Schubert, 1916

58. C.H.B an den Direktor des Lyzeums in Bonn …, Bonn, 26.3.1916. (Entwurf)

Hochgeehrter Herr Schubert!

Ich melde hiermit meine Tochter Hertha im Lyzeum ab, da ich beabsichtige, sie vom April an in die Klostermann’sche Schule zu schicken.

Wie Sie wissen, kam ich hierher mit der festen Absicht, mich von den sozialen Vorurteilen gegen die städtische Mädchenschule nicht anstecken zu lassen, zumal ich aus Prinzip die städtischen oder staatlichen Schulen den privaten vorziehe. Nach fast zwei Jahren Erfahrung habe ich mich aber überzeugt, daß mein Kind unter der sozialen Zusammensetzung seiner Mitschülerinnen zu leiden hat. Die seelische Einbuße, die einem kleinen Mädchen dadurch zugemutet wird kann m.E. den Vorteil eines besseren Unterrichts nicht aufgewogen werden. So sehe ich mich schweren Herzens genötigt, mein Kind die Schule wechseln zu lassen.

Vielleicht haben Sie die Güte mich wissen zu lassen, ob der Wechsel zum 1. April oder mit dem Ferienanfang zu geschehen hat, da ich nicht wegen der wenigen Tage evtl. doppeltes Schulgeld zahlen möchte.

In vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener (C.H.B.)

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