie in Friedenszeiten: im Publikum habe ich weit über 100 Leute.

Mit freundlichen Grüßen von Haus zu Haus und mit nochmaligen besten Wünschen bin ich Ihr Ihnen dankbar ergebener (CHB).

 

208. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 28.5.1915

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Es war mir eine große, herzliche Freude, außer Ihren mancherlei mich immer besonders interessierenden Druckschriften zum Geburtstag einen so ausführlichen und lieben Brief von Ihnen zu erhalten, und ich danke Ihnen herzlich für diesen neuen Beweis Ihrer treuen Freundschaft.

Von ganzem Herzen beruhigte es mich, daß nun die Sache mit Snouck zu einem gewissen Abschluß gebracht ist. Ich habe ihm soeben geschrieben – in altgewohnter Weise – und für seine beiden Zusendungen (holländisch und deutsch) gedankt. Freilich konnte ich ihm nicht verhehlen, daß auch mir die erste Schrift „ein Dorn im Auge und ein Schmerz in der Seele“ war; und auch mir wird die „gewisse trübe Erinnerung“ bleiben, trotz alles Djihad Akhar!

Daß Sie mit Ihrer Gesundheit noch immer nicht recht zufrieden sind, das hat mir ungeheuer leid getan. Ich hoffe aber zuversichtlich, daß gerade bei Ihrer Willensstärke dieses auf nervöser Basis entstandene Leiden bald ganz behoben sein wird; alle guten Wünsche dazu!

Wir haben unsere Rote-Kreuz-Tätigkeit mit Ostern eingestellt; denn die mancherlei Amtspflichten, die mir mit der jetzt seit Monaten andauernden schweren Erkrankung Windelbands und mit meiner Wahl in den Engeren Senat – als Prorector designatus – erwuchsen, ließen sich mit jener täglich 6 und mehr Stunden beanspruchenden und dabei geistlosen Tätigkeit nicht mehr vereinen. So widme ich denn jetzt mit doppeltem Eifer die verfügbare Zeit meinem Lexikon, der Zeitschrift, anderen Kleinigkeiten und dem Kolleg, das auch im Sommer wieder genau wie in Friedenszeiten zu Stande kam. Freilich, zur fruchtbaren Tätigkeit (ich denke an Bolls und meine astrologisch-astronomischen Studien) will es noch nicht kommen; dazu gehört eben eine andere Konzentration als sie die Kriegsnachrichten zulassen.

In den Osterferien waren wir drei Wochen am „Kohlhof“, wollen auch morgen wieder auf einige Tage dorthin. Wir hatten dort viele Besuche, u.a. auf mehrere Tage das Ehepaar Neumann, von dem die Mutter mit am allerschwersten von allen hier betroffenen Familien über den Verlust des lieben Sohnes hinwegkommt. Es ist entsetzlich, wie sich bei uns von Woche zu Woche die Trauernachrichten häufen. Und neben denen aus dem Feld hatte ich selbst noch eine besonders schmerzliche durch den Heimgang einer über alles geliebten Tante, Salesianerin im Kloster Beuergerg, womit das letzte Glied meiner mütterlichen Familie erlosch. Auch Heigels Tod hat mich nahe berührt.

Letzten Freitag waren wir beim Kartelltag der deutschen Akademien in Leipzig: eine ernste und würdige Aussprache vornehm denkender Männer. Mit Kuhn und Crusius wohnten wir im selben Hôtel. Diels und Roethe sprachen vortrefflich. Auch mit Zimmern sprach ich mich so gut wie seit lange nicht.

Ich muß hoffen, daß unser Littmann, wie er mir vor ein paar Tagen schrieb, nun eingezogen wird; und doch bangt mir grade bei dem Gedanken an ihn, wenn er einmal an die Front kommt.

In allen diesen Sorgen und Wünschen weiß ich mich eins mit Ihnen; es ist zweifellos, daß uns Freunde alle der Krieg noch enger zusammenschließt. Haben Sie nochmals Dank! Und alle guten Wünsche für Ihre Arbeit, Ihre reiche Lehrtätigkeit und obenan Ihre und der lieben Ihrigen Gesundheit! Herzlichst gegrüßt von Haus zu Haus Ihr alter treuer (gez. C. Bezold.

 

209. C. H. B. an C. Bezold. Bonn, 24.7.1915

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Professor!

Ich annonciere Ihnen, daß Sie in meinem Auftrage von Teubner ein Exemplar des Werkes „Deutschland und der Weltkrieg“ erhalten werden, zu dem ich ein Kapitel beigesteuert habe. Ich dachte mir, daß Ihnen das Ganze lieber sein werde, als ein Separatabzug.

Mit herzlichen Grüßen Ihr ergebenster (CHB)

 

210. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 1.8.1915

Lieber Freund,

Recht herzlichen Dank für Ihre lieben Zeilen vom 24.v. M. und das wunderschöne Geschenk, das vorgestern in meine Hände kam! Sie haben mir damit eine große Freude bereitet: das Buch, in dem Heidelberg (sammt Ihnen und Troeltsch!) so trefflich vertreten ist, war schon auf meinem Wunschzettel; aber – Sie wissen, wie saumselig und schwerfällig ich im Buchbestellen bin.

Ihren Artikel (und den von Troeltsch, und von Marcks) hab’ ich gleich gelesen; ich gratuliere Ihnen zu der neuen, ruhigen, sachlichen Äußerung. Auch für das neue Islam-Heft schönsten Dank: ich griff natürlich gleich zu dem Barth’schen Nekrolog: gerecht und warm! Übrigens hatte ich, da nie sein Schüler, gar nicht gewußt, daß B(arth) so streng sein konnte.

Hoffentlich sind Sie mit Ihrer und der lieben Ihrigen Gesundheit zufrieden! Haben Sie ausgereifte Ferienpläne? Wir wollten nächsten Donnerstag nach Herrenalb und freuen uns schon ungemein auf den Meister und die Seinen; Littmann will wohlmöglich auch kommen. Ca. 1.8. wollen wir zu von Müller nach Mittenwald. In der 2. Hälfte des Monats zu Kuhns nach Oberstdorf; anfangs September zurück.

Hätten Sie Zeit und Lust, sich mit einem kleinen Beitrag, 6-8 Seiten, an einer Festschrift für Kuhn zu beteiligen; soll ich Ihnen den Prospekt schicken? (Adresse 5.-10.8. Herrenalb, „Grünen Wald“) (Keine Antwort bedeutet für mich Ablehnung!)

Wann werden wir uns einmal wiedersehen? Wissen Sie noch, vorm Jahr?

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus Ihr alter treuer C. Bezold.

 

211. C. Bezold. an C. H. B. Heidelberg, 14.10.1915

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Herzlichen Dank für Ihre liebenswürdige letzte Sendung, aus der ich mit Freuden – außer Ihren fortgesetzten aktuellen Studien – ersehe, daß Sie auch der „anderen“ Zeitschrift etwas zukommen lassen, was Ihnen dort gewiß hoch angerechnet wird.

Ich hoffe, es geht Ihnen und allen den lieben Ihrigen gesundheitlich gut und Sie können dem Semester mit frohem Mut entgegensehen. Wir haben im August-September eine recht schönen Ferienmonat verlebt, teils mit Nöldekes, teils mit Müllers (Mittenwald) und teils mit Kuhns und Lüders’ (Oberstdorf). Heute wollen wir noch zu Nachferien etwas auf den Kohlhof umziehen, um dann mit frischen Kräften ins Semester steigen zu können.

Nun komme ich mit zweierlei Anliegen:

  • Der Druck der Kuhn’schen Festschrift hat begonnen und ich darf vielleicht fragen, wann Ihr freundlichst zugesagtes M(anuskript) eintreffen könnte. Wollen Sie dann so freundlich sein und es gleich Scherman schicken (Galeriestr.4, Ethnographisches Museum), da dieser die eigentliche Redaktion übernommen hat und ich nur die semitistischen Artikel einmal durchlese?
  • Und 2. Für die von Andreas und Littmann geplante kleine Festgabe für unseren Altmeister habe ich daran gedacht, einmal etwas aus unserer hiesigen Papyrisammlung zu geben, und dabei zunächst drei Stücke angesehen, die Sie in Ihrem Verzeichnis als für mich geeignet bezeichnet haben.

Es sind drei Papierstreifen, die ersten zwei, ziemlich gut erhalten, einst ein Ganzes, das vor dem „Beschriften“, wie man jetzt so schön sagt, mit einem scharfen Instrument zerschnitten wurde. Das dritte, das nicht so gut erhalten ist, fügt sich nicht an, ergiebt sich aber inhaltlich als sicher zur selben Materie gehörig.

  • Anbei finden Sie eine ganz flüchtige Übersetzung, die ich gern noch vor der Abreise zu Papier bringen wollte. Ich würde sehr gern Ihre Meinung hören, was Sie von dem Plan halten, und zwar besonders: ob Sie meinen, daß der abstruse Gegenstand unseren Scheich interessieren wird;
  • ob Sie solche koptisch-arabischen Zaubergebete auch sonst kennen, (daß auch die Abgar-Korrespondenz von den Kopten als Amulett verwertet wurde, bemerkt Leipoldt, Geschichte der Koptischen Literatur, bei Amelang, S.173 ausdrücklich)
  • und ob Sie denken, daß es sich verlohne, von den Stücken, die z. T. schlecht, ohne diakritische Punkte geschrieben sind, Photographien beizugeben.

Ich werde alle diese Fragen seinerzeit natürlich auch an Littmann stellen, wollte aber doch vorher von Ihnen als dem „Nährvater“ unserer Papyri die Sache unterbreiten.

Ich habe eventuell vor, auch noch die anderen, von Ihnen als „literarisch“, „religiös“ oder „christlich“ bezeichneten Stücke finde.

Für ein paar freundliche Antwortzeilen (bis auf weiteres nach dem Kohlhof) wäre Ihnen sehr verbunden Ihr von Haus zu Haus herzlich grüßender altgetreuer (gez.) C. Bezold.

N.B.! Dies ist der erste Brief, den ich selbst in einen Lindström’schen Parlographen gesprochen und dann davon Diktat (selbst) auf einer ganz neuen Remington (Modell Nr. 10) geschrieben habe!

 

212. C. H. B. an C. Bezold. (Bonn), 16.10.1915

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Professor!

Herzlichen Dank für Ihren ausführlichen Brief mit der schönen Schreibmaschine. Zum Parlographen kann ich mich noch nicht recht entschließen, habe es auch in Hamburg nicht gekonnt, wo er immer neben mir stand. Aber eine neue Schreibmaschine werde ich mir bald leisten müssen, da meine jetzige schmutzt. Vielleicht raten Sie mir einmal als Sachverständiger, welche ich mir am besten kaufe?

Nun zu Ihren Anliegen: Schermann hat mir geschrieben, daß er mein Manuskript für Kuhn erst Ende des Monats braucht, und ich kann es auch vorher sicher nicht fertigstellen. Ich werde das Thema behandeln: „Ubi sunt qui ante nos in mundo fuere“, ein Thema, für das ich lange sammle, und das die Gedankenverbindung zwischen Ost und West an einer anderen Stelle aufzeigt, als wie es Kuhn getan hat.

Von der kleinen Festgabe für Nöldeke habe ich noch gar nichts gehört, doch darf ich als bestimmt annehmen, daß man mich zur Mitarbeit auffordern wird.

Ihren Plan, die christlichen Amulette der P.S.R. zu veröffentlichen, finde ich sehr hübsch. Die Arbeit ist allerdings nicht ganz einfach, da Sie nicht darum herumkommen werden, die ganze orientalisch-christliche und auch die späthellenistische Zauberliteratur anzusehen. Da haben Sie ja aber in Bonn eine vortreffliche Hülfe. Ich habe mich nie spezieller mit dem Gegenstand beschäftigt, doch empfehle ich Ihnen Crum’s „Catalogue of the coptic manuscripts in the Rylands library“, No.100 ff. Auch die anderen coptischen Kataloge Crums müßten Sie wohl durchsehen. Die dort verzeichnete Literatur wird ja wohl ziemlich abschließend sein. Ähnliche Bruchstücke sind wohl in allen Papyrussammlungen enthalten. Ich erinnere sie mir bestimmt in Hamburg, wo sie allerdings noch nicht geordnet sind. Auch in Berlin gibt es sicher solche. Ich glaube, daß es unmöglich ist, einigermaßen abschließend darüber zu schreiben; nur die Sammlung des Materials würde bis zum 80.Geburtstag ganz unmöglich sein. Aber jeder, der sich mit diesen Dingen beschäftigt, wird demjenigen dankbar sein, der einmal die schwierige Aufgabe auf sich nimmt, mutig ein paar Stücke herauszubringen.

Über die Bedeutung des Abgar-Briefes finden Sie ziemlich wichtige Bemerkungen im Islam, Band V, S.370ff., besonders S.380. Auf Doutte’sMagie », Canaan’s « Volksmedizin und Aberglaube im Lande der Bibel » brauche ich Sie wohl nicht aufmerksam zu machen. Ich denke mir die Arbeit besonders reizvoll für Sie, da es ja so viele abessinische Parallelen gibt und damit die geistigen Beziehungen zwischen Ägypten und Abessinien neues Licht fällt.

Ob sich allerdings der Scheich darüber freuen wird, ist schwer zu sagen; ich glaube wohl, da ihn alles interessiert, was mit dem Leben direkt zusammenhängt, und da ein wirklicher Kommentar nicht ohne Fühlungnahme mit den orientalischen Legendenkomplexen abgeht, und die haben ihn ja von jeher interessiert.

Zu A möchte ich noch bemerken, daß Absatz 3 ein reines Lehrbuch des Zauberwesens enthält. An dem Hanefiten18 nehme ich neben dem Moslim Anstoß, wie Sie es wohl auch tun. Sollte nicht ein Hanif damit gemeint sein?

Ich würde mich übrigens nicht wundern, wenn noch andere solche Stücke in den Heidelberger Papyri sind. Das große zweisprachige Stück ist wohl gar kein Amulett, doch erinnere ich mich nicht mehr sehr genau daran.

Als Probe würde ich jedenfalls eine Tafel beigeben; aber es durchaus überflüssig, alles zu photographieren. Jedenfalls haben Sie schon eine ganz respektable Leistung hinter sich, daß Sie den wesentlichen Zusammenhang des Textes festgestellt haben; denn ganz einfach war das nicht. Ihre Übersetzung darf ich wohl behalten; vielleicht fällt mir noch was dazu ein.

Wenn ich auch mitarbeite, mache ich vielleicht auch etwas Koptisch-Arabisches, nämlich die Daniel-Apokalypse in ihren Beziehungen zum Sturz der Omajaden.

Aus Konstantinopel habe ich dauern sehr interessante und ausführliche Nachrichten von F.F. Schmidt und Ritter19. Die Armeniergreuel übertreffen alles bisher Dagewesene. Der Krieg dauert zu lange für die Türkei, und es wird über kurz oder lang das deutsch-türkische Verhältnis eine ziemlich radikale Lösung finden müssen. Der Krieg und die Armeniergreuel haben die sowieso schwachen Finanzen der Türkei in einer Weise ruiniert, daß eine normale Sanierung ziemlich ausgeschlossen erscheint. Es ist allerhöchste Zeit, daß der Weg nach Konstantinopel frei wird, nicht sowohl wegen der Munition, als damit wir etwas nachdrücklicher in Konstantinopel auftreten können, um die ziemlich trostlosen inneren Verhältnisse, besonders in der Verwaltung, energisch in die Hand zu nehmen. Die Armenierfrage beginnt die frommen Kreise Deutschlands sehr erheblich zu interessieren, und namentlich von Missionskreisen aus wird scharf antitürkische Politik gearbeitet. Die Regierung scheint ratlos, wie man dem deutschen Publikum die Türkenbegeisterung erhalten soll, wo man auf die Dauer die Armeniergreuel nicht verschweigen kann20. Ich habe gerade einen Artikel an die Frankfurter Zeitung geschickt unter dem Titel „Armenier, Türken und wir“, wo ich die Stimmung zu beeinflussen suche. Ähnliche Artikel werden in der ganzen Zentrumspresse erscheinen. Das geschieht natürlich auf Verabredung, wie ich Ihnen discretissime mitteilen möchte. Ich bin neugierig, ob die Frankfurter meinen Artikel bringt. Mündlich könnte ich Ihnen mehr erzählen.

Uns geht es so weit allen gut. Freund Eisenlohr ist z. Zt. wieder hier zur Erholung von einem schweren Malariaanfall. Er hat ein buntes Kriegsleben hinter sich, in Afrika, in Gibraltar, an der Lorettohöhe und in der Champagne. Gottlob geht es ihm aber wieder recht gut. Ich bin bis Ende des Monats militärfrei, kann später aber jederzeit als Dolmetscher eingezogen werden.

Sie werden nächstens von meiner Mutter eine Rede zugeschickt erhalten, die ich am hundertsten Geburtstag meines Großvaters Schöffer in Gelnhausen gehalten habe. Da Sie das Milieu kennen, glaube ich, daß auch meine Worte Sie interessieren würden, und deshalb veranlaßte ich meine Mutter, Ihnen ein Exemplar zu schicken.

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus in dankbarer Verehrung Ihr getreuer (CHB).

 

213. C. H. B. an C. Bezold. (Bonn), 30.12.1915

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Professor!

Zum Neuen Jahre möchte ich Ihnen und Ihrer verehrten Gattin meinen herzlichsten Glückwunsch aussprechen. Wir wünschen uns ja alle dasselbe, da braucht es in diesem Jahre nicht vieler Worte. Dankbar blicken wir zurück auf das verflossene Jahr, und mit freudiger, sicherer Hoffnung blicken wir in das kommende.

Von mir kann ich nicht viel Neues berichten. Ich bin noch nicht militärisch eingezogen, obwohl ich als Dolmetscher gemustert bin. Inzwischen arbeite ich intensiv, meistens natürlich an Kriegsproblemen orientalischer Art; aber von Zeit zu Zeit drängt mein Herz zu einigen wissenschaftlichen Pererga, wie ich sie jetzt in der Festschrift für Kuhn und für Nöldeke niederlegen werde. Die Arbeit für Nöldeke über die koptische Daniel-Apokalypse und die Omajjaden ist etwas sehr groß geworden; aber ich hoffe doch, daß ihr Druck keine Schwierigkeiten macht. Im Januar bin ich beurlaubt, um an einem Ausbildungskursus der Deutsch-Türkischen Wirtschaftszentrale in Berlin Vorträge zu halten. Ich habe 9 Vorträge, die dann gedruckt werden sollen; außerdem halte ich einen Vortrag in der GEHE-Stiftung in Dresden, der ebenfalls gedruckt wird, noch 2-3 andere öffentliche Vorträge in Berlin und Dresden und außerdem, was aber noch Geheimnis ist, hier am 27.Januar bei der Universitätsfeier die Kaiserrede. Sie werden zugeben, daß das ein ganz nettes Arbeitsprogramm ist und verstehen, daß ich einigermaßen unter Hochdruck stehe, da ich bisher noch nicht allzuviel vorgearbeitet habe. Mein Kolleg über die Türkei wurde bisher von über 200 Leuten besucht, und auch meine Fachvorlesungen haben doch noch recht erheblichen Zuspruch. Gesundheitlich fühle ich mich arbeitsfähig und empfinde doch in dieser Hinsicht eine große Besserung nach meiner sommerlichen Kur in Frankfurt. Meine alten Beschwerden sind allerdings leider noch nicht behoben worden.

Ich muß Ihnen doch erzählen, daß der Krieg für mich auch zu einem persönlichen Krach mit Mr. Worrell geführt hat. Eine Arbeit von ihm stand im Islam im Satz, als er, der ja lange in Hamburg studiert hatte, einen so unverschämten Brief an das Hamburger Kolonialinstitut, das ihm seine Kriegspublikationen geschickt hatte, sandte, daß mir gar nichts anderes übrig blieb, als diesem Hasser Deutschlands das Gastrecht im Islam zu kündigen. Ich halte es für ausgeschlossen, daß man nach seinem Auftreten diesem aufgeblasenen Amerikaner, der sein Bestes Deutschland verdankt, in Zukunft noch irgendwo bei uns zu Wort kommen läßt. Die Akten stehen Ihnen gern zur Einsicht zur Verfügung. Auch Trübner war, als ich ihm Worrells Briefe einsandte, sofort der Meinung, daß der Satz wieder auseinandergenommen werden müsse. Worrel hatte sofort von sich aus die Rücksendung des Manuskriptes erbeten, schnappte dann allerdings nach meinem Brief noch besonders ein und schickte mir nicht nur einige ungezogene Artikel, die er in amerikanischen Zeitungen verfaßt hatte, sondern auch die Portoauslagen in internationalen Briefmarken zurück. Die Kriegspsychose scheint in Amerika noch stärker zu wüten, als in Europa. Für mich ist jedenfalls Herr Worrell erledigt.

Gottlob hat man auch erfreulichere Erlebnisse. Mit Snouck stehe ich wieder in regelmäßigem Verkehr, und durch ihn höre ich auch von meinem Freunde Massignon, der zuletzt als Dolmetscher auf dem südöstlichen Kriegsschauplatz war, und der seine innere Stellung zu mir nicht im geringsten geändert hat. Ein wirklicher Gegner, zumal, wenn er es aus nationalen Notwendigkeiten ist, steht uns näher, als ein Feind in der Maske der Neutralität.

Hoffentlich sehen wir uns im neuen Jahre bald einmal wieder. Jedenfalls begleiten meine Frau und ich Sie und Ihre liebe Gattin mit herzlichen Wünschen in 1916 hinein.

In bekannter Verehrung Ihr ergebenster (CHB)

 

214. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 20.3.1916

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Seit Wochen, um nicht zu sagen Monaten, wollte ich Ihnen wieder einmal ausführlicher schreiben, um Ihnen für Ihre beiden lieben Briefe vom 16. Oktober und vom 30. Dez(ember) v.J. zu danken. Aber Sie wissen, wie das geht: die Gedanken beschäftigen sich so gern mit dem Brief; aber die Ausführung … ! Es ist also – wenigstens für mich – ganz gut, daß jetzt eine äußere Veranlassung in Form einer Bitte an Sie dazukommt, die Sie unten finden werden.

Also nochmals vielen Dank! Und ganz besonders für Ihre mancherlei Zusendungen, die ich natürlich alle mit größtem Interesse gelesen habe! Zu Ihrer schönen Kaiserrede gratuliere ich Ihnen von Herzen: das haben Sie vortrefflich gemacht und lehrreich für Jedermann, was eine Kunst ist.

Ihre Abhandlung in der Nöldeke-Festgabe zeigt, wie vortrefflich Sie mit Ihrer Zeit haushalten können, um noch solche umfangreichen Studien neben allem „Aktuellen“ zum Abschluß zu bringen.

Über den Artikel in der Kuhn-Festschrift möchte ich wohl einmal mündlich mit Ihnen sprechen: ob Sie das S.104 erwähnte „Jüdisch“ nicht doch noch tiefer einschneidet als Sie annehmen wollen usf. (auf wichtige assyrische Parallelen besinne ich mich bis jetzt allerdings vergeblich!) Kurzum, wir sollten uns einmal wieder sehen; aber wann?

Besonderen Dank schulde ich Ihnen für Ihr freundliches Eingehen auf meine Papyrusangelegenheit. Ihre Literaturnachweise waren mir in der Tat schon größtenteils bekannt (aber Canaan hätte ich ganz übersehen!) Gerade Ihre aufmunternden Worte aber ebenso wie die bald nach Ihrem Brief auch von Littmann eingetroffenen veranlassen mich, die Sache nun nicht mehr aufzugeben. Mit Littmann habe ich neulich auf dem Kohlhof meine Abschrift des Textes eingehend durchgenommen, wobei er mir eine ganze Reihe von wichtigen Lesungen an die Hand gab. Auch seither hat er noch weiteres zum Cyprianus– (nicht Kyriakos-)Gebet gefunden. (Daß die Arbeit aus technischen Gründen nicht für die Nöldeke-Festgabe vorbereitet werden konnte, haben Sie mittlerweile wohl von ihm selbst erfahren.) Ich will nun, so rasch es meine Prorektor-Tätigkeit erlaubt, noch die übrigen christlichen Papyri durchnehmen, um zu sehen, ob noch etwas ähnliches hier vorhanden ist.

Und nun komme ich heute schon wieder mit einer Bitte zu Ihnen, die unsere Facultät betrifft und für deren baldige Erfüllung Ich Ihnen sehr verbunden wäre. (Ich schreibe dies natürlich vertraulich.) Es handelt sich um den 30jährigen, zu Konstantinopel geborenen türkischen Staatsangehörigen Nathan Vitalis, Lektor für türkische Sprache an der Universität Frankfurt und an der dortigen städtischen Handelslehranstalt, der bei uns promovieren möchte. Er besuchte eine Vorschule, dann die 7klassige Schule der Alliance Israelite Universelle in Konstantinopel, ferner die dortige österreichisch-ungarische Bürgerschule sowie die Pittmann-Schule in London, war dann eine Zeit lang als Kaufmann tätig und setzte dann seine Studien an der Frankfurter Akademie für Handelswissenschaften (4 Semester) und der dortigen Universität (3 Semester) fort, wo er im Wintersemester 1914/15 die Handelslehrerprüfung mit „sehr gut“ bestand. (Das betreffende Zeugnis der Universität zensiert die „freie wissenschaftliche Arbeit“ als „ausgezeichnet“.) Dieses sein Studium wird ihm jetzt von dem ottomanischen General-Konsulat in Frankfurt bescheinigt mit dem Zusatz: „Hieraus ergibt sich, daß Herr N.V. berechtigt ist an einer türkischen Universität zu studieren“.

Wie Sie wissen, verlangen wir zur Promotion das Reifezeugnis eines Gymnasiums oder Realgymnasiums des deutschen Reiches oder einer gleichgestellten Anstalt des Auslandes. Herr V(italis) schreibt aber nun noch die Worte: „Da die französischen Schulen in der Türkei geschlossen sind, war es mir leider unmöglich ein Programm über die verschiedenen Fächer, die daselbst durchgenommen werden, hier mitzusenden, und ich selbst bin leider nicht in der Lage, eine Aufstellung hierüber zu machen, da es schon zu lang her ist, daß ich diese Schule verlassen habe.“

Wir werden aus allen diesen Dingen nicht recht klar. Darf ich Sie nun bitten, mir so bald wie möglich Ihre Ansicht zu sagen, was Sie von der Vorbildung des Herrn V(italis) halten. Sie würden dadurch mich und unsere Facultät zu herzlichem Dank verpflichten.

Die Kuhn-Feier am 7. Februar, wozu wir nach München reisten, verlief sehr nett und gemütlich. Der Jubilar hat sich offenbar über die reiche Festgabe sehr gefreut. Auf der Rückreise waren wir ein paar Stunden bei Anna von Reitzenstein in Augsburg, wo ich auch die große Freude hatte, wieder einmal mit dem Bruder und der Schwester Ihres Herrn Schwiegervaters zusammen zu sein. Nach Straßburg gingen wir nicht, da Nöldeke wegen der Trauer in der Familie ziemlich deutlich abgewinkt hatte. Desto ausführlicher mußte uns Littmann erzählen.

Und nun für heute genug. Daß Sie, Ihre liebe Gattin und Kinder unsere steten Wünsche begleiten, wissen Sie! Mit den herzlichsten Grüßen von Haus zu Haus Ihr treuer (gez.) C. Bezold.

 

215. C. H. B. an C. Bezold (Bonn), 21.3.1916

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Professor!

Herzlichen Dank für Ihren ausführlichen Brief und die freundliche Übersendung Ihres Beitrages zur Nöldeke-Festschrift. Ich hatte mich zwar eigentlich auf die Papyri gespitzt, war auch schon sehr neugierig, und es war der erste Aufsatz, den ich in der Festschrift aufschlug. Jedenfalls hat mich aber auch der neue Aufsatz sehr interessiert; denn diese Heiligenleben sind doch literaturgeschichtlich von allergrößter Wichtigkeit. Ob ich will oder nicht, ich werde immer in diese Zauber- und Mythenwelt hineingezogen.

Bis hierher hatte ich geschrieben, da meldet mir ein Telephongespräch die unerwartete Ankunft meines Schwiegervaters in Köln, mit dem ich auch gestern und heute den ganzen Tag zusammen bin. So verzögert sich die sofort gewünschte Antwort, was ich freundlich zu entschuldigen bitte.

Was die Alliance Israelite betrifft, so habe ich noch nie gehört, daß sie auch höhere Schulen im Orient unterhält. Es sind alles französische Schulen, die man am besten als gehobene Volksschulen bezeichnet. Ob es wirklich siebenklassige Anstalten gibt, kann ich hier nicht nachprüfen. Ich glaube nicht, daß es sich um eine Schule handelt, die einer deutschen Mittelschule entspricht. Auch scheint es mir sehr merkwürdig, daß der Doktorand sich nicht mehr erinnern will, was er in den sieben Schuljahren gelernt hat. Ich bin in doch älter und weiß noch genau, was ich in den ersten Schuljahren ungefähr gelernt habe. Bei Orientalen ist angesichts des bunten Schulwesens auch das strenge Schema der Promotionsordnung wohl überhaupt nicht durchzuführen. Der Ausdruck „gleichwertig“ trifft doch unter gar keinen Um-ständen zu. Wenn der Mann sich inzwischen bewährt hat – und ich meine mich zu erinnern, daß auch Horowitz ganz günstig über ihn sprach -, würde ich die Schönheitsfehler seiner Vorgeschichte nicht allzu stark bewerten. Sollte ich mich aber in Beziehung auf die Schulen der Alliance Israelite täuschen, so sind doch wohl die Jahresberichte der Alliance auf der Universitätsbibliothek vorhanden, zumal einer der Hauptsitze dieses Gesellschaft in Mannheim ist. Sonst wird Ihnen wohl Horowitz, Melemstraße 2, Frankfurt a/M., sowohl als Jude wie aus persönlicher Kenntnis des Kandidaten heraus zuverlässige Auskunft geben können. Für die eigentlich türkischen Schulen habe ich das ganze Gesetzesmaterial zur Hand, aber über alle die vielen europäischen Gründungen in der Türkei leider nicht. Es tut mir also aufrichtig leid, Ihnen nur eine so ungenügende Auskunft geben zu können.

Den türkischen Generalkonsul in Frankfurt kenne ich persönlich. Er hat keine Ahnung von türkischen Dingen. Trotzdem dürfte seine Bemerkung richtig sein; denn ein Mann, der sieben Semester an deutschen Hochschulen studiert hat, kann in der Türkei natürlich promovieren, da man sich über jeden freut, der sich eine Bildung angeeignet hat.

Sie haben ja nur zu Recht, daß es höchste Zeit wäre, daß wir uns endlich einmal wiedersähen. Auch Ihre Papyrus-Angelegenheit interessiert mich sehr. Ich schwankte neulich stark, ob ich nicht von Gelnhausen aus, wo ich damals kurz weilte, nach Heidelberg kommen sollte, wo ich wußte, daß auch Littmann gerade da war; aber dann überwog doch das Bedürfnis, bei meiner Mutter zu bleiben, und die Sehnsucht, möglichst schnell an die Arbeit zurückzukommen. Wie schade, daß ich Sie nicht als Prorektor in Heidelberg miterlebt habe. Hoffentlich können Sie noch einen Frieden einleiten; denn das Rektortum während des Krieges macht doch nicht halb so viel Freude als im Frieden. Wenn möglich, will ich versuchen, Sie in der ersten Hälfte April einmal zu begrüßen, da ich auf einige Tage mit der ganzen Familie nach Gelnhausen fahre, aber Ostern schon wieder in Bonn sein will. Mich ziehe auch mancherlei Interessen zu Boll.

Leider kostet mir die Zeitschrift (Der Islam) in letzter Zeit sehr viel Arbeit, und ich führe jetzt auch die Arbeit meines Schülers Ritter, der seit über einem Jahr im Orient im Stabe von v.g.Goltz ist, durch den Druck und arbeite sie um, was mich leider nicht so sehr zu dem eigentlichen Ziel dieser Ferien kommen läßt, nämlich der Schaffung eines Islam-Handbuches. In meiner Vortragstätigkeit habe ich z. Zt. auch eine Pause eintreten lassen. Hingegen sind noch eine Reihe kleinerer Artikel im Druck, die ich Ihnen bald zuzusenden hoffe, ausschließlich für Aufklärungsarbeit.

In der Türkei stand es einige Zeit recht schlecht, und die Hungersnot ist noch immer sehr groß. Das Vorrücken der Russen schien eine Zeitlang bedrohlich, doch haben mich jetzt eine Reihe von Indizien beruhigt. Von alledem hoffe ich Ihnen mündlich einmal mehr erzählen zu können.

Mit herzlichen Grüßen vom ganzen Hause, auch von meinem Schwiegervater, an Sie und Ihre Gattin Ihr Sie dankbar verehrender (CHB).

 

216. Postkarte von C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 8.5.1916

Lieber Freund,

herzlichen Dank für Ihre letzte Karte: ich fühlte, daß Sie ebenso wie ich das Wiedersehen genossen haben; das ist doch immer gegenseitig. Auch noch schönen Dank für den letzten „Islam“, für dessen regelmäßige Zusendung ich Ihnen immer aufs Neue verbunden bin, und für Ihren Ostergruß-Beitrag; da haben Sie offen und deutlich Ihre Meinung gesagt, und das halte ich für sehr gut.- Endlich folgt anbei unsere kleine Gabe für Kuhn.

Heute schreibe ich wegen zweier Dinge:

  • Erstens ist’s mir schon länger klar geworden, daß der schöne Bestallungstext, für den Sie an Ihren „Islam“ dachten, nicht griechisch, sondern koptisch-arabisch ist. Nun war neulich C. Schmidt aus Berlin hier, und dem zeigte ich ihn. Er fand ihn sehr interessant, übersetzte das meiste glatt weg. Ich bat ihn, mir bei der Herausgabe ev(entuell) zu „helfen“, was er gern tun wollte: Ist es Ihnen recht, wenn wir ihn zusammen für den Islam bearbeiten? Schmidt möchte das Original wohl für eine Zeitlang nach Berlin haben.
  • Ganz harmlos, vielleicht unvorsichtig, erwähnte ich neulich in einer Karte an Goldziher, daß ich die Papyri angesehen hätte: er schloß daraus gleich sanguinisch auf eine Fortsetzung Ihrer schönen Publikation, wovon ja gar keine Rede sein kann! Aber er meint auch, es seien auch viele „Judaeo-Arabica!, darunter (Arabisch in hebräischer Schrift, durch deren Studium er der Sammlung eventuell nützlich werden könnte; ob er solche Stücke leihweise nach Budapest bekommen könne. Ich glaube nun, hier liegt ein Mißverständnis vor; denn mir scheint, die wenigen Hebraica sind entweder Übersetzungen des umstehenden arabischen Textes oder aber davon unabhängig, enthalten aber hebräische Sprache. Ob sie jetzt soweit verschickt werden können, weiß ich noch nicht, müßte erst mit Wille reden. Jedenfalls möchte ich bei Ihnen zuerst anfragen, ob ich G(oldziher) auf grund Ihrer (und meiner) Notizen die hebräischen Nummern (?) mitteilen darf und ob Sie – worauf ich die Antwort ja eigentlich schon weiß – damit einverstanden sind, daß ev(entuell) Goldziher sie bearbeitet.

Bei mir ist die Amtstätigkeit im Vordergrund; aber es wird auch gewiß wieder anders kommen. Mit den herzlichsten Grüßen von Haus zu Haus Ihr treuer C. Bezold.

 

217. C. H. B. an C. Bezold. Heidelberg, 11.5.1916

(Maschinenkopie)

Hochgeehrter Herr Professor!

Herzlichen Dank für Ihre inhaltsreiche Karte und die Übersendung Ihres und Boll’s Beitrags für die Kuhn-Festschrift. Ihre Zusammenarbeit zeitigt wundervolle Resultate.

Der schöne Bestallungstext schien mir anfänglich auch koptisch zu sein; später hat mich aber jemand belehrt, daß er griechisch sei. Ich meine, es wäre der Kopte Schmidt gewesen, doch kann ich mich irren. Es wäre mir außerordentlicherfreulich, wenn Sie und Schmidt den Text zusammen bearbeiten wollten. Im Islam ist natürlich Platz dafür, auch Geld für eine Tafel. Eine entsprechende Verkleinerung wird ja auch den arabischen Text nicht unlesbar machen.

Wenn Goldziher sich bereit finden lassen wollte, die jüdischen Stücke der Sammlung zu edieren und zu bearbeiten, so könnte mir gar nichts Erfreulicheres passieren; auch halte ich es für gänzlich unbedenklich, sie als eingeschriebene Drucksache zu verschicken.

Ich bin seit unserem Zusammensein schon zweimal in Berlin gewesen und fahre vermutlich in den nächsten Tagen wieder hin. Neulich war ich mit Littmann sehr intensiv zusammen; aber auch anderen Kollegen sehe ich gelegentlich. Ich werde Ihnen nächstens einmal ausführlich schreiben über manches, was mich beschäftigt. Heute darf ich mich auf diese wenigen Zeilen der Beantwortung Ihrer Anfragen beschränken

In bekannter Verehrung

Ihr Ihnen aufrichtig ergebener (CHB).


Berufung Beckers ins Preußische Kultusministerium, April 1916


218. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 20.5.1916

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Für zwei liebe Briefe habe ich Ihnen zu danken, was hiermit – besonders auch für die freundlichen Glückwünsche zu meinem Geburtstag – aufs herzlichste geschieht.

Aber wie wichtig sind Ihre heutigen Nachrichten – für Sie, für uns alle, für Deutschland! Ich mußte mich, wie Sie sich denken können, mit dem Gedanken Ihrer neuen Tätigkeit erst ein wenig zurechtfinden; wollte eigentlich erst morgen schreiben, und doch drängt es mich, Ihnen gleich wenigstens ein Lebenszeichen zu geben.

Obenan: innigste Glückwünsche von uns beiden für Sie und die Ihrigen! Dazu noch ganz besondere Wünsche, daß Ihre Gesundheit bei der Übernahme all’ der neuen Verpflichtungen standhalte – zu Ihrer eigenen Zufriedenheit und zum Wohl unseres Vaterlandes! Daß man bei Ihnen an den richtigen Mann gekommen ist, darüber ist überhaupt gar keine Frage. Daß man aber auch uns Orientalisten einen empfindlichen Verlust zufügt, ist ebenso klar. Denn an Ihre Rückkehr zur reinen Wissenschaft „in 5-6- Jahren“ kann ich nicht recht glauben! Ist es nicht merkwürdig, daß ich gerade am 18. Mai, als mir Geheimrat Quincke persönlich zum Geburtstag gratulierte, mit ihm des längeren von Olshausen sprach!

Sie wissen ja, wie sehr ich es begrüßt habe, daß Sie nach der anstrengenden Arbeit in Hamburg so glücklich in den Hafen der wissenschaftlichen Arbeit an einer unserer Vornehmsten Universitäten einliefen. Der Krieg hat freilich da wohl manche Ihrer Pläne geändert oder verschoben, aber die „Ruhe“ – sit venia verbo – winkte wieder mit dem Friedensschluß. Nun ist Alles anders gekommen, und ich sage es mir, es bei Ihrer speziellen Begabung und Kraft wohl so kommen müssen. Jetzt beglückwünsche ich Sie auch zu der trefflichen Schule, die Sie in Hamburg durchgemacht haben. Da war Bonn ein Ruhepunkt. Möge nun Alles glücklich weitergehen und Ihnen, woran ich durchaus nicht zweifle, die Organisation gelingen, die Ihnen selbst vorschwebt und die Sie bei Ihrer Personalkenntnis und Energie durchzusetzen gewillt sind. Die Aufgabe ist ganz großzügig und sicher voller Reiz, daß Sie auch die kleinen oder größeren Widerwärtigkeiten, die da niemand erspart bleiben können, nicht zu scheuen brauchen.

Aber wie Sie andeuten, eine „beschränkte“ Lehrtätigkeit bleibt Ihnen ja, und ich hoffe von Herzen, daß Sie immer wieder einmal mit alter Freude aus dem Referentenzimmer auf das Katheder zieht. Die Hoffnung teilen gewiß Littmann, Nöldeke und alle die „Unsrigen“. Daß auch Sie der „unsrige“ bleiben, das steht mir fest, so vielleicht noch mehr, als wenn Sie Direktor des Orientalischen Seminars in Berlin geworden wären (woran ich oft dachte) und weniger wirken könnten, als Ihnen jetzt bevorsteht.

Für heute nur nochmals alle, alle guten Wünsche von meiner Frau und Ihrem alten, treuen (gez.) C. Bezold.

 

219. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 13.8.1919

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Herzlichen Dank für Ihre freundlichen Zeilen aus Michelstadt! Hoffentlich haben Sie und Ihr lieber Walter eine recht angenehme Ferienreise hinter sich! Wie sehr uns Ihr lieber Besuch freute, kann ich Ihnen gar nicht genug sagen. Es war ein orientalistischer Lichtschein im Halbdunkel der Fakultätssitzungen und mancher sonstiger Amtsgeschäfte!

  • Heute komme ich mit ein paar dringenden Bitten, die Sie hoffentlich rechtzeitig vor Ihrer Besprechung über die Zukunft unserer Zeitschriften erreichen. Erstens hat neulich Töpelmann wegen der ZATW bei mir als Sekretär unserer Akademie angeklopft; er fürchtet, die , Zeitschrift trotz aller Zubuße seinerseits nicht mehr über Wasser halten zu könne. Ich mußte, so wie die Verhältnisse bei uns liegen, glatt ablehnen (ebenso wie seinerzeit bei der Mischna-Ausgabe); tat es aber mit schwerem Herzen; den T(öpelmann) sind wir Semitisten wirklich zu Dank verpflichtet: er hat in der Nöldeke-Festschrift mit schweren eigenen Opfern ein Monumentum errichtet, das ihm nicht leicht Einer – und sei er auch viel begüterter – nachmachen wird. Ich bitte sehr, in diesem Sinn an T(öpelmann) zu denken.
  • 2. pro domo: wie Sie wissen, steht es um Goldzihers Gesundheit nicht zum Besten. Nun schickte er mir (durch das Wirtschaftsinstitut für den Orient) Ende Juli ein Manuskript: „Ijádat al-maríd“ von ca. 1 ¼ Bogen für Z.A. Da mir viel daran liegt, es möglichst umgehend zu Satz zu bringen, der erlaubte Raum im laufenden Heft aber schon verbraucht ist, schrieb ich an den Verleger, habe aber wegen der Unkosten eine Absage erhalten. Ich wurde daraufhin heute abermals vorstellig und hoffe, daß Trübner, wenn auch Sie Ihrerseits noch ein gutes Wort einlegen, sich erweichen lasse. Ob Ihnen freilich bei all Ihren allgemeinen Auseinandersetzungen in der betreffenden Sitzung Zeit bleiben wird, Lüdtke über eine solche private Angelegenheit zu sprechen, kann ich nicht ermessen. Aber ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie es möglich machen könnten.—

Von Herrn Probsthain, der mir Ihren Brief zeigte, habe ich für unser Seminar mehrere Neuerscheinungen erworben, anderes der Bibliothek aufgebürdet. Er hat wirklich Mut, unter den jetzigen Verhältnissen eine neue Zeitschrift zu gründen.

Im September oder Oktober soll in Berlin (wohl hauptsächlich wegen des Reichsnotopfers) ein Kartelltag der deutschen Akademien stattfinden, den ich, wenn irgend möglich, besuchen will. Sie auf diese Weise bald wieder persönlich zu sehen würde sich besonders freuen Ihr von Haus zu Haus grüßender altgetreuer (gez.) C. Bezold.

 

220. C. H. B. an C .von Bezold, Bonn (Berlin?), 17.1.1920

Geheimer Regierungsrat

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Kollege!

Wider meinen Wunsch und Willen ist Ihnen frühzeitig bekannt geworden, daß in den Staatshaushaltsplan eine Ergänzungsprofessur für Sie eingestellt worden ist. Ich möchte ausdrücklich bemerken, daß es sich hierbei nicht um eine Ersatz- sondern um eine Ergänzungsprofessur handelt, und es war meine Absicht, mit Ihnen in Verbindung zu treten, ehe die

Fakultät offiziell zu Vorschlägen für diese Professur aufgefordert würde. So konnte das Vorgehen der Regierung als eine Unfreundlichkeit gegen Sie gedeutet werden. Die Absicht war aber gerade die umgekehrte. Während sonst Ersatzprofessuren eingestellt werden, handelt es sich in Ihrem Falle um eine Ergänzungsprofessur, d.h. Sie sollen nicht etwa emeritiert werden, sondern Ihre volle bisherige Stellung behalten. Es soll Ihnen nur zum Ausbau des Unterrichts und zu Ihrer persönlichen Entlastung eine volle Kraft cum spe succedendi zur Seite gestellt werden. Nachdem jetzt in den nächsten Tagen die Fakultät zu Vorschlägen für diese Professur aufgefordert werden wird, ist es mir ein persönliches Bedürfnis, Ihnen das auszusprechen und Ihnen bei der Gelegenheit zum Ausdruck bringen, daß das Kultusministerium sich vollauf der großen Verdienste bewußt ist, die Sie um Wissenschaft und Universität aufzuweisen haben., und daß wir Ihnen mit diesem neuen Kollegen nur eine Entlastung verschaffen wollen. Wir haben jetzt in der gleichen Weise auch neben den Kollegen Riehl seinen Kollegen Spranger aus Leipzig berufen, ohne daß die Wirksamkeit von Riehl dadurch eingeschränkt werden wird. Ganz unabhängig davon kann es ja allerdings möglich sein, daß im Zusammenhang mit der Besoldungsreform, die zum 1. April bevorsteht, durch Gesetz eine Emeritierung und

Pensionierung aller Beamten über 65 Jahre erfolgt; aber das ist nur auf dem Wege der Gesetz-gebung möglich und steht in keinerlei Zusammenhang mit der Begründung der Ergänzungsprofessur, die den Gegenstand dieses Briefes bildet.

Mit dem Ausdruck meiner besonderen Verehrung und verbindlicher Empfehlung, auch an Ihre verehrte Gattin, Ihr sehr ergebener (CHB).

 

221. C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 2.11.1920

(Maschinenmanuskript)

Lieber Freund!

Sehr leid hat es mir getan, daß ich Sie während meines neunstündigen Aufenthaltes in Berlin am letzten Samstag (anläßlich der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft) nicht begrüßen konnte; ich bin sofort nach der Sitzung wieder nach dem Bahnhof gezogen, da die Zeit jetzt am Semesteranfang sehr kostbar ist. Meine Karte, die ich vormittags zwischen 1o & 11 Uhr abgab (Sie lasen um diese Zeit wohl Kolleg?) haben Sie gewiß erhalten.

Heute komme ich nun in Sachen unserer Papyri zu Ihnen, nachdem mir unsere Bibliothek mitgeteilt hat, die Nummern 22-49 unserer Sammlung würden auf Ihren Rat in das Orientalische Seminar der Universität Frankfurt erbeten. Ich hatte seinerzeit dem betreffenden Herrn auf Befragen mitgeteilt, daß ich meine eigene Abschrift des „Buches“ einem anderen Fachgenossen überlassen hätte. Nun möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, daß letzterer niemand anderes ist als unser teuerer Nöldeke. Als ich im Sommer bei ihm in Karlsruhe war, brachte ich ihm meine Kopie als „Mitbringsel“, und er meinte, er wolle sich den Text einmal ansehen, sobald er vor anderen Arbeiten dazu die Zeit fände. Wie weit dies nun der Fall ist oder nächstens sein wird, darüber möchte ich ihn natürlich nicht vorwitzig fragen. Aber schade wäre es doch wohl, wenn er wirklich eine Untersuchung über den Text anstellte und ihm dann eine andere Bearbeitung dazwischenkäme. Ich überlasse es nun ganz Ihrem Ermessen, mit oder ohne Anfrage bei N(öldeke) das Weitere zu veranlassen; wenn Sie dann der Übersendung der Papyri nach Frankfurt noch weiter befürworten, so steht dieser meinerseits natürlich nicht im Wege.

Wie Ihnen vielleicht gleichfalls bekannt ist, wurde ich von anderer Seite auch befragt, ob die Judaica in unserer Papyrussammlung zugänglich seien, und mußte damals wiederum ausweichend antworten. Um die Übersendung solcher Stücke (bzw. von Judaeo-Arabica) ersuchte mich nämlich Goldziher am 12. April 1916, und ich antwortete ihm damals (20. Mai 1916): „Wie man mir auf unserer Bibliothek sagte, steht nichts im Wege, daß Du diese Stücke nach Pest bekommst, wenn auch natürlich während des Kriegs die Sicherheit der Sendung einigermaßen gefährdet erscheint. Und daß wir alle froh sind um jedes Stück, dessen Du Dich annimmst, brauche ich nicht erst zu versichern.“

Haec hactenus. Meine letzte Nachricht an Sie (von Anfang Oktober) ist wohl gut in Ihre Hände gelangt?21 Ebenso der Sonderdruck aus der Hirth-Festschrift.

Bitte, seien Sie von uns beiden der Übermittler schönster Grüße an Ihre verehrteste Gattin und seien Sie selbst herzlich gegrüßt von Ihrem alten treuen (gez.) C. Bezold.

 

222. C. H. B. an C. Bezold. (Berlin), 9.12.1920

Der Staatssekretär. (Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor.

Würden Sie wohl die Freundlichkeit haben, mir in Sachen der Nachfolge Delitzsch’s mit

Ihrem bewährten Rate zur Seite zu stehen? Die Fakultät hat uns in dieser Reihenfolge die Herren Zimmer, Meissner und Ungnad genannt. Ich habe mich etwas gewundert, daß Ihr Name auf der Liste fehlte. Ich weiß, daß man ausführlich von Ihnen gesprochen hat; aber man wird es wohl für aussichtslos gehalten haben, Sie zu gewinnen, oder man hat an Ihren fortgeschrittenen Jahren Anstoß genommen. Aber Zimmern ist doch eigentlich nur wenige Jahre jünger als Sie. Wie dem auch sei, mir kommt es jetzt vor allem darauf an, bei der Entscheidung Ihr Urteil in die Wagschale werfen zu können. Ich bin natürlich im Bilde über Ihre Beziehungen zu Meissner resp(ektive) über sein abscheuliches Verhalten Ihnen gegenüber. Aber ich weiß, daß Sie sich trotzdem ganz objektiv äußern werden. Ich habe nämlich das Gefühl, als ob man an ihm trotz aller persönlichen Bedenken nicht vorübergehen kann. Zimmern ist eigentlich schon etwas alt, wirkt vor allem noch älter als er ist, und Ungnad, dessen wissenschaftliche Leistungen ich nicht verkenne, ist keinesfalls die Persönlichkeit, die wir hier brauchen. Er hat uns mit seinen Jämmerlichkeiten hier im Ministerium über Gebühr geödet. So liegt für mich die Wahl eigentlich nur zwischen Meissner und Zimmern. Ob Zimmern überhaupt kommen würde, scheint mir sehr zweifelhaft. Jedenfalls würde ich Meissner direkt berufen, wenn auch Sie diesen Schritt für richtig halten.

Freundlichen Dank für Ihren letzten Brief, den ich in der Füller meiner Arbeiten noch nicht beantworten konnte. Die Chizanet können Sie natürlich noch länger behalten. Die Sira-Papyri müßten natürlich dem Scheich vorbehalten bleiben, doch glaube ich, daß der Interessent sie nur auf die Version hin prüfen will, so daß eine Konkurrenz nicht eintreten würde. Ich hatte übrigens gerade gestern einen langen Brief von Nöldeke, den ich heute Morgen mit einem ebenso langen beantwortet habe.

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus in alter Dankbarkeit

Ihr getreuer gez. Becker.

 

223. C. H. B. an C. Bezold. (Berlin), 4.1.1921

Der Staatssekretär

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor.

Verbindlichen Dank für Ihre freundliche Einladung. Herr Wende und ich werden uns also erlauben, Sonntag den 9., abends um 7 ½ Uhr, bei Ihnen zu erscheinen. Was Boll betrifft, so habe ich mir überlegt, daß es doch unauffällig ist, wenn Sie ihm sagen, daß ich die Hoffnung geäußert hätte, ihn vielleicht bei dieser Gelegenheit wiederzusehen. Mich verknüpfen mit ihm ja seit langer Zeit starke gemeinsame Interessen. Herr Wende erscheint dann bloß als mein Begleiter und braucht ja gar nicht weiter erwähnt zu werden. Ich komme um 9 Uhr an, werde dann den Vormittag mit meinem Freunde Groß verbringen und bei ihm zu Mittag essen. Nach Tisch will ich zu Wolf auf die Sternwarte. Montag habe ich mir frei gehalten, um mit Wende einen Gang ins Neckartal zu machen. Hoffentlich haben wir anständiges Wetter. In herzlicher Vorfreude und mit nochmaligem Dank Ihr Ihnen aufrichtig ergebener (CHB).

 

224. A. und C. Bezold an C. H. B. Heidelberg, 21.4.1921

Zur Übernahme des Ministeriums

Wünschen Ihnen, lieber Freund, und Ihrer verehrten Gattin alles Glück, Kraft, Ausdauer und Gesundheit

Die alten treuen Heidelberger

A.und C. Bezold.


1 Carl Christian Bezold *1859 Donauwörth + 1922 Heidelberg, Professor für Assyriologie in Heidelberg seit 1894. Brockhaus 1954

2 Nachtrag: Postkarte C. Bezolds an Frau Consul J. Becker, Gelnhausen, Heidelberg, 31.10.1900:

Sehr geehrte gnädige Frau,

Sie würden mich sehr verpflichten, wenn Sie diese Karte an Ihren Herrn Sohn beischlössen. Ich weiß nicht sicher, ob er noch in Neapel weilt, und falls er das Folgende noch nicht kennt, dürfte es ihn interessieren und freuen:

In dem mir heute zu Gesicht gekommenen July-Heft, 1900, des Journal of the Royal Asiatic Society findet sich p.570-80 eine 1 ½ Seiten lange, mit A.G.E. signirte Anzeige des Herrn Ganzt, deren letzter Absatz lautet:

„The editor, while(?) only a single MS. has been accessible to him, has done his work conscientiously and will, making the best use for critical purposes of such parallel text as were available to him. He has not presented us with the text of the book, but only with a judicious selection from it, including the purpose of Usáma. An introduction is prefixed in which are treated the origin and nature of Ibn al-Janzi’s work, with a brief survey of the (weggelocht! Secondary?) matter contained in it. The purely historical materials afforded by the book the editor proposes to discuss in another place.-

Besten Dank noch für die Übersendung eines Separatabzuges des Artikels Ihres Herrn Sohnes, und herzliche Empfehlungen an Sie und Ihre ganze werte Familie von meiner Frau und Ihrem ganz ergebensten C. Bezold.

3 Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft

4 Ernst von Blumenstein kehrte aus China zurück, wo er dem deutschen Expeditionskorps angehörte.

5 Leipziger Verleger

6 Aus dem Kontext wird leider nicht ersichtlich, um wen es sich handelt.

7 Bezold schreibt nunmehr an den „Herrn Universitätsprofessor“! Zumeist engbeschriebene Postkarten.

8 Rot geschrieben im Text von Bezold

9 Rot geschrieben im Text von Bezold

10 Bezold meint natürlich die Keilschrift der Assyrer, die ja Becker bei ihm studierte.

11 Im Manuskript mit einem Punkt auf dem G.

12 Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft.

13 Muß wohl 19. heißen, denn Weihnachten waren alle wieder zu Hause! Der Herausgeber.

14 Die Liste liegt nicht bei. Der Herausgeber.

15 Rot unterstrichen im Text. Der Herausgeber.

16 Bedeutung unklar. Der Herausgeber.

17 Es handelt sich um Beckers Antwort auf die Polemik Snoucks.

18 Hanefiten, Hanafiten. Anhänger einer der vier Schulrichtungen im Islam, genannt nach ihrem Stifter Abu Hanifa (*Kufa 699, +767). Sie bilden die von der überwiegenden Mehrheit der Mohammedaner (besonders von den Türken) befolgte Richtung. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den vier orthodoxen Richtungen beziehen sich nicht auf die Glaubenslehren, sondern auf Einzelheiten der Gesetzesauslegung, der Gesetzesanwendung und des Ritus. (Brockhaus 1954 )

19 Evtl. die Autoren der drei anonymen Texte Nr.56 v.1.8.1915, 57 v.21.9.1915, 59 v.19.2.1916 im 1. Teil.

20 Hervorhebung vom Herausgeber.

21 Fehlt in den Akten. Der Herausgeber.

Dr. von Bergen, 1923-29

HA.VI. Nachl. C.H.Becker. Rep 92 B. Nr. 6370

108. C.H.B. an Botschafter in Rom beim Heiligen Stuhl von Bergen. (Berlin), 12.2.1923

Privatsekretariat

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr von Bergen!

Ich möchte nicht verfehlen, von dem abschriftlich beigefügten Schreiben1 an den Apostolischen Nuntius in München vom 29. Januar d. Js. ergebenst Kenntnis zu geben, das ich aus Anlaß seiner mit Exzellenz Pacelli in München gehabten Unterredung in Angelegenheit des Reichskonkordats an ihn gerichtet habe. Wenn dieses Schreiben Ihnen auch auf amtlichem Wege übermittelt werden wird, so glaubte ich doch, in der Annahme, daß es Ihres besonderen Interesses sicher sein dürfte, es auch unmittelbar und persönlich zu Ihrer Kenntnis bringen zu sollen.

In bekannter hoher Verehrung Eurer Exzellenz ergebenster (CHB).

Durch Kurier des Auswärtigen Amtes.

 

109. Botschafter von Bergen an C.H.B. Rom, 20.2.1923

(Maschinenmanuskript)

Hochverehrter Herr Becker!

Gestatten Sie mir, Ihnen für Ihr gütiges mir mit dem gestrigen Kurier zugegangenes Schreiben vom 12. d. Mts. Nebst Anlagen, von denen ich mit Interesse Kenntnis genommen habe, meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. Der Nuntius Pacelli betreibt mit Energie das bayerische Konkordat, um bald nach Berlin übersiedeln zu können, doch scheinen sich dem Abschluß dieses Vertrages immer neue Hindernisse in den Weg zu stellen.

Mit angelegentlichen Empfehlungen verbleibe ich Ihr ganz ergebenster (gez.) Berger.

 

110. Telegramm des Botschafters von Bergen an C.H.B. Rom, 10.7.1929

Herrn Staatsminister Becker

Darf Ihnen zu erfolgreichem Abschluß Vertragswerkes meine wärmsten Glückwünsche übersenden. Bergen

Konzept der Antwort Beckers vom 10.7.1929

Germanova Rom

Herzlichen Dank für den freundlichen Glückwunsch und für Ihre dauernde wertvolle Mitarbeit. Becker.


1

Otto Dibelius, 1929/1930

VI. HA. Nachl. Becker, C.H. Nr.226

104. Otto Dibelius, Generalsuperintendent der Kurmark, an C. H. B. Berlin-Steglitz, 22.10.1929

(Handschriftlich) Kaiser-WilhelmStr.11

Sehr verehrter Herr Staatsminister!

Ich habe die räumliche Nachbarschaft, in der ich mich zu Ihrem Hause befinde, noch niemals zu einem amtlichen Anliegen benutzt. Wenn ich es heute um des Joachimsthalschen Gymnasiums willen tue, so geschieht es, weil ich weiß, daß auch Sie an dieser Anstalt besonderes Interesse nehmen und weil mir für meine Kurmark unendlich viel an dieser alten Bildungsstätte liegt – ganz besonders auch um meiner Pfarrer willen, die dort ihre Söhne haben und denen es ein sehr ernstes Anliegen ist, daß dort die rechten Erzieherhände walten. Es war mir eine Freude, daß ich dem Provinzialschulkollegium, als es sich um den Geistlichen Inspektor handelte, zwei junge, treffliche Leute nennen konnte, zu deren pädagogischer und pastoraler Qualifikation man volles Vertrauen haben konnte. Jetzt geht es um den Direktor. Den Befürchtungen, die in der Uckermark umgehen, bin ich mit Bestimmtheit entgegengetreten, weil ich überzeugt bin, daß die Kultusverwaltung bei ihrer Wahl dem Charakter der Anstalt verständnisvoll Rechnung tragen wird. Aber Sie werden es gewiß verstehen, daß ich gerade deshalb, weil ich Vertrauen zur Kultusverwaltung gefordert habe, nun auch die Bitte aussprechen möchte: schicken Sie uns einen Mann, der der christlich-humanistischen Tradition des Joachimsthalschen Gymnasiums mit demselben innerlichen Verständnis gegenübersteht wie es der bisherige ausgezeichnete Direktor getan hat! Und wenn es irgend möglich ist, wieder eine unpolitische Persönlichkeit! Nirgends habe ich es so schwer, die Überparteilichkeit der evangelischen Kirche durchzusetzen, wie in der Uckermarck. Ich würde unendlich dankbar sein, wenn das Joachimsthalsche Gymnasium in die politischen Gegensätze nicht hineingezogen würde, sondern die Insel christlich-humanistischen Erziehungsfriedens bleiben könnte, die es bisher gewesen ist.

In aufrichtiger Verehrung Ihr ganz ergebener (gez.) Dibelius.

 

105. C. H. B. an Otto Dibelius. Berlin, 23.10.1929

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr General-Superintendent!

Freundlichen Dank für Ihre Zeilen in Angelegenheit der Direktorstelle des Joachimsthal’schen Gymnasiums. Ich habe Ihren Brief zum Anlaß genommen, mit meinen Herren die Angelegenheit zu besprechen und von ihnen erfahren, daß Gerüchte im Umlauf sein sollten, ich beabsichtigte einen Dissidenten zum Direktor in Joachimsthal zu machen. Uns ist allen völlig unverständlich, wie ein derartiges Gerücht entstehen konnte. Ich suche einen möglichst hochqualifizierten Direktor und wollte mich deshalb nicht mit den üblichen Listenvorschlägen abfinden. Ich habe eine Rundfrage bei Universitätsprofessoren und den Provinzialschulkollegien auch anderer Provinzen gemacht, um für diese wichtige Stelle einen möglichst hochqualifizerten Mann zu bekommen. Die Antworten sind noch nicht alle eingegangen und zurzeit existiert überhaupt noch keinerlei Kandidat für diesen Posten. Daß bei der Neubesetzung des Direktorpostens das Schülermilieu und die Tradition der Anstalt berücksichtigt werden müssen, versteht sich für mich von selbst.

In ausgezeichneter Hochachtung Ihr sehr ergebener (CHB).

 

106. C. H. B. an Otto Dibelius (Berlin), 15.5.1930

(Staatsminister a.D.) (Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Generalsuperintendent!

Wie ich höre, feiern Sie heute Ihren 50. Geburtstag. Da ich selbst vor wenigen Jahren diesen Tag mit einer gewissen intimen Feierlichkeit begangen habe, weiß ich, was die Vollendung eines halben Jahrhunderts für einen geistig lebendigen Menschen bedeutet. In unserem Alter kann man ja Gottlob den Blick noch mehr nach vorn als nach rückwärts richten, und der 50. Geburtstag ist kaum der Anlaß zu einer Rückschau, sondern eher ein Moment der Sammlung zu neuem Vorstoß in die Weiten der Arbeit und in die Fülle des Lebens. Ich wünsche Ihnen Kraft, Freude und Gesundheit für die kommenden Jahrzehnte.

In nachbarschaftliche Verbundenheit und mit verbindlichen Grüßen von Haus zu Haus

Ihr sehr ergebenster (CHB).

 

107. Otto Dibelius an C. H. B. Berlin, 17.5.1930

(Maschinenmanuskript)

Sehr verehrter Herr Minister!

Haben Sie herzlichen Dank für Ihren so freundlichen Gruß zu meinem Geburtstag! Früher wurde von einem 50. Geburtstag noch nicht Notiz genommen. Man gab dem Leben mehr Zeit, seine Früchte reifen zu lassen. Heute hat man es eiliger. Wenigstens in der Öffentlichkeit. Für unsereinen aber kann solch ein Tag nur eine Mahnung sein, den Tag zu nutzen, an dem man noch wirken kann. Und wenn diese Wirksamkeit von freundlicher und verständnisvoller anderer begleitet wird, dann ist das freilich ein Geschenk, für das ich aufrichtig dankbar bin.

Mit herzlicher Empfehlung von Haus zu Haus Ihr ganz ergebenster (gez.) Dibelius

Deutsche Kolonialgesellschaft, 1909-1933

HA.VI. Nachl. C.H.Becker. Nr. 191

 

95. C. H. B. an die Abteilung Hamburg der Deutschen Kolonialgesellschaft.

Hamburg, 7.5.1909

(Maschinenkopie)

Der gehorsamst Unterfertigte bittet die Abteilung Hamburg der Deutschen Kolonialgesell-schaft, eine Unterstützung der „Enzyklopädie des Islam“ bei dem Gesamtvorstande zu befürworten respektive zu beantragen.

Die „Enzyklopädie des Islam“ ist ein gleichzeitig in deutsch, französisch und englisch erscheinendes geographisches, ethnographisches und biographisches Wörterbuch der muhammedanischen Völker und wird im Auftrage der Association des Academies von einem internationalen Komitee und unter Mitarbeit aller namentlich auch deutscher Orientalisten

herausgegeben. Das großzügige Unternehmen, das eine entschiedene Lücke ausfüllt und das bestimmt ist namentlich auch bei praktischen Kolonialzwecken als ein wichtiges Nachschlagebuch zu dienen, ist im Jahre 1903 auf dem 13. Internationalen Orientalisten-Kongreß unter Vorsitz von Senior Behrmann in Hamburg beschlossen wurden. Unter großem Beifall der wissenschaftlichen Welt sind bisher drei Faszikel erschienen. Nun aber ist das Werk ins Stocken geraten, weil die Aufgabe sich bei der Durchführung als größer und vor allem kostspieliger erwies, als man anfangs glaubte, annehmen zu dürfen; und weil auch zum Teil die Unterstützungen ausblieben, auf die man gerechnet hatte. Namentlich Deutschland ist bisher nur jährlich mit 500 Mark vertreten, während England mit jährlich 4000, Frankreich, Holland und Österreich-Ungarn mit fast ebenso großen, andere Länder mit geringeren Summen vertreten sind. Das Nähere über die finanzielle Grundlage des Unternehmens ist aus den beigefügten offiziellen Berichten zu ersehen. Das finanzielle Versagen Deutschland ist umso peinlicher, als das Werk in Deutschland beschlossen wurde, in deutsch als Hauptsprache erscheint und die Honorare zum guten Teil an deutsche Gelehrte bezahlt werden.; es wird aber zu einer Gefahr für das ganze Unternehmen, da es ein Weitererscheinen des ganzen Werkes überhaupt in Frage stellt. Deshalb hat sich das Internationale Komitee an den Unterzeichneten gewandt mit der Bitte, in Deutschland für finanzielle Unterstützung des Unternehmens Propaganda zu machen.

Da die Bedeutung des Islam für unsere Kolonien Ostafrika, Togo und Kamerun immer mehr begriffen wird, da jetzt sogar unsere Beamten spezielle Islamkurse durchmachen müssen, gehört eine Förderung unserer Kenntnisse des Islam zweifellos zu den ideellen Aufgaben der Kolonialgesellschaft. Deshalb wende ich mich an die Abteilung mit der Bitte, das vielversprechende Unternehmen der Gesellschaft für eine Subvention von etwa 1000 Mark zu empfehlen. Wenn auch zunächst nur eine einmalige Bewilligung möglich ist, so hoffe ich doch meinen Antrag später erneuern zu dürfen. Sollten die laufenden Mittel der Gesellschaft versagen, könnte vielleicht der Lotteriefonds in Anspruch genommen werden.

Da in den schwierigen Zeiten der Finanzreform eine Subvention des Reiches oder Preußens nicht zu erwarten steht, da auch die preußische Akademie auf Grund ihrer Finanzlage höchstens zu einer geringen Subvention imstande ist, bleibt zu hoffen, daß große Privatgesellschaften in die Bresche springen und Deutschland in diesem internationalen Unternehmen die Stellung ermöglichen, die es kraft seiner Beziehungen zur islamischen Welt bei der Fundierung eines solchen Unternehmens einnehmen müßte. Die Abteilung Hamburg ist besonders dazu berufen, diesen Antrag zu stellen, da Hamburg seinerseits so unendlich viel für die Kolonien tut und Hamburg die Mutterstadt der Enzyklopädie des Islam ist.

Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst (CHB) Professor am Kolonialinstitut.

 

96. Abteilung Hamburg der Deutschen Kolonialgesellschaft (DKG) an C. H. B.

Hamburg, 8.5.1909

Sehr geehrter Herr Professor Becker!

Den Antrag an die Kolonialgesellschaft habe ich soeben unterzeichnet. Er wird heute nebst den 3 Heften der Enzyklopädie und Abschriften1 der mir anvertrauten und anbei zurückfolgenden Berichte nach Berlin abgehen. Es dürfte nunmehr angezeigt sein, daß Sie Herrn Vohsen für den Antrag zu gewinnen suchen.

Mit hochachtungsvollem Gruß Ihr ergebener (gez.) Dr. L. Friedrichsen.

 

97. DKG Hamburg an C.H.B. Hamburg, 3.9.1909

(Maschinenmanuskript)

Geehrter Herr Professor!

Die auf unseren Antrag von der DKG zur Unterstützung der Enzyklopädie des Islam bewilligten 1000 Mark sind am 1. d. Mts. Bei unserem Kassenführer eingegangen. Unter Bezugnahme auf Ihr an unsere Abteilung gerichtetes Gesuch vom 7. Mai d.J. bitte ich höflich, eine Verfügung über diesen Betrag zu dem bezeichneten Zweck gefällig herbeiführen zu wollen.

Das in derselben Angelegenheit an den Verwaltungsrat der Wohlfahrtslotterie zu Zwecken der Deutschen Schutzgebiete von unserem Herrn Vorsitzenden gerichtete Unterstützungsgesuch ist noch nicht erledigt; weitere Mitteilung bleibt vorbehalten.

In vorzüglicher Hochachtung (gez.) Kähne, Schriftführer der Abteilung Hamburg der DKG

 

98. DKG an C. H. B., Hamburg Berlin, 19.9.1910

(Maschinenmanuskript)

Herrn Professor C.H. Becker, Herausgeber des „Islam

Wir interessieren uns für die von Ihnen herausgegebene Zeitschrift „Der Islam“, da sie in vielen Punkten sich mit kolonialen Fragen berührt. Eine Reihe von Aufsätzen werden wir in der alljährlich erscheinenden Übersicht „Die Deutsche Kolonialliteratur“, die der Unterzeichnete herausgibt, aufnehmen.

Es sei uns gestattet, Ihnen den Vorschlag zu machen, mit unseren Veröffentlichungen in einen Tauschverkehr zu treten. Wir erklären uns bereits, Ihnen die Wochenschrift „Deutsche Kolonialzeitung“ und die Monatsschrift „Zeitschrift für Kolonialpolitik, Kolonialrecht und Kolonialwirtschaft“ zuzusenden und sehen Ihrerseits der Überweisung des „Islam“ entgegen.

Schriftleitung der Deutschen Kolonialzeitung. Usw.(gez.) Henos.

 

99. C. H. B. an Dr. L. Friedrichsen, DKG Hamburg. Hamburg, 3.10.1910

(Maschinenkopie)

Sehr geehrter Herr Doktor!

In höflicher Erwiderung Ihres Schreibens vom 1. Oktober erkläre ich mich bereit, am Sonnabend, den 12. November im Kreise der Kolonialgesellschaft einen Vortrag zu halten. Als Titel möchte ich vorschlagen:

Die Araber als Kolonisatoren.

Mit dem Ausdruck meiner Hochachtung in bekannter Verehrung

Ihr sehr ergebener (CHB)

 

100. C. H. B. an DKG, Hamburg . Hamburg, 3.11.1910

(Maschinenkopie)

Sehr geehrter Herr Rat!2

Ich werde Ihnen gern eine kurze Inhaltsangabe meines Vortrages für die Zeitungen und Ihren Jahresbericht zur Verfügung stellen. Ich bin dazu aber natürlich erst in der Lage, wenn ich meinen Vortrag gemacht habe, das geschieht aber immer erst in den letzten Tagen bevor er gehalten wird.

Mit vorzüglicher Hochachtung Ir sehr ergebener (CHB)

 

101. DKG London an C. H. B. (London), Februar 1912

Bericht über das Jahr 1911

Sehr geehrter Herr!

Die Zahl unserer Mitglieder ist im verflossenen Jahr von 167 auf 190 gestiegen. Der Besuch der Vortragsabende war durchweg gut. Die Jahresabrechnung wurde von Herrn G. Rose geprüft und richtig befunden.

Es fanden fünf Vorträge statt:

  • 10. Februar (1911): Egon Fr. Kirchstein über „Auf Zentralafrikas Feuerbergen, Erlebnisse und Forschungen in der Vulkanwelt am Kiwu-See“ (mit Lichtbildern.
  • 29. März: Sir I.D.Rees, KCIE, CVO, über „Indien, Probleme der Gegenwart“ in englischer Sprache.
  • 6. Mai: Professor Dr. C.H. Becker vom Hamburgischen Kolonialinstitut über

Der Islam und die Kolonisierung Afrikas“.

  • 7.Oktober: Frau Margarete von Eckenbrecher über „Reise und Jagderlebnisse in Deutsch-Ostafrika“ (mit Lichtbildern)
  • 2. Dezember: (Anläßlich der Feier des 25jährigen Bestehens der Abteilung) Dr. C.R. Hennings über „Unsere deutschen Kolonien“.

(Rest vom Hg. weggelassen. Interessant vielleicht noch der Jahresbeitrag von 10 shilling, wovon 8 Mark an die Zentrale gehen für die Zeitung.)

 

102. C.H. B. an DKG Hamburg Hamburg, 24.5.1912

(Maschinenkopie)

Sehr geehrter Herr Rat!

In der Beantwortung Ihrer geschätzten Zuschrift über Dr. Grothe und das Deutsche Vorderasienkomitee kann ich mich nur der Äußerung des Herrn Dr. Friederichsen und der Ihrigen rückhaltlos anschließen, d.h. ich habe bei Dr. Grothe stets gewisse Bedenken, sehe aber nicht ein, warum er nicht als Redner für die Kolonialgesellschaft tätig sein soll, ja ich halte ihn sogar für nicht ungeeignet für diese Aufgabe. Soviel über diesen persönlichen Punkt.

Was das Vorderasienkomitee betrifft, so stehe ich auf dem Standpunkt, daß man alle Betätigungen des Deutschtums im Auslande unterstützen soll. Auch ist der Beitrag nicht hoch und man bekommt dafür die Beiträge zur Kenntnis des Orients, die meist einige ganz gute Aufsätze enthalten. Vor kurzem bat mich Dr. Grothe, in den Vorstand des Komitees einzutreten, doch habe ich es abgelehnt, offiziell mit der Begründung, daß ich in den Vorstand derartiger Gesellschaften nicht nur als dekoratives Moment wirken möchte, in Wirklichkeit aber, weil mir eine nahe Zusammenarbeit mit Dr. Grothe und Martin Hartmann, der sicher seinerzeit auch sehr dafür interessiert hatte, nicht sympathisch war.

Indem ich Sie bitte, diese offene Äußerung als diskret zu betrachten, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung als Ihr sehr ergebener (CHB).

 

103. C. H. B. an DKG, Berlin (Berlin), 24.1.1931

(Maschinenkopie)

Der Unterzeichnete bittet, ihn aus der Liste der Mitglieder der Deutschen Kolonialgesellschaft streichen zu wollen.

Hochachtungsvoll ergebenst (CHB).


1 Vom Herausgeber nicht abgedruckt.

2 Es handelt sich wohl um den Herrn Rat Dr. Kähne vom Senat. Vgl. Brief vom 12.5.1912

Deutsche Demokratische Partei, 1921-1930

HA VI. Nl. C. H. Becker. Nr. 184

75. Robert Jansen MdL an C.H.B. Berlin, 20.5.1921

Hochverehrter Herr Minister!

In der Anlage übersende ich Ihnen ein Schreiben des Herrn Dr. Fritz Brüggemann, das er an die Abgeordnete Fräulein Dr. Lüders gerichtet hatte und das mir zur weiteren Veranlassung übergeben worden ist. Herr Dr. Brüggemann beruft sich darauf, daß Sie über die Angelegenheit, die er in seinem Schreiben behandelt, schon früher unterrichtet worden seien. Ich würde Ihnen zu Dank verpflichtet sein, wenn Sie dem Inhalt des Schreibens einige Augenblicke widmen wollten.

In vorzüglicher Hochachtung (gez.) Robert Jansen

MdL und Hauptgeschäftsführer der Deutschen Demokratischen Partei

Anmerkung TR(endelenburg?) vom 25.5.:

Dem Herrn Referenten mit der Bitte um gefl. Äußerung wegen Prof. Herrmann, dessen Berufung auch vom Herrn Reg(ierungs)präs(identen) befürwortet.

Wegen des Deutschen Instituts (Lehrauftrag und einmalige Zuwendung) ist das Erforderliche unsererseits verfügt. Tr 25.5.

Anlage:

Dr. Fritz Brüggemann, Privatdozent an der TH Aachen an Dr. Maria Elisabeth Lüders, MdR (Demokratische Fraktion) Aachen, 4.4.1921

(Maschinenmanuskript) Vermerk MK: EILT

Sehr geehrtes gnädiges Fräulein!

Seitdem das Loch im Westen geschlossen ist, hat sich die Verwelschungsgefahr für Aachen sehr gemindert. Von einem Koramieren1 der Bevölkerung mit den Truppen der Besatzung ist auch bei den unteren Bevölkerungskreisen kaum die Rede. Aber wir wissen nicht, welchen Zeiten wir entgegengehen, und müssen daher beständig auf der Hut sein und für alle Fälle

Gegenmaßregeln treffen. Sollte jetzt mit der neuen Zollregelung sich das Loch im Westen wieder für uns öffnen, dann entsteht die Verwelschungsgefahr mit einem Schlage wieder in dem ganzen Umfang, in dem wir sie vor einem Jahre hier gehabt haben. Wir werden wieder von französisch sprechender Zivilbevölkerung überschwemmt, die zu Handelszwecken nach Aachen kommt, das ganze Wirtschaftsleben muß sich wieder auf die französisch sprechende Kundschaft einstellen, kein junges Mädchen und kein junger Mann kann dann wieder in einem Laden eine Anstellung finden, der nicht der französischen Sprache mächtig ist. Französische Theateraufführungen werden wieder rentabel und deshalb auch von den Besatzungsbehörden eingerichtet, und die jungen Leute besuchen sie, schon um sich in der französischen Sprache zu vervollkommnen. Die weiteren Folgen brauche ich nicht auszumalen. Wir müssen deshalb hier für die Pflege und Erhaltung des Deutschtums tätig bleiben, um gegebenen Falls an den inzwischen getroffenen Einrichtungen einen Rückhalt zu haben. Dazu ist es vor allen Dingen notwendig, Männer und Frauen herzubekommen, die in diesem Sinne wirken können.

Aus diesem Gesichtspunkt heraus hatte ich der Hochschule vorgeschlagen, eine Berufung des Historikers Prof. Dr. Alfred Herrmann an die Hochschule beim Ministerium zu beantragen. Herrmann war Professor an der Akademie in Posen und hat sich dort hervorragend als Vorkämpfer für deutsche Kultur bewährt, er bezieht von dieser Stellung her noch für die nächsten fünf Jahre ein Staatsgehalt und hat inzwischen eine Stellung als Redakteur der Oldenburgischen Landeszeitung angenommen. Er möchte aber gerne zur akademischen Lehrtätigkeit zurückkehren und ist geneigt, einem Ruf nach Aachen zu folgen, wenn ihm wirtschaftlich die erforderlichen Sicherheiten geboten werden, um eine Lebensstellung, wie er sie inne hat, aufgeben zu können. Staatssekretär Becker, der Herrmann von Bonn her von gemeinsamer Lehrtätigkeit gut kennt und schätzt, hat meinen Vorschlag, wie ich weiß, lebhaft begrüßt.2 Ein entsprechender Antrag wurde auch von der Hochschule am 7. Dezember (1920) an das Kultusministerium gestellt. Nun verhandelt man schon vier Monate, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Man glaubt die Bedingungen Herrmanns nicht erfüllen zu können, weil natürlich gespart werden muß. Aber es fragt sich doch, ob hier nicht sehr am falschen Platze gespart wird. Vor allen Dingen fehlt im Ministerium, wie es scheint, das rechte Verständnis für die Aktualität eines Entschlusses von politischen Motiven. Kommt die Berufung von Herrmann noch jetzt zustande – aber ohne eine wirksame Nachhülfe wird das nicht der Fall sein – so wird ihre Wirkung schon heute nicht mehr die sein, wie wenn Herrmann bereits drei Monate hier gewirkt hätte, wenn das Loch im Westen sich wiederöffnen wird. Herrmann will, soviel ich weiß, nur als ordentlicher Professor nach Aachen kommen, und darin hat er auch ganz recht, denn nur als solcher kann er den Einfluß ausüben in der Abteilung für allgemeine Wissenschaften, der ihm die Wirksamkeit ermöglichte, um deretwillen er hier erwünscht wäre. Will man keine neue Professur für Geschichte schaffen, dann kann man doch vielleicht für Herrmann eine persönliche Professur3 einrichten, die nach seinem Fortgang nicht wieder besetzt zu werden braucht.

Sie sind im Oktober vorigen Jahres in der „Hilfe“ so freundlich für das Deutsche Institut eingetreten, indem Sie die Notwendigkeit des Ausbaus zum kulturwissenschaftlichen Institut betonten und die staatliche Subventionierung für notwendig erklärten. Auch diesbezüglich sind Anträge von der Hochschule am 23. Dezember (1920) an das Ministerium gerichtet worden, aber geschehen ist bis heute nichts, wiewohl mir seit Oktober, als Staatssekretär Becker hier war und sich von den Verhältnissen überzeugt hatte, von Monat zu Monat erneute Versicherungen von Vertretern des Ministeriums gemacht worden sind, daß die Unterstützung eine beschlossene Sache wäre. Ich fürchte, daß die Hülfe nun zu spät kommt, da meine persönliche wirtschaftliche Lage mich einfach dazu zwingt, meine reichhaltige Bibliothek zu verkaufen, aus der das Institut vorläufig besteht, und dann ist das Institut vernichtet.

Ich wäre Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, wenn Sie in diesen verschiedenen Angelegenheiten einmal vermittelnd eingreifen würden oder, wenn Sie persönlich nicht dazu in der Lage sein sollten, dieses Schreiben als material einer zuständigen Stelle zugehen lassen würden.

Mit freundlichem Gruß Ihr ganz ergebener (gez.) Fritz Brüggemann.

Handschriftlicher Nachtrag:

Auch in der Sache des Deutschen Instituts zeigt sich das mangelnde Verständnis für die Aktualität der Politik. Hinter dem Deutschen Institut steht eine „Gesellschaft für deutsche Literaturund Kulturgeschichte im Regierungsbezirk Aachen“, die seit Monaten auf die Entschließung der Regierung hinsichtlich des Institutes wartet und dadurch in ihren eigenen Entschlüssen und Wirksamkeit durch die Verzögerung des Ministeriums völlig brach gelegt ist. F.B.

 

76. Dr. Fritz Brüggemann an C.H.B. Aachen, 1.6.1921

(Maschinenmanuskript)

Euer Excellenz!

Wochen- und wochenlang habe ich es mir überlegt, ob ich mich als Leiter des von mir ins Leben gerufenen Deutschen Instituts an der Technischen Hochschule Aachen persönlich an Excellenz wenden darf. Nachdem jetzt aber alle offiziellen Wege ohne praktisches Ergebnis erschöpft sind, bleibt mir nichts mehr anderes übrig. Wir haben heute den 1. Juni, und ich habe daher heute alle periodischen Publikationen, die bisher für das Deutsche Institut bezogen wurden, zum 1. Juli kündigen müssen, da ich nicht mehr in der Lage bin, die Kosten für die dieselben aus meiner eigenen Tasche zu tragen, noch sie aus anderen Privatmitteln zu bestreiten. Eine Staatshülfe ist aber bis zur Stunde ausgeblieben, wiewohl nun schon dreiviertel Jahr Monat für Monat teils in Berlin, teils hier in Aachen immer erneute Zusicherungen ausgesprochen worden sind, daß eine staatliche Subvention erfolgen werde. Praktisch sind wir noch nicht einen Schritt weiter als am 24. Oktober vorigen Jahres, als Excellenz die Freundlichkeit hatten, das Institut zu besichtigen und gutzuheißen. Leider muß ich sogar bekennen, daß wir durch die nicht realisierten Zusicherungen nicht nur nicht gefördert, sondern geradezu benachteiligt worden sind; denn es sind Freunde des Instituts, die geneigt waren, dasselbe zu unterstützen, durch die ausbleibende Staatsunterstützung stutzig geworden, ob das Unternehmen auch der Unterstützung wert sei.

Vor allen Dingen war im vergangenen Jahr eine besondere Gesellschaft in der Bildung begriffen, die nicht nur Mittel aus privaten Kreisen zur Förderung des Instituts sammeln wollte, sondern die besonders auch gestützt auf das Deutsche Institut Bestrebungen zur Erhaltung und Verbreitung deutscher Kultur in der hiesigen Grenzmark pflegen wollte. Die Konstituierung der Gesellschaft kam aber nicht zustande, weil die beteiligten Herren abzuwarten wünschten, ob der Erlaß des Ministeriums zur Unterstützung des Instituts sich mehr für ein Deutsches oder ein allgemein Kulturwissenschaftliches4 Institut erklären würde. Danach sollten sich die eigenen Bestrebungen der Gesellschaft richten. Der vorbereitende Ausschuß der Gesellschaft wartet nun schon bald ein ganzes Jahr auf diese Entscheidung des Ministeriums, und diese ganze kostbare Zeit ist für eine sehr segensreiche Arbeit der Gesellschaft verloren gegangen. Die Lust und Liebe zur Sache wurde dadurch nicht gestärkt. Auch hier habe ich viel Vertrauen zu den von mir angeregten Bestrebungen durch die Verzögerung der in Aussicht gestellten Staatsunterstützung eingebüßt. Die Hochschule selbst hat nichts unversucht gelassen, eine Entscheidung des Ministeriums zu veranlassen. Immer wieder wurde versichert, daß Mittel bewilligt seien, aber der offizielle Erlaß blieb bis zur Stunde aus. Es wird sicher nur eines Wortes von Excellenz bedürfen, um die Ausführung des angeblich vorliegenden Beschlusses zu bewerkstelligen. Ich wende mich daher vertrauensvoll an Excellenz mit der Bitte, der von mir vertretenen Sache diese freundliche Hilfe nicht zu versagen. Das Interesse der Studentenschaft an den Einrichtungen ist beständig im Wachsen.

Mit verbindlichem Gruß Euer Excellenz ganz ergebener (gez.) Fritz Brüggemann.

Anmerkung Beckers: Herrn MR Trendelenburg Bitte um Rücksprache. B. 3.6.

 

77. C.H.B. an Robert Jansen, MdL-DDP Berlin, 4.8.1921

(Maschinenkopie, Entwurf mit handschriftlichen Veränderungen)

Sehr verehrter Herr Jansen!

In Erwiderung des gefl. Schreibens vom 20.Mai d. J. teile ich Ihnen ergebenst mir, daß dem Antrage des Herrn Privatdozenten Dr. Brüggemann in Aachen auf finanzielle Unterstützung des von ihm geleiteten Instituts bei der Technischen Hochschule in Aachen inzwischen durch die Gewährung einer Beihilfe von 30 000 M(ark) entsprochen worden ist.

Was den mir bestens bekannten früheren Kollegen Professor Dr. Herrmann anlangt, so steht für ihn eine Professur an der Technischen Hochschule in Aachen nicht zur Verfügung. Meine Absicht, die Mittel für eine künftig fortfallende Professur flüssig zu machen, mußte im Hinblick auf die gegenwärtige trostlose Finanzlage aufgegeben werden. Es käme also nur die Erteilung eines Lehrauftrages in Frage.. Eine solche Regelung würde aber, wie auch Dr. Brüggemann selbst betont, dem Professor nicht genügen. Unter diesen Umständen sehe ich zu meinem großen Bedauern gegenwärtig keine Möglichkeit, in dieser Sache etwas zu tun. Ich werde sie aber auch weiterhin im Auge behalten und würde mich freuen, wenn sich schließlich doch noch ein Weg finden sollte, diesem tüchtigen Gelehrten und Lehrer der akademischen Laufbahn zu erhalten.

In größter Hochachtung (gez.) B.

Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung.

 

78. DDP an C. H. B. Berlin, 9.10.1925

(Maschinenmanuskript)

Hochgeehrter Herr Minister!

Ich bin in der peinlichsten Verlegenheit. Für den 19. (Oktober) ist es unmöglich, noch einen Saal zu beschaffen, der groß und würdig wäre, die 1500 bis 2000 Männer und Frauen, die durchweg den gebildeten Schichten der Berliner Bevölkerung angehören, zu fassen.

Gibt es wirklich keine Möglichkeit, daß Sie am 20. abends uns eine Stunde opfern, so wäre ich gezwungen die Kundgebung ausfallen zu lassen, was ich im Interesse der Partei außerordentlich bedauern müßte.

Vielleicht haben Sie einmal die große Güte, mir auf beigefügter Karte einen Ausweg zu zeigen.

Mit vorzüglicher Hochachtung sehr ergebenst (gez.) Merten.

Anmerkung Beckers: Herrn ORR Duve: Fällt nun die Sache aus? B 15.10

Anmerkung Duves: Ja lt. Schreiben vom 15.10.

 

79. DDP an C. H. B. Berlin, 9.10.1925

(Maschinenmanuskript)

Hochgeehrter Herr Minister!

Soeben erfahre ich von dem Kollegen Bohner, daß Sie grundsätzlich bereit sind, zu einer demokratischen Versammlung über ein von Ihnen selbst zu formulierendes Thema zu sprechen. Ich danke Ihnen verbindlichst für das außerordentliche Opfer, das Sie damit der Partei bringen und bitte ergebenst, auf der beigefügten Karte das Thema anzugeben.

Nun ist allerdings dem Herrn Bohner insofern ein Irrtum unterlaufen, als die Versammlung nicht am 21., sondern am 20. Oktober im Kaisersaal des Rheingold stattfinden soll. Ich nehme an, daß auch Dienstag der 20. Ihnen noch genehm ist. Daß der Eintritt nur gegen Karten erfolgt, möchte ich noch besonders betonen.

Indem ich mich der Hoffnung hingebe, auch für diesen Tag eine Zusage von Ihnen zu erhalten zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung sehr ergebenst (gez.) Merten, MdL

Anmerkung Duves: 20.10. Einladung zu Schmidt-Ott.

Abschrift der Antwort (vom Herrn Minister eigenhändig geschrieben):

Berlin, den 9.10.1925

Hochverehrter Herr Oberregierungsrat!

Leider ist mir der 20. und 21. völlig unmöglich. Herrn Dr. Bohner gegenüber verpflichtet, am 19.ten zu sprechen.

Thema: Kulturpolitische Fragen der Gegenwart.

Ich hoffe, daß der 19.te auch möglich ist.

Mit verbindlicher Empfehlung Ihr ergebenster (gez.) Becker

 

80. DDP an C. H. B. Berlin, 15.10.1925

(Maschinenmanuskript)

Hochgeehrter Herr Minister!

Es ist trotz allen Versuchen nicht möglich gewesen, für den 19. einen geeigneten Saal zu beschaffen, so daß wir gezwungen sind, an dem 22. festzuhalten.

Ich bedauere es unendlich, daß wir nicht Gelegenheit haben, Sie zu hören und bin nun dabei, einen anderen Redner zu gewinnen. Sollte mir das nicht gelingen, müßte die Versammlung überhaupt ausfallen, was allerdings von schwerem Nachteil für die Partei wäre.

Indem ich Ihnen nochmals verbindlichst danke für die grundsätzliche Bereitwilligkeit, bei uns zu sprechen, gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß wir in absehbarer Zeit Gelegenheit haben möchten, Sie zu hören.

Mit ausgezeichneter Hochachtung sehr ergebenst (gez.) Otto Merten (MdL)

 

81. DDP an C. H. B. Berlin, 29.1.1926

(Maschinenmanuskript)

Hochverehrter Herr Minister!

Die Gruppe Berlin-Mitte der (Deutschen) Demokratischen Partei veranstaltet am Dienstag, 16. Februar 1926, im großen Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses einen Vortragsabend. Wir möchten Sie bitten, den Vortrag des Abends zu übernehmen. Die Veranstaltung soll selbstverständlich nicht parteipolitischen, sondern einen allgemein kulturpolitischen Charakter tragen. Wir würden die Wahl des Themas Ihnen vollständig überlassen.. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn wir auf Ihre gütige Zusage rechnen dürften.

Mit ausgezeichneter Hochachtung bin ich, hochverehrter Herr Minister,

Ihr Ihnen sehr ergebener (gez.) Dr. Ernst Feder.

 

82. C. H. B. an DDP (Berlin), 30.1.1926

Privatsekretariat (Maschinenkopie)

Sehr geehrte Herren!

Auf das gefällige Schreiben vom 29. d. Mts. Erkläre ich mich gern bereit, Ihrem Wunsche gemäß für die für Dienstag, den 16. Februar, geplante Veranstaltung den Vortrag zu übernehmen.

Eine weitere Mitteilung wegen des Themas mir vorbehaltend, bin ich in vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster (CHB)

 

83. DDP an C. H. B. Berlin, 24.9.1926

(Maschinenmanuskript)

Hochgeehrter Herr Minister!

Am Sonnabend, den 16. Oktober, feiert unser Wahlkreis im Sport-Palast ein Herbstfest unter Schwarz-Rot Gold. Es soll unsere Winterarbeit finanzieren, zugleich aber auch ein wirkungsvoller Auftakt für die Herbstarbeit in ganz Groß Berlin sein. Es ist dringend notwendig, daß nach dem Eintritt in den Völkerbund der demokratische Anteil an den großen außenpolitischen Erfolgen sich nicht im Gedächtnis der Wählerschaft verwischt. Die Vertagung des Parteitages läßt diese Gefahr akut erscheinen. Darum müssen wir uns jetzt vernehmlich zum Worte melden.

Wir bitten Sie, hochgeehrter Herr Minister, sich am Abend des 16. Oktober für unsere Veranstaltung mindestens ¼ Stunde frei zu halten. Wir freuen uns natürlich sehr, wenn Sie den ganzen Abend unser Gast sein werden. In jedem Falle aber würden Sie uns außerordentlich verbinden, wenn Sie bei uns eine kurze Ansprache von etwa 10 Minuten halten würden. Wir rechnen auf eine Massenbeteiligung. Durch Lautsprecher werden alle Ansprachen in jedem Teile des großen Saales vernehmlich gemacht.

Indem wir Ihnen für Ihre Zusage herzlich danken, zeichnen wir mit hochachtungsvollem

Parteigruß ergebenst (gez.) Otto Merten (?unleserlich), MdL.

 

84. Ansprache des Preußischen Kultusministers Professor Dr. Becker auf dem Herbstfest der DDP im Sportpalast am 16.10.1926

Wir haben uns zu einem Herbstfest versammelt. Tage des Sturms liegen hinter uns und eine graue und finster werdende Natur rüstet sich den nahenden Winter zu empfangen. Wie anders sieht es da aus in unserem Inneren.

Wenn wir den Blick auf unsere Volksgemeinschaft, auf unseren Staat lenken, schlägt uns das Herz nicht höher?

Wenn wir bedenken, was in den letzten acht Jahren im Rahmen der deutschen Republik geleistet worden ist?

Liegt da nicht der Winter unseres Mißvergnügens bereits hinter uns?

Gewiß erleben auch wir noch Stürme, aber das sind keine Herbststürme, sondern es ist das Brausen des Vorfrühlings, das wir erleben. Noch sind die Blüten des neuen Deutschland nicht aufgegangen, aber wir sehen überall ihre Ansätze. Der Saft schießt ein, und ein neuer Frühling ist uns gewiß.

Wer hätte vor acht Jahren zu hoffen gewagt, daß der zusammengebrochene Staat von 1918 im Jahre 1926 nach innen politisch gefestigt, in seiner Valuta stabilisiert und mit einer immer sicheren Tendenz nach aktiv werdender Handelsbilanz dastehen würde und daß er, zwar außenpolitisch noch nicht ganz frei, aber doch wieder im Rate der Völker geachtet, ja umworben, ein Faktor der Weltpolitik sein würde?

Als die alte Staatsautorität zusammenbrach, gab es nur ein Mittel, eine neue Rechtsbasis zu schaffen, und dieses Mittel war der demokratische Gedanke. Danken wir unserem Schicksal, daß das deutsche Volk, viel mehr als es das selber wußte,

  • bis in sein tiefstes Innere hinein demokratisch gesonnen war, daß es willig das rettende Majoritätsprinzip anerkannte,
  • daß die überstimmte Minorität sich zwar grollend aber tatsächlich5 unterordnete,
  • und daß auch die Opposition sich die demokratischen Methoden aneignete.

So wurde die deutsche Republik geboren, von dem einen um jubelt, von dem andern gehaßt, von der großen Menge aber verstandesmäßig anerkannt. Die aus der Not geborene Republik, die aus der Asche des Kaiserreiches entstand, hatte es schwer, ihren Phönixcharakter zu erweisen, suggestiv die Herzen höher zu stimmen, und sich liebenswürdig zu machen. Im politischen Leben entscheidet nun einmal der Erfolg; nur er gewinnt die Herzen, und so wächst der republikanische Gedanke mit den beginnenden Erfolgen. Gewiß können und sollen diese Erfolge nicht ruhmreiche Kriege sein, nicht Flottengründungen und Interessensphären, sondern mühselig errungene Resultate aufopferungsbereiter Wiederaufbauarbeit. Die Welt sieht diese Leistungen mit wachsendem Respekt, und allmählich wird man ja wohl auch in allen Schichten des deutschen Volkes erkennen, welch bewundernswerte Arbeit in den letzten Jahren geleistet worden ist. Und wenn dabei die Opposition alles Erreichte herabmindert oder über-haupt verschweigt, und dabei gern den Namen des Freiherrn vom Stein und den Aufstieg Deutschlands im Anfang des vorigen Jahrhunderts als Parallele anführt, so darf doch nie vergessen werden, daß niemand die Wiederaufbaupolitik des Freiherrn vom Stein so erschwert und bekämpft hat, als gerade die Kreise, die auch heute wieder in Opposition stehen.

Im übrigen aber: welch ein gewaltiger Unterschied zwischen damals und heute! Gewiß war der Staat auch damals zusammengebrochen, aber die Staatsform war erhalten geblieben und damit die Staatsidee. Der Zusammenbruch von 1918 hat einen neuen Staatsgedanken geboren. Gewiß sind auch im Jahre 1918 die äußeren Formen vom Reich und Ländern und Kommunen die gleichen geblieben. Aber sie haben eine neue Funktion erhalten und im gewissen Sinne ist eine Vergesellschaftung des Staates eingetreten, in dem der Staat nicht mehr ein über dem Volke schwebendes Machtzentrum darstellte, sondern in dem das Volk selber zum Staate wurde, und damit jeder einzelne Bürger teilhaftig wurde an der Verantwortlichkeit dem Ganzen gegenüber.

Gewiß hat es auch früher ein allgemeines Wahlrecht gegeben. Aber was bedeutete damals das Parlament gegenüber der ungeheuren Autorität der Krone. Wir wollen nicht rechten mit der Vergangenheit. Wir ehren uns selber, wenn wir der Vergangenheit ihre Größe nicht schmälern. Wir stehen zu ihr wie die Kinder zum Elternhaus. Aber wir Kinder von ehedem sind jetzt Erwachsene geworden. Wir haben unser Schicksal selbst in die Hand genommen, und es ist undenkbar, daß die gewonnene Freiheit jemals wieder dem Autoritätsverhältnis von ehemals weichen könnte. Je stärker jeder von uns heute seine Verantwortung der Gemeinschaft empfindet, desto williger wird er sich den Notwendigkeiten des Staates unterordnen. Und bei aller Unabhängigkeit des Einzelnen, bei aller Lockerung autoritärer oder bürokratischer Bindungen verlangen wir doch von dem neuen demokratischen Staat eine feste Führung und in erster Linie ein freudiges Bekenntnis zu sich selber.

Wer ist denn nun dieser neue Staat? Er schwebt nicht mehr in Wolken über uns. Er ist gebildet aus dem ich und dem Du und dem Wir, die wir in freier Selbstverantwortung uns die Hände reichen, um einer für den andern und alle für Einen zu stehen. Den unbeschränkten Individualismus der liberalen Zeit bindet der demokratische und der soziale Gedanke der freiwilligen Unterordnung unter selbstgesetzte und selbsterwählte Autoritäten.

So ist aus dem Umsturz der Dinge ein neuer Staatsgedanke geboren und dieser Staatsgedanke, der selbst etwas geistiges ist, trat in Wettbewerb mit anderen geistigen Mächten, die unsere Zeit beherrschen. Das charakteristische Merkmal der geistigen Lage der deutschen Gegenwart ist die eigentümliche Mischung von Revolution und Tradition. Wir haben nicht wie die Russen alle Traditionen über Bord geworfen und auf einer tabula rasa eine neue Welt zu errichten begonnen, wir haben es mutig unternommen, unsern neuen Staatsgedanken mit dem großen geistigen Erbgut unseres Volkes zu versöhnen. Damit haben wir nicht etwa neuen Wein in alte Schläuche gefaßt sondern edlen alten Wein in neuen für lange Zeit haltbaren Schläuchen geborgen. Damit ist zugleich der Weg der Versöhnung gewiesen. Hat auch unser Staatsgedanke sich geändert, unser Kulturgedanke ist geblieben. Mögen noch so sehr politische Meinungsverschiedenheiten uns trennen, uns verbindet die kulturelle Einheit.

Haben wir Nachsicht mit den Brüdern und Schwestern, die der neuen Zeit noch kritisch oder ablehnend gegenüberstehen. Wir Republikaner haben es leicht, uns der neuen Zeit zu freuen, aber so energisch wir uns jede Sabotage der Republik verbitten müssen, so weitherzig wollen wir sein, die noch Fernstehenden brüderlich demokratisch zu uns herüberzuziehen.

Denn die Zukunft gehört uns ja doch. Langsam wandelt sich widerwillige oder nüchterne Anerkennung der Republik in freudige Bejahung. Aus Industrie und Beamtenschaft, selbst aus richterlichen und akademischen Kreisen mehren sich die Stimmen – noch mannigfach abgetönt, aber laut und vernehmlich -, die sich zur Republik bekennen und gerade in den letzten Wochen hat bei manchen Krisen in den Zentren politischer Machtstellung oder erst gestern bei der Hohenzollerndebatte der neue Staat bewiesen, daß er nicht mehr zur Diskussion steht, daß er wohl umstritten und kritisiert wird, aber als rocher de bronce stabilisiert gelten darf.

(Handschriftlicher Zusatz)

Denn Glauben, Glauben, Glauben:

Zu neuen Ufern lenkt (?unleserlich) ein neuer Tag.

 

85. DDP an C.H. B. Hagen in Westfalen, 29.9.1926

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Minister!

Wir erlauben uns, Ihnen den anliegenden Aufsatz aus der deutschen La Plata Zeitung in Buenos Aires (abgedruckt in der La Plata Post vom 7./8.1926) zu überreichen, der einen unqualifizierbaren Angriff gegen Ihre Person enthält. Die Tatsache einer Kritik an sich würde uns nicht veranlassen, den Ausschnitt zu übersenden. Bestimmend ist dafür vielmehr der Umstand, daß viele Kritiken der deutschen Presse im Ausland, für die dieser Aufsatz nur ein Beispiel von tausenden ist, in ganz unverantwortlicher Weise abgefaßt sind und einen geradezu krankhaften Haß gegen die Republik und alle demokratischen Gedanken verraten.6

Es liegt daran, daß die bessersituierten Kreise der Deutschen im Auslande durch Deutsche, die nach dem Kriege ausgewandert sind, Offiziere waren oder sonst durch den Ausgang des Krieges enttäuscht sind, zu stark beeinflußt werden. Dieselben Kreise beeinflussen die Redaktionen der deutschen Auslandspresse, die sich außerdem noch hauptsächlich durch Korrespondenten reaktionärer Herkunft aus Deutschland speisen läßt. Wir haben oft Gelegenheit, deutsche Zeitungen aus dem überseeischen Ausland zu lesen und haben schon oft Gelegenheit genommen, auch andere amtliche Stellen auf die krassesten Auswüchse hinzuweisen.

Als es sich damals um beinahe nicht wiederzugebende Angriffe auf den Reichsaußenminister Dr. Stresemann handelte, haben wir in einer Korrespondenz mit dem Herrn Außenminister darauf hingewiesen, daß es doch wohl die Aufgabe der diplomatischen Vertreter im Auslande sein könnte und müßte, durch Einwirkung auf die Redaktionen wenigstens die blödesten und unsachlichsten Angriffe hintan zu halten. In Beantwortung unserer Korrespondenz wurde in Aussicht gestellt, daß in dieser Hinsicht Abhülfe geschaffen werden würde. Tatsächlich ist damals auch eine Besserung zu verzeichnen gewesen. Aber seit einigen Monaten – vielleicht ist es ein Zufall, daß der Zeitpunkt mit dem Erlaß der Flaggenverordnung des Reichspräsidenten zusammenfällt – ist wieder eine schärfere Tonart festzustellen, wie sie auch aus dem beigefügten Aufsatz hervorgeht. Irgendwas muß einmal endlich darin geschehen, denn es ist doch äußerst bedenklich, wenn die Deutschen im Ausland immer solche Entstellungen lesen, besonders in den Gegenden, wo ihnen irgendeine andere Zeitung mit sachlicherer Tendenz nicht zur Verfügung steht. Es müßten Mittel und Wege gefunden werden, um der deutschen Presse den reaktionären Nachrichtendienst abzuschneiden, und zwar wenigstens solchen Nachrichtendienst, der noch aus amtlichen Quellen gespeist wird. Wir haben schon früher den Verdacht ausgesprochen, daß das Deutsche Auslandsinstitut in Stuttgart nicht ganz unschuldig an der Verbreitung entstellender Nachrichten ist. Neuerdings werden sogar Nachrichten in spanischer Sprache für die spanische Presse, insbesondere in Südamerika, verbreitet, die auch nicht von gewissen Tendenzen ähnlicher Art frei zu sein scheinen.

Sollte der Verdacht gerechtfertigt sein und da Deutsche Auslandsinstitut eine Mitschuld treffen, so würde diese Tatsache noch besonders absurd mit Rücksicht auf den Umstand erscheinen, daß das Institut doch höchstwahrscheinlich Unterstützung aus Staatsmitteln erhält. Nach unserer Kenntnis der Dinge wird dieser Oppositionsgeist gegen den deutschen Staat auch in deutschen Schulkreisen im Auslande gepflegt. Wir würden uns denken können, daß bei den Bindungen, die zwischen dem deutschen Schulwesen im Ausland und Reichsstellen in bezug auf geistige und moralische Unterstützung, Überweisung von Lehrkräften, Anerkennung von Prüfungen und unter Umständen auch geldliche Unterstützungen bestehen, diese Beziehungen auch ausgenutzt werden könnten, um auch in das deutsche Schulwesen des Auslandes einen anderen fortschrittlichen Geist hinein zu bringen. Es erscheint nicht richtig, die beklagten Dinge einfach laufen zu lassen.

In der Annahme, daß Ihnen diese Mitteilungen nicht unerwünscht sind, bin ich mit demokratischem Gruß! Hochachtungsvoll!

(Gez.) Ihr ergebener W.Hennings

Mitglied des Bezirksvorstandes der DDP Südwestfalen.

Anlage bei der Antwort Beckers vom 30.10.26 (siehe unten)

 

86. DDP an Demokratischen Zeitungsdienst Berlin Stuttgart, 1.10.1926

(Maschinenkopie)

Anbei erhalten Sie eine Nummer der in New-Ulm, in Minnesota, Amerika, erscheinenden Neuen Zeit mit einem Angriff auf den preußischen Kultusminister Becker. Wir sind der Ansicht, daß dieser Maulwurfsarbeit eines unserer schlimmsten politischen Gegner, Dr. Hoelscher, Mitglied der Deutschnationalen Partei und in der Fraktion der Bürgerpartei und des Bauernbundes unseres Landtags, begegnet werden sollte. Die „Neue Zeit“ wird nicht bloß von vielen Deutsch-Amerikanern gelesen, sondern ist auch mit Unterstützung derselben vielfach auf den deutschen Universitäten und Hochschulen verbreitet; besonders aus diesem Grunde sollte der Angelegenheit entschieden begegnet werden, Erhalten wir die nötigen Unterlagen, werden wir schon für deren weitere Verwertung und Verbreitung Sorge tragen.

Mit aller Hochachtung

Deutsche Demokratische Partei gez. Horn

 

87. C. H. B. an die DDP, Postdirektor W Hennings. (Berlin), 30.10.1926

(Maschinenkopie)

Sehr geehrter Herr Postdirektor!

Aus Ihrem gefälligen Schreiben vom 29. d. J. habe ich mit großem Bedauern ersehen, daß in einer wesentlichen auslandsdeutschen Zeitung wiederum unhaltbare und unqualifizierte Angriffe gegen die Staatsregierung erhoben sind, ohne daß die Schriftleitung der Zeitung sich die Mühe gegeben hätte, den wahren Sachverhalt des geschilderten Tatbestandes kennen zu lernen. Ich bitte Sie, versichert zu sein, daß ich Ihre ersten Besorgnisse um die Stellung eines Teiles des Auslandsdeutschtums zur deutschen Republik teile. Allerdings möchte ich die Hoffnung nicht aufgeben, daß sich der gesunde Sinn für Gerechtigkeit und Wahrheit auch bei diesen auslandsdeutschen Gruppen durchsetzt. Sie werden mich bei Ihren Bemühungen, das Auslandsdeutschtum objektiv zu beeinflussen, auf Ihrer Seite finden.

Mit verbindlichen Empfehlungen bin ich Ihr sehr ergebener (CHB)

 

88. DDP an C. H. B. Halle a.d. Saale, 12.5.1928

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Minister!

Mit Ihrem Schreiben vom 19.4. stellten Sie uns noch eine Nachricht wegen Ihres Eintreffens am 17.5. in Naumburg in Aussicht.

Wir bitten Sie, uns diesen Bescheid nun recht bald zukommen zu lassen, damit wir ihn nach Naumburg weitergeben können.

Auch wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns zugleich das Thema, über das Sie zu sprechen gedenken, angeben wollten.

Für heute zeichnen wir mit ergebenen Grüßen (gez.) Dr. Markner

Randbemerkung Beckers:

Thema: Preußisch-deutsche Kulturpolitik seit der Staatsumwälzung.

 

89. DDP Ortsgruppe Pillau/Ostpreußen an C. H. B. Pillau, 18.6.1928

(Maschinenmanuskript)

Persönlich!

Sehr geehrter Herr Parteifreund!

Der unterzeichnete Vorstand der hiesigen Ortgruppe der DDP gestattet sich, Ew. Hochwohlgeboren die beiliegenden Leitsätze zur Kenntnisnahme und mit der Bitte zu überreichen, für die Anerkennung und Durchführung derselben im öffentliche Leben und für ihre Durchdringung des eisernen Bestandes des demokratischen Ideenschatzes nach Kräften mitwirken zu wollen. Er ist der festen Überzeugung, daß nur eine ganz entschiedene Grundsatzpolitik im demokratischen Geiste die Entwicklung der Demokratie und der DDP begünstigt und die in den einzelnen Ortsgruppen der DDP geleistete Kleinarbeit mit Erfolg krönt.

Der Vorstand! (gez.) Direktor Dr. Lomber, Vorsitzender, Mittelschullehrer Lemke, Kassierer

Köpping, Schriftführer

Anlage

Die Ortsgruppe Pillau der DDP

Hält im Interesse der Zukunft der DDP in der Innenpolitik insbesondere die Berücksichtigung der folgenden demokratischen Leitsätze für durchaus notwendig:

  • Wir fordern von allen Parteimitgliedern in führenden Stellungen in Reden und taten ein entschiedenes Bekenntnis und Festhalten an der demokratischen Idee der Gleichberechtung aller Staatsbürger auf der Grundlage gleicher Pflichten. Jede zwiespältige Haltung ist unbedingt zu vermeiden.
  • Die sogenannten „wohlerworbenen“ Rechte (Sonderrechte) der Oberschicht des Volkes sind umgehend auf das allgemein gültige Maß der gleichen Rechte aller Staatsbürger im Volksstaat zu reduzieren. Namenbezeichnungen, die auf frühere Adelsprädikate hinweisen, sind durch Gesetz zu beseitigen.
  • Die Ansammlung von Riesenvermögen in einzelnen oder wenigen Händen ist zu verhindern.
  • Die soziale Frage der handarbeitenden Bevölkerung ist bis an die Grenze des Interesses eines gesunden Wirtschaftslebens des Staates Zulässigen zu heben und gesetzlich zu regeln.
  • Die Republikanisierung der unmittelbar im öffentlichen Dienste stehenden Staatsbürger – Beamtenschaft und Reichswehr – ist sofort und rücksichtslos durchzuführen.
  • Da die deutsche Kultur auf dem deutschen Schulwesen beruht, ist bei der Auswahl und der Beförderung der Beamten in der Regel der Grad der Allgemeinbildung als in hohem Grade ausschlaggebend zu betrachten. Im Interesse des Staates gebührt den republikanischen Beamten mit geringerer Allgemeinbildung vor den antirepublikanischen Beamten mit höherer Allgemeinbildung der Vorzug.
  • Eine Vereinigung der DDP mit der DVP betrachten wir als Verrat an der Demokratie und lehnen sie infolgedessen ab. Dagegen würden wir als republikanische Sammelpartei die Vereinigung der beiden genannten Parteien mit der SPD unter einem entsprechenden Namen warm begrüßen. Bei einem selbständigen Fortbestehen der DDP ist eine Änderung des seitherigen Namens durchaus erforderlich.7

I.A. Der Vorstand (wie oben)

 

90. DDP, Wahlkreis Potsdam an C. H. B. Berlin, 21.6.1928

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Minister!

Sie waren so freundlich, uns in unserem Wahlkreis durch einen Vortrag zu unterstützen. Im Namen des Wahlausschusses sage ich Ihnen dafür unseren verbindlichen Dank.

Wenn es uns gelungen ist, nicht nur unser Reichstagsmandat, sondern auch zwei Landtagsmandate aus eigener Kraft zu behaupten, und darüber hinaus noch an den Verbands-Wahlkreis Berlin und die Reichs- und Landesliste Reststimmen abzugeben, so freuen wir uns mit Ihnen, daß Sie einen Anteil an diesem Ergebnis haben.

Wir gehen sofort an den Ausbau der Organisation; ein neuer Wahlkampf wird uns nicht ungerüstet finden. Wir hegen die Hoffnung, daß gleichviel wann er kommen wird, wir uns wieder Ihrer wertvollen Unterstützung versichert halten zu dürfen.

Mit hochachtungsvollem (Partei)8Gruße sehr ergeben (gez.) Otto, MdL

Vorsitzender des Wahlausschusses

 

91. DDP an C. H. B. Berlin, 19.7.1929

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Staatsminister!

Unsere Parteigruppe in Augsburg ist an uns mit der Bitte herangetreten, an Sie die Anfrage zu richten, ob Sie freundlichst bereit wären, im Herbst in Augsburg auf einer großen Kundgebung der Partei zu sprechen. Unsere Augsburger Freunde versprechen sich von der Kundgebung, auf der Sie, Herr Minister, sprechen, sehr viel und fragen darum schon jetzt an, weil sie möglichst frühzeitig Klarheit haben wollen, um eine gute propagandistische Vorbereitung treffen zu können. Unsere Augsburger Freunde haben einmal den Wunsch, wie gesagt, bei einer großen öffentlichen Kundgebung eine Rede von Ihnen zu hören und zum Zweiten, auch einen Vortrag im kleineren Kreise, weil man annimmt, daß auf Grund der Tatsache, daß Sie verwandtschaftliche und gesellschaftliche Beziehungen in Augsburg haben, der Parteiarbeit Kreise gewonnen werden können, die uns sonst nicht so nahestehen.

Wir wären Ihnen, sehr geehrter Herr Minister, zu außerordentlichem Dank verpflichtet, wenn Sie uns bald eine Antwort zuteil werden ließen und empfehlen uns Ihnen mit aufrichtig ergebenen Grüßen

Reichsstelle der Deutschen Demokratischen Partei (gez.) Sowarpf

 

92. C.H.B. an DDP, Reichsgeschäftsstelle. (Berlin), 21.9.1929

(Maschinenkopie)

Sehr geehrter Herr Wolff!

Verbindlichen Dank für Ihr freundliches Schreiben vom 19. Juli. Ich muß um Entschuldigung bitten, daß ich wegen Urlaubs und daran anschließenden Dienstreisen es versäumt habe, Ihren liebenswürdigen Brief rechtzeitig zu beantworten. Wie Sie wissen, habe ich mich, da ich der Partei nur nahestehe, ohne ihr direkt anzugehören, bisher mit Vorträgen bei großen Parteiveranstaltungen stark zurückgehalten, wenn ich auch bei allgemeinen kulturellen Veranstaltungen gelegentlich im demokratischen Kreise gesprochen habe. Ich bin kein eigentlich politi-scher Redner und bitte, freundlich dafür Verständnis haben zu wollen, wenn ich eine so schwierige Mission wie die Gewinnung des Augsburger Milieus lieber nicht übernehme. Ich glaube, daß ich der demokratischen Idee und der Demokratischen Partei in der Stille mehr nutzen kann, als wenn man mich bei großen politischen Kundgebungen herausstellt. Sie haben wohl die Freundlichkeit, die Augsburger Herren entsprechend zu verständigen.

In bekannter hoher Verehrung Ihr sehr ergebener (CHB).

 

93. DDP Kreisverein Melsungen an den Regierungspräsidenten in Kassel

und die DDP Geschäftsstelle Berlin Spangenberg, 23.10.1929

Abschrift durch Staatsförster Stein an C. H. B.

Durch den Herrn Landrat Dr. Schuster erfahren wir, daß er aus persönlichen Gründen von seinem Amt als Landrat des Kreises Melsungen zurückgetreten ist. Diese Entschließung kam uns allen so überraschend und zu einem für seinen Rücktritt so ungeeigneten Zeitpunkt, daß wir Demokraten und alle anderen Republikaner des Kreises Melsungen die schwersten Besorgnisse für die Zukunft haben. Wir hoffen, daß die Staatsregierung den Landrat Dr. Schuster möglichst bald wieder in einer seinen Fähigkeiten entsprechenden Stellung beschäftigt.9 Hier in unserem Kreise , wo seit 10 Jahren die schärfsten Gegensätze zwischen “Rechts und Links“ bestehen und wo die Hochburg der NSDAP sitzt, ist es für jeden Republikaner besonders schwer, seinen Demokratischen und Republikanischen Standpunkt zu behaupten, besonders wenn es gilt, dem heutigen Staate die nötige Achtung zu verschaffen. In diesen Belangen aber hat Herr Dr. Schuster sein Bestes getan und alle Republikaner ohne Ausnahme sind ihm hierfür aufrichtigen Dank schuldig. Deshalb erachten wir es als unsere Pflicht, für das Fortkommen unseres rührigen Mitgliedes Dr. Schuster bemüht zu sein. Wir hoffen keine Fehlbitte getan zu haben und gestatten uns weiter zu bitten, dem Herrn Preußischen Innenminister von diesem Schreiben Kenntnis zu geben.

Mit Deutschem Demokratischen Gruß Hochachtungsvoll gez. Stein. 1. Vorsitzender

 

94. DDP (Kreisverband) Breslau an C. H. B., Breslau, 1.2.1930

(Maschinenmanuskript)

Hochverehrter Herr Staatsminister!

Im Namen meiner Parteifreunde habe ich die Ehre, Ihnen, Herr Minister, ehrerbietige und dankbare Grüße zu senden. Ihr Ausscheiden aus dem Ministerium bewegt uns schmerzlich. Wir sind zu kritisch, um etwa jede Ihrer Handlungen gebilligt zu haben, ja, wir haben gerade etwa in unserem hiesigen Kulturausschuß die immer weitergehende Zersplitterung und Zerlösung des höheren Schulwesens mit Sorge verfolgt. Aber während Ihrer mehr als zehnjährigen Tätigkeit an leitender Stelle im Ministerium und als Minister haben wir immer zu Ihnen aufgesehen. Bei vielem Unerfreulichen, das nicht veranlaßt wurde durch die Schwere der Zeit, sondern durch das eigene politische Ungeschick, war es uns eine Genugtuung, daß ein Mann wie Sie im Preußischen Staatsministerium war. Sie wissen selbst genug, welch bedeutsame Gestalt Sie im öffentlichen Leben sind durch die in Deutschland sehr seltene Verbindung von umfassender Gelehrsamkeit und praktischer Verwaltungsgabe, durch Vereinigung von weltmännischem Gebaren und Forschernst und schließlich durch die heute überaus seltene Vereinigung von politischer Klugheit und charakterlicher Verläßlichkeit. Wir sind überzeugt, daß Ihr Name in die Geschichte eingeht. Wenn in einer Zeit, in der ein Teil der Menschen zwar eine starke Bezogenheit auf den Geist besitzt, ein anderer jedoch nicht minder starker Bevölkerungsteil lediglich auf das Nützliche tendiert, wenn in einer solchen Zeit die Aufgaben der Kultur weiter erfüllt wurden und die kulturellen Institutionen gefördert werden konnten, so ist das, Herr Minister, wir wissen das sehr wohl, Ihr Verdienst.

Wir sind auch überzeugt, daß Sie an bedeutsamer Stelle weiter Einfluß nehmen werden auf die geistige Gestaltung unseres Volkes, und daß Sie immer, wenn nicht in amtlicher Funktion, so doch ebenso stark als Gestalt wirken. Uns liegt heute nur daran, jetzt, da ein Wort des Dankes den Dankenden nicht mehr in den Verdacht irgendeines Strebertums bringt, Ihnen zu sagen, daß Sie durch Ihre Arbeit und durch Ihr Sein den Impuls gegeben haben, an anderer, bescheidenerer Stelle in unserer Arbeit nicht müde zu werden.

In Ehrerbietung der Vorstand der Deutschen Demokratischen Partei,

Wahlkreisverband Breslau i.A. (gez.) Lic.th(eol) Momutz (unleserlich) 1. Vorsitzender.


1 Koram (lat.) vor aller Augen vgl. coram publico (veralteter Ausdruck für tadelnswertes Verhalten. Duden 1996

2 Unterstreichungen vom Referenten im MK.

3 Am Rande mit großem Fragezeichen versehen.

4 Hervorhebung vom Herausgeber.

5 Im Typoskript unterstrichen. Der Herausgeber.

6 Hervorhebungen vom Herausgeber.

7 Vom Empfänger am Rande angestrichen. Der Herausgeber.

8 Das Wort Partei wurde von Otto gestrichen, denn Becker war zwar Sympathisant, aber kein Mitglied

9 Unterstreichungen vom Empfänger bzw. dem Referenten. Der Herausgeber.

Alfred Brémond, 1910

Nachl. C.H. Becker. HA VI. Rep.92. Becker B. Nr. 7991

65. Alfred Brémond an C.H.B. Paris, 21 Janvier 1910

Lieutenant au 149e Régiment d’Infanterie, Licencié en Droit

(lt. Beiliegender Visitenkarte) (Manuskript)

Monsieur le Professeur,

En vous envoyant ma carte, en échange de celle que vous aveu eu l’amabilité de me remettre hier, je tiens à vous renouveler l’expression de mon admiration pour la savante et l’instructive conférence que j’ai entendue. Je suis heureux de me trouver en communauté d’idées avec le savant et distingué Professeur que vous êtes; je regrette que la distance, séparant Hamburg de Paris, m’empêche de vous entendre d’autres fois.

Je me permettrai de vous adresser en jours-ci un résumé des principales idées que j’ai développés, en différentes conférences, devant le corps des officiers de mon Régiment, alors que j’appartenais à l’Armée.

Je recevrai d’autre part, avec grand plaisir, le travail que vous avez bien voulu me promettre, avec une amabilité dont je suis très flatté.

Je vous prie d’agréer, Monsieur le Professeur, avec mes remerciements anticipés, l’expression de mes sentiments les plus distingués.

Lt. A.Brémond

 

66. C.H.B. an A. Brémond, Paris. (Hamburg), 10.2.1910

(Maschinenkopie)

Sehr geehrter Herr!

Einem Mann, der so vorzüglich deutsch schreibt, freue ich mich, auf Deutsch danken zu können. Ihr Brief hat mich außerordentlich interessiert und von Ihrem Exposé habe ich gern Kenntnis genommen. Ich fürchte allerdings, wie Sie es richtig voraussetzen, daß Sie den Islam doch etwas enthusiastisch ansehen. Sie werden sich aus meinem Vortrag erinnern, daß ich die Verhältnisse etwas anders ansehe. Auch über die Religion des Islam in ihrem Verhältnis zum Christentum habe ich kürzlich ein kleines Büchlein geschrieben, das ich mich beehre, Ihnen anbei zu übersenden. Nach Druck meines Pariser Vortrags werde ich nicht verfehlen, Ihnen einen Abzug zugehen zu lassen.

Mit erneutem Dank für Ihre große Liebenswürdigkeit und in der Hoffnung, Sie wieder in Hamburg begrüßen zu können bin ich mit dem Ausdruck meines vorzüglichsten Hochachtung Ihr sehr ergebener (CHB)

Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart, 1914-28

Nachl. C.H. Becker, Rep.92. Becker D. Nr. 2976

59. DVA an C.H.B., Bonn Stuttgart, 24.9.1914

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Professor!

Wir senden Ihnen anbei per Eilboten zwei Abzüge Ihres Beitrages für unsere Flugschriftensammlung „Der deutsche Krieg: Deutschland und der Islam.“ Im Auftrag von Herrn Dr. Jäckh in Berlin W 35, Schöneberger Ufer 36a, möchten wir Sie bitten, das von Ihnen korrigierte Exemplar so rasch wie möglich an diesen Herrn zu senden; da wir das Heft schon übermorgen in 8 Tagen verschicken, ist dringend Eile geboten und wir sind Ihnen außerordentlich zu Dank verpflichtet, wenn Sie die Korrektur des Artikels umgehend per Eilboten nach Berlin senden.

In ausgezeichneter Hochachtung ergebenst DVA (zwei unleserliche Unterschriften)

 

60. C.H.B. an DVA. (Bonn?), 28.9.1914

(Maschinenkopie)

Sehr geehrter Herr!

Gestern Sonntag früh erreichte mich Ihre Korrektursendung und zwei Stunden danach Ihr Brief. Wunschgemäß habe ich noch am gleichen Tag die Korrektur erledigt und als Eilbrief an Herrn Dr. Jäckh weitergesandt.

Ich benutze die Gelegenheit Sie zu bitten, das mir zustehende Honorar dem Hülfsfond für Ostpreußen zu überweisen.

Mir selbst bitte ich für meine Rechnung incl. der mir zustehenden Freiexemplare im Ganzen 50 Stück meiner Flugschrift zu schicken.

Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst (CHB)

 

61. DVA an C.H.B., Bonn Stuttgart, 30.9.1914

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Professor!

Wir danken verbindlichst für Ihr Schreiben vom 28.ds.Mts., aus dem wir gerne ersehen haben, daß Sie die Korrektur Ihres Beitrages noch am Sonntag an Herrn Dr. Jäckh in Berlin abgesandt haben.

Wir haben auf Ihren Wunsch hin unserer Berliner Filiale Anweisung gegeben, das Ihnen für Ihren Beitrag zustehende Honorar dem Hilfsfond für Ostpreußen zu überweisen.

50 Exemplare Ihrer Flugschrift, einschließlich der 15 freien Exemplare, hoffen wir Ihnen am Samstag zusenden zu können.

Wir empfehlen uns Ihnen in ausgezeichneter Hochachtung als Ihre ergebene DVA

(gez.) Hugo Wagner (zweite Unterschrift unleserlich)

 

62. DVA an C.H.B., Bonn Berlin, 2.10.1914

(Maschinenmanuskript)

Hochgeehrter Herr Professor!

Wir beehren uns Ihnen mitzuteilen, daß wir das Honorar von M(ark) 100,- für Ihren Beitrag zu unserer Flugschriftensammlung „Der Deutsche Krieg“, „Deutschland und der Islam“ dem Herausgeber der Sammlung, Dr. Jäckh, hier, zur Überweisung an den Hilfsfond für Ostpreußen ausbezahlt haben. Gegen diese Honorarzahlung geht nach den Vereinbarungen mit dem Herrn Herausgeber die Arbeit mit unbeschränkten Verlagsrechten in unseren Besitz über.

In dem wir Ihnen für diesen Beitrag auch unsererseits verbindlichen Dank aussprechen, empfehlen wir uns Ihnen mit vorzüglicher Hochachtung DVA (gez. Unleserlich)

 

63. DVA an C.H.B. Stuttgart, 18.11.1926

(Maschinenmanuskript)

Hochgeehrter Herr Minister!

Im Namen und Auftrag unseres Autors, Herrn Professor Dr. Hermann Stegemann, beehren wir uns, Ihnen ein Exemplar seines „Trugbilds“ zu übersenden. Herr Professor Dr. Stegemann fühlt sich hierzu durch Ihre auf dem Historikertag in Breslau gehaltene bedeutsame Rede über historische Aufgaben der Gegenwart besonders veranlaßt.

In vorzüglicher Hochachtung ergebenst DVA (gez.) G.Kipper

Anmerkung Beckers: Danken an Prof. Stegemann.

Anmerkung 2: Auf Anordnung des Herrn Ministers ablegen. Duwe 23.3.

 

64. C.H.B. an DVA. (Berlin), 12.4.1928

(Maschinenkopie)

Der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart

Sage ich für die freundliche Übersendung des Buches „Johannes Miquel“ von Wilhelm Mommsen1 meinen besten Dank.

In vorzüglicher Hochachtung (CHB)

Anmerkung Beckers: Rücksprache wegen Brief an Mommsen. B 14.4.


1 Wilhelm Mommsen *1892, Historiker, Enkel von Theodor Mommsen, wurde 1929 Professor in Marburg.

Werke: Bismarcks Sturz und die Parteien (1924), Johannes Miquel (1928), Die politischen Anschauungen Goethes (1948), Größe und Versagen des deutschen Bürgertums 1848/49 (1948), Stein, Ranke, Bismarck (1954)

Prof. Wilhelm Flitner, 1926-33

Nachl. C. H. Becker.HA VI. Rep.92 Becker F. Nr. 680

Briefwechsel C.H.Beckers mit Prof. Wilhelm Flitner1 1926-1933

67. Wilhelm Flitner an C.H.B. Kiel, 20.7.19262

(Maschinenmanuskript)

Hochverehrter Herr Minister!

Die philosophische Fakultät der Universität Leipzig und die Sächsische Regierung fordern mich auf, nach Leipzig zu kommen und dort die Tätigkeit des a.o. Professors für praktische Pädagogik zu übernehmen. Da ich über praktisch erzieherische Tätigkeit zur Auswirkung meiner theoretischen Produktion noch nicht habe kommen können, so scheint es mir, daß ich diesen Ruf kaum ablehnen kann; würde ich ihn ablehnen, so müßte das bedeuten, daß ich auf die akademische Lehrtätigkeit und auf wissenschaftliche Produktion in größerem Umfang innerlich Verzicht leiste.

Ich erlaube mir, Ihnen das zu schreiben, um jeden Anschein zu vermeiden, als wolle ich die so überaus bedeutungsvolle und schöne Arbeit in der Preußischen Lehrerbildung aus einem Zweifel an der Sache wieder verlassen. Ich bin unverändert der Meinung, daß die Preußische Neuregelung den gegenwärtig allein gangbaren Weg geht, wenn ich auch über die Durchformung der einzelnen Anstalt einige vom jetzt Gültigen abweichende Gedanken habe.

Wenn ich jetzt, im Interesse meiner wissenschaftlichen Produktion, aus der Kieler Arbeit auszuscheiden gedenke, so wäre es mein innigster Wunsch, mich weder innerlich noch auf die Dauer äußerlich von dem Werk der Preußischen Lehrerbildung zu trennen. Ich möchte wünschen, daß meine Entscheidung auch Ihre Billigung findet, und ich möchte um die Gunst bitten, in einer rein privaten kurzen Besprechung Ihnen etwas deutlicher darlegen zu dürfen, warum ich mir auf Ihre innere Zustimmung Hoffnung mache.

Ihr verehrungsvoll ergebener (gez.) Dr. Wilhelm Flitner

Dozent an der Pädagogischen Akademie Kiel.

 

68. Preußisches Kultusministerium an Wilhelm Flitner. (Berlin), 22.7.1926

(Maschinenkopie)

An den Dozenten der Pädagogischen Akademie in Kiel Herrn Dr. Wilhelm Flitner.

Auf das an den Herrn Staatsminister Professor D. Dr. Becker gerichtete gefällige Schreiben vom 20.Juli d.Js. um Gewährung einer Unterredung teilt das Privatsekretariat ganz ergebenst mit, daß der Herr Minister sich bis Mitte August in Urlaub befindet. Ihre Eingabe wird dem Herrn Minister nach seiner Rückkehr vorgelegt werden.

Privatsekretariat (gez.) H. Amtsrat

Anmerkung: Herrn Ministerialdirektor Kaestner gehorsamst weitergereicht.

Ich habe Herrn Flitner geschrieben, daß der Herr Minister Anfang September für ihn zu sprechen ist, habe ihm nochmals zugeredet, in Kiel zu bleiben, und ihn gebeten, keinen endgültigen Entschluß vor seiner Unterredung mit dem Herrn Minister zu fassen.

Hinweis an ORR Duve: Die Sache ist gemäß Besprechung (nicht lesbar) erledigt.

 

69. Professor Wilhelm Flitner an C.H.B. Altona, 3.6.1932

(Maschinenmanuskript)

Sehr verehrter lieber Herr Becker!

Haben Sie herzlichen Dank für Ihre Einladung zum Nizzaer Kongreß. Ich sage Ihnen gern zu, darf aber wohl den Vorbehalt, den man jedem Deutschen heute zubilligen muß, machen, daß man die Entwicklung der politischen Zustände abwarten muß, um zu entscheiden, ob man im August über die Grenze zu gehen noch Lust verspüren wird. Es ist eine sehr frohe Aussicht, Sie in Nizza wiederzusehen und die Gespräche von Davos fortzusetzen.

Mit herzlichen Grüßen und Empfehlungen Ihr treulich ergebener (gez.) W. Flitner.

 

70. C.H.B. an Wilhelm Flitner, Hamburg. (Berlin), 15.6.1932

(Maschinenkopie)

Lieber Herr Flitner!

Ich bin außerordentlich glücklich, daß Sie den Hauptvortrag für Nizza übernommen haben. Es stellt sich jetzt heraus, daß wir doch nicht drei sondern nur über zwei Hauptvorträge verfügen können. Ich habe deshalb sofort geschrieben, daß Herr Dessauer und Sie die gegebenen Redner für diesen Zweck wären, da Sie sich auch nach der theoretischen und praktischen Seite bestens ergänzen, während ich in einem anderen Zusammenhang über das gleiche Thema wie projektiert sprechen werde. Man wollte gern, daß ich englisch spreche, doch kann ich das als deutscher Hauptredner natürlich nicht, aber in meiner Eigenschaft als Vizepräsident könnte ich in anderem Zusammenhang nach einer deutschen Einleitung doch die wichtigen Dinge, die ich zu sagen habe, auch in Englisch vorbringen, ohne gleich als anational zu erscheinen.

Bei unserer Besprechung mit den Behörden in Berlin ist erwogen worden, ob die Reisekosten für Sie nicht von der Hamburgischen Oberschulbehörde übernommen werden könnten. Die Finanzierung macht überhaupt einige Schwierigkeiten. Ich bekomme gerade von Frau Dr. Rotten einen Brief, worin sie die Hoffnung ausspricht, daß entweder Sie oder Dr. Gebhard finanziell von der Hamburger Oberschulbehörde übernommen würden. Darf ich Sie einmal fragen, wie Sie darüber denken, und ob Sie es für zweckmäßig halten, daß ich vielleicht einmal als Vizepräsident an den Herrn Senator de Chapeau Rouge ein paar Worte schreibe; in Hamburg war man früher in solchen Dingen immer sehr großzügig.

Mit herzlichen Grüßen Ihr Ihnen aufrichtig ergebener (CHB)

Anlage o.D.(Mai/Juni 1932)

C. H. B. an Wilhelm Flitner, Professor in Hamburg

Lieber Herr Flitner!

Ich hoffe, Sie haben schon von Weniger gehört, daß wir auf Sie das Attentat machen wollen, auf dem Nizzaer Kongreß mit mir und Dessauer das dritte deutsche Referat in den Main Lectures zu der Grundthese des Kongresses zu übernehmen. Wir hatten uns die Arbeitsteilung so gedacht, daß ich Education and Social Change vom internationalen, Dessauer, Frankfurt, vom soziologischen und Sie vom pädagogischen behandeln sollten. Frau Dr. Rotten, die für die Headquarters spricht, soll die Auswirkung auf die Seele des individuellen Lehrers behandeln. Bitte tun Sie mir den Gefallen, ich würde mich ganz besonders freuen, wieder einmal mit Ihnen bei einer Sache zusammen wirken zu können. Näheres über den Kongreß brauche ich einem Fachmann, wie Ihnen, ja nicht zu schreiben. Als Reiseunterstützung werden von amtlicher Stelle RM 200 zur Verfügung gestellt werden.

Mit herzlichen Grüßen Ihr Ihnen aufrichtig ergebener (CHB).

 

71. Wilhelm Flitner an C.H.B. Hamburg, 17.6.1932

(Maschinenmanuskript)

Lieber hochverehrter Herr Becker!

Für Ihren Brief danke ich Ihnen sehr und möchte nicht versäumen, meinen Vortrag Ihnen wieder zur Verfügung zu stellen. Wenn Deutschland nur zwei Vorträge zu halten hat, so wäre es meiner Ansicht nach sehr viel repräsentativer, wenn außer Herrn Dessauer Sie sprechen würden. Ich verzichte dann gern, zumal die Beschaffung der Mittel Schwierigkeiten macht. Ich habe mich an unsere Hochschulbehörde mit einer Anfrage gewandt, noch keine offizielle Antwort bekommen, aber der Herr Senator teilte mir mit, daß Mittel gar nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Es könnte natürlich sei, daß er Ihnen ungern eine abschlägige Antwort erteilt, wenn Sie als Vizepräsident sich an ihn wenden würden, aber vielleicht ist das nicht nötig, wenn Sie selbst den Vortrag übernehmen. Ich möchte Sie jedenfalls bitten, ganz danach zu verfahren, wie sich das Ganze am praktischsten arrangieren läßt.

Mit herzlichen Grüßen Ihr treulich ergebener (gez.) Flitner.

 

72. C. H. B. an Wilhelm Flitner. Berlin, 21.6.1932

(Maschinenkopie)

Lieber Herr Flitner

Ich freue mich herzlich, daß Sie mir treu bleiben. Herr Rawson teilt mir mit, daß wir alle drei an hervorragender Stelle zu Wort kommen, daß nur einer der Vorträge vielleicht am Vormittag stattfinden müßte, was bei einem Kongreß dieser Art evtl. noch das bessere ist. Da er mich gleichzeitig bittet, einen Titel für meinen Vortrag zu finden, habe ich lange darüber nachgedacht und dann folgende etwa umständliche, aber deutliche Formulierung gewählt:

„Der soziale Wandel und die Erziehung unter dem Gesichtspunkt der Verschiedenheit der Völker.“

Weiter kann ich Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, daß die RM 3000 des Auswärtigen Amts bereitgestellt sind. Ich erhielt die offizielle Mitteilung und habe die Pädagogische Auslandsstelle, die als Zahlstelle fungiert, gebeten, zunächst einmal RM 500 Frau Rotten zu überweisen. Ich werde nun heute noch ein Gesuch an Minister Grimme richten, daß auch Preußen sich mit RM 500 beteiligt, desgleichen schreibe ich mit gleicher Post an de Chapeaurouge.

Mit herzlichen Grüßen Ihr Ihnen freundschaftlich ergebener (CHB)

 

73. C. H. B. an Wilhelm Flitner. (Berlin), 31.1.1933

(Maschinenkopie)

Lieber Herr Flitner!

Ihr Besuch bei Jacob war mir besonders erfreulich, und ich möchte Ihnen gern noch einmal von Herzen dafür danken. Das nächste Mal werde ich nicht verfehlen, Sie und ihre Gattin bei sich aufzusuchen. Ich versprach, Ihnen zwei Artikel zu schicken, über die wir gesprochen haben. Den über den Dritten Humanismus können Sie behalten, den über Amerika muß ich allerdings zurückerbitten, da ich leider keine Exemplare mehr zur Verfügung habe und es doch noch einige Zeit dauern wird, bis der erweiterte Druck erscheint.

Mit herzlichen Grüßen Ihr Ihnen aufrichtig ergebener (CHB)

 

74. Wilhelm Flitner an C. H. B. Klein-Flottbeck bei Hamburg, 7.2.1933

(handschriftlich)

Hochverehrter Herr Staatsminister!

Vielen Dank für die beiden Sonderdrucke und den freundschaftlichen Gruß. Ich bin Ihnen sehr dankbar, daß Sie am Tag Ihres zweiten Vortrags noch Zeit für mich fanden; die beiden Tage werden mir festlich in Erinnerung bleiben. Den Sonderdruck über Amerika sende ich beiliegend zurück und freue mich, das andere behalten und in mein Helbling(?)-Exemplar hineinlegen zu können. Indem ich beiden Gedankenreihen mich hingab, habe ich mich gefragt, ob die Kirche von der im Humanismus nicht die Rede ist, wirklich so vergangen ist, wie es hier scheint. Weder die Sowjets noch die Amerikaner noch diese neuen Mythosleute wie Helbing wissen noch um sie und um die neue, unsichtbare Kirche, die doch die Substanz dessen enthält, was Blut, Leib, Mythus nicht geben und was da sein muß, bevor ein Humanismus kommen kann, es zu verfeinern. Die Konfessionalität der Päd(agogischen) Akademien – so wie Kittel sie seinerzeit interpretierte – war wohl die Grundlage ihres praktischen Humanismus, und jene Konfessionalisierung, die politisch notwendig wurde, hat wirklich nicht zufällig jener Idee des neuen Humanismus das Fundament gegeben.

Verzeihen Sie die Ausführlichkeit dieses Dankes. Meine Frau freut sich mit mir auf Ihren nächsten Besuch in Hamburg – vergessen Sie nicht uns aufzusuchen.

Mit herzlichen Wünschen für Spanien-Marokko Ihr getreulich ergebener W. Flitner.


1 Wilhelm A. Flitner * 1889 Bad Berka + 1990 Tübingen. Erziehungswissenschaftler, 1926 Prof. in Kiel, 1929 Hamburg. Vertreter der geisteswissenschaftlichen Pädagogik, verband historische. Forschung, die die Erziehung in den Kulturzusammenhang einbettet, intensive Zuwendung zu pädagogischen Gegenwartsfragen der Erwachsen- und Lehrerbildung, der Schule und Hochschule. (Nach Brockhaus 20.Aufl. Mannheim 1996)

2 Hervorhebungen von Becker.

Preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun, 1922-30

29. C.H.B. an MP Otto Braun. (Berlin), 28.8.1922

Privatsekretariat

(Maschinenkopie)

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!

Als ständiger Mitarbeiter Ihres Parteigenossen Haenisch während seiner Ministerzeit erlaube ich mir heute, Ihnen die Bitte vorzutragen, Herrn Haenisch zu einer seiner früheren Stellung entsprechenden Verwendung im Staatsdienst zu verhelfen. Von vertrauenswürdiger Seite ist mir berichtet worden, daß er demnächst in eine materiell bedrängte Lage kommen muß, wenn ihm nicht in irgend einer Hinsicht geholfen wird. Da ich während seiner ganzen amtlichen Wirksamkeit in täglicher Zusammenarbeit seine rechte Hand gewesen bin, so kann ich ihn vielleicht besser als irgend jemand sonst beurteilen, auf welchem Gebiete die Kraft des Herrn Haenisch zum Besten des allgemeinen Staatswohles eingesetzt werden könnte. An nächsten läge natürlich, ihn im Rahmen der Unterrichtsverwaltung zu verwenden. In Frage könnte nur eine selbständige oder eine leitende Stellung kommen. Derer gibt es im Rahmen der Unterrichtsverwaltung eigentlich nur die Kuratorstellen an den Universitäten und die Direktorstellen der Prrovinzialschulkollegien. Seit dem Ausscheiden des Herrn Haenisch aus dem Ministerium habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen und mit anderen hin und her überlegt, ob es möglich wäre, ihn auf einem dieser beiden Posten zu verwenden. Sämtliche von mir befragte Sachverständige halten das aus sachlichen oder aus politischen Gründen für unmöglich. An der Spitze der Provinzialschulkollegien ist nur ein technisch gründlich geschulter Beamter denkbar, und die hier zu lösenden Fragen liegen auch Herrn Haenisch ferner, da während seiner Ministerschaft in erster Linie die Volksschulfrage im Mittelpunkt des Interesses gestanden hat. Es sind hier entweder streng juristische oder speziell schultechnische Aufgaben zu lösen, zu denen eine akademische Fakultas in einem oder mehreren Fächern gehört. Die Leitung eines Provinzialschulkollegiums kann also aus sachlichen Gründen für Herrn Haenisch nicht in Betracht kommen. Ich glaube auch, daß er sich selber diese Aufgabe nicht zutrauen würde.

Anders liegen die Dinge bei einem Universitätskuratorium. Ein Kurator ist zwar kein leitender, aber doch ein selbständiger Beamter, und als Ruheposten für einen früheren Minister ist diese Stelle durchaus würdig. Allerdings gibt es auch hier sachliche Schwierigkeiten. Als Minister hatte Herr Haenisch zur Ausführung seiner Wünsche einen großen Stab nach allen Richtungen hin geschulter Beamter zur Verfügung. Er brauchte also nur die Ideen angeben, und sie wurden dann in die juristisch und technisch richtige Form gebracht. Als Kurator ist er der einzige höhere Beamte in einer Behörde, muß also die entscheidenden, oft auch juristisch wichtigen Berichte persönlich abfassen, wenn ihm auch in den rechnerischen fragen ein Büro zur Seite steht. Immerhin glaube ich, daß Herr Haenisch diese sachlichen Schwierigkeiten nach einigem Einarbeiten wohl überwinden würde. Es könnte ja vielleicht für eine entsprechende Hilfe gesorgt werden. Aber hier liegen nun leider die Schwierigkeiten auf anderem Gebiet. Ich befürchte, daß eine Ernennung des Herrn Haenisch zum Kurator – wobei ich ganz absehe, ob sie für den gegenwärtigen Herrn Kultusminister überhaupt politisch tragbar wäre – eine Radikalisierung der langsam abflauenden Oppositionsbewegung der Studentenschaften und auch der Universitäten gegen den neuen Staat herbeiführen würde. Ich kann es zwar Herrn Haenisch bezeugen, daß er immer nur das Beste für die Universitäten gewollt hat. Ich weiß, daß er mit zarter, aber fester Hand die akademische Welt mit den neuen Verhältnissen hat versöhnen wollen. Ja, man kann geradezu von einem Haenisch’schen Liebeswerben um die Universitäten reden. Aber es ist ihm leider hier der Erfolg versagt geblieben. Die Universitäten sind zweifellos jetzt auf dem Wege der vollen Versöhnung mit den neuen Verhältnissen. An ihrer Loyalität ist nicht zu zweifeln; aber Herr Haenisch ist für diese akademischen und namentlich die studentischen Kreise doch nun mal der Inbegriff dessen, was sie bekämpfen. Besondere Schuld trägt daran seine unglückliche Behandlung der Marburg- Mechterstaedt’schen Affaire. Sein Wort von den Marburger Mordbuben hat eine geradezu verhängnisvolle Wirkung ausgeübt und seine ziemlich fortgeschrittene Versöhnungspolitik auf ihre allerersten Anfangsstadien zurückgeworfen, vor allem, als er nach Spruch der Gerichte nur als Minister, nicht aber als Mensch seine schweren Beschuldigungen zurücknahm. Würde er nun Kurator werden, so glaube ich, daß wir mit sehr erheblichen Schwierigkeiten zu rechnen haben würden, die man, wenn irgend möglich, vermeiden sollte. Wir haben in den letzten Jahren systematisch die Kuratorposten von den Oberpräsidentenposten getrennt, weil wir sie entpolitisieren wollten. Die Ernennung von Herrn Haenisch würde diese ganze Politik desavouieren und auch diese im Interesse der Versöhnung unbedingt neutral zu haltenden Posten in die machtpolitischen Verteilungspläne der Parteien einbeziehen. Ich würde diese Entwicklung für geradezu verhängnisvoll halten und habe deshalb gegen die Verwendung des Herrn Haenisch auf einem Kuratorposten, wenigstens für die nächsten Jahre, nicht nur persönliche, sondern auch erhebliche sachliche Bedenken.

Welchen Posten soll man aber sonst in Vorschlag bringen? Ich sehe den einzig möglichen Ausweg in einer Ernennung des Herrn Haenisch zum Regierungspräsidenten. Auf diesem leitenden Posten können gerade seine besten Qualitäten sich voll auswirken. Er hat als Minister einen guten Überblick über die Staatsverwaltung gewonnen. Er besitzt als Regierungspräsident ein sachverständiges Personal zu juristischen und technischen Beratungen. Sein persönlicher Einsatz besteht nun in einer, ich darf wohl sagen, ungewöhnlichen Begabung zur Leitung schwieriger Verhandlungen, zur Beruhigung aufgeregter Gemüter, zur Abfertigung unverschämter Antragsteller und zur Sicherstellung staatlicher Belange gegenüber privaten Interessenten. Ich habe ihn sehr hochmögende Professoren mit geradezu bewundernswürdigem Geschick abfertigen sehen und beobachtete, wie er mit den schwierigsten Verhandlungsmaterien durch seine Ruhe und Liebenswürdigkeit glänzend fertig wurde. Auch versteht er es einzigartig, eine dem Staate zugute kommende Fühlungnahme zwischen seiner Arbeit und der öffentlichen Meinung herzustellen. Alles das sind Eigenschaften, die ihn zu einer leitenden Regierungsstellung wie der des Regierungspräsidenten geradezu prädestinieren. Wie es ihm als Minister gelang, sich das Vertrauen auch oppositioneller Parteien zu erwerben, ohne seinen eigenen Parteistandpunkt jemals aufzugeben, so würde es ihm auch als Regierungspräsident sicher gelingen, in einem Kreise mit starken politischen Spannungen im Interesse der Versöhnung zu wirken.

Unter diesen Umständen möchte ich Sie als Privatmann und alter Mitarbeiter des Herrn Haenisch dringend bitten, Ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß ihm durch die Ernennung zum Regierungspräsidenten aus der peinlichen Situation des Augenblickes geholfen werde.. Ich kann diese Bitte mit um so größerem Freimut wagen, als Herr Haenisch mich nach seinem Abgang ja ziemlich stark angegriffen hat und dadurch eine leise Trübung in unserem Verhältnis eingetreten ist. Ich habe aber zu genau beobachten können, mit wie rückhaltloser Hingabe und mit wie großem Erfolge er als Minister gewirkt hat, sodaß ich aus ehrlicher Überzeugung sagen darf: Das Vaterland ist ihm einen Dank schuldig.

Abschrift dieses Briefes habe ich mir erlaubt, auch Herrn Minister Severing zugehen zu lassen.

In bekannter Verehrung Ihr sehr ergebener (CHB)

Anmerkung: Herrn Minister Boelitz zur gef(älligen) K(enntnisnahme). B. 28.8.

 

30. Der Preußische Ministerpräsident Otto Braun an C.H.B. Berlin, 5.9.1922

Wilhelmstraße 63

(Maschinenmanuskript)

Persönlich

Sehr geehrter Herr Staatssekretär!

In Ergänzung meiner neulichen gelegentlichen Mitteilung teile ich Ihnen auf Ihre geschätzte Zuschrift vom 28. vorigen Monats noch ergebenst mit, daß es auch mir sehr am Herzen liegt, dem Herrn Haenisch eine ihm gewisse materielle Sicherstellung bietende Tätigkeit zu verschaffen. Ihr Vorschlag, ihn für den Posten eines Regierungspräsidenten in Aussicht zu nehmen, erscheint mir, wie ich Ihnen bereits gelegentlich der Eröffnung der Gartenbauausstellung sagte, ganz abwegig. Haenisch eignet sich nach seinen ganzen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften für den Posten eines Regierungspräsidenten am allerwenigsten. Ich glaube, daß nur im Bereiche des Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung die Möglichkeit wäre, Haenisch eine seinen Fähigkeiten entsprechende Beschäftigung zu verschaffen. Die Einwände politischer Natur, die Sie gegen seine Bestellung zum Kurator einer Universität geltend machen, kann ich als berechtigt nicht anerkennen. Wollte man sie gelten lassen, würde das darauf hinaus kommen, daß Sozialdemokraten für derartige Stellen überhaupt nicht in Frage kämen. Das würde aber eine Praxis ergeben, die mit den heutigen verfassungsrechtlichen und tatsächlichen politischen Verhältnissen nicht in Einklang zu bringen wäre.

Als glücklichste Lösung würde ich es ansehen, wenn Haenisch die Möglichkeit einer Lehrtätigkeit an einer der Berliner Hochschulen eröffnet werden könnte. Die Fähigkeiten dazu hat er zweifellos und die ihm vielleicht noch fehlende wissenschaftliche Disziplin würde er sich unter dem Einfluß seiner Stellung bald aneignen. Man könnte vielleicht mit einem Lehrauftrag beginnen und ihm später eine ordentliche Professur geben. Bei einigem guten Willen, den ich bei Ihnen und bei Ihrem Herrn Minister ohne weiteres voraussetze, dürfte sich auf diesem Wege wohl für Haenisch ein geeigneter Wirkungskreis schaffen lassen.

Mit dem Ausdruck meiner ergebensten Hochachtung verbleibe ich

Ihr (gez.) Braun.

 

31. C.H.B. an MP Otto Braun. (Berlin), 5.2.1925

Privatsekretariat

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Ministerpräsident!

Als Anlage gestatte ich mir, Ihnen das Reinkonzept des Erlasses zu übersenden, der morgen vormittag 10 Uhr Gegenstand des gemeinsamen Vortrages mit der Finanzverwaltung bei

Ihnen sein wird. Es handelt sich in dem Erlaß um die nicht mehr aufschiebbare Ausführung des Staatsministerialbeschlusses vom Oktober vorigen Jahres über die Neugestaltung der Lehrerbildung und zwar zunächst insoweit, als die Auflösung der Seminare und die Einrichtung staatlicher Aufbauschulen in ihren Gebäuden jetzt geregelt werden muß. Ich glaube, daß Sie den größten Teil des Erlasses, der sich mit technischen Problemen befaßt, ungelesen lassen können, und bitte, Ihre Aufmerksamkeit im wesentlichen nur auf Ziffer 11 des Erlasses (Seite 10 ff.) lenken zu dürfen. Durch die in Ziffer 11 enthaltene Anordnung werden über 500 Leiter und Lehrer der Ostern des Jahres eingehenden Seminare auf Wartegeld gesetzt. Ich habe Bedenken, diese Ziffer des Erlasses meinerseits zu zeichnen, und hatte mich der Finanzverwaltung gegenüber nur bereit erklärt, eine Ankündigung in dieser Richtung zu erlassen, wogegen die Anordnung, die Lehrer auf Wartegeld zu setzen, dem künftigen Unterrichtsminister vorbehalten bleiben sollte. Die Herren der Finanzverwaltung stehen demgegenüber auf dem Standpunkt, daß die Versetzung der Lehrer in den einstweiligen Ruhestand nicht länger hinausgeschoben werden kann. Da ich inhaltlich nach Lage der Sache vollkommen beitreten muß und nur formal, bei der augenblicklich gegebenen staatsrechtlichen Lage, Bedenken habe, diesen Punkt meinerseits abschließend zu zeichnen – den ganzen übrigen Inhalt des Erlasses hätte ich unbedenklich meinerseits gezeichnet -, so ist es eben dieses Punktes wegen notwendig geworden, Sie, hochverehrter Herr Ministerpräsident, um die abschließende Zeichnung des Erlasses zu bitten.

Ich habe geglaubt, Ihnen den Entwurf des Erlasses bereits vor dem Vortrag vorlegen zu sollen.

In aufrichtiger Verehrung Ihr ganz ergebener (CHB)

 

32. MP Otto Braun an C.H.B. Berlin, 4.11.1925

(Maschinenmanuskript)

Persönlich

Herrn Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, hier

In der Anlage überreiche ich Ihnen, verehrter Herr Minister, eine Bewerbung des Lehrers Syttkus aus Mallinken/Ostpreußen um die Schulstelle in Schemionken mit der Bitte, der Angelegenheit Ihre persönliche Aufmerksamkeit zuwenden zu wollen. Wie mir aus Ostpreußen mitgeteilt wird, ist die Ablehnung durch die Regierung in Allenstein auf parteipolitische Gründe zurückzuführen. Der zuständige Dezernent bei der Regierung in Allenstein, der Oberregierungsrat Siebert ist ein intimer Freund des Leiters der deutschnationalen Ortsgruppe in Widminnen, Pfarrer Jencio, der bei einer Familienfeier im Hause eines Gutsbesitzers dem dortigen Hauslehrer gegenüber erklärt haben soll, daß der ihm politisch nicht genehme Lehrer Syttkus nicht nach Schemionken hinkomme, dafür werde er schon sorgen. Sachlich scheint mir die Bewerbung durchaus begründet, und nach Lage der Sache wäre es mir auch sehr erwünscht, wenn dem Lehrer Syttkus die Stelle übertragen werden könnte. Es wäre damit der Wunsch einer durch den Krieg schwer heimgesuchten Familie erfüllt, und zudem diesem ostpreußischen deutschnationalen Ortsgewaltigen zum Bewußtsein gebracht, daß sie nicht allein entscheidend sind. Für eine freundliche Mitteilung über Ihre Entscheidung wäre ich Ihnen sehr verbunden sein. (gez.) Braun.

 

33. A. Oestreicher MdL an MP Otto Braun Berlin, 17.3.1926

Herr Ministerpräsident,

darf ich mir erlauben hierdurch an die von uns besprochene Angelegenheit des Schulrats Greff Raynit und der Regierungsratbesetzung K(olberg) zu erinnern

Mit vielen Grüßen A Oestreicher.

Auf der Rückseite:

Der Preußische Ministerpräsident an Minister C.H.B Berlin, 18.3.1926

Urschriftlich (Maschinenmanuskript)

Persönlich

Weitergereicht. Für eine Rücksprache vor der Entscheidung über die Besetzung der in Frage kommenden Stelle würde ich dankbar sein. (gez.) Braun.

Anmerkung Beckers: Herrn ORR Duve, bitte die betreffenden Referenten informieren und mir wieder vorzulegen nach Rückkehr. B. 12.5.

Anmerkung Duves. Herr ORR Leist ist verständigt. Duve 24.5.

 

34. MP Otto Braun an C.H.B. Berlin, 6.5.1926

(Maschinenmanuskript)

Herrn Minister etc.,

In der Angelegenheit betreffend die Besetzung der Stelle eines Regierungsrats in Königsberg/Preußen wäre ich für eine baldige Erledigung meiner Urschrift vom 18. März d.J. dankbar. (gez.) Braun

 

35. MP Otto Braun an C.H.B. Berlin 11.6.1926

(Maschinenmanuskript)

Herrn Minister etc.,

In der Angelegenheit, betreffend die Besetzung der Stelle eines Regierungsrates in Königsberg/Preußen bitte ich nochmals um baldige Erledigung meiner Urschrift vom 18. März d.J.

(gez.) Braun

Anmerkung Duves: Herrn MinDir. Kaestner im Auftrag des Herrn Ministers ergebenst vorgelegt. Duve 16.6.

Anmerkung MinDir. Kortums: Am 22. habe ich Herrn Ministerpräsidenten über den Sachverhalt vorgetragen. Ergebnis: Nach der bevorstehenden Versetzung des Studienrats Bistacke (unleserlich) von Bartenstein nach Oranienburg möge Rektor Ray in Saalfeld zum Schulrat in Bartenstein ernannt und bei nächster Vakanz einer Regierungsschulratstelle versetzt werden, so daß (?) Requit als Regierungsrat für Königsberg in Frage kommen kann. Die Sache wird bei U III verfaßt werden? Dürfte einstweilen erledigt sein. K. 22.6.

Anmerkung Beckers 23.6.

Herrn MinDir. Kortum: Einverstanden, erbitte Erinnerung. B 23.6. Gesehen: K.24.6.

 

36. C.H.B. an Otto Braun (Berlin), 30.12.1926

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Ministerpräsident!

Mit Schrecken höre ich, daß Sie ein neuerlicher Unfall betroffen hat. Da drängt es mich,

Ihnen von Herzen gute Besserung zu wünschen. Damit möchte ich zugleich meine besten Glückwünsche zum neuen Jahre verbinden. Auch Ihrer Frau Gemahlin bitte ich mich und meine Frau freundlichst empfehlen zu wollen. Hoffentlich sind Sie bald nach dem Jahreswechsel wieder wohlauf in unserer Mitte. Ich persönlich danke Ihnen besonders für die mir

auch im vergangenen Jahre allzeit bewiesene Unterstützung. Auf dem Rücken des armen Kultusministers werden manche der großen geistigen Kämpfe ausgepaukt, die sich nun einmal aus den Spannungsverhältnissen in unserem Volke ergeben. Da war ich oft dankbar erfreut über das Verständnis dieser Situation, dem ich immer bei Ihnen begegnet bin.

In bekannter hoher Verehrung Ihr ergebenster (CHB)


Kontroverse um das Ostprogramm


37. C.H.B. an MP Otto Braun. Berlin, 16.7.1927

(Maschinenkopie eines Persönlichen Schreibens des Herrn Ministers.)

Vertraulich

Hochverehrter Herr Ministerpräsident!

Unter Rückreichung des Schreibens des Herrn Ministers des Innern vom 13. Mai d.J. –III O.I.622 nebst Anlage – teile ich Ihnen folgendes ganz ergebenst mit:

Es ist zutreffend, daß von den auf mein Ressort entfallenden Mitteln des Sofortprogramms für 1926 2% als Reservefonds verwendet worden sind. Diese Regelung hat sich als durchaus sachgemäß erwiesen. Da nämlich einerseits die Verwendung der Reichsmittel nach dem vom Reich aufgestellten allgemeinen Richtlinien den preußischen Ressorts überlassen bleiben sollte, andererseits nach der überhasteten Art der Vorbereitung die Projekte noch nicht voll durchgearbeitet sein konnten, erschien es geradezu notwendig, einen Teilbetrag in Reserve zu halten.

In diesem Sinne ist die Angelegenheit wiederholt im Reichsministerium des Innern vertreten worden. Der Vertreter des Herrn Reichsministers des Innern, Ministerialdirektor Dr. Dammann, hat nach wiederholten Erörterungen trotz gewisser Bedenken zugestimmt, wobei er lediglich den selbstverständlichen Vorbehalt machte, daß auch die Verfügung über diesen Reservefonds sich im Rahmen des Sofortprogramms zu halten habe. Bereits durch Schreiben vom 15. November 1926, II 10251 B., hatte übrigens der damalige Herr Reichsminister persönlich wegen Unterstützung des Oberschlesienfilms auf diesen Reservefonds verwiesen.

Was die hier zur Sprache gebrachten Zuschüsse für die Oper, die Vereinigten Schauspiele und das Landesorchester Breslau angeht, so ist zu bemerken, daß ein Abzug an der für das Landesorchester bewilligten Beihilfe von 80 000 RM überhaupt nicht erfolgt ist. Die in dem Schreiben des Herrn Reichsministers des Innern vom 9. April d.J. angegebene Differenz von 80 000 RM – 53 000 RM = 27 000 RM erklärt sich daraus, daß diese 27 000 RM bereits bei Bereitstellung der Reichsmittel vorschußweise aus preußischen Mitteln gezahlt worden waren, eine Zahlung, die selbstverständlich auf die Reichsmittel zu verrechnen waren.

Die bei der Oper und den Vereinigten Schauspielen in Breslau einbehaltenen Beträge von 6000 RM + 1000 RM = 7000 RM sind zu dem Reservefonds geflossen. Es handelt sich hierbei um ganz geringfügige Beträge. Außerdem hat der hiesige Ostreferent dem Regierungsrat D. Hamburger , MdL, aus Breslau, der die in Rede stehenden Interessen sowohl in Breslau als im Ostausschuß des Landtags vertritt, bereits vor Wochen über die Gründe der Einbehaltung jenes Reservefonds und die dabei in Betracht kommenden Verwendungszwecke Aufklärung gegeben. Der Regierungspräsident von Breslau ist gleichfalls unter dem 23. März d.J. entsprechend benachrichtigt worden. Seitdem ist weder Dr. Hamburger noch ein anderer Interessent auf die Angelegenheit zurückgekommen.

Bezüglich der ostpreußischen und oberschlesischen Theater, bei denen der 2%ige Abzug gleichermaßen erfolgt ist, sind Beschwerden überhaupt nicht hervorgetreten.

Hiernach nehme ich an, daß das Schreiben des Herrn Ministers des Innern vom 13. Mai d.J. überholt ist.

Wenn in diesem Schreiben geltend gemacht wird, daß die bei dem Kultusministerium erfolgte Bildung eines Reservefonds bei der Reichsregierung ein Mißtrauen gegen die Preußische Regierung hervorgerufen und die Ablehnung des preußischen Vorschlages auf eine Überweisung der Reichshilfe en bloc bewirkt habe, so muß ich dies, soweit ich die Dinge irgendwie kenne, nachdrücklich zurückweisen.

Wenn allerdings weiter in interessierten Kreisen die Meinung vorübergehend aufgetreten ist, es handele sich bei dem Abzuge der 2% um eine „Bankprovision“, oder wenn nach einer vor kurzem erfolgten Äußerung der zuständige Abteilungsleiter des Preußischen Ministeriums des Innern Zweifel hegte, ob die 2% überhaupt im Sinne des Ostprogramms oder für andere Zwecke des hiesigen Ministeriums Verwendung finden, so handelt es sich hierbei um Irrtümer, die unschwer zu widerlegen sind.

Ich möchte danach annehmen, daß gegenwärtig nichts zu veranlassen ist, die weiteren Erörterungen vielmehr für die Verhandlungen über das Ostprogramm 1927 vorzubehalten sind.

In ausgezeichneter Hochachtung und aufrichtiger Verehrung Ihr sehr ergebener (CHB 15.7.)

Anlage: Entwurf durch Trendelenburg für Minister Becker vom 5.7.1927 (nicht abgedruckt, da von Becker weitgehend verwendet.)

Anmerkung: Bitte um Entwurf eines vertraulichen Schreibens an den Herrn Ministerpräsidenten. B. 13.7.

 

38. C.H.B. an MP Otto Braun. Marienbad, 28.8.1927

(am 30.8. durch Herrn MR Landé zum Abgang gebracht)

(Maschinenkopie)

Eigenhändig!

Hochverehrter Herr Ministerpräsident!

Ich habe soeben die Denkschrift über das Reichsschulgesetz, die ich hier eine ganze Woche lang mit meinen Referenten durchberaten habe, gezeichnet. Sie ist sehr umfangreich, aber stellt die ganze Problematik klar und bringt eindeutige Vorschläge zu einer alle Teile befriedigenden Lösung. Sie ist ganz auf Versöhnung gestellt, ohne etwa Konzessionen an den Konfessionalismus zu machen.

Ganz vertraulich will ich je ein Exemplar auch an Marx und Keudell persönlich gelangen lassen; denn alles kommt darauf an, daß wir uns mit dem Reichskabinett verständigen. Wie die Sachen einmal liegen, fällt die Entscheidung im Preußischen Kabinett, da unsere Zentrumskollegen doch nur in Fühlungnahme mit Marx stimmen werden. Wäre es da nicht viel praktischer und würdiger, wir bildeten einen Ausschuß der beiden Kabinette, die sich vielleicht unter Zuziehung der führenden Parlamentarier verständigten? Dann wäre der Beschluß des Preußischen Kabinetts die Garantie für die Verwirklichung. Ich bin am 12.ten in Berlin zurück, dann müßten bald diese Verhandlungen hinter den Kulissen beginnen.

Zu Ihrer Informierung bemerke ich noch, daß der Verfasser der Denkschrift MinRat Landé ist, ein Sozialist und zugleich wissenschaftlich und praktisch seit Jahren einer der besten Kenner der Materie. Die politische Einleitung habe ich selbst geschrieben. Wenn Sie persönlich noch nähere Informationen brauchen, lassen Sie sich bitte Landé kommen, der auch mit dem Vertreter der preußischen Landtagsfraktion sich ständig in Fühlung gehalten hat. Natürlich sind auch alle anderen Weltanschauungen im Ministerium ausführlich gehört worden. Einiges zum Abhandeln habe ich aus taktischen Gründen mit hineingenommen. Jedenfalls glaube ich, daß wir mit unserem Votum nach rechts wie nach links ein gut Stück vorwärts gekommen sind.

In bekannter hoher Verehrung Ihr ergebenster (gez.) Becker.

 

39. MP Otto Braun an C.H.B. in Marienbad. Berlin, 1.9.1927

(Maschinenmanuskript)

Persönlich

Sehr verehrter Herr Kollege

Haben Sie vielen Dank für Ihre Zeilen vom 28.vorigen Monats. Inzwischen habe ich auch die Denkschrift in 3 Exemplaren erhalten, bin indes noch nicht dazu gekommen, sie durchzusehen. Gegen Ihre Absicht, die Denkschrift schon vor Verabschiedung im preußischen Kabinett Marx und von Keudell persönlich zugehen zu lassen, habe ich schwere Bedenken. Ob sich im späteren Verlauf der Bearbeitung des Schulgesetzes die Basis für ein gemeinsames Vorgehen der beiden Kabinette ergeben wird, möchte ich dahingestellt sein lassen. Jedenfalls wird durch eine vorzeitige Bekanntgabe Ihrer, des preußischen Ressortministers, Stellungnahme die Position der preußischen Regierung der Reichsregierung gegenüber nicht gestärkt. Auch will es mir zweifelhaft erscheinen, ob es zweckmäßig ist, bevor die Vorlage an den Reichstag gelangt, bereits im Stadium der Reichsratsverhandlungen Parlamentarier der verschiedensten Parteien zur Mitarbeit heranzuziehen. Doch darüber können wir nach Ihrer Rückkehr noch sprechen. Immerhin würde ich Sie bitten, auch in Fragen der taktischen Behandlung der Vorlage sich nach keiner Richtung hin festzulegen.

Mit den besten Wünschen für eine gute Erholung verbleibe ich in alter Hochschätzung mit kollegialen Grüßen Ihr sehr ergebener (gez.) Braun.

 

40. C.H.B. an MP Otto Braun. Marienbad, 2.9.1927

(Maschinenkopie 2.Fassung)

Hochverehrter Herr Ministerpräsident!

Verbindlichen Dank für Ihr freundliches Schreiben, das ich soeben erhalte. Ich hatte angeordnet, daß der Brief an Sie einige Tage früher abgehen sollte, als die Übersendung der Denkschrift an Marx und Keudell. Ich hatte angenommen, Sie würden eventuell Herrn Landé antelephonieren lassen, wenn Sie Bedenken hätten. Inzwischen sind aber die beiden Briefe leider abgegangen. Immerhin halte ich die Tatsache, daß Marx nicht amtlich, sondern persönlich die Denkschrift mit der Bitte um strikteste Geheimhaltung von mir erhalten hat, für durchaus unbedenklich, ja sogar für ein entspannendes Moment., da unsere Zentrumskollegen doch gar nicht umhin können werden, eines der ihnen überwiesenen drei Exemplare sofort mit Marx und mit Heß zu beraten, ebenso wie ich von Anfang an Landé beauftragt hatte, wenigstens in der Sache mit König in Fühlung zu bleiben. HöpkerAschoff, mit dem ich hier alles gründlich durchberaten habe, kam immer wieder darauf zu sprechen, wie sehr er es begrüßen würde, wenn meine Denkschrift durch Indiskretion in die Öffentlichkeit gelangte. Dazu habe ich mich natürlich nicht hergeben wollen, aber ich bin allerdings auch der Meinung,

  • erstens daß die Denkschrift die preußische Position nur stärken wird und
  • zweitens, daß bei dem großen Interesse der Öffentlichkeit an dieser Frage eine in drei Exemplaren an jedes Ministerium versandte Denkschrift heutigen Tages nur noch durch ein Wunder geheim bleiben kann.

Aus diesem Grunde habe ich der Denkschrift den versöhnlichen politischen Vorspruch gegeben, weil, wenn aus diesem umgangreichen Material etwas durch Indiskretion veröffentlicht wird, natürlich zunächst diese Einleitung abgedruckt werden würde und damit nicht eine mehr oder weniger uns festlegende Einzelformulierung, sondern zunächst die uns vollkommen die Hände offenlassende feste aber zugleich versöhnliche und zum Verhandeln bereite Stellungnahme bekannt werden würde.

Herr von Keudell hat, wie die Dinge liegen, gar kein Interesse daran, eine Indiskretion zu begehen und er damit mein gentlemanlikes Vertrauen in der schnödesten Weise enttäuschen. Ich halte das für vollkommen ausgeschlossen. Viel weniger sicher bin ich mir des Zentrums, aber hier war eine gewisse Gefahr im Verzuge. Mir lag daran, daß Marx für seine Person schon vor dem Dortmunder Katholikentag Bescheid wußte, um den sonst dort vielleicht energisch auftretenden Bischöfen etwas politische Nüchternheit entgegen halten zu können, denn wenn schon ich, als der Zentrumsfreundlichkeit verdächtiger Ressortminister so ernste Bedenken gegen die Vorlage äußere, so ist ohne Weiteres klar, daß die Linke noch ganz anders denken muß. Mit Höpker habe ich verabredet, daß er scharf über mich votieren wird, damit mein Votum schließlich als die gesunde Mittellinie übrig bleibt, auf der man sich einigen kann.

Es ist ja wenig erfreulich, daß diese Angelegenheit so durchgehetzt werden muß und daß ich hier in Marienbad und Sie in Berlin sitzen, aber ich glaube bisher in allen Einzelheiten im Sinne Ihrer Politik gehandelt zu haben. Höpker war sehr dafür, möglichst bald auch die Volkspartei mit der Denkschrift bekannt zu machen, da sie auf die Reichsregierung in unserem Sinne drücken würde. Es ist für die Volkspartei eine Lebensfrage, das preußische Votum zu stützen. Bei der Abwesenheit von Stresemann schien mir Curtius als geeignete Mittelsperson, aber ich habe natürlich nichts unternommen und werde auch nichts unternehmen ohne vorherige Fühlungnahme mit Ihnen. Vielleicht nehmen Sie einmal Gelegenheit mit Höpker über die Angelegenheit zu sprechen, der sich in die Materie sehr gut eingearbeitet hat und bei Eintreffen dieses Briefes wieder in Berlin ist.

Da ich annehme, daß am Dienstag, wie regelmäßig, die Staatsministerialsitzung stattfindet, werde ich meine Kur so abschließen, daß ich spätestens Dienstag den 13. in Berlin bin. Die nächste Woche wollte ich gern noch hier meine Kur vollenden, die mir ehrlich gesagt über Erwarten gut zu tun scheint.

Die zum 1. Oktober in Aussicht gestellte Neuordnung des Studentenrechts hat durch meine und meiner Referenten Urlaubsreisen leider eine gewisse Verspätung erfahren. Ich erwarte heute Ministerialdirektor Richter zum Vortrag und Sie werden die Sache dann sofort erhalten. Ich wäre sehr dankbar, wenn diese Verordnung im Staatsministerium beschleunigt verabschiedet werden könnte. Meine persönliche Anwesenheit ist dabei nicht nötig, aber die Beschlußfassung wird ja wohl kaum vor dem 13. September stattfinden können und dann kann ich die Sache ja selbst vertreten. Jedenfalls wäre ich dankbar, wenn die Verordnung spätestens auf die Tagesordnung des 13. gesetzt werden könnte.

Mit verbindlichen Grüßen bin ich in bekannter hoher Verehrung Ihr sehr ergebener (CHB)

 

41. C.H.B. an MP Otto Braun Berlin, 21.9.1927

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Ministerpräsident!

Auf Ihre heutige telefonische Anfrage über das Historische Institut in Rom beehre ich mich, Ihnen mitzuteilen, daß die Übersendung des neuen Satzungsentwurfs für das Institut bisher unterlassen worden ist, weil eine Mitwirkung des zurzeit noch dienstlich abwesenden zuständigen Ministerialdirektor und künftigen Vorsitzenden des Kuratoriums geboten erscheint.

Ich habe Vorsorge getroffen, daß der Satzungsentwurf Ihnen in der kommenden Woche zugeht.

In bekannter hoher Verehrung Ihr sehr ergebener (gez.) B. 21

 

42. C.H.B. an MP Otto Braun. Berlin, 10.11.1927

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Ministerpräsident!

In der Angelegenheit der Rektoren Rinck und Schmidt in Wittenberge beehre ich mich, ergebenst mitzuteilen, daß der Rektor Rinck mit Wirkung vom 1. November d.J. ab von Wittenberge nach Neuruppin versetzt worden ist. Die Sache hat damit eine nach Mitteilung der Herren Abgeordneten König und Siering auch die Landtagsfraktion der SPD befriedigende Erledigung gefunden.

In bekannter hoher Verehrung Ihr sehr ergebener (CHB)

 

43. Carl Heinrich Becker (Berlin, November 1927??)

Handschriftliche Notiz ohne Empfängerangabe, wohl Entwurf für den folgenden Brief von MP Braun an den Reichskanzler, auf einem kleinen Briefbogen für ein Mitglied des Preußischen Landtags.

Das Preußische Staatsministerium nimmt gern davon Kenntnis, daß die Reichsregierung als solche in der Studentenangelegenheit keinerlei Stellung genommen hat, daß das Sympathie-telegramm des Herrn Reichsinnenministers also eine rein private Angelegenheit des Herrn von K(eudell?) gewesen ist. Bei aller Anerkennung der verfassungsmäßigen Rechte und vor allem jedes Abgeordneten auf freie Meinungsäußerung, kann das Preußische Staatsministerium es nicht für zweckvoll erachten, daß die Minister des Reiches oder Preußens von diesem Rechte Gebrauch machen, wenn sie damit die Politik der anderen Regierung erschweren. Als Mindestforderung darf wohl der Wunsch ausgesprochen werden, daß ein Minister vor Stellungnahme sich bei der zuständigen Stelle über die Sachlage informiert.

Herrn von K(eudell) war persönlich jede erwünschte Auskunft angeboten worden, sie wurde aber leider nicht eingeholt, vielmehr einseitig mit der student(ischen) Opposition Fühlung gehalten. Das war um so bedauerlicher, als dadurch gerade diejenigen Kreise gestärkt wurden, gegen die Preußen (und zwar nicht nur die Regierung, sondern auch der Landtag und der Staatsrat) im Interesse der Durchsetzung der Reichsverfassung vorzugehen genötigt war.

Die große Beunruhigung der Öffentlichkeit, die durch das Telegramm des Herrn von K(eudell) entstanden ist, dürfte zur Genüge beweisen, daß durch derartige Privataktionen weder die Autorität der beteiligten Regierungen gestärkt, noch die doch von beiden Kabinetten gewünschte vertrauensvolle Zus(ammen)arbeit zwischen dem Reich und Preußen gefördert wird. Das Pr(eußische) St(aatsministerium) darf deshalb wohl als Ergebnis dieses Briefwechsels feststellen, daß eine Wiederholung derartiger Vorkommnisse von beiden Kabinetten als unerwünscht betrachtet wird.

 

44. MP Otto Braun an den Reichskanzler Berlin, 30.11.1927

(Maschinenkopie)

Hochgeehrter Herr Reichskanzler!

Der Herr Reichsminister des Innern hat zur Kundgebung der Deutschen Studentenschaft, die am vorigen Sonntag, den 27. d.M., gegen das Preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung stattgefunden hat, an den Vorstand der Deutschen Studentenschaft nach unwidersprochen gebliebenen Zeitungsnachrichten folgendes Telegramm gerichtet:

  • Im Geist unter Ihnen in innerer Verbundenheit bekennt sich erneut zu Ihnen mit herzlichen Grüßen und Wünschen

Von Keudell

Auf Erkundigungen bei den zuständigen Stellen des Reichsinnenministeriums ist die Tatsache der Absendung des Telegramms bestätigt, allerdings hinzugesetzt worden, daß man den authentischen Wortlauf nicht kenne, daß er aber dem Sinn der oben angeführten Depesche entspreche.

Ich muß bei Ihnen, hochgeehrter Herr Reichskanzler, auf das entschiedenste dagegen Verwahrung einlegen, daß ein Mitglied der Reichsregierung in einer Frage, die die preußischen Hochschulen und Studentenschaften aufs tiefste erregt und die Hochschulen in heftige politische Kämpfe hineinzuziehen droht, gegen die verantwortliche preußische Regierungspolitik in einer Weise öffentlich Stellung nimmt, die sich mit dem gegen das Preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung gerichteten Angriffen identifiziert. Ich muß hierin wie jedermann eine starke Brüskierung der Politik der Preußischen Regierung erblicken, um so mehr, als der Herr Reichsminister des Innern bereits mehrfach studentische, insbesondere völkische Gruppen, die gegen die Preußische Regierung Stellung genommen haben, in ihren Angriffen durch seine Haltung ostentativ bestärkt hat.

Da sich eine derartige Einstellung des Herrn Reichsministers Dr. von Keudell mit ausgesprochener Spitze gegen die Preußische Regierung auch schon bei anderen Gelegenheiten bemerkbar gemacht hat, so darf ich Sie, Herr Reichskanzler, ergebenst bitten, dafür Sorge zu tragen, daß sich derartige Fälle unter keine Umständen wiederholen, da die Preußische Regierung andernfalls sich zu ihrem Bedauern genötigt sehen würde, jeden dienstlichen Verkehr mit dem Herrn Reichsminister Dr. von Keudell abzubrechen.

In bekannter Hochachtung und Verehrung Ihr (gez.) Braun.

 

45. C.H.B. an MP Otto Braun. (Berlin), 23.3.1928

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Ministerpräsident!

Obwohl es mir aus allgemein politischen Erwägungen nicht unbedenklich erschien, aus einer pommerschen Kleinstadt einen wirklich republikanisch gesinnten Studienrat zu versetzen, habe ich doch versucht, den Studienrat Dr. Berndt in Dramburg wunschgemäß anderswo unterzubringen, da seiner Frau das Klima Pommerns nicht zuträglich ist. Zu meinem lebhaften Bedauern hat sich eine Versetzungsmöglichkeit bisher nicht ergeben. Ich werde die Angelegenheit aber im Auge behalten.

Den mir seinerzeit übergebenen Brief1 nebst Anlage gestatte ich mir, wieder beizufügen.

In bekannter hoher Verehrung Ihr sehr ergebener (CHB)

 

46. MP Dr. Otto Braun an C.H.B. Berlin, 7.6.1928

(Maschinenmanuskript)

Sehr verehrter Herr Kollege!

Anliegend überreiche ich Ihnen einen Entwurf zu der Regierungserklärung, die ich am Sonnabend im Landtage namens der Staatsregierung abzugeben gedenke. Der Entwurf, den ich erst schnell diktiert habe, bedarf noch der Durcharbeitung. Ich wollte Sie nur bitten, den auf Ihr Ressort bezüglichen Passus durchzusehen und aus Ihrer eingehenderen Kenntnis der Verhältnisse ihn vielleicht etwas, aber im Rahmen der Gesamtrede hineinpassend, zu präzisieren. Detailfragen könnten nur erwähnt werden, wenn es ganz besonders aktuelle und wichtige für die zukünftige Politik sind. Doch muß ich dringend bitten, da die Erklärung möglichst kurz gehalten werden soll, über den Raum nicht wesentlich hinauszugehen. Sodann würde ich

Ihnen, sehr verehrter Herr Kollege, sehr dankbar sein, wenn ich den Entwurf mit Ihren evtl. Änderungen und Anregungen bis heute Abend erhalten könnte. Auch darf ich wohl als selbstverständlich voraussetzen, daß Sie den Entwurf ganz vertraulich behandeln und ihn rein persönlich bearbeiten.

Mit ergebensten kollegialen Grüßen Ihr (gez.) Braun

Anhang:

Entwurf zur Regierungserklärung des MP Dr. Braun, Juni 1928

Die eben vollzogenen Neuwahlen zum Preußischen Landtage haben in diesem hohen Hause für die bisherige Regierungskoalition und damit für die Regierung eine Mehrheit ergeben. Damit hat die bisher geübte Regierungspolitik die Billigung der Mehrheit der Wählerschaft gefunden. Dieses billigende Volksurteil würde zweifellos noch klarer und wuchtiger ausgefallen sein, wenn die preußischen Landtagswahlen nicht zusammen mit den Reichstagswahlen, sondern gesondert stattgefunden hätten.

Die Regierung hat noch vor den Wahlen in den letzten Tagen der Verhandlungen des Landtages diesem und damit der preußischen Wählerschaft einen kurzen Abriß über ihre Politik in der zu Ende gegangenen Legislaturperiode des Landtages gegeben, der infolge meiner durch Krankheit verschuldeten Verhinderung von dem Herrn Wohlfahrtsminister dem hohen Hause vorgetragen wurde. Die preußischen Wählerinnen und Wähler waren daher in der Lage, in voller Kenntnis der Ergebnisse der Regierungspolitik ihre Entscheidung am Wahltage zu treffen. Leider ist dieser Rechenschaftsbericht der Regierung nicht in alle Kreise der Wählerschaft gedrungen, da zahlreiche, vornehmlich rechtsstehende Blätter in Verkennung ihrer journalistischen Pflicht den Abdruck der Regierungserklärung unterlassen und damit ihren Lesern vorenthalten haben. Die Regierung war daher gezwungen (von Becker eingeklammert: um dieser journalistischen Sabotage wenigstens einigermaßen entgegen wirken zu können)

auf andere Weise und auch unter Aufwendung von Staatsmitteln dem Bericht die weitmöglichste Verbreitung zu geben.

Wenn dieses Vorgehen der Staatsregierung von den Oppositionsparteien in der Presse und in Versammlungen kritisiert und als Wahlbeeinflussung bezeichnet worden ist, so muß ich demgegenüber erklären, daß von letzterem keine Rede sein kann. Im Gegensatz zu dem früheren Regime liegen die Dinge heute so, daß die Staatsregierung in ihrer Gesamtheit und die einzelnen Minister nicht mehr einem Monarchen verantwortlich und in ihrer Stellung von dessen Vertrauen abhängig sind, sondern daß sie heute, wo nach der Verfassung die Staatsgewalt vom Volke ausgeht, als wahre Diener des Volkes diesem für ihre Tätigkeit verantwortlich sind und nur so lange im Amte bleiben können, als sie das Vertrauen der Mehrheit des Volkes, das durch die Volksvertretung bekundet wird, haben. Sie haben daher nicht nur das Recht, sondern vielmehr die Pflicht, dem Volke, insbesondere vor der Wahl, Rechenschaft abzulegen über ihre Tätigkeit und, wenn nicht alle Zeitungen (von Becker eingeklammert: ihre journalistische Anstandspflicht erfüllen und) ihren Lesern von diesem Bericht Kenntnis geben, ihn auf andere geeignete Weise zur Kenntnis des Volkes zu bringen.

In diesem Vorgehen kann schon deshalb keine Wahlbeeinflussung erblickt werden, weil der Rechenschaftsbericht keine Aufforderung zur Wahl bestimmter Parteien enthält, sondern den Wählern lediglich Tatsachen unterbreitet, wodurch es ihnen ermöglicht werden soll, sich ein Urteil über die Politik der Regierung zu bilden und am Wahltage ihre Entscheidung zu treffen.

In dieser Entscheidung am 20. Mai d. Js. hat sich die Wählerschaft mit Mehrheit für die Politik der Preußischen Regierung ausgesprochen, sodaß für die Regierung kein Anlaß vorliegt, von ihrem Amte zurückzutreten.

Die Regierung wird vielmehr, gestärkt und in ihrer Auffassung von der Richtigkeit ihrer

Politik bekräftigt, diese Politik unbeirrt fortsetzen. Es ist das die Politik, die die Preußische Regierung seit März 1920, wo ich zum ersten Male die Ehre hatte, ein neues preußisches Kabinett diesem hohen Hause vorzustellen, konsequent und zielklar getrieben hat. Es bedarf daher keines neuen Regierungsprogramms, sondern die Richtlinien der Politik, die in den 8 Jahren, wo ich die Ehre habe, mit kurzen Unterbrechungen, die preußischen Regierungsgeschäfte zu führen, zielweisend waren, werden auch in Zukunft für die Tätigkeit der Regierung maßgebend sein.

Wie sich diese Richtlinien praktisch ausgewirkt haben, ist aus den zahlenmäßigen Angaben der zusammenfassenden Darstellung, die Herr Minister Hirtsiefer am 27. März d. Js. dem hohen Hause vorgetragen hat, klar ersichtlich.

Die Regierung wird demnach auch in Zukunft mit besonderer Sorgfalt und Dringlichkeit daran arbeiten, den Teilen des preußischen Volkes, die besonders unter der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse leiden, im Rahmen des praktisch Möglichen nach Kräften beizustehen.

  • Das sind einmal jene breiten Massen des um seine Existenz schwer ringenden und durch den Krieg und seine Folgen vielfach verarmten Mittelstandes
  • und weiter die Riesenheere der Industrie- und Landarbeiterschaft, die stets am ersten und schwersten von Konjunkturschwankungen, von dem Steigen der Preise für Konsumgüter und von Absatzschwierigkeiten der heimischen Industrie und Landwirtschaft betroffen werden.
  • Vor allem wird die Regierung konsequent mit dem Ziel der Produktionssteigerung ihre die Landwirtschaft fördernde Tätigkeit fortsetzen, um die jetzt schwer unter der umfangreichen Agrarkrise leidenden landwirtschaftlichen Bevölkerung über die sich aus dieser Krise ergebenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten hinwegzubringen.
  • Die Regierung wird auch weiter ihren Einfluß in gewissen, für die Allgemeinheit wichtigen Betriebs-Unternehmungen ausbauen und erweitern, nicht um Staatsmonopole zuschaffen, sondern vielmehr um die für die Allgemeinheit schädlichen Auswirkungen sich anbahnender Privatmonopole zu vereiteln.
  • Sie wird auch in der sozialen Fürsorge nicht erlahmen und vor allem wie bisher der Bekämpfung der Wohnungsnot ihre größte Aufmerksamkeit zuwenden. Da die Wohnungsnot nur wirksam und nachhaltig durch umfangreichen Neubau von Wohnungen bekämpft werden kann, wird die Regierung vor allem die Neubautätigkeit nach Maßgabe der ihr zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel weiter fördern.
  • Auch die kulturelle Hebung unseres Volkes soll durch die planmäßige Fortsetzung der auf weite Sicht berechneten Neugestaltung unseres gesamten Schul- und Bildungswesens weiter gefördert werden. (Einschub Beckers: Insbesondere wird sich die Staatsregierung einer tatkräftigen Förderung aller Begabungen angelegen sein lassen.)
  • Denn nicht nur durch die wirtschaftliche, sondern auch durch die geistige Hebung des Volkes wird jener Lebensstand erreicht, der nicht nur in der Steigerung der wirtschaftlichen Leistungen und damit des materiellen Wohlstandes, sondern auch in der Hebung des geistigen und ethischen Niveaus des Volkes und damit auch in einem Rückgang der Kriminalität und somit in einer der Justizveraltung erwünschten Entlastung der Strafrechtspflege seinen Ausdruck findet.
  • Die Justizverwaltung wird in ihren Reform-Maßnahmen auf dem bisher beschrittenen Wege fortfahren, der auf das Ziel gerichtet ist, die Rechtsprechung mit dem Rechtsempfinden des Volkes weitgehendst in Einklang zu bringen.
  • Auch in der inneren Verwaltung wird die Staatsregierung den alten Kurs konsequent fortsetzen, der darauf gerichtet ist, die heutige Staatsform zu befestigen und in allen Zweigen der Staatsverwaltung zur restlosen Auswirkung zu bringen.
  • Es wird weiter an der Verwaltungsreform mit dem Ziel der Vereinfachung und Sparsamkeit gearbeitet werden, wie überhaupt die sich immer schwieriger gestaltende Finanzlage des Reiches, die auch bei der Verbundenheit der Finanzen des Reiches, der Länder und Gemeinden in den letzten Jahren ihre Auswirkung erfährt und für die Zukunft die größtmöglichste Sparsamkeit gebieterisch zur Pflicht macht.
  • Die Staatsregierung wird daher nach wie vor bemüht sein, die steuerliche Belastung der Wirtschaft mit deren Leistungsfähigkeit in Einklang zu halten und ihren Einfluß auf die Gestaltung des endgültigen Finanzausgleichs zwischen Reich, Länder und Gemeinden, der nun doch endlich kommen muß, dahin geltend zu machen, daß den Ländern und Gemeinden eine festere finanzielle Grundlage für eine längere Zeit gewährleistet werde.
  • Im Verhältnis zwischen Reich und Ländern wird die Staatsregierung, das Primat des Reiches anerkennend, doch die verfassungsmäßigen Rechte und Interessen Preußens auch in Zukunft mit Nachdruck vertreten. Preußen hat stets treu zum Reiche gestanden und wird auch diese Haltung in Zukunft einnehmen. Es muß indes verlangen, daß es in lebenswichtigen Fragen vom Reiche nicht schlechter behandelt wird, als andere Länder.
  • Die Außenpolitik, die in den letzten Jahren von der Reichsregierung getrieben wurde, hat stets die Unterstützung der preußischen Regierung gefunden, und wenn sie sich weiter auf der gleichen Linie der Völkerverständigung und des friedlichen Ausgleichs bewegt, wird sie von der Staatsregierung mit Nachdruck unterstützt werden. Die Staatsregierung glaubt dadurch insbesondere auch der Bevölkerung jener preußischen Gebietsteile, die noch heute unter fremder Besatzung leben müssen, und denen ich auch bei dieser Gelegenheit den Gruß der Staatsregierung entbiete, am besten zu dienen.
  • Die endgültige Lösung des Reparationsproblems, die über kurz oder lang kommen muß, wird an die Wirtschaft und die Finanzen des Reiches und der Länder große Anforderungen stellen, die Regierungen und Parlamente vor große wichtige Aufgaben stellen. Diese Aufgaben können nur gelöst werden, wenn alle Teile des Volkes sich unbeschadet ihrer parteipolitischen und weltanschaulichen Gegensätze zu gemeinsamer Arbeit zusammenfinden.
  • Sollten daher, außer den derzeitigen Regierungsparteien, Parteien dieses hohen Hauses, die zu dem heutigen Staat positiv eingestellt und bereit sind, an der Festigung und dem Ausbau der heutigen verfassungsrechtlichen Verhältnisse mitzuwirken, sich zur loyalen Mitarbeit in der Regierung bereit finden, dann werden die Regierungsparteien und die Staatsregierung zu gegebener Zeit nicht abgeneigt sein, in eine Beratung über die Erweiterung der Regierungsbasis einzutreten.2

Die Preußische Staatsregierung geht, gestärkt und ermutigt durch das Vertrauensvotum der Wähler, die nicht in den mannigfachen Versprechungen der zahlreichen kleinen Parteien sondern in der Fortsetzung der bewährten preußischen Staatspolitik der letzten 9 Jahre die Gewähr für eine bessere Zukunft unseres Landes erblicken, an die schwere verantwortungsvolle Arbeit, für die sie die tatkräftige Mitarbeit und das Vertrauen dieses hohen Hauses erbittet.

Damit begrüße ich namens der Staatsregierung den neuen Landtag bei seinem ersten Zusammentritt auf das wärmste und hoffe mit Ihnen, meine Damen und Herren, auf ein gedeihliches und vertrauensvolles Zusammenwirken zum Wohle des preußischen Landes und Volkes und damit zum Nutzen und Frommen auch des größeren Ganzen des gesamten deutschen Vaterlandes.

 

47. C.H.B. an MP Otto Braun. (Berlin), 7.6.1928

(Maschinenkopie)

Sehr verehrter Herr Ministerpräsident!

Mit dem Entwurf der Regierungserklärung, den Sie mir heute übersandten, bin ich gern einverstanden; nur möchte ich empfehlen, die Ausführungen auf Seite zwei und drei des Entwurfes, die die Notwendigkeit einer Veröffentlichung der damaligen Regierungserklärung darlegen, etwas zu kürzen, andernfalls aber den Halbsatz „um dieser journalistischen Sabotage wenigstens einigermaßen entgegen wirken zu können“ auf Seite zwei und die Worte „ihre journalistische Anstandspflicht erfüllen und“ auf Seite drei zu streichen, da meines Erachtens das sachlich Notwendige deutlich genug gesagt ist, und man es vielleicht vermeiden sollte, in dieser Angelegenheit allzu polemisch zu werden.

Einige Anregungen, die ich für den Absatz, der die Kulturpolitik betrifft, an sich zu geben hätte. möchte ich, um den Rahmen der Regierungserklärung nicht zu erweitern, zurückstellen, wäre Ihnen jedoch sehr dankbar, wenn Sie auf Seite sieben hinter die Worte „gefördert werden“ den kurzen Satz einschieben würden: „insbesondere wird sich die Staatsregierung eine tatkräftige Förderung aller Begabungen angelegen sein lassen“.

Mit dem Ausdruck meiner aufrichtigen Hochachtung bin ich Ihr sehr ergebener (CHB).

 

48. C.H.B. an MP Otto Braun (Berlin), 24.6.1929

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Ministerpräsident!

Ich habe die Angelegenheit des Professors Löwe in Kiel nachgeprüft. Es trifft nicht zu, daß Professor Löwe dreimal zum ordentlichen Professor vorgeschlagen und trotzdem nicht berücksichtigt sei. Vielmehr hatte die Kieler Fakultät beantragt, daß für Löwe eigens eine neue etatmäßige Professur gegründet werde, da die vorhandenen Professuren besetzt waren. Diesem Wunsche konnte ich nicht entsprechen, weil der Herr Finanzminister neue Stellen nicht bewilligt und obendrein in Kiel der Landtag zwei neue Professuren (für Tierzucht und für niederdeutsche Sprache) seit Jahren beantragt hat. Auch diese beiden Professuren habe ich vom Herrn Finanzminister nicht erreichen können. Für die Tierzucht hat sich im vorigen Jahr die Demokratische Fraktion ohne Erfolg bei Herrn Höpker-Aschoff eingesetzt. Da Kiel drei volkswirtschaftliche Professuren hat,, würde der Herr Finanzminister für eine vierte Professur, die Professor Löwe bekäme, sicherlich nur zu haben sein, wenn Sie, Herr Ministerpräsident, sich Ihrerseits sehr stark dafür einsetzten. Die Bewilligung einer solchen Professur und die Ernennung des Professors Löwe wird in meinem Ministerium seit langem mit Nachdruck erstrebt. Da Professor Löwe zurzeit einen Ruf in die Schweiz hat, haben meine Herren sich auch für ihn anderwärts bemüht. Wir dachten an Frankfurt, wo eine Professur frei ist. Die Fakultät hat ihn in ihrem soeben eingetroffenen Vorschlag aber nicht berücksichtigt. Doch ist bereits eine Prüfung darüber im Gange, ob er nicht seitens des Ministeriums den Frankfurtern nahegebracht werden kann.

(Handschriftlich:) In bekannter hoher Verehrung Ihr ergebenster B.

 

49. MP Otto Braun an C.H.B. Berlin, 9.8.1929

(Maschinenmanuskript)

Sehr verehrter Herr Kollege!

Ich benachrichtige Sie ergebenst, daß ich am 15. d. M. bis Ende September in Urlaub gehe. Ich darf Sie als den zurzeit anwesenden dienstältesten Ressortminister wohl um die Freundlichkeit ergebenst bitten, mich in der Zeit meiner Abwesenheit bis zur Rückkehr des Herrn Ministers Dr. Hirtsiefer hinsichtlich der zwangsläufigen Unterschriften und insbesondere auch bei etwa dringend notwendig werdenden Sitzungen des Staatsministeriums vertreten zu wollen.

In kollegialer Hochschätzung ergebenst Ihr (gez.) Braun-

 

50. MP. Otto Braun an C.H.B. z. Zt. Bad Oeynhausen, 7.9.1929

(Maschinenmanuskript)

Persönlich.

Sehr verehrter Herr Kollege!

Aus sozialdemokratischen Lehrerkreisen ist bei mir Beschwerde darüber geführt worden, daß Sie durch eine zielbewußte Personalpolitik in Ihrem Ministerium bemüht sein sollen, Anhänger der sozialdemokratischen Partei möglichst auszuschließen. Zum Nachweis dafür ist mir die beiliegende Aufstellung, um deren gefällige Rückgabe ich bitte, unterbreitet worden, die allerdings, wenn sie richtig ist, ein wenig koalitionsparitätisches Bild bietet. Für eine Stellungnahme zu der Angelegenheit würde ich ihnen sehr verbunden sein. Inzwischen verbleibe ich in alter Hochschätzung Ihr ergebener (gez.) Braun.

Anhang

Die Abteilung für Volks- und Mittelschulen des preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ist wie folgt besetzt:

Partei des Ministers Becker
Parteilos
Zentrum Deutsche Volkspartei
1. Minister Becker 1. Staatssekr. Lammer 1. ORR Hollmann
2. Min. Direktor Kaestner 2. MR Stolze 2. ORR Schneider
3. Min. Dir. Wende 3. MR Thugarten 3. ORR Schweckendieck
4. MR Dr. Frank 4. MR v.d.Driesch
5. MR Steinbicker
ORR Ermler
ORR u.Schulrat Runge
StR Sell
Deutschnational Demokraten Sozialdemokraten
1. MR Gürich 1. ORR/SR Hylla 1. MR Menzel

2. MR Jaecke

2. ORR Zierold

2. MR Landé

3. MR Kohlbach (unleserlicher Zusatz)

2 Stellen frei (mit Bleistift)

2. Anhang: Die Aufstellung Beckers:

Soz(ialdemokraten) Demokraten Zentrum DVP DNVP
1. Menzel v. Rottenbur Schellberg Richert Lezius
2. Landé Heinemann Schlüter Windelband Gürich(?)
3. Woldt Leist Metzner v. Staa Kohlbach
4. Keschenber Hylla Stolze Scheckendieck
5. Seelig Sell Theegarten (?)
6. Zylena v.d.Driesch
7. Reichwein Breuer
Haslinde
Steinbicker, Ermler u. Runge

Mit fraglicher Parteibindung?

Hiecke, Stalmann Ottendorff, Gall, Hane, Frank (Demokrat?), Boer, Hubrich, Grünbaum, Klingelhöfer, Schneider, Zierild, Willenberg, Runge, Haesler, Kuhnhold, Kuhnert, Peters

 

51. Otto Braun an C.H.B. z.Zt. Hubertusstock, 26.9.1929

(Maschinenmanuskript)

Persönlich

Sehr verehrter Herr Kollege!

Nachdem Professor Lederer die Berufung an die Frankfurter Universität abgelehnt hat, soll die Fakultät für den frei gewordenen Lehrstuhl für Soziologie u.a. auch den Professor Dr. Hans Kelsen aus Wien in Vorschlag gebracht haben.

Nach dem was mir von Wiener Freunden, die Kelsen genau kennen und in seiner wissenschaftlichen und sonstigen Tätigkeit jahrelang beobachten konnten, mitgeteilt wird, soll er nach seinem wissenschaftlichen Können und seinen persönlichen Charaktereigenschaften für den Frankfurter Lehrstuhl sich vorzüglich eignen. Man sieht ihn ungern von Wien scheiden, glaubt aber im persönlichen Interesse Kelsens doch, seine Berufung nach Frankfurt empfehlen zu sollen., da durch die nationalistische und antisemitische Einstellung gewisser Studenten- und Dozentenkreise an der Universität und deren, ja auch über die Grenzen Wiens hinaus bekannt gewordene skandalöse Treiben er dortselbst in seiner Lehr- und Forschungstätigkeit derart beeinträchtigt wird, daß für ihn persönlich der Wechsel seines Wirkungskreises sehr erwünscht ist.

Ich wäre Ihnen, sehr verehrter Herr Kollege, sehr verbunden, wenn Sie vor Ihrer Entscheidung über den Frankfurter Lehrstuhl mit mir persönlich Rücksprache nehmen wollten. Inzwischen verbleibe ich in alter Hochschätzung mit kollegialen Grüßen Ihr (gez.) Braun

 

52. MP Otto Braun an C.H.B. Berlin, 7.10.1929

(Maschinenmanuskript)

Sehr verehrter Herr Staatsminister!

Vor einiger Zeit hatte ich Gelegenheit, mit Ihnen wegen der Versetzung des Lehrers und jetzigen Reichstagsabgeordneten Mertins aus Gutenfeld zu sprechen. Sie waren so freundlich, die ins Auge genommene Versetzung zunächst nicht auszusprechen und mir nähere Informationen nach meiner Rückkehr in Aussicht zu stellen. Ich wäre Ihnen zu Dank verbunden, wenn Sie die Freundlichkeit haben wollten, mir die einschlägigen Akten für kurze Zeit zur Durchsicht zu überlassen.

In alter Hochachtung Ihr sehr ergebener (gez.) Braun

 

53. MP Otto Braun an C.H.B. Berlin, 10.10.1929

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Kollege!

Anliegend überreiche ich Ihnen einen Artikel aus dem Vorwärts zur Kenntnisnahme. Ich setze voraus, daß die Angabe des Artikels über die Empfehlung des genannten Buches von Winnig im Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung Preußens zutreffend ist. Davon ausgehend muß ich allerdings mein Bedauern aussprechen, daß ein derartiges Buch als Prämie für Schüler höherer Lehranstalten und zur Aufnahme in Bibliotheken im amtlichen Blatt des Ministeriums empfohlen werden kann. Aufgabe der Schule ist es, die Kinder zum neuen republikanischen Staatsgedanken zu erziehen. Das fragliche Buch verfolgt aber die entgegengesetzte Tendenz, nämlich die, seinen Lesern den heutigen Staat zu verekeln. Wenn man derartige Bücher den Schülern, sei es als Prämie, sei es als Leihgabe aus der Schülerbibliothek, in die Hand drückt, darf man sich allerdings über Vorgänge, wie sie sich kürzlich in Goslar abgespielt haben, nicht wundern.

Für eine Stellungnahme zu der Angelegenheit würde ich Ihnen, sehr verehrter Herr Minister,, sehr dankbar sein.

In alter Hochachtung Ihr (gez.) Braun.

Randbemerkung Beckers: Antwortentwurf sofort

 

54. C.H.B. an MP Otto Braun. (Berlin), 23.10.1929

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Ministerpräsident!

Auf Ihren Brief vom 10. Oktober d. Js. –M.Pr. 482 – hin bin sofort der Frage nachgegangen, wie es möglich gewesen ist, daß das Buch von August Winnig „Das Reich als Republik“ im Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen als Prämie für höhere Schulen hat empfohlen werden können. Die Angelegenheit hat sich dahin aufgeklärt, daß die Sektion für Dichtkunst bei der Akademie der Künste vor längerer Zeit beauftragt worden ist, als Prämien geeignete neuere Bücher ihrerseits zusammenzustellen, damit bei der Prämienvergabe an höheren Schulen auch die neueste Literatur angemessen berücksichtigt werden kann. Die Sektion für Dichtkunst hat darauf eine größere Reihe von Büchern in Vorschlag gebracht. Bei dem Range dieser Körperschaft und den Persönlichkeiten, die die Bücher vorgeschlagen haben – ich erinnere nur daran, daß der Vorsitzende der Sektion für Dichtkunst, Walter von Molo, doch gewiß in seiner politischen Einstellung einwandfrei ist – , ist in meinem Ministerium dieses von der Sektion Dichtkunst aufgestellte Verzeichnis von Büchern im nichtamtlichen Teil des Zentralblatts bekanntgegeben worden, ohne daß es nötig erschienen oder möglich gewesen wäre, das einzelne Buch in jeder Hinsicht noch einmal zuvor durchzuprüfen. Ich bedauere es außerordentlich und bin in der Beurteilung des Vorfalles mit Ihnen einig, daß auf diese Weise ein politisch für Schüler höherer Schulen durchaus ungeeignetes Buch in dieses Verzeichnis geraten ist. Ich habe Vorsorge getroffen, daß derartige Vorfälle künftig vermieden werden.

In bekannter hoher Verehrung Ihr ergebenster (CHB).

 

55. MP Otto Braun an C.H.B. Berlin, 6.11.1929

(Maschinenmanuskript)

Privatsekretärin des MP

Persönlich

Der Herr Ministerpräsident würde für baldgefällige Rückgabe des mit Schreiben vom 7. September d. Js. überreichten Ausschnittes aus der Zeitschrift „Der heimattreue Ost- und Westpreuße “ mit der Überschrift „Was will Warschau im Kreise Stuhm?“, betreffend Anstellung polnischer Lehrer in polnischen Minderheitsschulen auf deutschem Gebiet, und Äußerung in dieser Angelegenheit dankbar sein.

I.A. (gez.) Gesenger

Privatsekretärin des Herrn Ministerpräsidenten.

Randbemerkung Vorgang U III 5237. Erledigt durch Erlaß vom 12.11.1929

 

56. Carl Heinrich Becker an MP. Otto Braun. (Berlin), 30.1.1930

(Maschinenkopie)

Rücktrittsgesuch Beckers

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!

Die politische Entwicklung der letzten Zeit hat mich zu der Überzeugung gebracht, daß die Auffassung führender Parteien von der Bedeutung der großen kulturellen Aufgaben meines Ministeriums so stark von dem Geiste abweicht, den ich in langen Jahren mühevoller Arbeit im Dienste der geistigen und politischen Erstarkung der deutschen Republik zu verwirklichen bemüht war, daß für mich eine gedeihliche Wirksamkeit nicht mehr gegeben ist. Ich lege deshalb hierdurch mein Amt nieder.

Ihnen, Herr Ministerpräsident, danke ich bei diesem Anlaß für die persönliche und sachliche Unterstützung, die ich in fünf Jahren meiner Ministerschaft unter Ihrem Präsidium oft bei Ihnen gefunden habe.

In hoher Verehrung Ihr ergebener gez. Becker3

 

57. MP Otto Braun an C.H.B. Berlin, 30.1.1930

(Maschinenmanuskript)

Sehr verehrter Herr Minister!

Bei Ihrem Ausscheiden aus dem Amt des Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung spreche ich Ihnen den Dank der Staatsregierung für die wertvollen Dienste aus, die Sie dem Vaterlande in schwerster Zeit der geistigen Umstellung und Neugestaltung durch Ihre Arbeiten auf dem Gebiete des gesamten Unterrichtswesens geleistet haben. Ihr ideenreiches und richtungsweisendes Wirken hat sich noch über die Grenzen Ihres für die kulturelle Entwicklung unseres Volkes überaus bedeutsamen Ministerium hinaus auf alle Gebiete des geistigen Lebens erstreckt. Sie haben sich durch diese umfassende Arbeit ein bleibendes Verdienst erworben.

Mir persönlich ist es ein inneres Bedürfnis, Ihnen für die jahrelange verständnisvolle und kollegiale Mitarbeit im Staatsministerium herzlichen Dank zu sagen!

Ich verbleibe in alter unveränderter Hochschätzung Ihr ergebener (gez.) Braun.

 

58. C.H.B. an MP Otto Braun. (Berlin), 28.7.1930

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Ministerpräsident!

Nachdem der Kampf um die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft sein Ende gefunden hat, ist es mir ein lebhaftes Bedürfnis, Ihnen für das persönliche Interesse zu danken, mit dem Sie meine Kandidatur unterstützt haben. Ich glaube, daß der für alle Teile tragbare Kompromiß, vor dem wir stehen, nicht möglich gewesen wäre, wenn sich die andere Seite nicht dieses Ihres Interesses an meiner Wahl bewußt gewesen wäre. Persönlich ist mir die jetzige Lösung im Augenblick fast noch sympathischer als die Präsidentschaft selbst, da für mich Harnack zu früh gestorben ist und ich gern wieder einige Zeit meiner Wissenschaft leben möchte. Nachdem meine Kandidatur aber einmal in die Öffentlichkeit getragen war, bin ich froh, daß durch die Ernennung zum Vizepräsidenten eine alle Teile wirklich befriedigende Lösung gefunden worden ist. Ihnen, hochverehrter Herr Ministerpräsident und Ihren Mitarbeitern danke ich für Ihr bekundetes Wohlwollen von Herzen.

In bekannter hoher Verehrung Ihr ergebenster (CHB)


1 Liegt nicht bei. Der Herausgeber

2 Hervorhebungen vom Herausgeber.

3 Im handschriftlichen Entwurf vom 30.1.1930 heißt es einleitend:

Heute früh von Wien zurückgekehrt finde ich eine politische Situation vor, die ich, obwohl ich nur passiv beteiligt bin, weder sachlich noch persönlich für tragbar erachte.

Und etwas weiter unten heißt es:

Die Entwicklung der polit(ischen) Verhältnisse in den letzten Tagen hat mir bewiesen, daß es für einen keiner Partei angehörigen Minister im Augenblick keine Wirkungsmöglichkeit mehr gegeben ist. Ich bedauere das nicht nur aus dem Grunde, weil ich persönlich von einer Arbeit scheiden muß, der ich 14 Jahre meines Lebens gewidmet habe, sondern vor allem, weil die von der Bildungsschicht stets geforderte Überparteilichkeit der Führung der Geschäfte des Bildungsministers des größten deutschen Landes in Frage gestellt wird.

MR Dr. H. Denk, 1922-31

Korrespondenz mit dem Preußischen Geschäftsträger und späterem Gesandten in München, MR Dr. H. Denk

VI.HA. Nl.C.H.Becker. Rep.92 Becker D, Nr.162

1. C.H.B. an Dr. Denk Berlin, 11.11.1922

Privatsekretariat

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Ministerialrat!

Da ich aus Anlaß einer Familienfeier nach Augsburg reise, möchte ich die Gelegenheit meines Aufenthalts in Süddeutschland benutzen, Herrn Minister Matt und den Herrn Nuntius im Laufe des kommenden Freitag zu besuchen. Ich habe beide Herren brieflich verständigt, wollte aber nicht verfehlen, auch Ihnen davon Kenntnis zu geben. Wenn meine Zeit es irgend gestattet, werde ich mir erlauben, auch bei Ihnen vorzusprechen, und würde ich dann unmittel-bar nach meiner Ankunft aus Augsburg bei Ihnen vorbeikommen. Sollten Sie irgendwelche Wünsche haben, so bitte ich um Nachricht unter der Adresse meines Schwiegervaters Geheimrat von Schmid, Augsburg, Maximilianstr. A 26.

In bekannter Hochschätzung mit verbindlichen Grüßen Ihr ergebenster (CHB)

 

2. Dr. Denk an C.H.B. München, 5.2.1924

Sehr verehrter Herr Staatssekretär!

Mein letzter Bericht über eine vor einigen Tagen mit dem Nuntius Pacelli gehabte Unter-redung wird wohl inzwischen auch Ihnen vorgelegen haben. Ich habe hierin – und zwar aus dem Munde Pacellis – meine bisherigen Eindrücke über die überaus günstige Aufnahme und Wirkung bestätigen können, welche der Empfang im Pr(eußischen) Staatsministerium zu Ehren Pacellis ausgelöst habe. Inzwischen erfahre ich, daß Sie quasi als Vater dieses Gedankens angesprochen werden können. Es freut mich doppelt, Sie dafür beglückwünschen zu können, da auch meine – an sich ohnehin recht guten – Beziehungen zu Pacelli eine weitere im beiderseitigen Interesse liegende Festigung erfahren haben1. Pacelli konnte gar nicht genug die angenehmen Eindrücke schildern, die er an dem Abend empfangen hätte und er sprach sich ganz besonders befriedigt über den Empfang durch den Ministerpräsidenten Braun selbst aus. Übrigens habe ich noch gestern aus Rom wieder eine Bestätigung über die mit „großer Befriedigung aufgenommene Geste Preußens“ erhalten.

Im Verlaufe der Unterhaltung äußerte Pacelli mir gegenüber, daß Braun die Nützlichkeit einer Regelung der kirchlichen Beziehungen zwischen Preußen und dem Vatikan gestreift und dabei die Notwendigkeit des Abschlusses eines Konkordats angedeutet hätte. Ich bin hierauf nicht näher eingegangen, da ich auf Grund unserer letzten Aussprache anläßlich meiner Anwesenheit in Berlin (Anfang Dezember) den Eindruck hatte, daß diese Frage mit äußerster Vorsicht und möglichst dilatorisch zu behandeln sei und ich seitdem nicht anders informiert war. Da Pacelli sicherlich demnächst wieder auf diese ihn ja sehr interessierende Angelegenheit zurückkommen dürfte, wäre ich Ihnen für gef(ällige) Information sehr verbunden:

  • Welche Kirchenpolitik hinsichtlich eines etwa abzuschließenden Konkordats verfolgt z.Z. Preußen?
  • Welche Taktik wäre gegenüber P(acelli) zu verfolgen?

Mit meinen besten Grüßen Ihr sehr ergebener H.Denk.

Randbemerkung Denks:

Wegen des Konkordats erfahre ich nachträglich daß der Entwurf nunmehr noch – (eventuell?? Unleserlich da weggelocht!) dem Ministerrat vorgelegt wird und dann der Reichsregierung zugehen soll. Es ist nicht damit zu rechnen, daß er noch diesen Landtag, der sich voraussichtlich in der nächsten Woche auflösen dürfte, vorgelegt werden wird. Nicht ausgeschlossen ist es, daß sich im neuen Landtag noch einige Widerstände bemerkbar machen werden. Mithin dürfte sich die Übersiedlung des Nuntius bis in den Sommer hineinziehen

 

3. Dr. Denk an C.H.B. München, 29.2.1924

(Maschinenmanuskript) Prinzregentenstraße 7

Sehr geehrter Herr Staatssekretär!

Ich habe Ihnen vor einiger Zeit geschrieben und den Brief einer Postsendung an das Preußi-sche Staatsministerium beigefügt. Da ich bisher keine Antwort darauf bekommen habe, so erscheint es auch aus anderen Gründen nicht ausgeschlossen, daß mein Schreiben verloren gegangen ist. Ich teilte Ihnen darin eine Unterredung mit dem Nuntius mit, welche ich nach dem, dem Nuntius zu Ehren gegebenen Frühstück beim Ministerpräsidenten gehabt hatte. Hierbei sollte der Ministerpräsident den Nuntius auf die Notwendigkeit eines mit Preußen abzuschließenden Konkordats hin angesprochen haben. Ich hatte mir seiner Zeit erlaubt um gefällige Information zu bitten.

Mit der Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung Ihr stets sehr gegebener (gez.) mit bestem Gruß Ihr Dr. Denk.

Randbemerkung:

Ein Privatschreiben für Herrn Staatssekretär von Herrn MinDir. Dr. Fleischer an Herrn MR Denk.

 

4. C.H.B. an Dr. Denk. Berlin, 2.4.1924

Privatsekretariat (Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Denk!

Infolge einer längeren Abwesenheit habe ich meine Absicht, Ihnen in Sachen Kirchenpolitik persönlich zu schreiben, leider nicht ausführen können. Ein mir vorgelegter Entwurf liegt seit einigen Wochen in meiner Mappe. Nachdem ich nun gehört habe, daß Sie in den nächsten Tagen hierher kommen, darf ich alles auf eine mündliche Aussprache verschieben und bitte Sie nur, einstweilen meine scheinbare Unhöflichkeit mit der Ungunst wirklich sehr widriger Umstände entschuldigen zu wollen.

Mit verbindlichen Grüßen Ihr Ihnen aufrichtig ergebener (CHB)

 

5. Dr. Denk an C.H.B. München, 25.4.1925

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Staatsminister!

Ich nehme an, daß die inzwischen doch ergangene Einladung des Preußischen Wissenschafts-ministeriums zu den Eröffnungsfeierlichkeiten des Deutschen Museums bereits in Ihre Hände gelangt ist. Ich würde mich freuen, Sie demnächst in München begrüßen zu dürfen. Die Einladung beschränkt sich übrigens nur auf das Preußische Kultusministerium. (Handschriftlicher Zusatz:) Die übrigen Länder sind nur durch die Ministerpräsidenten vertreten.

Mit der Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung verbleibe ich Ew. Exzellenz stets sehr ergebener (gez.) Dr. Denk

Ministerialrat, Preußischer Geschäftsträger

 

6. C.H.B. an Dr. Denk. Berlin, 30.4.1925

Privatsekretariat

(Maschinenkopie)

Sehr verehrter Herr Denk.

Für die mir durch Vermittlung des Büros des Staatsministeriums übermittelte freundliche Einladung, während meines Aufenthalts in München anläßlich der Einweihungsfeier des Deutschen Museums bei Ihnen Wohnung zu nehmen, möchte ich Ihnen auch noch durch diese Zeilen herzlich danken. Ich freue mich, auf diese Weise dann auch zu einem gemütlichen Plauderstündchen mit ihnen zu kommen, wozu bei dem sehr reichlichen Festprogramm sonst wohl kaum Gelegenheit gewesen wäre.

Ich gedenke hier am Dienstag, den 5. Mai, abends um 8.15 Uhr abzufahren, werde also dort Mittwoch morgen 8.50 Uhr eintreffen.

Mit verbindlichsten Empfehlungen Ihr Ihnen aufrichtig ergebener (CHB)

 

7. Dr. Denk an C.H.B. München, 1.5.1925

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Staatsminister!

Es freut mich, daß Sie, wie mir Oberregierungsrat Pfeiffer vom Staatsministerium gele-gentlich eines Telephongespräches mitteilte, meine Einladung, während der Einweihungs-feierlichkeiten des Deutschen Museums bei mir zu wohnen, angenommen haben. Sie persönlich machen mir absolut keine Umstände, da einmal mein Haushalt ohnehin stets auf Fremdenbesuch eingestellt ist und ich auch andern Falls Gäste bei mir aufgenommen hätte. In einem an Herrn Ministerialdirektor Dr. Nobis gerichteten Schreiben habe ich angeregt, den Herrn Ministerpräsidenten und die übrigen Herren der Preußischen Staatsregierung anläßlich ihres Aufenthalts in München und eines etwa beabsichtigten Besuches in der Preußischen Gesandtschaft zu einem zwanglosen Tee bei mir zu vereinigen. In Frage käme hierfür laut vorliegender Festfolge nur Mittwoch der 6. Mai und zwar die Zeit von 5-7 Uhr nachmittags. Sollte der Herr Ministerpräsident anderweitig bereits verhindert sein, so würde ich mir gleich-wohl vorzuschlagen gestatten, in einem entsprechend kleineren Kreis um dieselbe Zeit den Tee bei mir einzunehmen. Das von der Reichsregierung gegebene Frühstück dürfte etwa gegen ½ 4 Uhr zu Ende sein und der Begrüßungsabend der Stadt München fängt erst um 7.30 Uhr an. In der Zwischenzeit ließen sich also noch 1-2 Stunden für den Tee abzweigen. In diesem Falle hätte ich mir gedacht, etwa noch den Bayerischen Kultusminister Dr. Matt und den Österreichischen Unterrichtsminister Schneider einzuladen.

Nach allem, was man bisher vom Deutschen Museum erfahren hat, werden die Tage der Einweihung bei allen Teilnehmern außerordentlichen Eindruck hinterlassen. Es wäre nur zu hoffen, daß bis dahin das zur Zeit recht kalte und regnerische Wetter sich zum besten wendet.

Indem ich nochmals meine Freude darüber zum Ausdruck gebe, Ew. Exzellenz während der Festtage bei mir als Gast begrüßen zu dürfen, verbleibe ich mit dem Ausdruck meiner aus-gezeichnetsten Hochachtung Ew. Exzellenz stets sehr ergebener

(gez.) Dr. Denk.

Ministerialrat, Preußischer Geschäftsträger.

Randbemerkung: Anzug :Cut; Theater: Frack. MR Krüß einladen – Continental-Hotel.

 

8. Dr. Denk an C.H.B. München, 3.5.1925

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Minister.

Anläßlich der Anwesenheit des Preußischen Herrn Ministerpräsidenten in München bei den Einweihungsfeierlichkeiten des Deutschen Museums beehrt sich der Unterzeichnete zu einem zwanglosen Tee

am Mittwoch, dem 6. Mai 1925, nachmittags 5 Uhr

in die Preußische Gesandtschaft ergebenst einzuladen.

Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung und Wertschätzung (gez.) Dr. Denk.

Ministerialrat und Preußischer Geschäftsträger

Anlage

Deutsches Museum München

Programm

Dienstag, den 5. Mai

  • Nachmittags 3 ½ Uhr : Sitzung des Vorstandsrates im großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses
  • 5 Uhr: Beginn des Festzuges (vom Max II Denkmal zum Ferdinand-Miller-Platz)

Mittwoch, den 6. Mai

  • Vormittags 10 Uhr: Sitzung des Ausschusses im Odeon,
  • Mittags 1 ½ Uhr: Frühstück, gegeben von der Reichsregierung im Alten Rathaussaal,
  • Abends 7 ½ Uhr: Begrüßungsabend, gegeben von der Stadt München, in der neuen Festhalle des Ausstellungsparkes.

Donnerstag, den 7. Mai

  • Vormittags 10 Uhr: Eröffnungsfeier in der Mittelhalle des Museums, Festdichtung von Gerhard Hauptmann, Musik von Dr. Zülcher, Würzburg, – Ansprache.
  • 11 ½ Uhr: Besichtigung des Museums in 4 Abteilungen,
  • Mittags 1 Uhr: Festessen im 2. Stockwerk des Museums,
  • Abends 7 ½ Uhr: Festvorstellung im Nationaltheater, gegeben von der Bayerischen Staatsregierung, die 9. Symphonie von Beethoven, Erfrischungspause, – die „Ruinen von Athen, von Richard Strauß und Hugo von Hoffmannsthal, neu bearbeitet, Erstaufführung.

 

9. Dr. H. Denk an C.H.B. München, 20.5.1925

Sehr geehrter Herr Staatsminister!

Wie mir heute von der Geschäftsstelle der Deutschen Verkehrsausstellung mitgeteilt worden ist, wird die Einladung zu den Eröffnungsfeierlichkeiten Ew. Exzellenz in den nächsten Tagen zugehen. Ich würde es dankbar begrüßen, wenn ich rechtzeitig davon in Kenntnis gesetzt würde, ob Ew. Exzellenz der Einladung Folge leisten werden. Eine Teilnahme des Preußischen Staatsministeriums ist, wie mir Herr Ministerialdirektor Dr. Nobis heute telephonisch mitteilte, nicht beabsichtigt. Der Vertreter des eingeladenen Preußischen Handelsministeriums ist ebenfalls noch nicht bekannt.

Mit der Versicherung der ausgezeichneten Hochachtung bin ich Ew. Exzellenz stets sehr ergebener (gez.) Ergebenste Grüße Dr. Denk

Ministerialrat, Preußischer Geschäftsträger

Anmerkung von MR Duwe: Am 30.5.1925 Einladung in Gg.(???)

 

10. Dr. H. Denk an C.H.B. München, 20.5.1925

Sehr geehrter Herr Staatsminister!

Aus einer Mitteilung des Herrn MinDirektors Nobis habe ich erfahren, daß Sie mit ihm in meiner Sache gesprochen haben und sage Ihnen meinen herzlichsten Dank dafür. Zunächst schien es, als ob man im Staatsminist(erium) mit der schleichenden Regierungskrise bzw. Ergänzung und Umbildung des Kabinetts in Zusammenhang bringen wollte, was völlig zwecklos gewesen wäre. Näheres hierüber dürfte Ihnen MinDirektor Nobis sagen können. Dies hätte u(nter) U(mständen) auch eine weitere unabsehbare Verzögerung der Angelegen-heit bedeutet, was sachlich wohl kaum zu rechtfertigen wäre.

Nun teilte mir Herr Nobis vorgestern gelegentlich am Telephon mit, daß man nun doch wohl am Freitag, d(em) 22.d.M. nochmals mit dem Herrn Ministerpräsidenten Braun die Eilbedürftigkeit vorstellen wollte und hoffe, nunmehr zu einer Erledigung zu kommen. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß die Angelegenheit – endlich!!! – bereits in den nächsten Tagen den Ministerrat beschäftigen wird. Da ich nun von den neuen Ministern, Herrn Höpker-Aschoff, sowie den Staatssekretär Schleusener gar nicht, Herrn Schreiber nur sehr flüchtig kenne, wäre ich Ihnen, Herr Minister, zu großem Danke verpflichtet, wenn Sie vielleicht gelegentlich die Güte hätten, die genannten Herren vorher ins Bild zu setzen, damit die Sache dann glatt geht.

Ich war gestern bei Hehr, der mich sofort à tempo auf die Sache, namentlich auch auf Grund seiner Unterredung mit Ministerpräsident Braun, hin ansprach. Hehr stellte übrigens die Angelegenheit so dar, als ob ihm Herr Ministerpräsident Br(aun) meine baldige Ernennung in sichere Aussicht gestellt hätte.

Ich habe übrigens Herrn Nobis gebeten, vielleicht meine Ernennung, da doch sonst alles feststeht, noch bis zur Eröffnung der Verkehrsausstellung herauszubringen. Hoffentlich klappt’s endlich!

Werde ich übrigens das Vergnügen haben, Ew. Exz(ellenz) zur Eröffnung begrüßen zu können? In diesem Falle würde ich mich freuen, wenn Herr Minister wieder bei mir wohnen würden.

Mit dem Ausdruck meiner verbindlichsten Hochachtung und ergebensten Grüßen

Ihr Dr. H. Denk.

 

11. C.H.B. an Dr. Denk. Berlin, 23.5 1925

Privatsekretariat

(Maschinenkopie)

Sehr verehrter Herr Denk!

Heute morgen von der Einweihung des Deutschen Hauses in Stuttgart zurückgekehrt, finde ich hier Ihre freundlichen Schreiben vom 19. und 20. d.M. vor. Auf Ersteres möchte ich Ihnen in aller Eile mitteilen, daß ich der Einladung zur Eröffnung der Deutschen Verkehrsaus-stellung am 30. d. M. nach München leider nicht zu folgen vermag, da ich am gleichen Tage zur Eröffnung der Kunstausstellung in Düsseldorf weile. Unter diesen Umständen vermag ich auch von Ihrer liebenswürdigen Einladung keinen Gebrauch zu machen, für die ich Ihnen aber herzlich danke. Im übrigen muß ich gestehen, daß in letzter Zeit die Feiern doch recht zahlreich waren und ich mich nach etwas mehr Ruhe sehne.

Für die weiter berührte Angelegenheit werde ich mich gern interessieren, und es würde mich aufrichtig freuen, wenn sie endlich zu dem von Ihnen erhofften Abschluß käme.

Mit verbindlichen Empfehlungen Ihr Ihnen aufrichtig ergebener (Gez.) und unseres Zusammenseins in M(ünchen) dankbar gedenkender (CHB)

 

12. C.H.B. an den Gesandten Dr. Denk. Berlin, 10.7.1925

Privatsekretariat

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Denk!

Nur der Sturm der Geschäfte und meine ständige Reisetätigkeit hat mich verhindert, Ihnen schon längst von Herzen zu der nun endlich erfolgten Ernennung zum Preußischen Gesandten zu gratulieren. Sie wissen, daß ich selbst in dieser Sache nicht untätig war und daß ich sie aufs freudigste begrüße. Aber es ist mir doch ein Bedürfnis, es nach vollzogenem Akt auch noch einmal auszusprechen, wie sehr ich es Ihnen gönne und mich für uns freue, daß diese so lange hingezogene Sache nun endlich die einzig richtige Lösung gefunden hat.

Seit München, wo ich Ihre herzliche Gastfreundschaft dankbar genossen habe, bin ich eigentlich immerfort unterwegs. Ich war buchstäblich keine ganze Woche hintereinander in Berlin. Vorgestern komme ich aus dem Rheinland zurück, die Woche vorher war ich in Altona, heute fahre ich schon wieder nach Allenstein und Marienwerder. Dazwischen liegen Parlamentsverhandlungen und mancher sogenannte schwierige Fall im Ministerium – kurz ich bin recht ferienreif und freue mich, am 20. Juli für 4-5 Wochen Schluß zu machen. Hoffentlich haben auch Sie einen schönen Sommer und habe ich bald einmal die Freude, Sie wiederzusehen.

In bekannter Gesinnung mit herzlichen Grüßen Ihr ergebenster (CHB

 

13. Preußische Gesandtschaft, Dr. Denk an C.H.B. München, 18.7.1925

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Staatsminister!

In meinem Schreiben vom 10. Juli 1925 hatte ich mir erlaubt, Sie für die Angelegenheit des nach Berlin zu berufenden Universitätsprofessors Dr. Gamillscheg aus Innsbruck zu interessieren. Es geschah dies, wie ich bereits bemerkt habe, auf Anregung einer für mich und meine Tätigkeit recht beachtlichen Seite hin. Von derselben Stelle wird mir nun ein Brief des Dr. Gamillscheg übergeben, den ich mit der Bitte um gef(ällige) Kenntnisnahme an Sie, hochverehrter Herr Staatsminister, weiterzuleiten mir gestatten möchte.

Mit der Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung und Wertschätzung bin ich

Ihr stets sehr ergebener (gez.) Dr. Denk.

 

14. Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Ministerialrat Richter, Leiter der Hochschulabteilung, an Dr. Denk. Berlin, 25.7.1925

Hochverehrter Herr Minister!

Mir wird als dem gegenwärtig stellvertretenden und vom 1. Oktober d.Js. andauernden Leiter der Hochschulabteilung in Abwesenheit des Herrn Staatsministers Prof. Dr. Becker Ihr zweites Schreiben an ihn vorgelegt, Professor Dr. Gamillscheg aus Innsbruck betreffend, nachdem Herr Minister Becker mir Ihr erstes Schreiben zugänglich gemacht hatte. Da Herr Minister Becker sich in seinem Sommerurlaub befindet und er nach Möglichkeit vom Geschäftsverkehr ferngehalten werden will, erlaube ich mir, Ihnen über den Tatbestand folgendes auszuführen:

Professor Gamillscheg ist auf meinen Vortrag beim Minister nach Berlin berufen worden und zwar deshalb, weil eine Verstärkung auf dem gebiete der Grammatik in Berlin erwünscht schien. Wir waren uns mit der zuständigen Fakultät daher klar, daß man die Berufung an Gamillscheg, der schon ordentlicher Professor in Innsbruck ist, nur deshalb gelangen lassen konnte, weil es sich um einen jüngeren Gelehrten handelt, der die Berufung nach Berlin als einen solchen Sprung betrachten könnte, daß er vielleicht ein Extraordinariat übernehmen würde. Es handelt sich dabei lediglich im etattechnischen Sinne um ein Extraordinariat. Er solle alle Rechte des ordentlichen Professors bekomme und zum ordentlichen Professor ernannt werden. Die Tatsache, daß Herr Gamillscheg in ein Extraordinariat käme, setzt uns aber in Gehaltsdispositionen eine Grenze. Wir wollten ihm ein Ausnahmegehalt zubilligen, das ebenso hoch ist wie das normale Endgehalt der planmäßigen Ordinariate, d.h. ein Gehalt, das zwischen der vorletzten und letzten Stufe in Gruppe 13 steht. Höher können wir gesetzmäßig nicht gehen. Ein solches Angebot haben wir aber auch deshalb berühmteren Gelehrten nicht zum ersten Male gemacht. Ich darf vertraulich bemerken, daß der berühmte Nobelpreisträger, Professor von Laue jahrelang auf einem Extraordinariat als ordentlicher Professor in Berlin gesessen hat. Somit handelt es sich, wie offen bekannt werden muß, um die Besetzung einer zweiten romanischen Professur, die früher immer im Extraordinariat wahrgenommen wurde, und wir haben im Interesse der Sache den Wurf gewagt, einem jüngeren Ordinarius diese Professur anzubieten.

Professor Gamillscheg, der mich, wie mir wohl zum Bewußtsein gekommen ist, sichtlich nicht ganz vollbefriedigt verlassen hat, obwohl er durchaus freundlich von mir schied., leidet offenbar stark unter dem Gefühl, daß er, in Tirol wurzelnd, in eine fremde Welt versetzt wird, ohne einen rechten Überblick darüber zu haben, wie er wirtschaftlich in Berlin stehen würde, und leider auch ohne das mir unbedingt notwendigerscheinende Vertrauen, daß die Unterrichtsverwaltung ihn jedenfalls so gestellt hat, daß er durchaus auskömmlich leben kann und jedenfalls mehr einnimmt als die Mehrzahl höherer und hoher Beamter.

Gamillscheg hat wohl auch mit seiner Übersiedlung insofern Schwierigkeiten, als er in seinem Haushalt nicht genügend ausgestattet zu sein scheint, wenigstens erklärte er mir, daß er sich, wenn er nach Berlin komme, Möbel anschaffen müsse und verlangte u.a.. 10 000 Mark extra für Anschaffung von Möbeln. Das Ungewöhnliche einer solchen Forderung, die auch in Friedenszeiten unerfüllbar gewesen wäre, ist ihm zweifellos nicht recht klar gewesen, denn als ich ihm erklären mußte, daß so etwas ganz undenkbar sei, erwiderte er mir, wenn wir 50 000 Mark für die Vergrößerung des Englischen Seminars bereitstellten, könnten wir doch auch für seine Möbel 10 000 Mark bereitstellen. Daß Herr Gamillscheg seinerseits Vergleiche unternimmt mit anderen nach Berlin berufenen Professoren, die entweder als alleinige Fachvertreter auf ein planmäßiges Ordinariat berufen werden können, oder aber wissenschaftliche Koryphäen sind, die eine Ausnahmebehandlung unbedingt erfordern, ist mir bekannt. Bei dieser Sachlage bin ich, wie ich offen aber vertraulich aussprechen darf, doch sehr bestürzt gewesen, wie Herr Gamillscheg auf die Idee kommen konnte, seine Berufung sei unter äußerem Zwange erfolgt, und geradezu komisch wirkt es, daß er dann glaubt, die „Mittelschullehrerschaft“ hätte auf die Besetzung der Professur gedrängt, er habe unzweifelhaft erfahren, daß das den letzten Anstoß gegeben habe. Ich kann versichern, daß seitens der gesamten Lehrerschaft an keine Ministerialstelle irgend ein Wunsch in dieser Richtung gekommen ist; die Mittelschullehrer scheiden ja ohnehin aus für derlei Dinge, vielmehr habe ich selbst nach reiflicher Überlegung Herrn Gamillscheg vor einem anderen vorgeschlagenen Kandidaten den Vorzug gegeben bei meinem Vortrag vor dem Herrn Minister, weil ich eine grammatische Verstärkung für erwünscht hielt und es begrüßt hätte, wenn ein Mann wie Gamillscheg, der schon Ordinarius war, nach Berlin gekommen wäre. Auf Grund seines Briefes2 habe ich freilich geringe Hoffnung, daß er sich noch entschließen könnte, obwohl Herr Gamillscheg bei den ihm gemachten Bedingungen, die bis an die Grenze des Möglichen gingen, sicher fahren würde und auch vielleicht später einmal die Umwandlung seiner Stelle in ein Ordinariat durchzusetzen wäre.

Der persönliche Eindruck, den ich von Herrn Gamillscheg gehabt habe, war der eines sehr stark auf Tiroler Boden wurzelnden Mannes, der offenbar nicht über den nötigen Blick verfügt, um die Berliner Situation klar zu erkennen.

Indem ich hoffe, Ihnen mit diesen Andeutungen gedient und Sie zugleich davon überzeugt zu haben, daß hier alles geschehen ist, um Herrn Gamillscheg zu gewinnen, bin ich in ausgezeichneter Hochschätzung Ihr sehr erg(ebener) gez. Richter.

Anlage

Professor Gamillscheg an Dr. Denk o.D. (Innsbruck Juli 1925?)

(Maschinenmanuskript)

Hochverehrter lieber Freund,

Man ist mir in Berlin bei meinen Verhandlungen im Unterrichtsministerium nicht in der Weise entgegengekommen, wie ich es zu erwarten zu können geglaubt habe. Ministerialrat Richter hat sein Verhalten damit begründet, daß ich auf ein systemisiertes Extraordinariat, wenn auch als persönlicher Ordinarius, ernannt werden müßte, und daß für diesen Fall das Entgegenkommen der Unterrichtsverwaltung gesetzlich beschränkt sei. Er hat mir zwar zugesichert, daß die Umwandlung des Extraordinariates in eine ordentliche Professur vorzugsweise behandelt werde, doch ist eine solche Versicherung keinerlei Sicherheit und würde eine namhafte Besserstellung keinesfalls bedeuten. Ich habe vielmehr den Eindruck, daß man den Professor aus Innsbruck als Professor zweiter Güte ansieht, den man auch billig haben kann.

Ich habe daher nach reiflicher Überlegung beschlossen, unter den mir zuletzt zugestandenen Bedingungen glatt abzulehnen, aber vorher noch einen Versuch zu unternehmen, mir heute für den Fall der Umwandlung des von mir besetzten Extraordinariates in ein Ordinariat unzweideutig die Gleichstellung mit dem bestbezahlten Professor der Berliner philosophischen Fakultät zu sichern. Ich glaube nicht, daß dieser, mein letzter Vorschlag Gegenliebe finden wird, werde also aller Voraussicht nach hier bleiben. Denn ich hätte mit dem Übergang nach Berlin kaum etwas zu gewinnen, aber sehr viel zu verlieren.

Ich habe Dir darüber so ausführlich geschrieben, nicht um Dich zu bitten, für mich noch einen Schritt zu tun, denn ich weiß ja, daß Du alles getan hast, was man für jemanden in meinem Fall tun kann, sondern um mich vor Dir zu rechtfertigen, wenn ich nach allen Deinen Bemühungen nun doch ablehne. Der Grund des mangelnden Entgegenkommens ist zweifellos der, den ich Dir seinerzeit angedeutet habe, und die versuchte Berufung ist, wie ich glaube, nur unter äußerem Zwang erfolgt. So hat namentlich die Mittelschullehrerschaft auf die Besetzung der romanistischen Lehrkanzel gedrängt und wie ich unzweifelhaft erfahren habe, den letzten Anstoß dazu gegeben, daß man nun doch an mich herangetreten ist.

Nimm mir’s also, bitte, nicht übel, daß ich Dich mit meiner Angelegenheit so viel behelligt habe. Sehr bedauert habe ich zu hören, daß Dein Befinden so sehr zu wünschen übrig läßt. Ich wünsche Dir von Herzen, daß Du in den nächsten Wochen wirkliche Erholung finden mögest. Dein treu ergebener (gez.) E. Gamillscheg

 

15. Dr. Denk an C.H.B. München, 28.7.1925

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Staatsminister!

Für Ihre so überaus liebenswürdigen Glückwünsche gestatte ich mir, Ihnen meinen aufrichtigsten Dank auszusprechen. Bei diesem nicht unwichtigen Wendepunkt in meinem Leben und meiner Beamtenlaufbahn möchte ich, rückschauend, namentlich auch Ihnen herzlichst danken für die zahlreichen Beweise gütigen Wohlwollens. Ich bitte, sich vergewissert zu halten, daß ich mich auch fernerhin bemühen werde, Ihr Vertrauen zu rechtfertigen und wäre glücklich, aus den Worten Ihres freundlichen Schreibens die Gewißheit entnehmen zu können, auch ferner auf Ihre Unterstützung rechnen zu können.

Sollte Ihr Weg Sie während Ihres Urlaubs durch München führen, so darf wohl die Erwartung aussprechen, daß Sie nicht an mir vorüber gehen werden.

Mit der Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung und Wertschätzung Ihr stets sehr ergebener (gez. , handschriftlicher Zusatz). Mit ergebensten Grüßen Dr. Denk

 

16. Dr. Denk an C.H.B. München, 7.11.1925

Sehr verehrter Herr Staatsminister!

Zunächst meinen herzlichsten Glückwunsch zu der von Ihnen erteilten Abfuhr jüngst im Landtag. Die beste Parade ist noch immer der Hieb gewesen!

Ich war jetzt in Italien, als Ehrenpräsident (zusammen mit Geheimrat Posch) des C.V. in Rom, daneben dann noch ganz Italien bis hinunter nach Neapel, Pompeji. – Überwältigt im wahrsten Sinne des Wortes habe ich dann noch drei geruhsame Wochen der Ausspannung und Erholung im schönen, warmen Südtirol, in Bozen – Meran verlebt, Tage erfüllt von herrlicher Herbstsonne und umkränzt von Reben und altem und neuen Wein. Und ganz weit draußen, da lag die Welt!

Und doch auch wieder nicht. Denn daneben habe ich Augen und Ohren offen gehalten und habe von Italien (Caudillismus(?) und Rom (Vatikan), aus Südtirol (Brennergrenze) und Norditalien (Tiroler Frage) so mancherlei Interessantes mitgebracht. Und auch hier „tut sich“ ja (mal wieder) so allerhand.

Ende des Monats hoffe ich in Berlin zu sein und würde mich sehr freuen, auch Sie begrüßen zu können. Es dürfte dort wohl schon bekannt sein, daß Pacelli demnächst Kardinal und Piccardo – mit dem ich in Rom eine recht interessante Aussprache hatte – an seiner Stelle nach Berlin kommt. Die in diesen Tagen durch die Presse gegangene Meldung, daß der Nuntius Ceretti in Paris Kardinalstaatssekretär werden soll, dürfte m.E. noch verfrüht sein. Ob es allerdings gelingen wird, Pacelli durchzudrücken, der wegen seiner Deutschfreundlichkeit stark verdächtigt wird, erscheint recht fraglich3.

Seit Wochen sind nun die Handwerker im Hause und verursachen einen unglaublichen Lärm und Schmutz verbunden mit einer erheblichen Einschränkung meiner ohnehin begrenzten Wohnräume. Morgen erwarte ich Geheimrat Fürstenau (?) vom Finanzministerium, der sich vom Stande der Bauarbeiten unterrichten will und am Mittwoch dem Finanzminister Vortrag halten soll. Am Freitag früh gedenken sodann MR Radler (?) vom Finanzministerium und Staatssekretär Wissmann zur Entscheidung einiger Fragen, namentlich der Möbelbeschaffung herzukommen. Es ist ewig schade, daß es anscheinend nicht möglich gewesen ist, von der Krongutsverwaltung wenigstens Einzelstücke, namentlich auch sonstige Einrichtungsgegenstände, wie Beleuchtungskörper, Teppiche, Gobelins, Bronzen u. dgl. zu erhalten. Der Finanzminister knappst ohnehin genug und wertvolle Kunstgegenstände jetzt im freien Handel zu erwerben, ist ja nicht möglich, weil sonst für die Möbel nichts mehr bleibt. Sie kennen doch die hiesigen Verhältnisse. Vielleicht könnten Sie gelegentlich mal mit dem Finanzminister oder dem Staatssekretär Schleusner, die ich beide noch nicht kenne, sprechen und ihnen Ihre Eindrücke mitteilen. Auch wäre es m.E. sehr gut, wenn z.B. Staatssekretär Schleusner am Freitag mitkäme. Es geht doch nicht gut an, die Gesandtschaft mit einem x-beliebigen Ober- oder Regierungspräsidium zu vergleichen. Einfach, ja, aber doch würdig und dem gesteigerten Kunstempfinden und –Verständnis in M(ünchen) Rechnung tragend. Und gerade hierin scheint mir eine Initiative des Kultusministeriums eventuell am Platze. Sie selbst, ebenso wie heuer im Sommer, gelegentlich der Einweihung des Deutschen Museums, waren der Ministerpräsident aber auch Staatssekretär Weismann übereinstimmend der Ansicht, daß bei der Inneneinrichtung der Gesandtschaft ein künstlerischer Berater hinzugezogen werden müsse. Alles kann ja schließlich die Hochbauabteilung des Finanzministeriums doch nicht allein machen und es geht m.E. nicht an, die ganze Entscheidung einfach der auszuführenden Firma zu übertragen. Es könnte sein – daß gerade die hiesige Dienststelle in den nächsten Jahren von einiger Bedeutung werden könnte und daß dabei der äußere Rahmen nicht gleichgültig ist. Nun hat das Auswärtige Amt in der Person eines Prof. Stobwasser, der dort auch sein Büro hat, jemand, der die Vertretungen des Reiches im Auslande einrichtet und ihnen eine gewisse persönliche Note verleiht. Vielleicht haben Sie sogar im Ministerium einen derartigen Sachverständigen. Auch wegen der sonstigen Ausgestaltung der Räume, Anstrich u.dgl. wäre es gut, jemand noch neben den ausführenden Firmen zu haben. Ich halte es geradezu für notwendig und würde es sehr begrüßen, wenn der betreffende Herr etwa am nächsten tage, d.h. am Samstag hier zur Verfügung stehen könnte. Ich habe dieserhalb übrigens auch an Staatssekretär Weismann geschrieben und ihm denselben Vorschlag gemacht. Vielleicht könnten auch Sie sich dafür einsetzen, da doch auch – neben dem finanziellen – das politische und auch das künstlerische Interesse gewahrt werden müßte.

In der Hoffnung, daß diese Zeilen Sie, hochverehrter Herr Staatsminister, bei bester Gesundheit abtreffen verbleibe ich mit vielen Grüßen als Ihr stets sehr ergebener Dr. Denk.

P.S. Darf ich fragen, wie die Kandidatur des Studiendirektors Poschmann aus Rissel (Ostpreußen?) auf die Stelle an der Braunschweiger Akademie steht?

Randbemerkung Beckers an MR Duwe: Bitte Antwortentwurf. Prof. Gericke wird kommen, der auch meine Räume künstlerisch eingerichtet hat. B.10.11.

 

17. Dr. Denk an C.H.B. München, 9.11.1925

Sehr geehrter Herr Staatsminister!

Heute ist Geheimrat Fürstenau von der Hochbauabteilung des Finanzministeriums gekommen. Die von ihm beliebte krasseste Vertretung reiner Ressortinteressen ohne jede Rücksicht auf staatspolitische oder gar noch künstlerische Momente zwingen mich, nochmals Ihre Vermittlung anzurufen. Es ist dringend notwendig, daß irgend ein Kunstsachverständiger und vor allem auch Staatssekretär Schleusner am Freitag oder Samstag hier sind. In der Auffassung der mir obliegenden Tätigkeit in puncto Repräsentation, worin ich nun wirklich die größere Sachkunde mir zumesse, haben sich zwischen Herrn Fürstenau und mir derartig abweichende Ansichten herausgestellt, daß es für mich aus rein sachlichen Gesichtspunkten ein unerträgliches Moment wäre, wenn jetzt auf Grund der Eindrücke des Herrn Fürstenau allein in Berlin irgendwelche grundsätzliche Entscheidungen z. B. auch hinsichtlich der Höhe der auszuwerfenden Mittel getroffen werden würden. Letzten Endes habe ich zuerst für meine Tätigkeit und den Erfolg gerade zu stehen und ich kann und muß verlangen aus rein sachlichen Gesichtspunkten, daß ich Gelegenheit habe, auch mein Programm und meine Absichten, die im Finanzministerium gar nicht (Minister Richter, der sehr genau im Bilde ist, ist ja fort) und im Staatsministerium auch nur unvollkommen (Ministerialdirektor Nobis ist leider krank) bekannt sein dürften.

Nur ein Beispiel: Der große Saal war von mir als Musik- und Vortragssaal gedacht zur Aufführung künstlerischer, wissenschaftlicher und musikalischer Vorträge, namentlich auch von Berliner Kräften (Universität, Theater usw.), um in einfacher Geselligkeit – statt der früheren opulenten Massenabfütterungen die neutrale Plattform für ein Näherkommen zwischen Nord und Süd abzugeben. Mit Ministerpräsident Held (?), der sehr genaue Pläne darüber hat. Ferner gedenke ich den Bayerisch-Preußischen Hilfsverein nach dem Muster des früheren Österreichisch-Ungarischen Hilfsvereins aufzuziehen, der ja neben seiner charitativen auch noch recht wichtige politische Aufgaben hatte. Auch für dessen Veranstaltungen werden namentlich musikalische Darbietungen eine Hauptrolle spielen. Ich habe ja damals Ihnen und seiner Zeit auch Herrn Minister a. D. Richter darüber informieren können, der sich ganz außerordentlich darüber interessiert zeigte. Der aber für doch alle Dinge (?unleserlich, teilweise weggelocht), die mitbestimmend sein müssen für die Festlegung der Mittel. Es ist ja doch nicht für… Von den ganzen Möbeln der I. Etage interessiert mich persönlich nur der Stuhl auf dem ich sitze und arbeite und vielleicht noch der Schreibtisch. Alles andere ist doch nur für andere da. Hoffentlich gelingt es, sich dem Finanzministerium gegenüber durchzusetzen.

Mit der Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung Ihr stets sehr ergebener Dr. Denk.

 

18. C.H.B. an Dr. Denk. (Berlin), 11.11.1925

Privatsekretariat

(Maschinenkopie)

Sehr verehrter Herr Denk.

Gern bereit, Ihnen nach Möglichkeit zu helfen, habe ich nach Rücksprache mit Herrn Staatssekretär Weismann den in der Kunstabteilung meines Ministeriums beschäftigten Professor Gericke, der für die zur Erörterung stehenden fragen besonders sachverständig ist und auch mich bei der Einrichtung der Repräsentationsräume des Ministeriums beraten hat, beauftragt, an den Verhandlungen in München teilzunehmen. Professor Gericke wird heute abend abreisen, also vielleicht schon bei Ihnen eintreffen, bevor diese Zeilen Sie erreicht haben.

Von einem weiteren Eingehen auf Ihre freundlichen Briefe darf ich wohl absehen, da Sie mir ja für die nächste Zeit Ihren Besuch in Aussicht gestellt haben und wir dann besser mündlich alles besprechen.

Für die Verhandlungen der Ihnen am Herzen liegenden Baufragen Ihnen besten Erfolg wünschend, begrüße ich Sie in der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen in Berlin als Ihr ergebenster (CHB)

 

19. Dr. Denk an C.H.B. München, 16.11.1925

Sehr verehrter Herr Staatsminister!

Der Drang der Geschäfte, die durch die Bauarbeiten im Hause reichlich sind, hat dieses Schreiben leider um einige Tage verzögert. Immerhin wollte ich nicht verfehlen, , Ihnen meinen herzlichsten Dank für ihre schnelle und daher um so wirkungsvollere Hilfe zu sagen. Vielen Dank auch für Ihren freundlichen Brief, in dem mir die Absendung des Herrn Professor Gericke angezeigt wird. Aus allem glaube ich erneut Ihr gütiges Wohlwollen für mich entnehmen zu können, und gerade diese Feststellung hat für mich einen ganz besonderen Wert.

Herr Professor Gerike hat Ew. Hochwohlgeboren wohl inzwischen bereits über seinen Aufenthalt in M(ünchen) Bericht erstattet. Ich bin außerordentlich befriedigt über den Ausgang der Besprechung in der Gesandtschaft und erblicke grade in der vereinbarungsgemäß einzuholenden Stellungnahme des Kultusministeriums die sicherste Gewähr für eine zeitentsprechend einfache, aber doch würdige Ausstellung. Ich glaube auch, daß diese Angelegenheit bei Professor Gericke, der auf mich einen ausgezeichneten Eindruck gemacht hat, in den allerbesten Händen ist. Da auch der Herr Ministerpräsident und der Herr Staatssekretär W(eismann) durchaus konform gehen, dürfte es, wenn sich das Kultusministerium einigermaßen stark macht, nicht allzu schwer sein, die im Schoße der Hochbauveraltung des Finanzministeriums vorhandenen grundsätzliche Bedenken zu beheben. Darf ich mir bei dieser Gelegenheit gestatten, noch eine Bitte zu äußern: Ich wäre Ew. Exzellenz zu großem Dank verpflichtet, wenn Sie – nur ganz gelegentlich – dem Finanzminister Höpker-Aschoff und dem Staatssekretär Schleusner etwas über meine Person sagen würden. Ich habe Grund zur Annahme, daß grade diese beiden Herren, die mich persönlich noch nicht kennen, von anderer Seite etwas verhetzt worden sind, bzw. werden.

In der Woche nach dem 22. d.M. hoffe ich in Berlin zu sein und würde mich freuen, auch Ew. Exzellenz begrüßen zu können.

Mit der Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung und ergebensten Grüßen verbleibe ich als Ihr stets sehr ergebener Dr. Hans Denk.

 

20. Dr. Denk an C.H.B. München, 25.11.1925

Sehr verehrter Herr Staatsminister!

Ich war heute bei Staatsrat Koch vom Bayer(ischen) Kultusministerium, um mit diesem eine Reihe nicht unwichtiger Angelegenheiten, die zum Teil noch aus meiner überaus interessanten Reise durch Italien und Tirol (Nord- und Südtirol) resultieren, zu besprechen. Ich konnte ihm bei dieser Gelegenheit auch persönlich danken für die mir in letzter (Zeit) des öfteren erwiesenen Freundlichkeiten in Bezug auf Bereitstellung von Theaterkarten für meine offiziellen Besuche aus Berlin. Das ist mir natürlich immer sehr erwünscht und liegt auch durchaus im Interesse der Unterrichtsverwaltung, um den Herren aus Berlin den derzeitigen Stand des Münchener Kunst- und Theaterlebens vorzuführen. An sich könnte ich sicher durch Geheimrat Korn auch mal für mich Karten erhalten – angeboten ist mir- dies schon öfters worden – aber ich habe bisher für mich noch niemals davon Gebrauch gemacht, da ich ihn zu oft für meine Gäste in Anspruch nehme. Der Kultusminister Matt hat mir ja auch seine Loge angeboten, aber wenn ich mal mir ein Stück anhören wollte, waren die Karten bereits vergeben – da ich doch kaum auf mehrere Tage vorher disponieren kann – und dann ist es mir auch offen gestanden etwas peinlich – kurz, im Laufe der drei Jahre hier in M(ünchen) bin ich kaum ein Dutzend Mal ins Theater gekommen, trotzdem ich sehr Musik schätze – und in Berlin seiner Zeit wohl jede Woche einmal hineinkam. Und die Plätze kaufen? Das scheitert an den Kosten, denn für die besten Plätze – und nur solche kommen in meiner Stellung in Frage – reicht das Gehalt doch nicht. Nun wollte ich eigentlich heute für meinen Oberinspektor Woehr (?) erwirken, daß dieser – etwa allmonatlich 1x – so eine Art Freiplatz oder mit Ermäßigung erhalten könnte. Wegen der dann nicht ausbleibenden zahlreichen Berufungen hielt Geheimrat Korn diesen Weg für nicht gangbar. Dagegen schlug er mir vor, doch mal bei Ihnen anzufragen, ob Sie bereit wären, im Wege der Gegenseitigkeit den Herren der Bayer(ischen) Gesandtschaft in Berlin einen Freiplatz zur Verfügung zu stellen. Er hätte nicht die geringsten Bedenken und glaube, daß damit den Interessen aller Beteiligten am besten gedient sei. Ich würde eine solche Lösung jedenfalls sehr befürworten. Denn der hiesige Geschäftsverkehr wird in steigendem Maße eine Herreise Berliner Herren zu mir erforderlich machen und es wäre für mich und Staatsrat Korn angenehmer, dann für die Bereitstellung von Karten eine Art „gesetzliche Unterlage“ zu haben. Auch ich könnte dann öfters ins Theater hineinkommen, was für mich auch amtlich von großem Interesse wäre, da man dort immer eine Reihe von Leuten trifft, bei denen man leicht nach dieser oder jener Richtung hin „Stimmung“ machen und sich auch sonstige Informationen beschaffen kann. Allzusehr werde ich die Sache wohl nicht „ausnutzen“, denn einmal bin ich bei meinen zahlreichen repräsentativen Verpflichtungen herzlich froh, wenn ich mal einen Abend ruhig zu Hause sitzen kann und Muße habe, etwas nachzulesen. Und dann werde ich so oft Gelegenheit haben, diesem oder jenem eine kleine Gefälligkeit zu erweisen, indem ich ihm meine Karte überlasse. Gerade durch solche Kleinigkeit erhält man sich hier die für eine ersprießliche Arbeit so überaus wichtigen persönlichen Beziehungen und Verbindungen. Übrigens nimmt man hier allgemein an, daß ich „meinen Dienstplatz“ im Theater habe, und ich werde dieserhalb mehrmals in der Woche angegangen. Wie gesagt, Sie würden mir, verehrter Herr Staatsminister, einen überaus großen Dienst dadurch erweisen.

Herr Staatsrat Korn sagte mir nun, daß er in den nächsten Tagen zu einer Sitzung über Schulfragen im Reichsministerium des Inneren nach Berlin käme und Sie dieserhalb aufsuchen wollte. In jedem Fall würde er die Sache mal mit Staatssekretär Lammers, der doch wohl sicherlich an der Sitzung teilnähme, besprechen.

Mit der Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung und ergebensten Grüßen

Ihr Denk.

 

21. Der Preußische Gesandte Dr. Denk an C.H.B. München, 18.2.1926

(Maschinenmanusript)

Sehr verehrter Herr Staatsminister!

Ich gestatte mir hiermit, auf eine Angelegenheit zurückzukommen, die ich Ihnen bereits zu Weihnachten 1925 bei meiner letzten Anwesenheit in Berlin vortragen durfte.

Es handelt sich um eine Art inoffiziellern Übereinkommens zwischen dem bayerischen Kultusministerium und der Preußischen Gesandtschaft wegen Überlassung von Theaterkarten für die bayerischen Staatstheater.

Gelegentlich der Anwesenheit von Vertretern preußischer Ressorts sowie sonstigen Besuches aus Norddeutschland ist es fast immer dankbar begrüßt worden, wenn ich den betreffenden Persönlichkeiten dank des Entgegenkommens der Herren im Bayerischen Kultusministerium den Besuch der Staatstheater erleichtern konnte. Da das Bedürfnis, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen, in letzter Zeit infolge des gesteigerten Verkehrs bei mir stark zugenommen hat, erscheint es angemessen, die Angelegenheit auf eine etwas festere und für alle Teile tragbarere Grundlage als die des persönlichen Entgegenkommens des betreffenden Referenten im Einzelfall zu stellen.

Der zwischen Herrn Staatsrat Korn vom Bayerischen Kultusministerium und mir vereinbarte Vorschlag, den ich Ihnen Weihnachten unterbreiten konnte, ging dahin, der Preußischen Gesandtschaft in München etwa 1-2 mal wöchentlich 2 Karten nach Maßgabe der noch vorhandenen zur Verfügung zu stellen. Dafür sollte auch der Bayerischen Gesandtschaft in Berlin ein gleiches Entgegenkommen seitens der Preußischen Unterrichtsverwaltung erwiesen werden. Diese Karten sollten der Gesandtschaft von Fall zu Fall durch Vermittlung des Kultusministeriums bereitgestellt werden. Von einer generellen Anweisung der Verwaltung der Staatstheater sollte wegen der sonst nicht zu vermeidenden Berufungen anderer Stellen Abstand genommen werden.

Wenn ich nicht irre, haben auch Sie, hochverehrter Herr Staatsminister, damals mir gegenüber in Berlin besonders zum Ausdruck gebracht, daß es am zweckmäßigsten wäre, die Angelegenheit nicht offiziell zu behandeln, sondern sie mehr als eine Art persönlichen Entgegenkommens aufzuziehen. Es würde daher vielleicht genügen , wenn die betreffende Stelle des Hauptbüros, welcher die Vermittlung der Theaterkarten obliegt, angewiesen wird, etwaigen Wünschen der Bayerischen Gesandtschaft in Berlin nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Die Bayerische Gesandtschaft würde durch das Kultusministerium demgemäß verständigt werden. Da mich Herr Staatsrat Korn um eine entsprechende Mitteilung gebeten hat, würde ich eine baldige, kurze grundsätzliche Einverständniserklärung mit besonderer Freude begrüßen. Ich würde dann Herrn Staatsrat Korn davon persönlich in Kenntnis setzen.

Mit der Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung und Wertschätzung verbleibe ich als Ihr sehr ergebener (gez.) Dr. Denk.

Anmerkung Beckers vom 20.3.:

Antwort: Die Sache ist durch mündliche Besprechung mit Preger dahin erledigt, daß Preger sich jeweils am Montag mit dem Privatsekretariat in Verbindung setzt und dann die gewünschten Karten erhält.

 

22. C.H.B. an Dr. Denk Berlin,24.3.1926

Privatsekretariat (Maschinenkopie)

Sehr verehrter Herr Denk!

Auf Ihre freundliche Anfrage in der Theaterangelegenheit teile ich Ihnen ergebenst mit, daß die Sache inzwischen durch mündliche Besprechung mit Herrn von Preger in Ihrem Sinne erledigt worden ist. Mit Herrn von Preger habe ich verabredet, daß er sich jeweils am Montag mit meinem Privatsekretariat in Verbindung setzt, das dann für die Bereitstellung der von ihm gewünschten Karten Sorge trägt. Diesen inoffiziellen Weg habe ich aus den Ihnen seinzeit mündlich angedeuteten Gründen gewählt. Ich hoffe, daß damit nun auch für Sie dort eine gleiche Regelung eintritt.

Auf Ihr weiteres gesondertes Schreiben in Ihrer Wohnungsangelegenheit, das ich zunächst der zuständigen Abteilung zugeleitet habe, wird Ihnen sehr bald auch Nachricht zugehen.

In bekannter Hochschätzung mit verbindlichen Grüßen Ihr sehr ergebener (CHB)

 

23. Dr. Denk an C.H.B. München, 15.11.1927

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Staatsminister,

wie ich schon berichtet habe (vgl. hiesigen Bericht vom 8.d.Mts. A.147), hat Ihre kürzlich in der Deutschen Hochschule für Politik u.a. auch über die Frage des Einheitsstaates gehaltene Rede in der bayerischen Presse und auch an bayrischer Regierungsstelle ein recht lebhaftes Echo gefunden. Ich habe dabei den Eindruck, daß der Widerspruch zu einem guten Teil auf unvollständige Berichte über die Rede zurückzuführen ist. Meiner Überzeugung nach würde das Urteil der bayerischen Presse und der bayerischen Regierungsstellen in günstigem Sinne beeinflußt werden, wenn sie den vollständigen Wortlaut der Rede erhalten könnten. Ich gestatte mir daher die Anregung, mir extra angefertigte Abdrucke oder stenographische Berichte der Rede (ca. 10 Stück) zur Weiterleitung an die betreffenden Stellen zugehen zu lassen. In einem ähnlichen Falle, der eine Rede des Herrn Finanzministers Dr. Höpker-Aschoff betraf, habe ich auf dieselbe Weise guten Erfolg gehabt.

Mit dem Ausdruck meiner ausgezeichnetsten Hochachtung bin ich Ihr sehr ergebener (gez.) Dr. Denk

 

24. Dr. Denk an C.H.B. München, 30.11.1927

(Maschinenmanuskript)

Sehr verehrter Herr Staatsminister,

Ich komme Sonntag abend nach Berlin, um nach fast einjähriger Abwesenheit die notwendige persönliche Fühlungnahme mit den einzelnen Ministerien wieder aufzunehmen, und ich werde mir gestatten, auch ihnen meine Aufwartung zu machen.

Darf ich vielleicht vorher noch die ergebene Bitte aussprechen, mir für Montag, den 5. Dezember abends drei Plätze in der Kroll-Oper gütigst bereitzustellen. Zu dieser Bitte veranlassen mich Gründe persönlicher Art. Da ich nicht weiß, ob Herr Amtsrat Fleischer, der früher die Karten besorgte, noch bei Ihnen ist, habe ich zu meinem Bedauern Sie selbst mit dieser Angelegenheit belästigen müssen.

Genehmigen Sie, Herr Staatsminister, den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung als Ihr stets sehr ergebener (gez.) Dr. Denk.

Anmerkung Beckers: Waffenschmied (Walkerbüher?). Loge noch nicht vergeben! Reservieren!

Anmerkung Duves vom 9.12.: Herr Dr. Denk ist vom Herrn Minister heute empfangen worden

 

25. Dr. Denk an C.H.B. München, 10.9.1930

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Staatsminister,

Bei dem regen Interesse, das Sie dem Verständigungsproblem zwischen Nord und Süd und meiner bescheidenen Mitwirkung hieran bisher bekundet haben, gestatte ich mir ergebenst, Ihnen einen Bericht über die seiner zeit mit beachtenswertem Erfolg in den Repräsentationsräumen der Preußischen Gesandtschaft stattfindende Ausstellung der Staatlichen Porzellanmanufaktur Berlin mit der Bitte um gefällige Kenntnisnahme zu übersenden. Die dieser Ausstellung zugrunde liegenden Gedanken bilden die Unterlagen einer besonderen Untersuchung über die Frage, inwieweit die politische Annäherung durch eine kulturelle Verständi-gungspolitik weit mehr als bisher vorbereitet und gefördert werden könnte. Auch diese Darlegung dürfte vielleicht für Sie von Interesse sein, und ich werde mir gestatten, sie Ihnen demnächst zuzusenden.

Mit der Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung und Wertschätzung Ihr sehr ergebener (gez.) Dr. Denk.

Anlagen:(Vom Herausgeber nicht abgedruckt!)

  • Notiz der Neuesten Münchener Nachrichten vom 17.7.1930:

Porzellan der Berliner Manufaktur. Eine neue Münchner Ausstellung/Empfang in der Preußischen Gesandtschaft.

  • Ansprache des Preußischen Gesandten Dr. Denk vom 16.7.1930
  • Bericht Dr. Denks über die Ausstellung

 

26. Büro C.H.B. an Dr. Denk Berlin, 19.9.1930

(Maschinenkopie)

Herr Staatsminister a. D. Prof. Dr. Becker befindet sich zur Zeit auf einer Amerikareise, von der er erst Anfang Dezember zurück sein wird. Ihre Zuschrift vom 10.d.M. nebst Anlagen wird ihm alsdann vorgelegt werden.

In ausgezeichneter Hochachtung

Büro Professor Dr. C.H. Becker. Gez. J.A.

 

27. Dr. Denk an C.H.B. München, 5.5.1931

(Maschinenmanuskript)

Sehr geehrter Herr Staatsminister,

Aus einer Einladung des Akademisch-Politischen Clubs zu einem Vortrag am Montag, den 11. Mai d.J. ersehe ich, daß Sie der Redner des Abends sind. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie bei Ihrer Anwesenheit in München von der Übernachtungsmöglichkeit in meinem Hause Gebrauch machen würden.

Mit der Versicherung meiner vorzüglichsten Hochachtung und Wertschätzung Ihr sehr ergebener (gez.) Dr. Denk.

 

28. C.H.B. an Dr. Denk (Berlin), 7.5.1931

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Denk,

Es ist wirklich freundschaftlich und reizend von ihnen, daß Sie mir am 11. Mai Ihr Quartier anbieten. Ich denke ja mit soviel Freude und Dankbarkeit an manche in Ihrem Hause verlebte Stunde zurück. In diesem Falle ist es aber wohl unpraktisch, da ich erst kurz vor meinem Vortrage ankomme und den nächsten Morgen gleich früh weiter will, auch der Vortrag und das Abendessen in dem Hotel stattfinden, in dem ich absteige, d.h. den Vier Jahreszeiten. Sie werden also deshalb meine Absage wohl verstehen. Jedenfalls danke ich Ihnen von Herzen für Ihre große Freundlichkeit.

In bekannter Gesinnung Ihr Ihnen aufrichtig ergebener (CHB)


1 Verb mit einem Fragezeichen versehen.

2 Vgl. Anlage zu diesem Brief

3 Hervorhebung vom Herausgeber.