Geheimrat Boehme, 1918/19

Revolution und Kriegsende in Deutschland

HA. VI. Nachl. C.H.Becker. Rep.92 Becker B 7875

96. C.H.Becker an Geheimrat Boehme, Sächsisches Ministerium für Kultus und Unterricht, Dresden. Berlin, 13.12.1918

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Kollege,

Das von den verschiedenen deutschen Unterrichts-Verwaltungen den deutschen Professoren in Konstantinopel gegebene Wort, nach Rückkehr für sie zu sorgen, respektive ihnen ein Wartegeld zu geben, verlangt schnellere Lösung als wir noch bei der Konferenz erwarten konnten. Herr Ministerialdirektor Schmaltz hat sich ja seinerzeit dem Vertreter der Professoren gegenüber genauso geäußert wie unser Minister Schmidt.

Ich wollte mir nun einmal die Anfrage erlauben, ob auch nach der Revolution die sächsische Unterrichtsverwaltung bei ihrem Standpunkte bleibt. Ich kann die Mitteilung machen, daß aller Voraussicht nach für Herrn Bergsträßer gesorgt werden wird, indem er in Berlin ein Extraordinariat erhalten soll. Ich hatte diese Stelle immer schon mit einem gewissen Seitenblick auf ihn frei gehalten. Es bliebe also für Sie nur noch Herr Penck übrig. Nachdem Ihnen Preußen bei einem Ihrer Herren die Verpflichtung abnimmt, würde es dankbar begrüßt werden, wenn auch Sie uns im Notfalle helfen würden, für den Fall, daß es uns nicht gelingt, alle unterzubringen. Im Augenblick übersehe ich die Verhältnisse noch nicht ganz, zumal auch die Straßburger jetzt noch versorgt werden müssen, woran sich Leipzig hoffentlich auch beteiligen wird.

In bekannter Hochschätzung und Verehrung Ihr Ihnen aufrichtig ergebener

(gez. C.H.Becker, Geheimer Regierungsrat)

 

97. Geheimrat Boehme an C.H.Becker. Dresden, 20.12.1918

(Maschinenmanuskript. Nr. 1491 A)

Hochverehrter Herr Geheimer Regierungsrat!

Schon vor Eingang Ihrer sehr schätzbaren Mitteilung vom 13. dieses Monats ist auf ein an mich gerichtetes Schreiben des Herrn Prof. Dr. Penck die Philosophische Fakultät zu Leipzig unter dem 10. dieses Monats zur gutachtlichen Vortragserstattung darüber veranlaßt worden, ob und in welcher Form für den genannten und Herrn Professor Dr. Bergsträßer an der Universität Leipzig eine besoldete Stellung – vielleicht im Wege eines etatmäßigen Extraordinariats – geschaffen werden könnte.

Sollte die Fakultät, deren Vortrag noch aussteht, nunmehr aber erinnert werden wird, diese frage in Ansehung des Herrn Prof. Dr. Bergsträßer verneinen, so würde die Sächsische Unterrichtsveraltung es nur dankbar begrüßen, wenn die von Ihnen erwogene Berufung des Genannten in ein Extraordinariat an der Universität Berlin verwirklicht werden könnte. Sie wird aber auch bestimmte Wünsche Ihrer Regierung betreffs Unterbringung Preußischer Professoren, die bisher an der Universität Stambul gelehrt haben, an Sächsischen Hochschulen im gegebenen Falle gern wohlwollend erwägen, wie sie sich natürlich auch an den vom Akademischen Direktorium der Universität Freiburg angeregten Maßnahmen zu Gunsten der Straßburger Universitäts-Professoren nach Möglichkeit beteiligen wird.

Indem ich mir weitere Mitteilung bezüglich des Herrn Prof. Dr. Bergsträßer bis zum Eingange des erwähnten Vortrags der Leipziger Philosophischen Fakultät vorbehalte, verbleibe ich in ausgezeichneter Hochachtung und Verehrung Euer Hochwohlgeboren ergebenster

(gez.) Boehme

 

98. C.H.B. an Geheimer Regierungsrat Dr. Boehme, Dresden. Berlin, 11.2.1919

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Kollege.

Gestatten Sie, daß ich noch einmal die Angelegenheit der Konstantinopler Professoren zur Sprache bringe. Es ist mir geglückt, die früher preußischen Dozenten ziemlich alle unterzubringen, zum Teil sogar in etatmäßigen Stellen. Wo das nicht möglich war, haben wir, der Zusage unseres früheren Ministers entsprechend, nicht etatmäßige Extraordinariate mit einem sicheren Einkommen von etwa 5000 Mark geschaffen. Professor Bergsträßer ist inzwischen hier in Berlin ernannt worden, nur der Leipziger Geologe, Professor Penck, ist einstweilen unversorgt. Das bedrückt ihn wie seinen Vater, unseren hiesigen Ordinarius für Geographie. Ich wollte mir deshalb einmal die vertrauliche Anfrage gestatten, ob sich nicht dort irgend eine Sicherstellung für ihn ermöglichen ließe. Ein bestimmtes Versprechen Ihres Herrn Ministers liegt allerdings nicht vor, aber Herr Ministerialdirektor Schmaltz hat sich damals dem Abgesandten der Professoren gegenüber durchaus auf den preußischen Standpunkt gestellt, daß für die Konstantinopler Herrn im Falle ihrer Rückkehr gesorgt werden solle. Im Protokoll unserer Hochschulkonferenz konnte das natürlich nicht zum Ausdruck kommen, da eine solche Versorgung ja höchstens als eine moralische Verpflichtung der einzelnen Staaten in Frage kommen sollte. Ich habe mir nun die größte Mühe gegeben, die unglückliche Konstaninopler Gründung möglichst anständig zu liquidieren und kann Ihnen gestehen, daß es nicht ganz leicht war, die nötigen Stellen zu schaffen. Gerade deshalb bin ich nun auch so interessiert daran, den noch übrig gebliebenen Herrn richtig versorgt zu wissen, und wäre Ihnen für eine kurze Mitteilung über die Stellungnahme Ihres Ministeriums zum Falle Penck aufrichtig verbunden.

Indem ich Sie bitte, mich Herrn Ministerialdirektor Schmaltz angelegentlichst zu empfehlen, bin ich in ausgezeichneter Hochachtung und Verehrung Ihr ergebenster

(gez. Becker) Geheimer Regierungsrat

 

99. C.H.B. an Geheimen Regierungsrat Dr. Boehme. Berlin, 29.3.1919

(Maschinenkopie)

Hochverehrter Herr Kollege!

Mein Herr Minister hat die Absicht, den Privatdozenten Dr. Biermann in Leipzig auf den erledigten Lehrstuhl der Nationalökonomie an der Universität Greifswald zu berufen. Ich habe die Ehre Ihnen davon Kenntnis zu geben, daß ich die Berufung mit gleicher Post an den Genannten werde abgehen lassen.

In ausgezeichneter Hochachtung und Verehrung Ihr ergebenster

(gez. Becker) Geheimer Regierungsrat

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