Else Becker u. Ernst von Blumenstein jr.

HA. VI. Nr. 6286 (Else Becker, Ernst von Blumenstein jr.)

8. C.H.Becker an seine Schwägerin Else Becker. O.O (Bonn), 19.12.1913

(Maschinenkopie)

Liebe Else,

ich möchte Dir doch einmal aussprechen, wie herzlichen Anteil ich an Eurem Mißgeschicke mit Ully (nicht: Ulli) nehme. Daß ihr die Nierenattacke nicht erspart geblieben ist, ist wirklich fatal, aber selbst wenn man es in der verschärften Form erlebt, wie ich es seiner Zeit durch-machte, kann man doch völlig wieder gesund werden. Meistens geht es ja sehr viel glatter, als wie bei mir. Auch hat man wirklich, selbst in der schlimmsten Zeit, keine Schmerzen dabei, und wenn einmal die erste Zeit vorüber ist, befindet man sich sogar ganz behaglich in seinem Bett. Bei mir war es damals die selbe Jahreszeit, und ich erinnere mich noch ganz genau des Weihnachtsabends 1889, den ich einsam mit der Mutter in Frankfurt feierte, während die übrige Gesellschaft in Gelnhausen war. Die größte Unbehaglichkeit und die meiste Sorge haben bei dieser Sache die Eltern, und deshalb richte ich auch meine Teilnahme weniger an Ully, als an Euch. Hoffentlich könnt Ihr doch schon beruhigt Weihnachten feiern, und ich bin sicher, daß Ully das Fernsein nicht allzu tragisch nehmen wird.. Wir bitten gar nicht um weitere Nachricht, da wir durch Mutter Näheres hören und Du jetzt wirklich alle Hände voll hast.

Wir sind bisher leidlich über den Winter gekommen, und ich hoffe nur, daß es so weiter geht. Hellmut entwickelt sich endlich regelmäßig und kräftig und wenn er auch einmal zahnt oder niest, so ist das doch nicht mehr so tragisch zu nehmen als in den ersten Monaten, in denen er halt gar nicht vorwärts gehen wollte. Auch den Großen geht es, von einzelnen Schnupfen abgesehen, recht gut. Nur Hedwig und ich haben gelegentlich an unseren alten Leiden zu laborieren, aber das Bonner Milieu gefällt uns so gut, daß wir uns hier damit leichter abfinden, als in Hamburg. Nach dem Gang der Ereignisse dort bin ich nur froh, den Bonner Ruf angenommen zu haben. Es ist wirklich sehr schön hier. Während ich dies schreibe, liegt an dem ersten frostigen Wintertage das ganze Rheintal in hellem Sonnenglanze offen vor mir, und man kann hier leichter ein besserer Mensch sein, als in dem Nebelheim an der Elbmündung.

Wir wollen Weihnachten hier in aller Ruhe verleben. Den projektierten Besuch in Augsburg gaben wir auf und auch die Eltern den ihrigen in Bonn. Was nun aus der Taufe wird, wissen wir noch nicht recht. Wir werden sie wohl bald einmal in der Stille halten, Euch aber jeden-falls vorher benachrichtigen. Unser eigentlicher Plan war es, die Taufe zwischen den Jahren zu halten und Euch dazu von Gelnhausen herüber zu bitten. Nun ist aber Alles anders geworden, und wir können uns noch nicht recht zu einer Fixierung entschließen. Dafür haben wir aber schon einen Prediger; es wird Ferdi interessieren, daß Professor Sell mir versprochen hat, Hellmut zu taufen.

Gleich nach Neujahr reise ich über Gelnhausen nach Berlin und Hamburg, wo ich noch einen Kursus zu halten habe. Ich würde Euch gern auf der Rückreise gern ein paar Stunden besuchen, weiß aber noch nicht, ob sich das mit meinen Zeitdispositionen vereinigen läßt.

Für heute herzliche Weihnachtsgrüße und freundliche Wünsche vom ganzen Haus. (CHB)

 

9. C.H.B. an Else Becker. O.O (Bonn), 16.2.1914

(Maschinendurchschlag)

Liebe Else,

wir haben es ja allerdings befürchtet, daß wir auf Euch bei der Taufe verzichten müßten, aber es tat uns doch wieder von neuem herzlich leid, daß es sich so ungeschickt fügt. Es ist nun tatsächlich so gekommen, daß alle näheren Verwandten abgeschrieben haben, ja, daß nicht einmal die Paten anwesend sein werden. Auch Emma kann gerade in diesen Tagen nicht. So haben wir uns denn Schreuers und ein anderes befreundetes Paar eingeladen, damit die Taufe wenigstens einigermaßen einen festlichen Charakter bekommt. Es ist eben ein Fehler, wenn man so etwas hinausschiebt, aber wenn wir länger gewartet hätten, hätte der Helli ja schließ-lich selber Ja sagen können.

Um so erfreulicher waren uns dagegen die Nachrichten, die Du uns über Ullys Befinden schickst. Hoffentlich hält die Genesung jetzt stand und gewinnt sie bald ihre alte Frische wieder. Ihre Zunahme ist ja geradezu erstaunlich.

Hedwig hörte mit einem gewissen Neid, wie glänzend Deine häusliche Maschine läuft; das läßt sich von der unsrigen einstweilen noch nicht sagen. Hoffentlich gelingt es Hedwig, während meiner Ferienabwesenheit die Sache in Gang zu bringen.

Wenn Ferdi unserem Jungen etwas schenken will, so bitten wir darum, von einem Besteck, das die Gegenpatin bereits übernommen hat, und von einem Becher abzusehen, da Hedwig aus hygienischen Gründen gegen silberne Becher ist. Sonst ist uns jede Gabe herzlich will-kommen.

Mit guten Grüßen von Haus zu Haus Dein getreuer Schwager (CHB).


Harry meldet sich als Kriegsfreiwilliger


10. C.H.B. an Else Becker. O.O. (Bonn), 7.7.1915

(Maschinendurchschlag)

Liebe Else,

einliegend sende ich Dir Harrys Schlüssel. Er hat mir beide geschickt, da er nicht wußte, welcher zu seinem Koffer paßt. Der Koffer ist als Frachtgut, das Rad als Eilgut und ein Paket mit Hüten per Post nach Osterholz abgegangen. Der Radschlüssel folgt in den nächsten Tagen, wenn das Rad abgeholt ist. Ich habe die Expedition durch die Vermieterin besorgen lassen, nachdem unser Fräulein Hertha unter meiner Aufsicht die Sachen gepackt hatte. Dann habe ich mit Harrys Wirtin abgerechnet und ihr noch 23,10 Mark aufgrund einliegender komplizierter Rechnung ausgezahlt. Da ich Harrys Brief zu spät bekam, konnte ich erst am 2. Juli kündigen; ich mußte also, wie Harry ja auch schon angenommen hatte, den ganzen Juli bezahlen, abzüglich des Frühstücks. Eine Differenz bestand nur, ob die für die Bedienung zu zahlenden 3 Mark abgezogen werden müßten. Ich hätte es mit einigem Nachdruck wohl erreichen können, habe dann aber den pekuniär schwer bedrängten Weibern die 3 Mark gelassen, da sie so schrecklich jammerten, und habe ihnen dafür die Mühe aufgehalst, die Fracht- und Eilgutsachen zu expedieren.. Die eigentlichen Frachtspesen werden dann von Euch erhoben. So weit das Geschäftliche!

Und nun muß ich Euch doch beglückwünschen, daß die ärztliche Untersuchung Harry für dienstfähig erklärt hat. Sein Kommilitone Klebe ist als zu zart zurückgestellt worden, was Harry interessieren wird. Auch sonst scheint man mit den Jungen ziemlich mild umge-sprungen zu sein. Harry hat sich während des Semesters, namentlich durch sein Tennis-spielen, ja so gekräftigt, daß er nun wohl auch die Strapazen einer kavalleristischen Aus-bildung vertragen wird. Ob er noch herauskommt1, ist dann eine andere Frage, und bei der Kavallerie hat er es immer noch am besten. Er selbst schien wenig Lust zum Militär zu haben; aber ich konnte ihm das sehr gut nachfühlen, denn ich weiß von mir selbst, was es bedeutet, wenn man sich sein Leben lang – bei Harry sind es ja allerdings erst 1-2 Jahre – alle starken körperlichen Leistungen und Extravaganzen mit Rücksicht auf seine Gesundheit versagen muß. Man findet sich dann schließlich mit einem Kompromiß der Schwäche zurecht, und es ist schwer, dann plötzlich die körperliche Betätigung wieder als Freude empfinden zu sollen, die man sich jahrelang, da man sie nicht genießen konnte, als nebensächlich oder gar schäd-lich eingeredet hatte. Hoffentlich hält Harry seine neue Tätigkeit aus, und dann wird er Euch wohl als gekräftigter, gesunder Menschzurückkehren.

Wir haben ihn hier in den Wochen dieses Sommers wirklich herzlich lieb gewonnen, und wir sehen ihn mit Bedauern scheiden. Ich habe mich ja anfänglich etwas mit seiner mir fremd-artigen Natur herumgequält; im Laufe der Zeit habe ich ihn dann immer besser verstanden, und es gibt viele Wege zur männlichen Selbständigkeit: es muß jeder den gehen, den ihn seine Natur und sein elterliches Erbe vorschreiben. Jedenfalls haben sich zwischen Harry und uns in dieser nur allzu kurzen Zeit Beziehungen geknüpft, von denen ich hoffe, daß sie fürs Leben halten werden, und ich merke immer mehr, wie notwendig, schon Neffen und Nichten gegen-

über, persönliche Beziehungen sind, da die Verwandten allein bei mangelndem Verkehr schon in diesem Grade der Entfernung keine feste Basis mehr abgibt.2 Wenn ich Euch in Zukunft in Bezug auf Harry irgendwie nützen kann, so wendet Euch bitte an mich; ich tue es nicht nur um Euretwillen, sondern auch um des Jungen willen, der uns jederzeit willkommen sein soll.

Hedwig (unleserlich) ist noch immer nicht aus Frankreich zurückgekehrt. Offenbar ist in der Ersten Armee z.Z. nicht viel zu tun , und liegt der Zug dauernd in Marchienne bei Charleroi, von wo sie neulich einen Urlaubsausflug nach St. Quentin gemacht hat um ihren Bruder zu sprechen. Man scheint dort jetzt wieder bequem zu reisen, und sie hatte auf der fahrt nach St. Quentin die Möglichkeit, ganz behaglich im Speisewagen ihren Tee zu nehmen. Natürlich sieht und hört man viel, wenn auch ihre Tätigkeit z.Zt. nur beschränkt ist; sie verbindet verletzte Bahnarbeiter und wartet im übrigen, daß der Zug abgerufen wird. Gestern kam plötzlich ein Telegramm, daß der Zug frühestens diesen Samstag laden werde, ob Schwester Hedwig deshalb vorher zurückkommen solle. Die Normalzeit für die Abwesenheit von Bonn beträgt sonst 8 Tage; diesmal werden es wohl fast drei Wochen werden. Aber nachdem sie alles Interessante davon gehabt hat, soll sie nun auch die Arbeit tun, die sich auf die Rückfahrt beschränkt. Wir kommen hier ganz gut auch so aus. Bisher geht es unberufen allen drei Kindern gut, mir selbst leider nicht ganz so prima, da mein Zustand sich seit dem vorigen Juli nicht verändert hat,, aber nun endlich einmal etwas geschehen muß, da der Krieg so lange dauert, daß ich ihn nicht erst vorübergehen lassen kann, wie ich anfänglich dachte. Natürlich wird dabei auch das Militär noch mitzureden haben: eine zweite Musterung steht mir noch bevor.

Mit herzlichen Grüßen von mir und den Kindern an Euch alle Dein getreuer Schwager (CHB)

 

11. C.H.B. an Else Becker. O.O. (Bonn), 20.4.1916

(Maschinenkopie)

Liebe Else!

Freundlichen Dank für Deine Karte. Hedwig käme gern mit, aber es ist z.Zt. ziemlich aus-geschlossen, da sie von ihrer Pflege stark in Anspruch genommen wird und außerdem noch Fräuleinwechsel hat. Ich selbst komme von Hamburg wahrscheinlich um 5 Uhr11 und kann bis Sonnabend 3 Uhr 20 bleiben. Dr. Wilckens läßt Ferdi freundlichst einladen an der Veran-staltung in Hillmanns Hotel teilzunehmen und eventuell auch vorher schon in seinem Hause mit Tee zu trinken.

Deinen ergiebigen Brief und Harrys hübsche Berichte habe ich noch in Gelnhausen mit-genießen können. Wie gut ist es mit dem Streifschuß abgelaufen! Wir habe alle herzlichen Anteil genommen. Du hast doch gewiß einen rechten Schreck davon gehabt.

Den Sonntag kann ich übrigens leider nicht mehr bei Euch bleiben, da ich Montag mit den Vorlesungen beginne und deshalb über Sonntag zurückreise. Dafür hoffe ich Euch mancherlei erzählen zu können, da ich über Ostern in Berlin und danach in Hamburg sein werde. (CHB)

 

12. Ernst von Blumenstein an seinen Onkel C. H. Becker. Duisburg, 18.7.19283

(Maschinenmanuskript)

Sr. Exzellenz dem Preuß(ischen) Kultusminister

Mit der ergebenen Bitte übersandt, beiliegenden, von Herrn Adolf Knab in einem Strandkorbe des Nordseebades Duhnen gefundenen Artikel freundlichst zur Kenntnis nehmen zu wollen.

Unterzeichneter beehrt sich den Antrag zu stellen, besagten hochwohllöblichen halbbrüderlichen Landrat wegen treurepublikanischer Gesinnung für die nächsthöhere Gehaltsklasse vorzumerken.

Mit freundlichen Grüßen

Ernst von Blumenstein


 

Hier folgt der Text des Zeitungsartikels:

Der Herr Landrat

Es begab sich, daß der Kreiskriegerverband in Osterholz-Scharmbeck sein Sommerfest, verbunden mit der Fahnenweihe des Kriegervereins Scharmbeck, feierte. Um dem Feste die richtige, also amtliche Weihe zu geben, hielt der Kreisverband es für nötig, den Herrn Landrat zu dem Feste einzuladen. Der Herr Landrat war zwar früher des öfteren an der Spitze des Kriegervereins marschiert, aber das war vor der Revolution. Revolution und die Tatsache, daß der Landrat ein Halbbruder des preußischen Kultusministers Dr. Becker ist, verpflichten. Und so hat sich denn der Herr Landrat seit der Revolution so benommen, daß wohl die Republik mit ihm zufrieden sein kann, nicht aber die alten Soldaten, die in ihrem Verein die Erinnerungen an die Armee und Marine des deutschen Kaiserreiches aufrecht erhalten wollen.

Als der Herr Landrat am Eingang des Festplatzes eintraf, begab sich der erste Zwischenfall. Von den beiden Fahnen, die schwarz-weiß-rot und schwarz-rot-gold4 am Eingang flatterten und die genau gleich groß waren, war während der Nacht die eine Fahne gestohlen worden. Nicht die schwarz-rot-goldene! O bewahre! In Osterholz-Scharmbeck weiß man, was sich gehört. Sondern die schwarz-weiß-rote. Nun mußte Ersatz beschafft werden, und die schwarz-weiß-rote Ersatzfahne war länger und breiter als die schwarz-rot-goldene und hing, da es nun einmal keine Reichsbannerparade, sondern eine Kriegervereinsfeier war, am Hauptflaggenmast.

Dem flaggentechnisch geschulten Auge des hohen Herrn entging das natürlich nicht. Er sprach mißbilligende Worte. Und die erhebende Feier begann damit, daß die große schwarz-weiß-rote Fahne an den kleinen Mast und die kleinere schwarz-rot-goldene Fahne an den großen Mast gehängt wurde.

Aus den Mienen aller Festteilnehmer strahlte glückselige Ergriffenheit, als der Herr Landrat nunmehr an dem großen Mast mit der kleinen Fahne und dem kleinen Mast mit der großen Fahne seinen Einzug hielt.

Weit kam er auf seinem Triumphzug nicht. Nur bis in den Festsaal hinein. Dort hingen am Eingange zwei ganz gleich große Fahnen, die eine schwarz-weiß-rot, die andere schwarz-rot-gold. Aber – und das wurde den alten Kriegern, die sich unbändig über den Besuch des Landrats freuten, zum Verhängnis – hinter beiden Fahnen hing eine schwarz-weiß-rote Fahne. Und die war größer als die beiden anderen. Kaum hatte der landrätliche Mund sich gespitzt, um diesen neuen Verstoß gegen das neudeutsche Vereins- und Hofzeremoniell in wohl-gesetzten Worten zu rügen, da fiel der landrätliche Blick auf die den Saal schmückenden Girlanden. Sie waren nur mit schwarz-weiß-roten Fähnchen geschmückt. Das war zuviel. Und mit dem Gegenteil von Sonne im Herzen zog sich der Herr Landrat zurück und war sehr bald den Blicken der Festteilnehmer entschwunden. Die alten Krieger grinsten, diesmal aber war es wirklich vor Freude, nur der Vorstand, der’s trotz der schönen schwarz-rot-goldenen Fahnen nicht recht gemacht hatte, machte ein etwas bekniffenes Gesicht.

Schadet ihm nichts, warum lud er denselben Landrat ein, der einen Oberlandjäger zur Rede stellte, der am Volkstrauertage an dem Gottesdienste des Kriegervereins teilgenommen hatte und hinter der schwarz-weiß-roten Vereinsfahne, die dreimal so alt ist wie die Republik, mit zur Kranzniederlegung marschiert war. Der Oberlandjäger ist daraufhin – dem Stirnrunzeln seines hohen Vorgesetzten gehorchend – aus dem Kriegerverein ausgetreten, den Herrn Landrat lud man ein.

Vielleicht begreifen die, die es angeht, es endlich, daß man damit bei niemandem Eindruck erweckt, wenn man eine schwarz-weiß-rote Angelegenheit mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen dekoriert. Festesfreude setzt Gesinnungsgemeinschaft voraus, und die Sozialdemokraten haben ihre Maifeiern in der früheren Zeit ja wohl auch nicht in der Weise gefeiert, daß sie links rot und rechts schwarz-weiß-rot flaggten, um den Herrn königlichen Landrat zur geneigten Mitwirkung zu veranlassen.

Entweder ist man schwarz-weiß-rot und Gegner dieser Republik und der von ihr okkupierten Flagge. Oder man ist schwarz-rot-goldener Republikaner. Ist man beides nicht, so hat man nicht das Recht, eine dieser beiden Flaggen zu hissen. Dann soll man sich mit der neutralen weißen Flagge begnügen, die man, um die Gesinnungsgenossen in Scharen anzulocken, mit der Inschrift versehen kann: „Heute frische Wurst!“

F.C.Holtz


13. Hochzeitsanzeige von Ernst von Blumenstein jr. Duisburg, 26.8.1930

Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen

Ernst von Blumenstein und Marianne von Blumenstein geb. Weiland

Duisburg, 26. August 1930 Düsseldorfer Straße Nr.88

 

14. C.H.Becker an Ernst von Blumenstein jr. Duisburg-Huckingen, 25.8.1931

(Maschinenmanuskript)

Mein lieber Ernst,

nach langem Schweigen wenigstens eine erfreuliche Nachricht von Dir. Ich beglückwünsche Dich und Deine Frau von ganzem Herzen zu dem strammen Jungen. Möge er die Tradition der Blumensteins aufrechterhalten, denn auf ihm steht ja jetzt ein ganzes Geschlecht. Deshalb freue ich mich, daß es ein Junge ist. Möchten ihm in späteren Jahren noch weitere folgen, da-mit diese erfreuliche Familie nicht auf zwei Augen gestellt ist, sondern als ein Wohlgefallen vor Gott und den Menschen sich ständig vermehre. Ich mußte im ersten Augenblick denken, wie Dein Vater sich gefreut haben würde, wenn er diesen Tag erlebt hätte. Also alles Gute für Mutter und Kind und den Vater, der ja auch seinen Anteil daran hat.

Von uns kann ich nur Gutes berichten. Ich bin im Begriff nach China zu fahren, und zwar werde ich noch diesen Sonnabend auf der Bremen Bremerhaven verlassen, um mit einer Kommission des Völkerbundes über Amerika und den Stillen Ozean nach Japan und China zu gehen. Wir sollen das Schulwesen Chinas 2 bis 3 Monate studieren. Dann kehre ich über Vorderasien zurück. Auch in China werde ich natürlich Deines Vaters gedenken.

Walter hat neulich magna cum laude seinen Doktor gemacht und ist weiterhin Referendar. Hertha ist Operationsschwester im Krankenhaus und sehr glücklich in ihrem Beruf. Hellmut, der sein erstes Semester in Freiburg hinter sich hat, ist zur Zeit in England, wohin auch Hertha sich für ihre Ferien rüstet. Meine Frau war den Sommer über als Krankenschwester im Konzern der Salemer Schulen am Bodensee und wird dort voraussichtlich auch während meiner langen Abwesenheit sich betätigen, da es für sie unerträglich wäre, allein in unserem großen Hause zu sitzen. In herzlicher Mitfreude grüßen wir Dich, Deine Frau und Deinen Sohn.

Dein alter Onkel (Carl)


1 Man sieht, wie euphorisch die Stimmung noch 1915 war. Die Kavallerie spielte im 1. Weltkrieg keine Rolle mehr im Kampf gegen Artillerie und Maschinengewehre, von Gas gar nicht zu reden! BB

2 Hervorhebung vom Herausgeber.

3 Rep. 92 Becker B. 6492 Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz

4 Hervorhebung vom Herausgeber.

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