J. Barth, 1899-1914

VI HA. Nl. C.H. Becker. Rep.92 B. Nr. 6235

Briefwechsel mit Geheimrat Prof. Dr. J. Barth, Orientalist, Berlin 1899-19141

385. J. Barth an C.H.B., Cairo. Berlin, 6.1.1899

Lieber Herr Dr.!

Für die Übersendung Ihrer Doctor-Dissertation, in der Sie auch meiner liebenswürdig gedacht haben, sage ich Ihnen verbindlichen Dank. Da ich gerade selbst mit der Bearbeitung und Edition eines arab(ischen) Dichters beschäftigt bin und für diesen Zweck eine größere Literatur durchzusehen habe, konnte ich für den Augenblick nicht daran denken, die ganze Publication durchzulesen. Andererseits war ich natürlich sehr gespannt zu sehen, wie Sie den Stoff bearbeitet haben. Ich las daher Ihre Einleitung, ein schönes Zeugnis Ihrer umfassenden Heranziehung des erreichbaren Stoffes, und als Probe Ihrer Textbehandlung das Gedicht mit den salbungsvollen Allgemeinheiten S. 92,5ff.

In der Einleitung freute ich mich durchweg Ihrer klaren und einleuchtenden Beweisführung, z.B. S.5 bei der Frage über die Ursprünglichkeit der Zusammengehörigkeit beider Biogr(aphien), S.7. den Nachweis der urspr(ünglichen) Identität.

(Es folgen einige Korrekturen des arabischen Textes bzw. ihre Übersetzung).

Ich hoffe, bald mehr Zeit für die Lektüre das Ganzen zu gewinnen. Inzwischen beglück-wünsche ich Sie zur glücklichen Vollendung der ersten Arbeit und wünsche ihr gute Nachfolge.

Indem ich Sie herzlich grüße bin ich Ihr J.Barth

 

386. Postkarte von J. Barth an C.H.B., Cairo Berlin, 25.1.1901

Lieber Herr Dr.!

Zunächst meinen herzlichen Dank für Ihre interessante Abhandlung, die ich mit Vergnügen gelesen und ihre Karte aus Madrid. Ich bin gespannt darauf, wieweit Sie mit den I Kelbi nun kommen werden und was Sie in Kairo treiben.

Nun möchte ich Sie noch bitten, mir einige mich interessierende Werke zu kaufen resp. Herrn Dr.Kern, der am erfahrendsten darin sein soll, darum in meinem Namen zu ersuchen. Ich reflektiere nur auf Bücher mit schönem, gutem Papier und deutlichem Druck:

  • Ibn Challikan (Nachdruck von Wüstenf.)
  • Iqd, nur dann, wenn Sie eine schön gedruckte Ausgabe, etwa die 1ste, auf gutem Papier bekommen; die von 1305 ist mir dann auch lieb. (Was kostet Zorqânî zu Muslim?)
  • Hizânat al-Adabi, (nur wenn es unter 20 Mark kostet).
  • Von 1001 Nacht, in Cairo oder Bulaq, 1302 gedruckt, fehlt mir Band 1, Titel und Seite 1-8; vielleicht können Sie es bekommen.

Es wäre mir auch werthvoll, wenn Sie mich auf Drucke wichtigen Inhalts, Geschichte, Dichtung (ältere) und Hadît, nebst Preisangabe aufmerksam machen. Die Übersendung eilt nicht, nur Benachrichtigung wäre mir lieb. Grüßen Sie bitte Dr. Sobernheim, Kern und seien Sie selbst herzlich gegrüßt von Ihrem J. Barth.

 

387. J. Barth an C.H.B, Heidelberg (?) Berlin, 13.5.1902

Sehr geehrter Herr Dr.!

Zunächst heiße ich Sie nach Ihrer Heimkehr willkommen und gratuliere zum Beginn Ihrer akademischen Wirksamkeit, die Ihnen jederzeit Befriedigung, innere und äußere Erfolge bringen möge.

Eine erste Frucht dieser Thätigkeit sandten Sie mir und danke ich Ihnen bestens für dieselbe. Ich erhielt sie, als ich den Abschluß zweier Publicationen unter der Hand und viel Correkturen zu lesen hatte, was noch immer nicht vorüber ist. Da nun die Einzelheiten dieser intriguenreichen Periode der aeg(yptischen) Geschichte mir fremd sind, so habe ich mich zunächst durch Ihre informirende Darlegung S.32ff über das Einzelne belehren lassen, um sodann den Text selbst zu lesen, worin ich etwa bis zur Hälfte bis jetzt gekommen bin. Ich möchte aber meinen herzlichen Dank nicht noch weiter bis zum vollen Abschluß verschieben.

Der Text läßt sich freilich mit unserem gew(öhnlichen) Lexicon nicht ohne Rest verstehen, wenigstens nicht ohne daß man größere Abschnitte davon durcharbeitet. Ich freue mich nun aber, daß Ihre Behandlung derselben so viel sicherer geworden ist und von Beherrschung des Stoffes zeugt. Aufgefallen ist mir in dem gelesenen Text nur wenig.

(Es folgt eine Seite Korrekturen.)

Das Leiden bei meiner Tochter ist, obgleich gebessert, noch nicht geheilt und recht hartnäckig. Es that mir leid, daß Sie von Kairo aus mir nur in Kürze über den Verlauf s(einer) Z(eit) geschrieben2. Man möchte in so langweiligem Verlauf doch gerne von bisherigen Erfahrungen lernen. War es bei Ihnen durch die Kur stark zurückgegangen? War es vorher wesentlich mehr gewesen, und auf wieviel ging es dann herunter? … Ich hoffe, Sie sehen diese Fragen, die die Behandlung in unserem Hause so nahe angehen, nicht als indiscret an und schreiben mir gelegentlich ausführlicher über den Verlauf. Nochmals besten Dank und Gruß

Ihr sehr ergebener J.Barth

 

388. Postkarte von J. Barth an C.H.B. Berlin, 13.6.1902

Lieber Herr Dr.!

Empfangen Sie meinen herzlichsten Dank für Ihren ausführlichen Brief, der mich so außerordentlich begeisterte (?Text z.T.weggelocht!).

Bei unserer Patientin ist es auf bisher 1 ¼ .- 1 ½ p. M. geblieben und nicht weiter herunter gegangen, obgleich es schon zweimal besser war. Sie wird jetzt Sandbäder in Kostritz nehmen und soll später nach (Bad) Wildungen. Es tröstet mich sehr zu wissen, wie gut Sie sich herausgearbeitet haben.

Sehr gefreut hat mich, daß Sie die (arabischer Text) gefunden und herausgeben wollen. Das ist ein vorzüglicher Gedanke, dessen Verwirklichung ich sehr wünschte. Schieben Sie es doch ja nicht hinaus.—

In den nächsten Tagen hoffe ich Ihnen eine Schrift zum Wurzelvergleich zukommen zu lassen. Mit herzlichen Grüßen und Wünschen Ihr stets ergebener J. Barth.

 

389. Postkarte von J. Barth an C.H.B. , Heidelberg Berlin, 17.11.1903

Lieber Herr College!

Empfangen Sie meinen verbindlichsten Dank für Ihre lehrreiche Schrift (Beiträge zur Geschichte Ägyptens II). Als sie ankam, war ich auf einige Zeit mit der Niederschrift eines Artikels für (die) ZDMG3 beschäftigt. In dieser Woche aber habe ich mich nun an ihre Lektüre gemacht und um so mehr daraus gelernt, als ich mich mit der Geschichte des islamischen E(gyptens) noch wenig beschäftigt habe. Tabari, den ich lese, interessiert sich leider viel zu einseitig in der Omej-Zeit und für Chorasan4, und wenig für den Westen. Das erste Capitel über die Steuern, sowie das folgende über die Arabisierung mit Ihrer geistreichen Verwerthung der Papyrus-Forschung haben mich besonders interessiert und bin (?weggelocht) überzeugt, daß wir von Ihnen noch recht erhebliche historische Forschungen zu erwarten haben. Vielen Dank und Gruß von Ihrem sehr ergeb(enen) J. Barth.

 

390. Postkarte von J. Barth an C.H.B. Berlin, 16.12.1904

Sehr geehrter Herr College!

Ich glaube, daß Sie mit Ihrer Conjectur recht haben. Die Reihenfolge in 9V, Z.13 spricht außerordentlich für Sie, und in der Sache paßt gleichfalls der (arabischer Text) besser als das (dto).

In Aghânî XVI 121,28 wird dem (arabischer Text) gegenübergestellt das (arabischer Text), d.h. daß er (Du’Rumma) nicht ‚in Wahrheit’ sondern nur als ein Anhängsel zu Kelb gehöre. Daraus folgt, daß er nicht als (arabischer Text) bezeichnet werden könnte; er lebt unter ihnen als (arabischer Text), ohne in Wahrheit zu ihrem Blut zu gehören. Ihre Conjectur ist also richtig. Das (arabischer Text) in Z.2 hatte ich auch beim Lesen so wie Sie als nothwendig gefühlt.

Stets gerne zu Ihren Diensten grüßt Sie herzlich Ihr J. Barth.

 

391. J. Barth an C.H.B. Berlin, 6.2.1906

Sehr geehrter Herr College!

Empfangen Sie meinen besten Dank für Ihre neue Abhandlung über aegyp(ische) Papyri, die ich natürlich mit größtem Interesse gelesen habe. Sie haben dabei wieder die Kunst scharfsinniger Ergänzungen und Erklärung bewährt. Schade nur, daß Sie nicht auch die Stücke Koritz, Ar.Pal. alle, die Sie erklärten, reproduciert haben, da ja die Wenisten es in Händen haben. Qorra gewinnt immer eine bessere Physiognomie.

Beim Lesen Ihrer Abhandlung habe ich mir da Notizen gemacht, wo ich meinte, daß man anders lesen könne. Ich lege Sie Ihnen in natura zur Erwägung hier bei.

Mit dem besten Dank und der Bitte, beste Grüße an Coll(ege) Bezold und Herrn Hellwig zu bestellen, bin ich Ihr J. Barth

 

392. J. Barth an C.H.B. Berlin, 3.4.1906

Lieber Herr College!

Mit großem Genuß habe ich Ihre gelehrte und scharfsinnige Abhandlung über den Minbas gelesen, die mir einen durchaus überzeugenden Eindruck macht. Neben der Hauptsache erklären Sie auch sehr gut solch dunkle Ausdrücke wie (arabischer Text) usw.

Die Etymologie von (AT)5 scheint mir auch auf auswärtigen (AT) Ursprung, vielleicht aus dem Jemen und dort aus Abessinien zu führen. Es kommt zwar (AT) res.elata usw. im Arabischen vor, aber gerade (AT) sonst nicht und die Wurzel hat auch sonst kaum Spuren der betreffenden Bedeutung. Die Vocaldifferenz (AT) gegenüber manbar kommt bei einem Fremdwort nicht sehr in Betracht.

Sie wissen doch vielleicht, daß auch in der Synagoge heute noch der sog. Al-memmar existiert, eine Erhöhung in der Mitte, worauf der Tora-Abschnitt verlesen wird. Das beruht wohl auf Zutlegnung (?unleserlich), etwa in Spanien.

Zum ‚Sitzen’ des Richters und Herrschers ist auch hebräisch (hebräischer Text) zu vergleichen, welches auch ohne Zusatz dies bedeutet, z. B. Psalm 29,10; vgl. auch 9,5 usw.

Beim ‚Stab’ ließe sich vielleicht an den Hirtenstab als Ursprung denken; nennt ja auch Homer den Fürsten (griechischer Text). Vgl. die 2 Stäbe als Zeichen der Herrschaft bei Zacharia 11, 71, die dort direct mit dem Weiden von Schafen in Beziehung gebracht werden.

Sonst sind die hebräischen Ausdrücke (HA) vom Fasten (Jesaja 11) usw. zu vergleichen. Auch der Stab als Rechts(?symbol) geht wohl (auf) (HT) Stamm zurück.

Nehmen Sie diese kleinen Bemerkungen als Ausdruck des Danks für Ihre sehr gehaltvolle Abhandlung, die ich mit lebhaftem Interesse gelesen habe.

Seien Sie noch herzlich gegrüßt von Ihrem treuergebenen J. Barth.

 

393. J. Barth an C.H.B. Berlin, 8.4.1907

Sehr geehrter Herr Kollege!

Ihr Büchlein Christentum und Islâm habe ich mit wirklichem Genuß gelesen und danke Ihnen sehr für seine Übersendung. Sie haben eine Reihe weitausschauender Gesichtspunkte in die Vergleichung hineingezogen, die in der That eine weitreichendere Einwirkung des Christentums annehmen lassen, als man bisher vielfach glaubte. S. Fränkel-Breslau sprach mir vor Jahren einmal aus, daß die häufigen Schilderungen der Höllenqualen der Sünder wie (AT) auf christlichen Einfluß zurückginge. Auf einer Reihe von Einzelgebieten des materiellen und geistigen Lebens haben Sie nun hier gleiche Einwirkungen wahrscheinlich gemacht.

Freilich ist zu berücksichtigen, daß bei einer Reihe derselben im altjüdischen Schriftthum dieselben Gedanken vorliegen und man dann nicht wissen kann, von wo aus die Einwirkung auf die Araber erfolgt ist.

So ist z. B. die abschätzige Behandlung der ‘Badehäuser’ (HT) auch im rabbinischen Schriftthum vorhanden; erinnere ich mich recht, so werden sie als Stätten unsauberen Treibens geschildert (vgl. in meiner gleich unten citierten Abhandlung).

Ferner, daß der Erwerb für die Familie (Frau und Kinder) so gut wie Almosen sei (AT) findet sich fast wörtlich im 6. Talm(ud?) Kethuboth 50a.

(Dieses und mehrere gleiche Fälle von Übereinstimmungen habe ich behandelt in der Festschrift für A.Berliner ‘Midraschische Elemente in der muslimimischen Tradition’, S.33-40.)

Ebenso stimmt bekanntlich das Tischgebet vor und nach dem Essen auch mit dem Jüdischen zusammen, ferner das Verbot, Speisebrocken auf dem Boden liegen zu lassen (S.35); nur wenn sie ganz klein sind (‚weniger als eine Olive groß’), gibt es im Talmud nicht.

Weiter wird es in Trakt(atum) Berákhòth als ungünstig bezeichnet, längere Zeit keine Träume zu haben (S.36). Daß Regenbitten und ihre Wirkung auch hier vorkommen, ist natürlich (vgl. in der genannten Abhandlung S.39). In allen solchen Fällen wird es schwer halten, die Quellen der Einwirkung festzustellen.

Aber für eine Reihe von Gebieten haben Sie christliche Einflüsse sehr wahrscheinlich gemacht, und die weiteren geschichtlichen Vergleichungen, die Heranziehung von Parallelen aus der christlichen Kirchengeschichte sind lehrreich.

Wie leicht auch ohne nachweisbare Einwirkung gleiche Folgeerscheinungen auf getrennten Religionsgebieten erwachsen, zeigt der jüdische Chasidäismus6 in Galizien, Rußland usw., wo sich Wundertheater, Heiligenglaube und alle möglichen Erscheinungen der Mystik in gleicher Weise wie im Islam entfaltet haben. Das zeigt, daß man nicht zurückhaltend genug in der Behauptung der Ursprünge und Übergänge sein kann.

Nehmen Sie nochmals meinen herzlichen Dank für Ihre sehr lehrreichen Darlegungen und viele Grüße von Ihrem J. Barth.

 

394. Postkarte von J. Barth an(Prof.) C.H.B. Berlin, 12.4.1907

Lieber Herr Kollege,

als ich Ihnen neulich schrieb, hatte ich vorher gesucht, ob ich noch ein Exemplar meiner kleinen Abhandlung hätte, aber vergeblich. Heute fand ich bei nochmaligem Suchen eins, in das ich mir wenige Notizen gemacht und sende es Ihnen. Es ist ja wenig, aber zufällig befaßt sich der Inhalt mehrfach mit Stücken Ihrer Schrift. Nöldeke hat recht, dass über das Badehaus in Adoda Zara steht; ich hatte mich nur der Sache selbst, aber nicht der Stelle erinnert. Vor einigen Jahren hat in Heidelberg ein Herr Jampel studiert, der ein hervorragender Talmud-Kenner war und der Ihnen hätte viel leisten können; er ist aber wohl nicht mehr dort. Ich weiß nur so für den Hausbedarf daraus, aber das nützt mir für die linguistischen Studien auch oft genug. Wenn Sie mir einmal schreiben, kann ich Ihnen mein eigenes Wissen vorsorglich ankündigen.

Ich lasse eben ein erstes Heft vergleichender Sprachstudien drucken, das ich Ihnen in ca. 6 Wochen schicken zu können glaube.

Den Kanz al ummál besitze ich noch nicht, will ihn aber jetzt in der Königlichen Bibliothek benutzen.

Herzlichst Ihr J. Barth.

 

395. Postkarte von J. Barth an C.H.B. Berlin, 9.6.1907

Lieber Herr College!

Für die freundliche Übersendung Ihres Qureir Amra-Artikels sage ich Ihnen besten Dank. Ich habe ihn mit großem Interesse gelesen, bin aber zu dem Werke selbst leider noch nicht gekommen. Mich werden namentlich die eingestreuten Mittheilungen über Beduinenleben – Sitten – und Gebräuche, von denen Nöldeke in seiner Besprechung spricht, an dem Werk sehr interessieren. An ein (AT) glaube ich nicht; da würde auch ich (AT) weit vorziehen. Ihre kunstgeschichtlichen Anregungen waren für mich als Vorbereitung für die Lectüre des Buches sehr belehrend. Mit herzlichen Grüßen Ihr J. Barth.

 

396. J. Barth an C.H.B. Berlin, 11.12.1908

Lieber Herr College!

Ich will Ihnen mit diesen Zeilen nur meinen besten Dank für Ihren Brief und die in ihm enthaltenen Mittheilungen aussprechen. Es war vorher wie ein Alp auf mir gelegen, daß ich, natürlich ganz ohne Absicht, etwas Ihnen Unangenehmes in meinem Rundbriefe geschrieben hatte, weil ich nach dem Protokoll sicher geglaubt hatte, man habe Ihnen dort die in Betracht kommenden Tatsachen verschwiegen.

Ich freue mich, dass nun alles geklärt ist und danke Ihnen wiederholt für alles Liebe und Gute!

Wie schön ist es doch, wenn man nach solchen schlimmen Störungen wieder zur wissenschaftlichen Tätigkeit zurückkehren kann. Da Sie jetzt so nahe wohnen, hoffe ich Sie öfter einmal persönlich bei mir sehen zu können und über Ihre Hamburger Erfahrung und die (AT) –Unternehmungen Genaueres von Ihnen zu hören.

Vollers ist, wie mir seine Gattin schreibt, leider schon drei Monate nicht wohl, fieberleidend.

Mit herzlichen Grüßen Ihr treuergebener J.Barth.

 

397. J. Barth an C.H.B. Berlin, 28.5.1909

Sehr geehrter Herr College!

Für Ihre Abhandlung ‚Ist der Isl(am) eine Gefahr?’ sage ich Ihnen verbindlichen Dank. Die Darlegungen über die Geschichte und die relig(iösen) Verhältnisse in Zanzibar und den deutschen Kolonien, die Haussas, Fulbe usw. sind mir sehr lehrreich gewesen. Vor allem aber habe ich mit großer Sympathie Ihre Rathschläge hinsichtlich der Missionen und Ihre Darle-gungen über Religion und Kultus verfolgt, denen ich vollständig beipflichte. Das Betreiben von Mission beruht auf dem einseitigen Kirchenglauben, daß nur ein Weg zu Gott führe und daß jeder andere in die Hölle mündet. Wie von Ihrem Standpunkt das ablehnen, so habe ich in meiner jüdischen Erziehung als einen der wichtigsten Sätze für’s Leben gelernt:

Die Gerechten aller Völker sind Gott wohlgefällig; aus diesem Gesichtspunkt verwirft das Judentum alle Mission. Man kann kulturell niedrige Völker durch direkte Mittel für die Kultur gewinnen, wenn z. B. die Beamten der deutschen Regierung durch humanes Verhalten, durch Milde in der Form bei sachlicher Energie, durch Hebung des Wohlstands, und indem man die Regierten – wie Sie richtig betonen – nicht die Inferiorität zu drückend fühlen läßt.

Der Muhammedanismus macht trotz s(eine)s Ritualismus von jeher enorme Propaganda; meiner Ansicht nach ist dieser sogar ein starkes Mittel, das seine Energie bei seinen Bekennern hebt. Bei den einfachen Grundwahrheiten, mit denen er erfolgreich Mission macht, waren ihm diese nicht hinderlich. Natürlich gilt dies aber nicht für alle Kulturkreise.

Mit bestem Dank und Gruß Ihr treuergebener J.Barth.

 

398. C.H.B. an J. Barth. (Hamburg?), 18.3.1910

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor!

Herzlichen Dank für Ihren freundlichen Brief aus Wiesbaden. Ich möchte ihnen gleich darauf antworten, um Ihnen zusagen, wie sehr ich mich freuen würde, auch Sie zu den Mitarbeitern meiner Zeitschrift rechnen zu dürfen. Alles, was Zauber und Aberglauben angeht, oder überhaupt die Volkskunde im weitesten Sinne des Wortes, wird natürlich mit Freuden aufgenommen werden; es muß nur irgendwie mit dem Islam zusammenhängen. Ihre Sammlungen scheinen mir gut geeignet zu sein für meine Zeitschrift. Ich ersehe mit Freuden aus Ihren Angaben, daß Sie auch für die Realien größere vorarbeiten liegen haben. Also bitte denken Sie gelegentlich an mich. Besonders wertvoll sind mir Beiträge, wie Ihre schöne Arbeit über die Beziehungen zwischen dem Hadith7 und der jüdischen Literatur.

In bekannter Verehrung Ihr Ihnen wie stets dankbar ergebener (C.H.B.)

 

399. J. Barth an C.H.B. Berlin, 20.5.1910

Sehr geehrter Herr College!

Mit m(eine)m besten Dank für die Übersendung Ihrer zwei Abhandlungen verbinde ich meine Glückwünsche zur Eröffnung des Islam (AT), zu der ich ebenfalls Ihnen ein ‚quod felix faustumque sit’ zurufe. Ich habe beide Abhandlungen mit großem Interesse, bes(onders) aber die vortreffliche über ‚D(er) Islam als Problem’ wiederholt gelesen, weil sie eine Reihe von (wenigstens mir) neuen, sehr fruchtbringenden Gedanken und geschichtlich wichtigen Auffassungen enthält. Winklers Gedanke, der an Schickers Wort vom ‚Hunger und der Liebe’als Beweger des Weltgetriebes erinnert, hatte er früher vor der Veröffentlichung oft mir gegenüber ausgesprochen; er hat die Anregung dazu aus einem englischen culturhistorischen Werk, das er mir nannte. Ich habe früher nie daran glauben wollen, bin aber jetzt geneigter. Die Araber selbst führen die Auswanderung der südarab(ischen) Stämme nach dem Norden ja auf den (AT), also auf ein schweres Naturereignis zurück. Also mag schon bei ihnen ein Bewußtsein von dem Drängen ungünstiger Naturverhältnisse zur Wanderung gelebt haben.-

Ihre Darlegung der in den verschiedenen Zeiten ganz verschiedenen geschichtlichen Factoren für die Bildung e(ine)r muslim(ischen) Einheitskultur sind für mich ebenso lehrreich wie überzeugend gewesen. Zu den Beispielen der Einwirkung der fremden, dem Islam incorpo-rirten Culturkreise auf diesen gehört z.B. auch der der Iráqier und Perser auf die arab(ische) Sprachwissenschaft, die kufische und basrische Schule, die persischen Koranausleger, die Vermittlung der griechischen Grammatik zu den Arabern hin durch die Syrer u.v.A.

Die zweite Abhandlung war mir wegen der wirtschaftlichen Gesichtspunkte, die Sie erörtern, sehr interessant. Je weniger diese Fragen im Bereiche meiner Studien liegen, um so mehr freut es mich, etwas darüber orientirt zu werden.

Wensincks zwei kleine Artikel sind sehr hübsch. Beim ersten ist zwar die jüdische Parallele nicht zum ‚Gottesdienst’ gehörig; viell(eicht) aber hat schon bei den Tradionariern die Verwechslung stattgefunden.

Sobald ich mit der Ausarbeitung m(eine)r vergleichenden größeren Arbeit fertig bin, hoffe ich, etwas aus m(eine)n Sammlungen für den Islam ausarbeiten zu können. Ihr Verleger macht aber die Preise hier, wie bei ZA(?), etwas hoch, was die größere Verbreiterung leicht hemmen kann.

Mit herzlichen Grüßen und Wünschen Ihr J. Barth.

 

400. J. Barth an C.H.B. Berlin, 4.12.1911

Sehr verehrter Herr Kollege!

Soeben habe ich die Lektüre Ihres sehr lehrreichen Artikels über das Aphroditowerk beendigt; an das 2te übersandte Stück werde ich jetzt herangehen. Für die schönen Darlegungen aus e(ine)m Gebiet, wohin ich selbst leider nicht gelange, sage ich Ihnen verbindlichen Dank. Die auf S.370/1 erwähnte Methode, als (AT) einen Ring auf die Hand anzubringen und der ‚tabi’ rusás sind offenbar weit verbreitet gewesen. Belege dafür bei den Arabern (längerer arabischer Hinweis).

Aber offenbar ist auch das Bild Hiob 37,37 (HAT) sowie auch Hiob 33,16 (HT) d.h. an ihr Band legt er das Siegel, auf diese Sitte zurückzuführen, er bedeutet: ‚er bezeichnet sie durch diese Siegelanlegung als seine Sklaven’.

Aus der alten Adresse für meine Wohnung auf Ihrer Zusendung sehe ich, wie lange Sie dieselbe nicht mehr gesehen haben.

Mit herzlichem Gruß und Dank Ihr sehr ergebener J.Barth.

 

401. J. Barth an C.H.B. o.D.

(unvollständiger Text, Eingangsblatt fehlt im Dossier)

Von dem Austritt Prof. Nöldekes wurde wahrheitswidrig keine Mitteilung im Protokoll gegeben. Das war doch nicht bona fide? Das war eine Fälschung wie die andern Dinge.

Ein hervorragender Fachgenosse, der den Protest mit unterzeichnet hat und F.8 sehr genau kennt, schreibt mir: „Da F. unbegrenzte Zeit hat, rechthaberisch jeden Unsinn zu verfolgen, können Sie nicht gegen ihn aufkommen. Wir haben ja Alle in der Welt noch etwas Anderes zu tun, während er nie so töricht sein, ein wissenschaftliches Buch zu schreiben.“

Gegen die DMG9 habe ich ebenso wenig wie Sie etwas tun wollen. Ich habe nur gegen die unwahrhaftige Darstellung im Protokoll, die Fischer weißwaschen will, Einspruch erhoben. Solange der Halle-Leipziger-Vorstand ihn in seinem Amte beläßt, wolle mehrere Collegen, wie sie mir mitteilen, mit der ZDMG keine Beziehung unterhalten. Das halte ich auch für richtig. Es kann jemand seinen Rock, aber nicht seinen inneren Menschenausziehen.

Ich habe Ihnen Alles so ausführlich geschrieben, weil zwischen uns die alte Freundschaft und das volle gegenseitige Verständnis besteht und weiter bestehen wird. Ich weiß sehr wohl, daß Sie sehr viel in dieser Sache auf sich genommen hatten und ausgeführt haben. Ich wollte in einem Rundbrief nur in die neuen Schliche F(ischer)s hineinleuchten, zu deren Ausführung sich einige Halle-Leipziger Herrn hergeben.

Nochmals besten Dank für Alles und die herzlichsten Grüße Ihres treuergebenen J. Barth.

 

402. Postkarte von J. Barth an C.H.B. Berlin, 24.6.1912

Sehr verehrter Herr Kollege!

Für die freundlich übersandte ‚Stadtgeschichte von Cairo’ sage ich Ihnen verbindlichen Dank. Aus der, wie immer, mit großer geschichtlicher Sachverständigkeit gearbeiteten Abhandlung habe ich mich mit Genuß über die einschlägigen mir leider ferner liegenden Verhältnisse informiert und die Kastenillustrationen waren mir dabei sehr erwünscht.

Ich habe endlich in diesen tagen meine schon lange in Arbeit gewesene vergleichende Arbeit abgeschlossen und an den Verleger abgehen lassen, so daß nur noch das Korrekturlesen bevorsteht. Sie hat mich gezwungen, mich mit vielen anderen, außer der arab(ischen) Literatur zu beschäftigen, und daher die Aufforderungen der ‚Enzyklopädie’ abzulehnen.

Mit bestem Gruß Ihr J. Barth.

 

403. Postkarte von J. Barth an C.H.B. Berlin, 9.9.1912

Sehr geehrter Herr Kollege!

Soeben aus der Schweiz heimgekehrt, (wobei ich auch uns(eren) verehrten (AT) in Herrenalb besucht habe) fand ich die von Ihnen freundlichst übersandten Artikel gleichzeitig mit mehreren Korrekturbögen eines linguist(ischen) Buches vor, das ich eben drucken lasse, vor. Ich konnte erste heute Nachmittag nach Absendung der Korrekturen an die Lektüre der sehr gehaltreichen Übersicht über die Erscheinungen zum ‚Islam’ (im Art(ikel) für Religionswissenschaften) gehen, aus der ich eine Menge Neues erfahren habe. Durch das mehrjährige Vergraben in linguist(ischer) Literatur hatte ich nicht einmal von Caétanis kürzerem Werk erfahren, das Sie aufführen, von den französ(ischen) Arbeiten zur Kodification des muslim(ischen) Rechts u.v.A. ganz zu schweigen, an die ich doch schwerlich je komme. Aber über die Bedeutung von Hortens Arbeiten und ihre Methode bin ich mit lebhaftem Interesse von Ihnen unterrichtet worden, wie über noch vieles Andere, wofür ich Ihnen, wie auch für die zwei anderen Arbeiten, herzlich danke. Ich werde sie wohl in der kommenden Woche zu Ende lesen. Mit vielen Grüßen Ihr J.Barth.

 

404. C.H.B. an Geheimrat Prof. Dr. J. Barth Hamburg, 21.5.1913

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Professor,

Ich möchte mich heute mit einer Bitte an Sie wenden. Wie Sie wissen, ist Prüm gestorben, und ich möchte gern einen kurzen Nachruf im Islam auf ihn bringen, so ähnlich wie ich es für Euting und David Heinrich Müller getan habe. Nun fehlt mir jede persönliche Kenntnis von ihm, auch übersehe ich seinen Freundeskreis nicht, deshalb wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie entweder selber einige Worte über ihn sagen wollten, da Sie ja doch mit ihm am Tabari10 gearbeitet haben, oder, daß Sie mir jemanden nennen, den Sie für diese Aufgabe geeignet hielten. Als Muster für diesen kurzen Nachruf könnte der von Nödeke auf Euting dienen.- Vor drei Tagen ist mir ein zweiter Sohn11 geboren worden, es geht alles nach Wunsch.

In der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen und mit herzlichen Grüßen

Ihr Ihnen aufrichtig ergebener (C.H.B.)

 

405. Postkarte von J. Barth an C.H.B., HH. Berlin, 22.5.1913

Sehr geehrter Herr Kollege!

Daß Sie im Islam Nekrologe hervorragender Arabisten bringen, finde ich sehr schön! Prym habe ich nur einmal in meinem Leben vor 36 Jahren gesehen und kenne ihn weiter nicht. Dagegen sagte mir Sobernheim vor einiger Zeit, daß Marquardt bei Prym gewesen sei und an dessen Tabari stark mitgearbeitet habe; (dieses unter Diskretion, da ich es nur von S(obernheim) gehört). Marqu(ardt) müßte also über ihn schreiben können; seine Adresse ist Berlin-Wilmersdorf, Binger Str. 88.

Zur Geburt Ihres zweiten Sohnes gratuliere ich herzlich. Es wird Sie interessieren, daß meine Tochter, wegen deren ich Jahre lang Sorge hatte, seit 6 Wochen glückliche Mutter e(ine)s Sohnes ist, nachdem sie seit mehreren Jahren gesund und seit 2 Jahren verheiratet ist.

Jetzt, nachdem meine Pron(omen?)-Bildung fertig ist, die mich Jahre lang beschäftigte, hoffe ich Ihnen bald etwas (?unleserlich: Interessantes) für den Islam schicken zu können.

Mit herzlichen Grüßen Ich J.Barth.

 

406. Postkarte von J. Barth an C.H.B. Berlin, 17.9.1913

Sehr geehrter Herr Kollege!

Vorgestern Nacht von einer langen Sommerreise heimgekehrt, fand ich Ihre fr(reundlichen) Zusendungen vor, die ich heute mit lebhaftem Interesse las. Empfangen Sie aber vor allem meine herzlichsten Glückwünsche zu Ihrer Berufung nach Bonn; mögen Sie in dem Wirken daselbst reiche Befriedigung finden! Es freut mich, daß Sie dem so früh verstorbenen Winkler einige schöne Blumen auf das Grab gesetzt haben. Er ist ungewöhnlich vom Schicksal angefaßt worden. Die Idee, die er über die Ursache des Vordringens der Araber vertreten hatte, hatte er mir Jahre vor der Publizierung entwickelt und dabei betont, daß er dazu durch ein englisches Werk (Tylor?) entscheidend angeregt worden sei.

Lammers Schrift hatte ich auf die Reise mitnehmen wollen, hatte sie aber vorher nicht erlangen können. Ihre Prinzipien sind einleuchtend.

Empfangen Sie noch herzlichste Grüße Ihres J. Barth.

 

407. Postkarte von J. Barth an C.H.B. Berlin, 18.6.1914

Sehr geehrter Herr Kollege!

Für Ihren zugesandten S(onderdruck) sage ich Ihnen besten Dank. Ich habe ihn mit Interesse gelesen. Sie haben nur allzusehr recht mit der Bemerkung, daß es nicht genug Mitarbeiter gibt. Das ist am stärksten im Gebiet des Arabischen zu spüren, dessen Pflege leider sehr zurückgeht.

Mit herzlichen Grüßen Ihr J. Barth.

 

408. Postkarte von J. Barth an C.H.B, Bonn. Berlin, 8.7.1914

In den nächsten Tagen schließe ich eine kritische Arbeit über den Qorân (Studien zur Kritik und Exegese des Qorâns) ab, die etwa 2-2 ½ Druckbogen umfassen wird. Da ich bisher in Zeitschriften nur linguistische Artikel veröffentlichte, die sich für den Islam nicht eigneten, so habe ich für die vorliegende zunächst an den Islam gedacht, um auch hier einmal als Gast zu erscheinen. Vorausgesetzt, daß das Thema sich für die Zeitschrift eignet und daß dabei Gelegenheit gegeben ist, 100 Separata mit besonderer Pagination (also 70 über die gewöhnlichen hinaus) herstellen zu lassen, natürlich auf meine Kosten.

Wollen Sie mir nun mitteilen, ob in nächster Zeit Raum frei wäre und ob die Separata herzustellen möglich sein würde, evtl. zu welchem Preis? Indem ich noch herzliche Grüße beifüge, bin ich Ihr ergebenster J. Barth.

 

409. C.H.B. an J. Barth. Bonn, 9.7.1914

(Maschinenkopie)

Hochverehrter, lieber Herr Professor,

Ihre heutige Karte war mir eine außerordentliche Freude. Schon lange möchte ich gern einmal etwas aus Ihrer Feder im Islam bringen, umsomehr, als ich mich in Arabicis so ganz als Ihren Schüler fühle. Ihre Wünsche können natürlich leicht erfüllt werden. Trübner läßt sich Separatabzüge allerdings relativ hoch bezahlen, nicht, weil er dabei etwas verdient, sondern aus Geschäftsprinzip, um die Nachfrage nach Separaten einzuschränken. Ich kann Ihnen die genaue Kostensumme zur Zeit nicht nennen, aber bei 2 ½ Bogen wird etwa die Hälfte des Honorars auf die 70 Exemplare draufgehen. Ich werde aber noch einmal besonders an Trübner schreiben, wenn ich Ihr M(anuskript) in Händen habe, um Ihnen bestmöglichste Bedingungen zu verschaffen.

Schwieriger ist die Frage des Zeitpunktes, denn ich habe soeben Heft 2 und 3 des Jahrgangs erscheinen lassen und Heft 4 ist bereits vollständig gesetzt und soll im August erscheinen. Immerhin denke ich im Spätherbst noch das erste Heft des 6. Bandes, von dem ab der Umfang der Zeitschrift etwas stärker werden wird, herauszubringen. Dafür sind zwar bereits einige sehr schöne und wertvolle M(anuskripte) größeren Umfangs angenommen, aber nur eines davon ist bisher im Satz, sodaß ich noch eine Verschiebung eintreten lassen müßte. Jedenfalls tue ich mein Möglichstes. Ich will (Schluß fehlt!) (C.H.B.)

 

410. Postkarte von J. Barth an C.H.B. Berlin, 10.7.1914

Lieber Herr Kollege!

Besten Dank für Ihren Brief. Ich habe zu schreiben vergessen, daß meine Arbeit auch in zwei Hälften erscheinen kann. Das wird die Sache wohl erleichtern. Das baldige Erscheinen der ersten Hälfte wäre mir allerdings lieb. Wegen der Pagination werden wir uns schon verständigen.

Der Artikel Nöldekes ist sehr schön; den zweiten (Die Reyrusion? Unleserlich) muß ich noch lesen.

Ich werde meine Arbeit noch etwa 8 Tage redigieren und Ihnen dann schicken, viell(eicht) auch die zweite Hälfte, wegen etwaiger Korrekturen noch hier behalten.

Mit herzlichen Grüßen Ihr J.Barth.

 

411. J. Barth an C.H.B. Berlin, 17.7.1914

Lieber Herr Kollege!

Inliegend sende ich ihnen das Manuskript. Ich hoffe, daß Sie, wenn Sie es in zwei Teilen bringen, für den 1. Teil Raum in der nächsten noch nicht gesetzten N(ummer) finden werden. Wenn Sie erst disponiert haben, so bitte ich, mir freundlichst Mitteilung zu geben, auch wegen der Sonderabzüge. Wenn bei diesen die besondere Pagination Mühe macht, werde ich nicht auf ihr bestehen, aber lieber wäre es mir so, wie es ja auch bei Abzügen aus Verhandlungen der Akademie zu geschehen pflegt. Daß 100 Ex(emplare) separat im Buchhandel erhältlich seien, scheint mir im Hinblick auf das Qorân-Thema doch nötig.

Die zwei Artikel von Nöldeke sind prächtig. Ich habe sie mit größtem Interesse gelesen und glaube, daß sie sehr am Platze waren. Auch der von Peddersen wird mich natürlich sehr interessieren.

Mit vielen herzlichen Grüßen Ihr treuergebener J. Barth.


1 Becker studierte bei ihm während der Berliner Semester.

2 Sollte Becker sich Malaria eingefangen haben??

3 Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft.

4 Chorassan (auch Chorasan, Khorasan), persisch: Land des Sonnenaufgangs, im NO Persiens, ein etwa 1000 m hohes von Gebirgszügen umschlossenes Steppenhochland mit gemischter Bevölkerung (Tadschiken, Turkmenen, Belutschen und Hesorehs. Teppichknüpferei. Hauptstadt Mesched, unweit der afghanischen Grenze.

(Brockhaus 1953)

5 Die vielen fremdsprachigen Zitate kürze ich ab mit AT= arab. Text, GT=griechischer text, HT=hebräischer Text

6 Chassidismus, von hebr. Chassidim=die Frommen, jüdische religiöse Bewegung in der Ukraine und Polen um 1750 entstanden; etwa vergleichbar mit der pietistischen Bewegung im Protestantismus zur gleichen Zeit in Deutschland.

7 Hadith, arabisch: Mitteilung, Erzählung, die dem Propheten Mohammed zugeschriebenen Aussprüche, die neben dem koran als Quelle der religiösen Vorschriften betrachtet werden. Brockhaus 1954

8 Aus dem Text geht weiter unter hervor, daß es sich um Herrn Fischer handelt.

9 Zur Erinnerung: Deutsche Morgenländische Gesellschaft.

10 Abu Dscha’far Tabari, arabischer Geschichtsschreiber, islamischer Theologe und Rechtsgelehrter, *839 in Amul, Provinz Tabaristan, + 923 in Bagdad, wo er nach Studien in Iran, Irak, Syrien und Ägypten unterrichtete. Großer Korankommentar (Tafsir), Weltgeschichte (Ta’rich). Brockhaus 1957

11 Hellmut Becker *19.5.1913 +1993 in Berlin als Gründer des MPI für Bildungsforschung

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