Vossische Zeitung, 1932

HA I/92 Becker Nr. 334

256. Vossische Zeitung Berlin an C.H.B. Berlin, 27.4.1932

(Maschinenmanuskript)

Sehr verehrter Herr Minister,

hätten Sie nicht Lust, Eindrücke und Lehren aus Ihrer Ostasien-Reise in der Vossischen Zeitung publizistisch zu behandeln? Wir denken nicht an Artikel, die im engeren Sinn als politisch anzusprechen wären, sondern glauben, daß Sie berufen wären, vom Geistigen aus den Zugang zu dieser für uns immer noch so fremden Welt zu deuten. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unserem Wunsch entsprechen würden und wären Ihnen für einen entsprechenden kurzen Bescheid, wann etwa wir mit Artikeln rechnen könnten, sehr dankbar.

Mit verbindlichen Empfehlungen gez.Elbau (Chefredakteur)

 

257. C.H.B. an Herrn Elbau, Vossische Zeitung. Berlin, 4.5.1932

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Elbau!

Ich muß um Entschuldigung bitten, daß ich erst heute auf Ihren liebenswürdigen Brief vom 27. April antworte, in dem Sie mich fragen, ob ich nicht Lust hätte, über Eindrücke und Lehren aus meiner Ostasien-Reise in der Vossischen Zeitung zu berichten. Ich konnte Ihnen nicht sofort antworten, da ich eine ältere Verpflichtung gegenüber dem Berliner Tageblatt eingegangen war, dem ich eine Reihe Artikel von der Reise versprochen hatte, von denen ich aber schließlich nur einen einzigen geschrieben habe. Ich habe nun gestern mit Herrn Theodor Wolff vereinbart, daß ich ihm in der nächsten Zeit 3 Artikel liefern will, die sich aber nur mit Ostasien beschäftigen werden.

Noch ganz frei bleiben meine Eindrücke aus Indien, Persien und Irak. Allerdings würde es mir noch mehr Freude machen, auch einige von meinen wundervollen Fotografien publizistisch zu verwerten. Vielleicht ist dazu im Verlag Ullstein Gelegenheit, da die Vossische Zeitung ja dafür wohl kam in Frage kommt. Ich habe über tausend zum Teil sehr merkwürdige Aufnahmen zu vergeben, vielleicht könnte ich Ihnen in dieser Hinsicht gefällig sein. Es handelt sich hier um China, Niederländisch-Indien, Britisch-Indien, Persien und den Irak sowie Syrien. Auch habe ich interessante Aufnahmen von einem Flug von Teheran nach Bagdad gemacht. Sollte aber dafür dortseits kein Interesse bestehen, würde ich Ihnen nach Pfingsten gern einen oder den anderen Aufsatz für die Vossische Zeitung zur Verfügung stellen, und ich würde dafür Persien oder Irak vorschlagen.

Mit bestem Dank für Ihre Anfrage und mit verbindlichen Grüßen

Ihr Ihnen hochachtungsvoll ergebener (C.H.B.)

 

258. Vossische Zeitung an C.H.B. Berlin, 6.5.1932

(Maschinenmanuskript)

Sehr verehrter Herr Minister,

mit bestem Dank bestätige ich das Schreiben vom 4.d.M. Ich habe dem Chefredakteur der Berliner Illustrirten Zeitung von dem Inhalt Kenntnis gegeben und werde Ihnen dessen Entscheidung alsbald weitergeben.

Für heute möchte ich nur betonen, daß ich mich sehr freuen würde, zunächst einen Aufsatz über Persien von Ihnen zu erhalten.

Mit verbindlichen Grüßen gez. Elbau

 

259. Vossische Zeitung an C.H.B. Berlin, 12.5.1932

(Maschinenmanuskript)

Sehr verehrter Herr Minister,

meinem Schreiben vom 6. d. M. möchte ich heute noch hinzufügen, daß mir die Leitung unserer Zeitschriften-Abteilung mitgeteilt hat, es würde sich empfehlen, eine kleine Auswahl Ihrer Photographien an Herrn Direktor Szafranski gelangen zu lassen, um ein vorläufiges Urteil zu ermöglichen, ob die Bilder für Reproduktionszwecke in Zeitschriften oder Zeitungen die besondere Eignung haben, die ja nichts mit ihrem künstlerischen oder dokumentarischen Wert zu tun hat, sondern vor allem auch technisch bewertet werden muß. Ich würde es für den zweckmäßigsten Weg halten, wenn Sie dem Vorschlag der Zeitschriften-Abteilung entspre-chen würden.

Mit verbindlichen Empfehlungen gez. Elbau.

 

260. Vossische Zeitung an C.H.B. Berlin, 3.8.1932

(Maschinenmanuskript)

Sehr verehrter Herr Minister,

die Erklärungen, die Reichsminister von Gayl in seinem Rundschreiben an die Länder über seine Schulgesetzpläne gemacht hat, veranlassen mich zu der Bitte an Sie, sehr verehrter Herr Minister, für die Vossische Zeitung den Komplex der Schulfragen von einer höheren Warte aus zu erörtern, eventuell in mehreren Artikeln. Für einen baldigen zusagenden Bescheid würde ich Ihnen ganz besonders dankbar und bin

in aufrichtiger Verehrung Ihr gez. Elbau

 

261. C.H.B. an Herrn Elbau. Verlag Ullstein z.Z. Meersburg, 17.8.1932

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Elbau!

Zu meinem lebhaften Bedauern erhielt ich Ihren Brief vom 3. August erst in diesen Tagen. Da ich mich im Auslande befinde, habe ich das Rundschreiben des Herrn Reichsinnenministers Gayl über seinen Schulgesetzplan bisher nicht zu Gesicht bekommen. Ich bin schon aus diesem Grunde, wie auch wegen meines noch etwa 14 Tage dauernden Ferienaufenthaltes im Augenblick nicht in der Lage, zu diesen Plänen Stellung zu nehmen.

Vom 1.9. an bin ich aber in Berlin zurück und würde unter Umständen gerne Ihrem Wunsche entsprechen, einen oder mehrere Artikel über die kulturellen Schulfragen zu schreiben. Jedoch möchte ich aber nicht Herrn Prof. Hildebrandt in die Quere kommen. Es würde deshalb wohl das Praktischste sein, daß ich Sie bald nach meiner Rückkehr anrufe, um mit Ihnen das

Nähere zu verabreden. Auch dürften bis dahin die neuen Besetzungen des preußischen Kultusministerium, die ich aus taktischen Gründen gerne erledigt sehen möchte, ehe ich zu dem Regierungsprogramm Stellung nehme, (erfolgt sein.)

Dann kann man vielleicht um so praktischere Arbeit leisten. Darauf kommt es mir an, nachdem ich seit meinem Rücktritt vom Amte zu keinem Kulturpolitischen Problem Stellung genommen habe.

In bekannter Hochschätzung und Verehrung Ihr sehr ergebener (C.H.B.)

 

262. Vossische Zeitung an C.H.B. Berlin, 8.12.1932

(Maschinenmanuskript)

Sehr verehrter Herr Minister!

Sie waren so freundlich, gelegentlich die Bereitschaft zu bekunden, für die Vossische Zeitung aus der Fülle Ihrer Erfahrungen und Erkenntnisse heraus zu den großen Fragen der deutschen und europäischen Entwicklung Stellung zu nehmen. Es läge uns besonders daran, für die Feiertage zwischen Weihnachten und Neujahr Beiträge von besonderem Niveau zu veröffentlichen, die über den Tag hinausweisen. Wir möchten deshalb an Sie die Frage richten, ob Sie bereit wären, ein Thema nach Ihrer Wahl zu behandeln, mit einer Tendenz, die sich in folgende Worte fassen läßt: „Der Weg zu lichteren Tagen“. Wir denken dabei besonders an die Herausarbeitung der immateriellen Werte, die für eine Generation mit erschüttertem Besitzgefühl ganz andere, tiefere Bedeutung haben, als in der heute so überschätzten goldenen Zeit der Vorkriegsjahre.1

Für einen baldigen zusagenden Bescheid wären wir Ihnen besonders dankbar. Wir würden bitten, uns das Manuskript möglichst bis 20.Dezember zur Verfügung zu stellen.

Mit herzlichem Dank im Voraus und verbindlichen Empfehlungen

Vossische Zeitung, Redaktion gez. Elbau

 

263. C.H.B. an Vossische Zeitung. Berlin, 10.12.1932

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Elbau!

Ihrer Anfrage vom 8. Dezember, Ihnen bis zum 20.d.M. ein Manuskript für die Weihnachtsnummern zur Verfügung zu stellen, werde ich gern entsprechen. Ich denke, daß ich den Titel wählen werde Das Ringen um eine neue Bildung. Dabei werde ich die Tendenz, die Sie vorschlagen, gern verfolgen, da sie meiner eigenen Überzeugung entspricht.

Mit verbindlicher Empfehlung Ihr sehr ergebener (C.H.B.)

 

264. C.H.B. an Vossische Zeitung. Berlin, 19.12.1932

(Maschinenkopie)

Hochgeehrter Herr Elbau!

Anbei überreiche ich Ihnen den versprochenen Aufsatz für Ihre Weihnachtsnummer. Ich habe ihn Formen des Dritten Humanismus genannt, aber ich habe nichts dagegen, wenn Sie den Titel im Sinne meines letzten Briefes ändern wollen in Das Ringen um eine neue Bildung resp. Das Ringen um einen neuen Humanismus.2

Mit verbindlicher Empfehlung Ihr sehr ergebener (C.H.B.)


1 Hervorhebung vom Herausgeber.

2 Der Artikel liegt leider nicht bei. vgl. Weihnachtsnummer der Vossischen Zeitung 1932

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