Chinareise 1931/32

Chinareise für den Völkerbund 1931

123. C.H.B an seine Geschwister. Berlin(?), 17.8.1931 (Maschinenkopie)

Liebe Geschwister,

am 30. August werde ich auf der Bremen von Bremerhaven aus meine Reise nach China antreten. Der Plan ist folgender: Ankunft in New York am 5. September, Fahrt über den Kontinent durch Canada nach Vancouver; von dort mit der Empress of Canada ab 12. September zunächst nach Honolulu (17. September), dann weiter nach Yokohama (27. September), Kobe (28. September) und Shanghai (29. September). Wir werden nur kurz in Shanghai bleiben und uns direkt nach Nanking begeben, wo eine erste etwa 14tägige Information stattfinden soll. Geplant ist von dort nach Peking, also in den Norden zu gehen und dort ebenfalls 14 Tage zu bleiben. Alles Weitere ist unbestimmt, doch besteht der Plan, auch irgendwo ins Innere vorzustoßen, etwa nach Hankau, wenn nicht die großen Überschwemmungen der letzten Wochen die Reise unmöglich gemacht haben, und dann nach Canton.- Meine weiteren Pläne sind dann, Japan zu besuchen und Niederländisch Indien, Java. Die eigentliche Mission wird Mitte Dezember zuende sein, und ich werde die normale vierwöchige Rückreise um etwa 6 Wochen überschreiten, um einige mir auch für die Wissenschaft wichtigen Gegenden der Welt kennen zu lernen, so neben Niederländisch Indien mit seiner fast rein muhammedanischen Bevölkerung, wenn möglich Irak und vielleicht Persien. Indien möchte ich eigentlich beiseite lassen, um mir in der kurzen Zeit nicht zuviel zuzumuten. Für die Studienfahrt durch mein eigenes Forschungsgebiet bekomme ich eine seinerzeit bei meiner Berufung ausbedungene Subvention von Seiten des Kultusministeriums zu den Vergütungen des Völkerbundes hinzu, so daß ich auch diese Reise ebenso wie die amerika-nische vom Vorjahr wohl ohne Aufwendungen eigener Mittel werde durchführen können. Nur mit allem Vorbehalt kann ich über die Dauer sprechen. Nach meiner Schätzung werde ich spätestens am 1. März (1932) in Deutschland zurück sein.

Zweck der chinesischen Mission ist der Wunsch des Völkerbundes, China in seiner schwierigen Lage zu beraten und vor allem das von China als Mitgliedsbeitrag an den Völkerbund bezahlte Geld im Interesse Chinas zu verwenden. Ausgangspunkt war eine Sanitätskommis-sion des Völkerbundes, der sich dann eine für Straßen- und Wasserbau und eine für die Silberwährung anschloß. China selbst bat darum, diese Kommissionen durch eine für Unterrichtswesen zu ergänzen. Natürlich mache ich mir keine Illusionen. China ist ein Kontinent, und die politischen Verhältnisse sind so, daß die besten Vorschläge wohl an der Labilität der Verhältnisse scheitern werden. Aber immerhin muß der Versuch gemacht werden, und es war schon im deutschen Interesse einfach unmöglich, daß ich ablehnte. Außerdem betrachte ich es als eine schicksalhafte Fügung, daß mir gerade in diesen für Deutschland so schweren Zeiten eine solche Arbeit für übermorgen angeboten wird, bei der ich meinen doppelten Entwicklungsgang als Orientalist und als Pädagoge verwerten kann. Die Hauptsache wird sein, daß wir lernen und anschauen. Ich glaube, daß alles irgendwie Mögliche an Reformen schon einmal durchdacht oder jedenfalls zu Papier gebracht ist, und daß unsere Hauptaufgabe darin bestehen wird, mit unserer Autorität diejenigen Kreise in China zu stützen, die im Ringen der Meinungen das unserer Überzeugung nach Beste und Wesentlichste zu verwirklichen suchen.

Die Mission besteht aus 4 gleichgeordneten Experten, unter denen ich das Generalreferat und einen formellen Vorsitz führe. Die anderen Herren sind:

  • Professor Langevin, ein berühmter Physiker vom Collège de France, der von Frankreich in letzter Zeit auch in pädagogischen Dingen immerhäufiger herausgestellt wird, und der z.B. auf dem großen Pädagogischen Kongreß in Nizza 1932 Präsident sein wird, während man mir die Vizepräsidentschaft angeboten hat.
  • Der zweite ist ein Engländer, Professor Tawney von der London School of Economics, der Einzige von unserem Kreis, der China schon selbst bereist hat und uns ein sehr wertvolles Exposé über seine Eindrücke vorgelegt hat. Er ist ein sehr kenntnisreicher und angenehmer Mann. Beide Herren etwa meines Alters.
  • Der dritte (im Entwurf zweite!) ist ein Pole namens Falski, Professor an der Universität Warschau und gleichzeitig Leiter des polnischen Volksschulwesens. Ich kenne ihn leider noch nicht,, da er an den Besprechungen in Genf wegen Erkrankung nicht teilnehmen konnte.
  • Außerdem wird uns die rechte Hand von Drummont, ein Captain Walters für die diplomatische Seite der Angelegenheit begleiten. Er ist voraus gereist, um uns den Weg bei den Chinesen zu ebnen.
  • Reisemarschall wird ein Engländer namens Taylor, der uns als Sekretär begleitet.

Wie von meiner amerikanischen Reise werde ich auch diesmal wieder Rundbriefe schreiben, die in Berlin vervielfältigt werden und Euch zugehen. Die heutigen Zeilen gehen nur an die Geschwister, während die Reisebriefe auch einem engeren Kreis von Freunden zugänglich gemacht werden sollen.

Von den Meinigen kann ich nur Gutes berichten. Hellmut fährt heute nach England. Walter macht eine kleine Erholungsreise. Herta ist nach wie vor fleißig, und vor allem ist Hedwig gesund und frisch zurückgekehrt. Es ist noch unentschieden, ob sie während meiner Abwesenheit in Berlin bleibt oder nicht. In so schwierigen Zeiten ist ein so großes Haus wie das unsrige eine Last, wenn man es nicht voll ausnutzen kann.

Diese vorläufige Nachricht wollte ich Euch zukommen lassen, damit Ihr wißt, welches meine Pläne sind. Einige von Euch hoffe ich ja vor der Abreise noch zu sehen. Im übrigen wünsche ich Euch allen einen möglichst erfreulichen Winter.

 

124. Urlaubsgesuch des o.Professors Dr. C.H.Becker an den Kultusminister. Berlin, 1.7.1932

Da ich Ende Juli in Genf vor der Kommission für internationale Zusammenarbeit über meine China-Reise den Schlußbericht erstatten soll und am 27. Juli der internationale Pädagogen-Kongreß in Nizza beginnt, bei dem ich als Vizepräsident zu fungieren habe, bitte ich, sich stillschweigend damit einverstanden erklären zu wollen, daß ich meine Vorlesungen bereits am 20. Juli schließe.

 

125. Einladung für Herrn Professor Carl Becker. New York University, October 1, 1932

(Kongreß anläßlich der 100-Jahr-Feier der University of New York 15.-17.11.1932.

Thema: The Obligation of Universities to the Social Order)

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